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Gruß Der Poltergeist

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Seine Augen huschten im Raum hin und her, aber außer einem hölzernen Tisch und den in der Wand eingelassenen Ketten, an denen Tom zuvor gefesselt war, schien die Zelle leer; kein Fenster, nicht einmal ein Spalt unter der Tür. Nur das flackernde Licht der Immerlichtkerzen an der Wand – wahrscheinlich wollte Nathanael, dass er auch genau sah, was er Tom früher oder später antun würde – erfüllte den gemauerten Kellerraum, warf groteske Schatten auf die grob behauenen Steinquader in der Wand. Nur flüchtig sah er zu Tom hinüber, der zusammengekauert unter den Ketten saß, eine Hand vorsichtig über der stark geröteten und geschwollenen Brandwunde an seinem Hals. Er konnte den Anblick einfach nicht ertragen.

Resolut stand Akkarin auf. Sein Körper zitterte zwar immer noch und es tat ihm alles weh, aber er biss die Zähne zusammen und ging zum Tisch. Mit einiger Mühe warf der Vampir den Tisch um und mit einem gezielten Tritt brach er eines der Tischbeine ab. Er keuchte vor Anstrengung, als er sich neben Tom an die Wand setzte, das Tischbein in den Händen. Akkarin drehte das Holz in seinen Händen, unfähig, Tom anzusehen.

„Tom?"

Der Junge antwortete mit einem schwachen „Ja?".

„Es tut mir leid. Ohne mich wärst du nicht in das Ganze mit hineingerutscht."

„Schon gut, ich hab´s mir selbst ausgesucht. Wir kommen hier schon raus."

Der Vampir lachte freudlos, seine Hand umschloss das glatte Holz fester.

„Du verstehst schon, in welcher Situation wir uns befinden, oder?"

Die Antwort kam zögerlich.

„Nicht genau, ehrlich gesagt."

Akkarin senkte den Blick und sammelte seine Gedanken, bevor er antwortete, die Stimme monoton:

„Ich habe die letzte Bluttablette heute Morgen genommen und bald wird die Wirkung nachlassen. Es ist keine Option, dass ich dein Blut jetzt kontrolliert trinke, da meine Magie durch diese verdammten Magiekugeln erschöpft ist. Ich könnte mein vampirisches Wesen nicht mehr ausreichend unter Kontrolle halten und würde dich wahrscheinlich auf der Stelle umbringen."

Akkarin ließ die Worte ein paar Minuten einsinken und als Tom nur mit Schweigen reagierte, fuhr er fort.

„Ich werde mehr und mehr die Kontrolle über mich selbst verlieren und ab einem bestimmten Punkt nicht mehr widerstehen können. Und dann heißt es, ganz einfach gesagt, du oder ich."

Er hielt dem Jungen das hölzerne Tischbein hin; die Seite mit der Standfläche glatt poliert, die andere, dort wo das Bein abgebrochen wurde, scharf gezackt. Tom machte keine Anstalten, das Stück Holz zu nehmen. Akkarin sah zu ihm auf, das ihm so bekannte Profil des Anderen zeichnete sich im Kerzenschein ab.

„Tom, bitte!"

Tom bewegte sich schneller, als Akkarin es für möglich gehalten hätte in seinem Zustand. Er schlug das Holz zur Seite, es klapperte über den Boden - blaue Augen blitzten wütend.

„Du kannst doch nicht von mir erwarten, dass ich dich damit …?!"

Akkarin hob den improvisierten Pflock wieder auf und drehte ihn in seinen Händen. Er atmete tief durch.

„Die Alternative ist, dass ich dich töte und ich dafür dann entweder hingerichtet werde oder nach Azkaban gesteckt werde. Wobei ich eine Hinrichtung vorziehen würde, dann müsste ich nicht mit der Schuld leben, einen Freund umgebracht zu haben. Die Sanktionen gegen einen Vampir, der einen Menschen anfällt und tötet, sind streng; sogar in einer solchen Situation wie dieser werde ich keine Milde erfahren.

Dir wiederrum wird nichts passieren, wenn du Gebrauch davon machst. Sie werden es als Notwehr bezeichnen und das ist es ja auch."

Er hielt Tom das Stück Holz abermals hin. Dieser nahm es zögerlich und legte es sofort in größtmöglichen Abstand neben sich auf den Boden. Tom sah zu Akkarin auf, der nun vor ihm kniete.

„Vielleicht haben wir ja Glück und sie finden uns bald?"

Akkarin schüttelte den Kopf traurig. Sie wussten beide, dass es erst beim Abendessen auffallen würde, dass sie nicht mehr da sind. Und Sebastian und die anderen würden keine Anhaltspunkte haben, wo und wann sie verschwunden waren und dank ihrer beider magischen Erschöpfung würde auch ihre magische Signatur so gut wie nicht existent sein; außerdem wurde sie von Yvis Zaubern beinahe komplett geblockt. Sebastian hatte keine Chance, sie schnell zu finden. Er könnte wahrscheinlich direkt vor der Tür stehen und hätte keine Ahnung, wer sich dahinter befand.

Der Vampir zog sein T-Shirt hoch, entblößte seinen Oberkörper; auf der blassen Haut glänzten die Narben des „Sectum Sempra" -Fluches silbrig im Licht. Mit zwei Fingern tippte er sich auf die Brust.

„Hier musst du ansetzen. Weit ausholen und… du weißt schon."

Tom sah ihn ungläubig an.

„Nur für den Notfall. Mehr als einen Versuch wirst du nicht haben, denk daran."

Der Junge nickte nur und folgte dem Vampir mit seinem Blick, als sich dieser, nun mit deutlich größerem Abstand, wieder an die Wand setzte. Die darauffolgende Stille war für Akkarin beinahe unerträglich; seine Sinne wurden mit dem Abklingen der Tabletten immer schärfer und er konnte jetzt schon deutlich das Pochen von Toms Blut hören, was das Kratzen in seinem Hals nur verstärkte. Er legte die Hände über das Gesicht; er musste sich irgendwie ablenken.

„Lass mich dir erzählen, warum Nathanael speziell meine Familie so sehr hasst."

Tom blickte ihn überrascht an, er hat offensichtlich nicht damit gerechnet, dass Akkarin unaufgefordert von sich selbst erzählte. Normalerweise war der junge Vampir eher verschlossen, sobald es um private Dinge ging. Akkarin bemerkte Toms Verwirrung, es war leicht an seinem Gesicht abzulesen.

„Ich finde, du solltest wenigstens erfahren, was es mit dem Bruder dieses Bastards auf sich hat, wenn du schon dafür herhalten musstest. Ich werde dir erzählen, wie es dazu kam, dass wir aufeinander trafen und wie er gestorben ist. Aber ich muss dich warnen, das wird eine längere Geschichte."

Tom richtete sich ein wenig gerader auf, sichtlich interessiert an der Geschichte. Es war ja nicht so, dass er gerade was anderes zu tun hätte. Akkarin lehnte den Kopf an die Wand, die Augen an die Decke gerichtet.

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Flashback

„Mein Lord, seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?"

„Sebastian, ich wüsste nicht, dass es dir zusteht, meine Entscheidungen in Frage zu stellen!"

Der stechende Blick des Mannes ließ den Angesprochenen auf ein Knie fallen und den Blick senken. Der Vampirlord stand vor dem Fenster, stolz und furchteinflößend. Die Selbstsicherheit und das Charisma, die er ausstrahlte, ließen ihn im Kontrast zum Dämmerlicht, das hinter ihm durch das Fenster fiel, strahlen. Nefarian Abraxas Cross hatte den Titel eines Lords nicht nur geerbt, er war dazu geboren worden.

Das dunkelblonde Haar war säuberlich zurückgekämmt, außer ein paar unbezwingbaren Strähnen, die ihm bis über die dunkel-violetten Augen fielen. Die breiten Schultern verstärkten den Eindruck absoluter Macht, genauso wie die ernsten und doch fein geschnittenen Gesichtszüge. Aber Akkarin wusste, dass dieser Mann, sein Vater, genauso herzlich lachen wie rasend wütend sein konnte.

„Nein, mein Lord, natürlich nicht. Bitte verzeiht."

Die Atmosphäre hatte sich in binnen weniger Sekunden komplett verändert. So war es zuerst ein gemütliches Zusammensitzen nach dem Abendessen und jetzt liefen Akkarin Schauer über den Rücken. Auch Sebastian schien sich nicht sehr wohl zu fühlen und Akkarin konnte deutlich erkennen, dass sich ihm die Nackenhaare sträubten. Der junge Vampir wusste zwar genau, dass das plötzliche Aufbrausen seines Vaters nichts mit ihm zu tun hatte, aber er wurde dennoch unruhig und musste gegen den Zwang ankämpfen, sich neben Sebastian zu knien und seinem Vater den ihm gebührenden Respekt zu zeigen. Der Autorität seines Vaters konnte keiner so leicht widerstehen. Aber er wusste auch, dass gerade sein Vater von ihm erwartete, Gesicht zu wahren und der junge Lord zu sein, der er eben war – auch wenn er gerade mal sieben Jahre alt war.

„Der Junge wird morgen mitkommen, er muss sehen, für was wir kämpfen. Er muss wissen, welches Erbe er eines Tages antritt!"

Akkarin ließ den Kopf hängen. Er wollte nicht wirklich mit zum nächsten Angriff, aber er hatte das alles selbst herauf beschworen.

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Er wusste vom ersten Tag an, dass es Ärger geben würde, wenn sein Vater erfuhr, dass er nachmittags aus dem Anwesen entwischte und mit den Kindern aus dem Dorf spielte. Sie waren allesamt Muggel und dachten sich nichts dabei, dass er rote Augen hatte und bleiche Haut. Dazu zählte er zu den jüngeren Kindern der Gruppe und so fiel es auch nicht auf, dass er ein wenig stärker als der durchschnittliche Siebenjährige war, da die meisten ja sowieso stärker waren, als er. Für sie war er einfach der Sohn der reichen Familie, die zurückgezogen in dem Anwesen auf dem Hügel wohnte.

Also schlich er beinahe jeden Nachmittag aus dem Haus und hinunter ins Dorf um zu spielen. Er konnte ja nicht wissen, dass an diesem einen Nachmittag ein Exorzist im Dorf Halt gemacht hatte, um den Gerüchten von hier ansässigen Vampiren nachzugehen. Unnötig zu sagen, dass er Akkarin sofort als das erkannte, was er war.

Die Dämmerung setzte ein und es wurde Zeit für den jungen Vampir, zum Anwesen zurückzukehren. Er verabschiedete sich von seinen Freunden und leise summend ging er einen schmalen, versteckten Trampelpfad hoch zu seinem Zuhause, die fast lautlosen Schritte hörte er nicht. Erst als sich eine Hand über seinen Mund legte, bemerkte er die fremde Person. Der Mann richtete seinen Zauberstab auf ihn und schwarze Fesseln schossen daraus hervor und banden in an Ort und Stelle und der Mann nahm die Hand aus seinem Gesicht. Akkarin war viel zu geschockt, als dass er geschrien hätte. Mit großen Augen sah er den Fremden an. Er trug eine weite, graue Robe mit zurückgeschlagener Kapuze. Der Kopf war kahl geschoren und die blanke Haut mit Tattoos überzogen, sein Gesicht war von Narben zerfurcht und von der Sonne gegerbt. Der Mann zeigte ihm ein kaltes Lächeln und entblößte dabei zwei Reihen weißer, spitzer Zähne, offensichtlich selbst angespitzt. Als der Mann sprach, jagte es ihm den kalten Schweiß über den Körper - vollkommen gefühlskalt.

„Das muss mein Glückstag sein. Läuft mir doch glatt einer dieser unheiligen Brut über den Weg!"

Akkarin wand sich in seinen Fesseln, erfolglos.

„Kein Grund, Angst zu haben. Wenn du brav bist, mach ichs kurz. Versprochen!"

Die Angst nahm dem jungen Vampir die Sprache. Er hatte schon die wildesten Horrorgeschichten gehört, was die „heiligen" Männer mit Vampiren anstellten, wenn sie sie in die Finger bekamen. Er versuchte, die Gedanken zu verdrängen.

Panik stieg in ihm auf, als der Mann ihn am Kiefer packte und ihn grob zu sich ran zog.

„Wo ist eure Brutstätte, Bastard?"

Akkarin schüttelte trotzig den Kopf. Unter keinen Umständen würde er dem Mann etwas verraten. Dieser akzeptierte das Schweigen nicht und verpasste ihm mit der Rückhand einen heftigen Schlag ins Gesicht, bevor er ihn abermals hochzog.

„Noch einmal, wo ist der Rest von euch Bastarden?"

Akkarin konnte es in seinen Augen sehen – dieser Mann kannte kein Erbarmen. Selbst wenn er ihm alles verraten würde, würde er hier nur seinen Tod finden. Und das würde trotz des Versprechens kein schneller sein. Er kannte diese Menschen aus dem Verlies seines Vaters, sie hatten kein Mitleid mit Vampiren. Also tat er das Einzige, zu was er imstande war – er spuckte dem Mann ins Gesicht und rief:

„Einen Scheiß werd ich dir verraten!"

Einen Moment war er stolz auf sich selbst, besonders auf das Schimpfwort, das er erst neulich aufgeschnappt hatte. Aber der Moment wurde jäh beendet, als er gewaltsam auf den Boden geworfen wurde. Der Mann zog ein Messer aus seiner Kutte, beugte sich über den Vampir; seine schwarzen Augen sprühten förmlich vor Wut.

„Ich werde sie auch so finden, du kleiner…"

Weiter kam er nicht, ein schwarzer Schatten krachte in den Mann und sie rollten kämpfend ein Stück den Hügel hinunter. Mehr sah Akkarin nicht, denn ein zweiter Schatten landete neben ihm, hob ihn hoch und brachte ihn in Windeseile Richtung Anwesen. Er wusste schon, wer die Gestalt war, bevor er ihr Gesicht sah; das war eindeutig Sebastians Geruch. Erleichtert verbarg er sein Gesicht in dessen Robe.

Als er das nächste Mal aufsah, blickte er direkt in das strenge, wütende Gesicht seines Vaters. Sebastian setzte ihn ab und kniete sich schräg hinter ihm hin.

„Wir haben ihn gefunden. Es war tatsächlich der Mann, der Lord Benorov und seine Familie hingerichtet hat. Viktor bringt ihn ins Verlies, sobald er ihn außer Gefecht gesetzt hat. Es sollte keine Probleme geben."

Lord Cross nickte dem Vampir zu, ohne auch nur einmal die Augen von seinem Sohn zu nehmen. Akkarin zitterte unter dem strengen Blick. Er wollte gerade beginnen, sich zu entschuldigen, als sein Vater mit scharfer Stimme zu Sebastian sagte:

„Bring ihn auf sein Zimmer oder ich bring ihn noch um. Ich werde mich später um ihn kümmern!"

Sebastian stand auf und verbeugte sich.

„Ja, mein Lord."

Er legte Akkarin die Hand auf die Schulter, führte ihn hinaus und hoch zu seinem Zimmer.

„Junge, was hast du dir dabei gedacht? Weißt du eigentlich, wie wütend dein Vater ist? Was für Sorgen er sich gemacht hat?"

Akkarin konnte nur schwer glauben, dass sich sein Vater Sorgen gemacht hatte – zumindest hatte er es eben nicht gezeigt.

„Hast du überhaupt die leiseste Ahnung, in welche Gefahr du dich begeben hast? Dieser Mann ist eine Bestie. Du hattest Glück, normalerweise tötet er zuerst und fragt danach."

Der Junge schauderte nochmals.

„Es tut mir leid. Ich wollte doch nur…"

Er wurde von einem Hauself unterbrochen, der mit einem Knall erschien.

„Master Sebastian, Master Nefarian möchte euch sprechen."

Damit verschwand er wieder. Sebastian stand vom Bett auf, auf das er sich mit dem Jungen gesetzt hatte und seufzte.

„Kopf hoch. Es wird schon nicht so schlimm."

Und dann ließ er den jungen Vampir alleine zurück in seinem Elend und der Junge saß auch noch genauso auf dem Bett, als sein Vater später das Zimmer betrat.

Wortlos setzte sich dieser auf den Stuhl vorm Kamin und bedeutete Akkarin, zu ihm zu kommen. Dieser wusste schon, was nun kommen würde und ging resigniert zu seinem Vater. Es kostete ihn einige Überwindung, in die schwarz-violetten Augen zu blicken. Der Blick des Älteren zuckte nur kurz hinunter zu seinen eigenen Knien, bevor sie Akkarin wieder fixierten. Der Junge ergab sich seinem Schicksal und beugte sich gehorsam über die Knie seines Vaters.

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Es war nicht das erste Mal, dass sein Vater ihm den Hintern versohlt hatte, aber definitiv war es dieses Mal mit Abstand das schmerzhafteste. Dennoch biss der Junge die Zähne zusammen und erst als sein Vater ihn aufrichtete und zu sich auf den Schoß zog, flossen die Tränen ungehindert. Der Mann strich ihm über den Kopf, flüsterte ihm ins Ohr:

„Weißt du eigentlich, was für Sorgen ich mir um dich gemacht habe, mein Junge? Kannst du dir vorstellen, wie es mir ging, als ich erfahren habe, dass du im Dorf bist zusammen mit diesem Exorzisten? Ich dachte schon, ich würde dich nicht lebendig wiedersehen."

Akkarin konnte nicht wissen, dass gerade dieser Mann wenige Wochen zuvor einen befreundeten Clan bestialisch ausgelöscht hatte und nun auf der Suche nach weiteren Opfern war.

„Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn dir etwas Ernsthaftes zugestoßen wäre. Ich habe deiner Mutter doch versprochen, dich zu beschützen, komme was wolle…"

Die Stimme seines Vaters brach und er verstärkte den Griff um seinen Sohn. Akkarin fühlte sich plötzlich unglaublich schuldig.

„Es tut mir so leid, Papa. Ich wollte dir keine Sorgen machen. Ich wollte doch nur…"

Nefarian nahm sich ein paar Minuten Zeit, bevor er antwortete:

„Ich glaube, es ist an der Zeit, dir zu zeigen, gegen wen und für was wir kämpfen, mein Junge."

Akkarin sah ihn verständnislos an.

„Du musst verstehen, in welcher Situation wir uns befinden und dann kannst du selbst entscheiden, ob du dich weiterhin wegschleichst und dich so leichtfertig in Gefahr begibst. Morgen werden wir einen Angriff auf ein Kloster starten, das sich in der Hand der van Helsings befindet; dort halten sie viele unserer Gefolgsleute gefangen und missbrauchen sie für ihre Experimente. Das kann ich nicht dulden und wir müssen dem ein Ende setzen. Du wirst uns morgen begleiten."

Der Junge nickte. Er hatte keine Angst, denn sein Vater würde ihn nur mitnehmen, wenn er sich tausendprozentig sicher war, dass ihm nichts passieren konnte. Dennoch beunruhigte ihn der Gedanke, den Krieg direkt mitzuerleben. Die Geschichten der Erwachsenen waren schon genug, ihm schlaflose Nächte zu bereiten.

Sein Vater hob ihn mit hoch, als er aufstand. Er trug ihn zu seinem Bett und steckte ihn unter die Decken. Mit einem Schnippen seiner Finger trug er seinen Pyjama.

„Und jetzt ruh dich ein wenig aus, du schläfst ja schon fast im Sitzen ein."

Jetzt, wo sein Vater es erwähnte, bemerkte auch er seine Müdigkeit und gähnte. Nefarian drückte ihm einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn.

„Schlaf gut, ich lasse dich zum Essen wecken."

Und noch bevor Nefarian das Zimmer verlassen hatte, war Akkarin schon eingeschlafen.

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Es war so weit. Die Gefolgsleute seines Vaters hatten sich im Hof des Anwesens versammelt; knapp 50 Vampire und Werwölfe. Akkarin stand, in schwarze Roben gehüllt, neben Sebastian, der die Aufgabe hatte, ihn heute Abend zu schützen. Sebastian war dafür die beste Wahl, da er, eher ungewöhnlich für Vampire, besonders in defensiven Zaubern sehr talentiert war; die meisten Vampire schafften es nicht einmal, einen einfachen Schildzauber zu beschwören.

Nefarian trat aus dem Schatten des Anwesens und die Versammelten verstummten sofort und sahen ihn erwartungsvoll an. Der Mann, ebenfalls komplett in schwarz gehüllt, räusperte sich.

„Es gibt nicht viel zu sagen. Jeder hat seine Aufgabe und Position und unser Ziel ist klar. Hat noch wer Fragen?"

Niemand regte sich. Die Taktikbesprechung heute Nachmittag war sehr ausführlich und jeder sollte Bescheid wissen.

„Dann los!"

Nefarian warf sich die Kapuze über und zog den Kragen hoch. Die Kleidung ließ nur einen schmalen Spalt für die Augen und diese blitzten gefährlich; alle taten es ihm gleich, auch Akkarin und Sebastian. Vier Zauberer zusammen apparierten die Gruppe zum Kloster, die Gefolgsleute schwärmten sofort aus und nur wenige Minuten später schritten Akkarin, Sebastian und Nefarian durch den riesigen Torbogen, dessen mächtige Tore, zu Splittern reduziert, im Areal verteilt lagen.

Dort hatte sich eine Gruppe Männer, in denselben grauen Roben wie der Mann am Tag zuvor, versammelt. Sie standen Rücken an Rücken, die Zauberstäbe zur Verteidigung bereit. Entschlossenheit stand in ihre Gesichter geschrieben - das würde ein harter Kampf werden, die gegnerische Gruppe war etwa 40 Mann stark.

Sebastian hatte gerade einen starken Schild um sie beide errichtet, da flogen schon die ersten Flüche und prallten an eben jenem Schild ab. Wie gebannt sah Akkarin seinem Vater beim Kämpfen zu, so hatte er ihn noch nie gesehen, wie der Teufel persönlich wütete er unter den Gegnern; nicht nur mit Magie, sondern auch mit Schlägen und Tritten. Schon gingen die ersten Grauroben zu Boden, während von ihren eigenen Leuten noch fast alle standen.

Dann aber zog einer der Gegner eine gleißende Kugel aus der Kutte und Panik brach aus. Stechendes Licht erfüllte den Innenhof des Klosters, als die Kugel auf einem ihrer Männer auftraf; der Schütze hatte genau den Augenschlitz der Robe getroffen.

Dort, wo der Vampir gestanden hatte, war nun nur noch ein etwa fünf Meter breiter Krater und die Umstehenden waren alle zu Boden gegangen und krümmten sich. Sogar sein Vater hielt einen Moment lang inne, um wieder Ordnung in die Truppe zu bringen.

„Formiert euch! Schützt euer Gesicht, dann können sie euch nichts anhaben!"

Nefarian konnte der Kugel nur knapp ausweichen, als sie auf ihn zuflog. Sie zischte an seinem Gesicht vorbei und schlug hinter ihm in der Wand ein. Akkarin erwartete wieder das grelle Licht, doch die Kugel prallte nur ab und fiel harmlos zu Boden. Der Junge starrte verdutzt die Kugel an.

„Diese Kugeln sind speziell dafür gemacht, uns Vampire zu töten. Sobald sie uns direkt berühren, entfalten sie ihre zerstörerische Kraft. Sie sind seit über 150 Jahren verboten, aber du siehst ja, das interessiert van Helsings Leute wenig. Bleib bloß hinter mir. Wenn das so weiter geht, verschwinden wir von hier."

Akkarin nickte nur, gefesselt von den Kämpfen im Innenhof. Das Blatt hatte sich gewendet und nun hatten die Grauroben ganz klar die Oberhand. Die Gefolgsleute seines Vaters waren mehr damit beschäftigt, sich vor den Kugeln zu schützen, als den Gegner zu bekämpfen. Die wenigen Werwölfe in ihrer Gruppe waren überfordert mit der Übermacht der Grauroben. Im Moment sah es so aus, als müssten sie sich zurückziehen. Akkarin sah, wie sein Vater gerade den Befehl geben wollte.

Doch dann explodierte das Gebäude hinter den Grauroben und ein einzelner, junger Mann trat hervor. Er war in eine Art Lederrüstung gehüllt, die ihm wie angegossen passte, ein dunkelblauer Umgang bauschte sich hinter ihm auf. Den Zauberstab hatte er kampfbereit in der Hand.

Aber die zuerst freudigen Zurufe arteten bald in Schreckensschreie aus, als der Mann zielsicher einen nach dem anderen ausschaltete. Die Vampire und Werwölfe standen regungslos da und beobachteten verwirrt das Geschehen. Keiner konnte so recht glauben, was da passierte – van Helsings Leute auch nicht, sie ließen sich widerstandslos niedermetzeln.

Nur wenige Minuten später kniete nur noch ein einzelner, blutüberströmter alter Mann in grauen Roben vor dem silberhaarigen, jungen Mann.

„Lord Samael? Warum?"

Die stechend grünen Augen blitzten und spiegelten eine Mischung von Emotionen wider – Abscheu, Hass, Trauer, Unglauben, Enttäuschung - tiefste Enttäuschung.

„Das fragst du noch? Was seid ihr für Menschen, die solch grausame Dinge mit lebendigen Wesen anstellen? Ihr verdient es nicht, weiter zu leben! Ich schäme mich für euch und meinen Vater, der so etwas billigt!"

„Aber mein Lord, sagt doch so etwas nicht! Es ist alles nur im Sinne des Lichts!"

Der junge Mann verzog angewidert das Gesicht, als er den Zauberstab auf den Mann richtete.

„Wenn so etwas im Sinne des Lichts sein soll, will ich kein Teil mehr davon sein! Ihr habt mich enttäuscht! Ihr alle!

Avada Kedavra!"

Gleißend grünes Licht blendete Akkarin für einen Moment und dann lag der Mann auf dem Boden. Der junge Mann indes steckte seinen Zauberstab weg, ging an dem Toten vorbei und auf Nefarian zu. Er ließ sich von den auf ihn gerichteten Zauberstäben nicht beirren, sondern hielt zielstrebig auf den Anführer der Rebellion zu. Die schwarz gekleideten Gestalten schlossen den Kreis um den jungen Mann, auch Sebastian und somit Akkarin kamen näher, bis sie neben Nefarian standen.

Einem Moment stand der junge Mann dem Vampirlord gegenüber, stolz und erhaben. Dann fiel er zur Überraschung aller vor Nefarian auf die Knie, warf ihm dann seinen Zauberstab vor die Füße.

„Wie kann man lebendigen Wesen so etwas Grausames antun?"

Nefarian schien genau zu wissen, was der junge Mann meinte.

„Hat irgendeiner überlebt?"

Der Mann schüttelte den Kopf.

„In dem Moment, in dem der Angriff startete, haben sie alle getötet. Aber bitte glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ihr es selbst getan hättet, wenn ihr auch nur einen Funken Mitleid habt. Es war grausam."

Nefarian nickte nur, während der Mann nur immer wieder den Kopf schüttelte, wie um scheußliche Erinnerungen loszuwerden.

„Ich weiß, das ist nicht das erste Mal, dass wir eine solche… Einrichtung stürmen."

Der Mann blickte verstört auf. Damit hatte er anscheinend nicht gerechnet; die Wut in seiner Stimme war unüberhörbar.

„Es gibt noch mehr dieser Labore?"

Nefarians Züge verhärteten sich, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Er sagte nichts, nickte nur. Der junge Mann fiel vorne über auf die Hände und starrte fassungslos auf den Boden. Dann stand er auf, drückte die Schultern durch. Mit zitternder Stimme begann er abermals zu sprechen, der Blick in seinen Augen determiniert.

„Ich habe die Ansichten meiner Familie schon immer verurteilt, die Art und Weise, wie sie über lebendige Wesen sprechen und richten. Doch habe ich es aufgrund unserer Geschichte und Vergangenheit immer stillschweigend akzeptiert – jugendliche Unwissenheit. Aber das hier, diese Versuche, das ist zu viel. Für so etwas will ich nicht einstehen, für solche Machenschaften KANN ich nicht einstehen. Bitte, mein Leben ist eures, Lord Cross. Es ist nicht genug, um die Leben dieser bemitleidenswerten Menschen in den Kellern zu sühnen, aber…"

So stand der junge Mann mit hoch erhobenem Kinn vor Nefarian, bereit zu sterben. Alle erwarteten nun, dass ihr Anführer Samael van Helsing mit einem Fluch niederstreckte. Doch dieser überraschte sie alle, als er seinen Zauberstab weg steckte und auf den jungen Mann zuging. Vor ihm nahm er die Kapuze ab und schob den Kragen aus seinem Gesicht; er sah van Helsing direkt in die Augen.

„Wenn du wirklich darauf bestehst, töte ich dich hier und jetzt. Aber es wäre schade um dich, ich kann den Willen zu leben in deinen Augen sehen. Ich kann dir eine andere Alternative anbieten, wenn du möchtest. Denn du hast Recht, dein Tod nützt uns nichts, aber lebendig…"

Der Vampirlord betonte das Wort „lebendig" besonders. Die Augen des jungen Mannes weiteten sich.

„Ich würde niemals freiwillig zu einer willenlosen Puppe werden wollen…"

Nefarian gebot ihm zu schweigen.

„Nicht, wenn ich dich verwandle…"

Die Vampire um sie herum zogen simultan die Luft ein, denn es war undenkbar, dass ein Reinblüter einen herkömmlichen Menschen biss und ihm im Gegenzug sein Blut gab. Auch der junge Mann konnte es nicht glauben, wenn auch aus anderen Motiven.

„Aber das ist…"

„Bist du bereit, alle Verbindungen zu deiner Familie und deren Werte zu kappen und Teil meiner Familie zu werden? Bist du bereit, das Undenkbare zu tun?"

Akkarin wusste, wovon sein Vater sprach. Für einen Anhänger, oder noch besser, einem Familienmitglied, der van Helsings gab es nichts Schlimmeres, als verwandelt und somit infiziert zu werden – egal ob von einem Vampir oder Werwolf. Sie zogen den Tod vor. Doch dieser junge Mann überraschte sie alle.

Er fiel wieder auf die Knie.

„Ich bin bereit, mein jetziges Leben hinter mir zu lassen. Vielleicht kann ich so etwas von dieser Grausamkeit wieder gut machen. Bitte erspart mir nur, gegen meine eigenen Brüder kämpfen zu müssen."

Nefarian reichte ihm die Hand und zog den jungen Mann mit einem echten Lächeln zurück auf die Füße.

„So sei es!"

Und mit einer geschickten Bewegung seiner freien Hand zerfetzte der Vampirlord die Lederrüstung, legte die linke Schulter frei; der junge Mann neigte den Kopf bereitwillig zur Seite. Nefarian strich mit der Zunge nur kurz über die glatte Haut an dessen Hals, bevor seine Fangzähne in das Fleisch sanken.

Einige der umstehenden Vampire stöhnten auf, ob wegen der Szene selbst oder wegen dem süßen Blutgeruch, der den Innenhof plötzlich erfüllte, konnte Akkarin nicht genau sagen. Er wusste, dass diese kontrollierte Art des Blutsaugens eigentlich ein sehr intimer Akt war und dass sein Vater mit dieser Aktion inmitten seiner Gefolgsleute gegen jegliche Etikette verstieß. Aber er hatte noch nie eine Verwandlung miterlebt, also sah er genauso gebannt zu, wie alle anderen. Dennoch fühlte er sich seltsam peinlich berührt, so unverhohlen dabei zuzusehen.

Es dauerte nicht lange und Nefarian ließ von dem jungen Mann ab. Dieser glitt zu Boden, regungslos; Samael atmete ein letztes Mal aus und dann lag er still, der Brustkorb hob und senkte sich nicht mehr. Die Wunde an seinem Hals hörte bald auf zu bluten und die gebräunte Haut erblasste zusehends.

Alle starrten die beiden an und schienen auf etwas zu warten. Und plötzlich schnappte der junge Mann verzweifelt nach Luft, Fangzähne deutlich sichtbar. Er riss die Augen auf und Akkarin konnte sehen, wie das Grün langsam von Violett verzehrt wurde, dunkles, sattes Violett.

Nefarian kniete sich in den Dreck, direkt neben den neu Verwandelten. Mit einem Arm half er ihm in eine sitzende Position, mit der anderen entblößte er seinen eigenen Hals. Seine Stimme ließ keinen Widerspruch zu, als er befahl:

„Trink!"

Die umstehenden Vampire hielten alle den Atem an, als der junge Mann vorsichtig an Nefarian, schnüffelte, dann probeweise an der kalten Haut leckte und letztendlich seine Fangzähne in das weiche Fleisch stieß. Sein Vater keuchte kurz, aber ließ den neugeborenen Vampir trinken, bis dieser von ihm abließ. Der Vampirlord richtete sich auf, half dem Jüngeren und als sie beide standen, stammelte der junge Mann:

„Ich… Danke…"

Nefarian hielt ihm seinen Zauberstab hin und als er ihn genommen hatte, sagte er:

„Nichts zu danken.

Es ist an der Zeit, diesen Ort zu verlassen!"

Den letzten Satz rief er den Umstehenden zu, sie aus ihrer Starre reißend. Einer nach dem anderen disapparierte. Nun standen nur noch Nefarian, Sebastian, Akkarin und Samael im Innenhof des verwüsteten Klosters.

Akkarin warf noch einen letzten, scheuen Blick auf den neuen Vampir, bevor Sebastian ihn Seite an Seite apparierte. Nefarian hielt Samael die Hand hin und sagte mit einem Lächeln:

„Willkommen in deinem neuen Leben!"

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Krähen kreisten über dem Kloster, zeichneten sich scharf gegen den vollen Mond ab, der bleich und teilnahmslos auf die Toten hinab sah. Die Gemäuer waren verlassen, nur der Wind heulte noch durch die Gänge. Irgendwo im Inneren brannte ein Feuer und schwarzer, fettiger Rauch stieg aus den Tiefen des Klosters hervor, waberte über den Hof. Doch konnte der Rauch den unerträglichen Gestank, der von den unzähligen Leichen ausging, nicht überdecken. Eine gespenstische Stille hatte sich über den Ort gelegt.

Diese Stille wurde jäh von einem lauten Knall zerstört. Zwei Gestalten standen inmitten der Rauchschwaden, Rücken an Rücken, bereit, einen Angriff abzuwehren. Erst als sie sich sicher waren, allein zu sein, nahmen sie simultan die Kapuzen ab.

Weißes Haar glänzte unheimlich im fahlen Mondlicht, zwei wasserblaue Augenpaare, von so hellem Blau, dass sie schon fast farblos waren, sahen sich emotionslos um. Der Eine schnüffelte und zog ein Tuch hoch bis über die Nase und schon tat es ihm der Andere gleich. Bedächtig staksten sie durch den Dreck, vorbei an Leichenteilen und verkohlten Körpern, bis einer stehen blieb und in die Hocke ging.

„Der hier."

Die Stimme war rau und kalt, fast schon unmenschlich, gedämpft durch das Tuch. Die zweite Gestalt kam zu ihm herüber, ging ebenfalls in die Knie. Er packte einen der regungslosen Körper am Kragen der Kutte, zog ihn hoch und schüttelte ihn energisch. Er wurde mit einem schwachen Husten belohnt, dem pfeifender Atem folgte.

„…Helsing?"

Der Mann, der den Schwerverwundeten hielt, schüttelte ihn nochmals. Mit überraschend sanfter und salbungsvoller Stimme fragte er:

„Was ist hier passiert? Sprich!"

Der Verletzte hustete nochmals, kleine Tröpfchen Blut auf die Kleidung des Mannes sprühend.

„Überfall… Lord Samael… Cross… verwandelt…bitte… Hilfe!"

Abscheu zeichnete sich auf dem Gesicht des Mannes ab, als er den Verletzten zurück auf den Boden fallen ließ. Ein kurzer Lichtblitz aus seiner Hand und die Augen des Mannes starrten stumpf an ihm vorbei zum Mond, ohne ihn zu sehen.

Beide Männer standen wieder auf, schauten sich noch kurz um, bevor sie sich einander zuwandten; sie hatten dieselben Gesichtszüge und dieselbe Statur. Der eine ergriff das Wort mit sanfter Stimme:

„Wir müssen sofort Bericht erstatten. Hier gibt es für uns nichts mehr."

Der Andere antwortete prompt:

„Diese verdammten Bastarde haben wieder ganze Arbeit geleistet. Und dann noch Samael… ich wusste, wir hätten ihn niemals schicken dürfen, um unsere Aufgabe zu erfüllen…"

„Vergiss Samael, Kain. Er gehört nicht mehr zu uns, er ist jetzt einer dieser Bastarde."

Sein Bruder zögerte einen Moment, bevor er antwortete:

„Aber Abel…"

Abel fuhr seinem Bruder über den Mund.

„Kein aber! Samael ist hier und heute gestorben! Was aber nicht heißt, dass wir keine Rache üben können…"

Ein grausames Lächeln zeichnete sich auf beiden Gesichtern ab. Mit einem weiteren Knall waren die beiden wieder verschwunden.

Endgültige Ruhe kehrte im Innenhof ein und nach der Anwesenheit der Zwillinge mieden sogar die Krähen den Ort.

Flashback Ende

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Akkarin beendete seine Geschichte, wandte den Kopf und blickte in Toms erwartungsvolles Gesicht.

„Was denn?"

Tom rollte die Augen.

„Was wohl? Lebt Samael immer noch bei euch?"

Akkarin lächelte in sich hinein, so sanft, dass es sogar Tom, der ihn direkt anblickte, entging.

„Ja. Aber das ist eine Geschichte für einen „schöneren" Tag wie heute."

Tom nickte und rieb sich fröstelnd die Arme. Die Temperatur schien in der letzten Stunde merklich gefallen zu sein und dem Jungen war es trotz seiner Robe kalt. Akkarin zog seine eigene Robe aus und warf sie zu Tom.

„Hier, nimm ruhig. Bevor es mir ernsthaft kalt wird, muss die Temperatur noch um ein paar Grad fallen."

Dieses Mal gab es keine Widerrede von Tom, nur ein ehrlich gemeintes „Danke", als er sich schnell in die zweite Robe wickelte und sich in eine Ecke des Raumes kuschelte. Der junge Vampir setzte sich in die gegenüberliegende Ecke, die Knie bis unter das Kinn gezogen und beobachtete Tom noch ein paar Augenblicke lang, bis sich seine Augen von ganz alleine schlossen.