„Das Schiff ist für das Rennen gut ausgerüstet. Ich denke, dass wir dieses Mal eine gute Chance haben werden!"
Die Crew saß beim Essen. Irum hatte für alle Ahrisa und Cojayav Flügel gekocht. Dazu gab es eine Schale mit Binka-Früchten, allerdings eher auf Revas Forderung. Elrassa hatte sich dazu etwas arkanische süße Milch besorgt. Reva verzog bei dem Geruch des Alkohols das Gesicht, während sie auf ihrer Frucht herumkaute.
„Schmeckt das überhaupt?"
Auch Irum hatte sich etwas von der süßen Milch eingegossen. Es war ihre Art vom harten Tag zu entspannen, bevor morgen der Stress des Rennens auf sie wartete. Außerdem half es, die angespannte Stimmung zu erleichtern.
„Jeder hat seine Vorlieben. Ich kann auch nicht verstehen, wie du immer nur das süße Zeug in dich hineinstopfen kannst. Das gibt schlechte Zähne. Hier. Probier mal lieber noch etwas von dem Ahrisa!"
Sie schob der 18-Jährigen die Schale mit dem Essen hin. Reva hatte nichts dagegen, nur manchmal brannte ihr davon die Kehle. Den Nachgeschmack bekam sie auch nicht so leicht weg. Dennoch schob sie sich einen Ballen in den Mund. Sie wollte guten Willen beweisen, nachdem sie sich falsch verhalten hatte. Bedächtig kaute sie. Zusammen mit dem süßen Geschmack im Mund ergab es nicht gerade einen Gaumenschmaus.
„Bähhh..."
Sie griff sich das Glas mit der süßen Milch und nahm einen großzügigen Schluck um den Geschmack fortzuspülen. Schnell spie sie das Getränk wieder aus. Irum schüttelte nur den Kopf.
„Eigentlich dachte ich, du hättest in den Jahren in denen du bei uns bist, ein wenig mehr Tischmanieren gelernt. Süßmilch ist das letzte, mit dem du einen scharfen Ahrisa herunterspülen solltest."
Tränen schossen ihr in die Augen.
„Ich werd's mir merken."

Nach dem Essen ging jeder seiner eigenen Arbeit nach. Irum überprüfte gerade ein paar letzte Kalibrierungen im Generatorraum, als Reva durch die Tür kam. Mit einem Hydroschweißer war er gerade dabei, ein paar lose Kabel wieder zusammen zu schweißen. Reva warf einen Blick auf die Verdrahtungen.
„Guck mal. Der Kolben hat sich hier gelöst!"
Sie griff nach einem Schraubenschlüssel und machte sich sogleich an die Arbeit. Lächelnd wurde sie von dem Sluissi gemustert.
„Wenigstens das hast du gelernt. Gut beobachtet. Und danke noch einmal, dass du die Kühlzellen gereinigt hast. Im Rennen hätte das einen Nachteil geben können. Das letzte was wir brauchen, sind durchgeschmorte Teile. Vor allem möchte ich Vydic nicht noch einmal diese Genugtuung eines Sieges geben."
Reva musterte ihren Ziehvater und ließ sich im Schneidersitz vor ihm nieder.
„Meinst du denn, dass wir Vorthras dieses mal schlagen können? Die Raiders Arc ist viel schneller als die Little Miss."
Es stimmte. Die HWK-290 des Ubesen war ihrem Schiff in Geschwindigkeit überlegen. Das hatte sie schon im letzten Rennen den Sieg gekostet. Irum schien nicht beunruhigt.
„Wenn es hart auf hart kommt, entscheidet nicht das Schiff, sondern sein Pilot und Elrassa und du, ihr seid ein gutes Team."
Reva verzog das Gesicht.
„Das bringt aber nichts, wenn wir seinen Staub fressen. Er hat das Schiff gut modifiziert. Die Hülle ist leichter als unsere. Das ganze Durastahl macht die Miss nur langsam und schwerfällig. Wir können keine scharfen Manöver fliegen."

Der Sluissi legte sein Schweißgerät zur Seite und strich ihr über den Kopf.
„Mach dir nicht so viele Gedanken um die Technik. Ich habe ein paar Modifikationen vorgenommen. Ich habe die Schildenergie zusätzlich in den Antrieb geleitet. Das wird uns einen Vorteil verschaffen."
Reva legte den Kopf schief.
„Aber machst du dir gar keine Sorgen? Ich meine, wir müssen doch gewinnen, damit wir endlich aus diesem Geschäft mit Vydic rauskommen. Ich mag es nicht, wie er uns immer herum scheucht. Wir sind nicht seine Sklaven!"
„Das mag sein Reva, aber wir haben ein Geschäft mit ihm abgeschlossen und müssen nun mal unsere Schulden begleichen."
Traurig senkte die Schwarzhaarige den Kopf und stützte das Kinn auf die Faust.
„Eigentlich ist es meine Schuld. Wäre ich nicht krank geworden, dann hätten du und Elrassa ihn nicht wegen des Geldes fragen müssen."
Irum schüttelte den Kopf.
„Nein. So darfst du nicht denken. Ella und ich haben es getan, weil du zu unserer Familie gehörst. So ist das nun mal: Wenn Menschen die wir lieben in Schwierigkeiten sind, dann tun wir alles um ihnen zu helfen. Das liegt in unserer Natur", zischte er ihr entgegen. Sie nickte. Ein warmes Gefühl machte sich in ihrer Brust breit. Wenn sie so zurückdachte, dann war Irum der erste, der wirklich nett zu ihr war. Nach ihrer Flucht von zu Hause hatte er sie ohne Vorbehalt bei sich und Elrassa aufgenommen, obwohl er dazu nicht verpflichtet war. Das war etwas, das sie niemals gut machen konnte.
„Es ist einfach nur unfair. Ich meine, Vydic nutzt die Notlage von anderen aus. Ich hasse ihn."
Irum griff in seine Tasche und holte den Stumpen einer corellianischen Zigarre hervor. Mit seinem Schweißgerät entzündete er sie.
„Wir müssen nun mal damit zurechtkommen, dass solche Individuen wie Vydic in der Galaxis existieren. Wir dürfen uns nicht davon unterkriegen lassen. Das ist wichtig. Wir müssen uns selbst treu bleiben!"

Noch nach zwei Stunden schwirrten Irums Worte in ihrem Kopf herum. Langsam schritt sie durch den Raumhafen von Pixelito und wusste nicht, wie sie ihre Gedanken ordnen sollte. Inzwischen war die Sonne untergegangen und die Nacht über sie hereingebrochen. Trotzdem herrschte reges Treiben. Sie kam an zwei Arconiern vorbei, die Sabbac spielten. Für einen Moment hielt sie inne, entschied sich dann aber doch dafür, weiterzugehen. Sie hatte Elrassa und Irum versprochen nichts dummes anzustellen. Allerdings galt das nicht für den Entschluss den sie gefasst hatte. Ruhig steuerte sie die Yacht an, die Vydic gehörte. Vorne an der Rampe wurde sie von einem Weequay aufgehalten.
„Was willst du hier Göre? Verzieh dich!"
„Ich will zu Vydic!"
Die Wache beäugte sie skeptisch und zuckte mit den Schultern.
„Was hat Vydic mit Gören zu schaffen? Hau ab!"
„Lass Sie."
Schon Irum und Vydic mochten groß sein, doch im Gegensatz zu ihnen war Vorthras ein wahrer Hüne. Es wurde still. Nur das rasseln seines Atemgerätes war zu hören, während er die Rampe des Schiffes hinabstieg und Reva begutachtete.
„Ist es nicht ein wenig spät für Kinder, um auf dem Raumhafen herumzutollen Rathai?"
Sie verzog das Gesicht und sah ihn finster an. Besser sie gab sich hier keine Blöße. Dennoch war er furchteinflößend. Der Ubese trug eine Kapuzenjacke. Ein Gewehr hatte er geschultert. Im Gesicht trug er eine Maske, die das dahinterliegende verbarg. Ein gruseliger Zeitgenosse.
„Sehr witzig. Ich wusste gar nicht dass du Vydics neues Kindermädchen bist! Was sagt deine Mama dazu?"
„Vydic und ich sind Partner. Natürlich verstehst du das mit deinem Kleingeist nicht. Also, kleines Mädchen: Was möchtest du von Vydic?"
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Einen Moment lang dachte sie noch einmal darüber nach, ob ihre Idee wirklich so ratsam war. Dann dachte sie an Irum und Elrassa und beschloss, die Sache durchzuziehen.
„Ich will ihm einen Handel vorschlagen!"