„Generator-Temperatur?"
„Gecheckt!"
„Antrieb?"
„Gecheckt!"
„Wenn du auf Bacta gestoßen bist, dann sagst du mir Bescheid ja?"
Erschrocken zog die Schwarzhaarige den Finger aus der Nase und schüttelte sich. Der Tag des Rennens war angebrochen. Letzte Nacht hatte sie kaum Schlaf finden können. Dicke Ränder zeichneten sich unter ihren Augen ab. Auch Elrassa sah nicht sonderlich ausgeruht aus. Der Druck war hoch. Mittlerweile hatten sich alle Teilnehmer im Orbit um den Planeten an der vereinbarten Strecke versammelt. Vor ihnen leuchteten die Bojen auf, die im schwarzen Raum schwebten. Außer ihnen und Vorthras gab es noch 4 andere Teilnehmer. Zwar nicht zu unterschätzen, aber das Hauptaugenmerk der Crew lag eindeutig auf dem Ubeser. Durch das Cockpitfenster konnte Reva die Raiders Arc sehen, die sich wie alle anderen in Position begeben hatte.
„Was ist los? Seit gestern wirkst du ein wenig durcheinander."
Die Vahla musterte ihre Partnerin besorgt. Reva schüttelte den Kopf und setzte ihr bestes Lächeln auf, bevor sie sich eine Binka-Frucht in den Mund schob. Nervennahrung war jetzt das wichtigste.
„Nee. Ich bin nur ein bisschen nervös."
Vor ihnen ging der Ampeldroide in Stellung, der das Startsignal geben würde. Noch ein paar Minuten. Sie zitterte. Die Nervosität stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ein gutes hatte es. Sie hatte das Gespräch mit Vydic irgendwo im Hinterkopf abgelegt und dachte nicht mehr daran. Zumindest im Moment nicht. Sich nicht auf das Rennen zu konzentrieren, wäre ein Fehler. Es ging nicht nur um die 20.000 Credits Preisgeld, sondern auch darum den Leuten zu beweisen, dass ihr Team ernst zu nehmen war.
„Irum? Hier oben ist soweit alles in Ordnung. Wie sieht es bei dir aus?", fragte Ella über ihren Kommunikator. Wie üblich antwortete der Sluissi in seinem zischelnden Dialekt.
„Die Generatoren sind in Ordnung. Jetzt kommt es auf euch an Mädchen. Denkt daran: Keine riskanten Manöver. Und vermeidet es, mit anderen auf zu engen Raum zu stoßen. Ich habe die Schilde komplett auf den Antrieb umgepolt."
„Schon klar. Ein Kratzer und wir fliegen in die Luft!", entkam es Reva seufzend. Elrassa tippte mit den Fingern auf der Steuertafel herum und wartete ab. Die Luft war zum zerreißen gespannt. Plötzlich meldete sich Vorthras über Funk.
„Ich hoffe bei euch ist alles in Ordnung. Wir wollen doch nicht, dass irgendetwas schief geht."
Der hatte ihnen jetzt noch gefehlt. Die beiden Frauen tauschten einander skeptische Blicke aus, bevor sich Ella nach vorne beugte, um zu antworten.
„Du solltest dir lieber Gedanken um dich selbst machen. Ich hab gehört es soll ein ziemlicher Schock für den zweitplatzierten sein. Nicht jeder verkraftet das."
Ein Lachen ertönte vom anderen Ende der Leitung. Dann das typische Rasseln der Atemmaske. Reva war sich sicher, dass dieses Gespräch nur darum drehte, die beiden zu verunsichern. Mehr steckte nicht dahinter.
„Hochmut kommt vor dem Fall Elrassa. Es ist immerhin ein großer Tag. Da gehen einem schon mal die Nerven durch, besonders wenn so viel auf dem Spiel steht!"
Die Vahla legte den Kopf schief. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie Vorthras nicht leiden konnte. Das beruhte aber wohl auf Gegenseitigkeit.
„Sicher doch. Entschuldige mich, aber ich habe hier ein Rennen zu fliegen."
Mit einem Knopfdruck war die Unterhaltung beendet. Sogleich meldete sich Irum, der alles über den Kommunikator mitgehört hatte.
„Was war das?"
Ella zuckte mit den Schultern.
„Frag mich was leichteres."
Sie sah zu Reva. Die 18-Jährige mühte sich, auf den Weltraum vor ihnen zu starren. Noch immer leuchtete das Licht des Droiden auf rot. Sie zitterte ein wenig.
„Alles okay? Weißt du was er meint?"
„Keine Ahnung. Du weißt doch wie das bei den Ubesern ist. Wer weiß was die für Gase durch ihre Maske schnüffeln. Oh- Es geht los!"
Das Licht des Droiden war auf gelb Gesprungen. Elrassa startete den Antrieb des Schiffes und ging noch einmal die letzten Einzelheiten durch. Reva atmete tief ein. Einen Moment lang sah sie zu ihrer Freundin herüber. Dann schaltete der Droide auf grün.
Gleich zu Beginn zog die Raiders Arc an ihnen vorbei und erarbeitete sich einen Vorsprung. Die Little Miss folgte als nächstes. Die anderen Teilnehmer versuchten den Anschluss zu halten, fielen aber immer weiter zurück. Innerhalb weniger Sekunden kristallisierte sich heraus, dass dieses Rennen von zwei Schiffen entschieden werden würde.
„Boje 1 passiert. Volle Schubstärke!", erklärte Elrassa. Reva nickte und gab die entsprechenden Befehle in die Konsole ein. Die Raiders Arc schwebte wie ein Raubvogel vor ihnen und passierte dabei eine Boje nach der anderen.
„Noch 10 Klicks bis zum Ziel!"
Die Little Miss nahm an Geschwindigkeit zu und nährte sich langsam der Führungsspitze. Bis jetzt war noch alles offen. Trotzdem galt es wachsam zu bleiben. Vorthras war nicht umsonst der Favorit unter den Teilnehmern.
„Scheiße!", fluchte Ella plötzlich. Reva sah sie fragend an.
„Was ist los?"
„Er hat unsere Sensoren blockiert. Sieh mal was du da machen kannst."
Das war nicht gut. Im Augenblick musste die Vahla blind fliegen. Der Ubese hatte seine Tricks auf Lager. Fairness war nicht sein Metier. Reva ging die Systeme durch. Nach wenigen Sekunden atmete sie auf.
„Geschafft."
Vorthras Versuch ihnen zu schaden war fehl geschlagen. Dennoch hatte er einen guten Vorsprung und die Little Miss holte nur langsam auf. Der Sieg stand auf Messers Schneide, wenn ihnen nichts einfiel. Die 18-Jährige überlegte, ehe sie damit begann Maßnahmen einzuleiten.
„Was machst du da?"
„Ich hab vielleicht ne Idee."
Nach wenigen Sekunden war sie fertig und sogleich zeigte sich Wirkung. Die Raiders Arc wurde langsamer. Ella sah perplex durch das Fenster.
„Was hast du gemacht?"
„Ein magnetischer Impuls", erklärte Reva, während das Schiff an der Raiders Arc vorbeizog und in Führung ging.
„Für kurze Zeit hat er keine Kontrolle. Das verschafft uns ein bisschen Zeit bis -"
Die Kontrollen flackerten auf. Es ging schnell. Innerhalb weniger Sekunden war das Cockpit in Dunkelheit gehüllt. Fassungslos starrte Elrassa auf die Displays, die keine Reaktion mehr von sich gaben. Just in diesem Moment zog Vorthras Schiff wieder an ihnen vorbei.
„Er hat es zurück gesendet!"
Frustriert schlug sie auf die Armatur. Reva senkte den Kopf. Das Schiff gab kein Lebenszeichen von sich. Erst nach einigen Minuten erwachte die Little Miss wieder zum Leben, doch inzwischen war es zu spät. Die anderen Teilnehmer waren allesamt an ihnen vorübergezogen und hatten das Ziel passiert. Sie hatten verloren.
„Macht euch keine Vorwürfe. Ihr habt euer Bestes gegeben!", erklärte Irum ihnen mit fürsorglicher Stimme. Seit dem Rennen waren einige Stunden vergangen. Die Little Miss war zum Raumhafen zurückgekehrt und die Crew verdaute ihre Niederlage. Reva saß in der Ecke und tippte auf ihrem Datapad herum. Ihr war jetzt wirklich nicht nach positiver Laune zumute.
„Es ist meine Schuld. Hätte ich den Impuls nicht ausgesendet, hätte Vorthras ihn nicht gegen uns verwenden können."
Elrassa schüttelte den Kopf und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Der süßliche Geruch von Alkohol ging von ihr aus. Sie hatte ihre eigene Methode, um mit dieser Niederlage fertig zu werden. Inzwischen waren ihre Wangen leicht gerötet.
„Unsinn! Du hast dein bestes versucht. Vorthras ist ein Idiot. Das nächste Mal treten wir ihm in den Arsch!"
Reva teilte diese Zuversicht nicht. Langsam erhob sie sich von ihrem Stuhl und streckte die Glieder. Fragend sah Irum sie an.
„Ist alles in Ordnung?"
„Ja. Ich will nur noch ein wenig an die frische Luft. Ein paar Besorgungen machen!"
Damit schritt sie in ihr Quartier. Auf dem Bett stand ein Rucksack, in dem sie bereits alles wichtige eingepackt hatte. Das Datapad legte sie auf dem Tisch ab. Ein Seufzer entkam ihrer Kehle. Wehmütig sah sie sich im Raum um. Sie haderte mit sich, bevor sie sich dazu durchrang die Tasche zu nehmen und zu gehen.
Innerhalb weniger Minuten hatte sie die Yacht von Vydic erreicht, wo sie einmal mehr von dem Weequay Leibwächter aufgehalten wurde, der sie skeptisch musterte.
„Was willst du dieses Mal?"
Sie sah ihn emotionslos an. Hinter ihm stieg bereits der Ayrou die Rampe hinab. Beinahe väterlich breitete er die Arme aus und lächelte.
„Ah. Reva. Wie schön. Es freut mich immer wieder, wenn jemand seinen Teil der Abmachung einhält."
Sie nickte nur.
„Und du hältst dein Wort?"
„Natürlich. Irum und Elrassa sind nicht länger an ihr Geschäft gebunden. Ich werde ihnen diesbezüglich eine Nachricht schicken. Hast du dich verabschiedet?"
Sie schüttelte den Kopf. Ihr Herz lag schwer in ihrer Brust. Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln.
„Gut. Das hätte zu viele offene Fragen gegeben. Natürlich. Du wirst deine Zeit brauchen, aber sieh es positiv: Du hast das richtige getan. Irum und Elrassa sind nicht mehr an mich gebunden und können wieder frei über ihr Leben verfügen. Das war eine sehr selbstlose Entscheidung."
Sie zitterte ein wenig. Der Ayrou nahm sie bei der Schulter.
„Nun komm. Es gibt eine Menge zu tun!"
