„H-hey! Ich habe dir alles gesagt was ich weiß! Ich weiß nicht, wo sein Versteck ist!"
Der Muun schwitzte und stammelte vor Angst. Ella sah ihn zornfunkelnd an. In der dunklen Ecke der Cantina zog sie nicht all zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Zwar sahen ein paar der Gäste neugierig in ihre Richtung, doch beschlossen sie, dass es besser war sich nicht mit der Vahla anzulegen. Gut so. Sie hatte keine Zeit, um sich mit irgendwelchen Leuten zu befassen.
„Das kauf ich dir nicht ab Terro! Du arbeitest zwischendurch für ihn. Da musst du etwas wissen!"
Der Angesprochene schüttelte den Kopf. Er schnappte nach Luft und umklammerte die Hand der Frau, die an seiner Kehle ruhte.

„N-Nein so ist das nicht. Ich arbeite zwar für ihn, aber das ist auch alles. Meine Aufträge kriege ich von einem Unterhändler. Wirklich, ich weiß nichts!"
Die vier Finger einer Hand hielten Elrassa nun am Handgelenk.

„Es ist gut Ella. Lass ihn."
Irum sah sie einfühlsam an. Sie erwiderte seinen Blick. Der Muun zappelte nervös hin und her. Wahrscheinlich wusste er wirklich nicht mehr, als er ihr sagte. Sie ließ ihn los. Schwer atmend griff er sich an den Hals und suchte das weite. Der Sluissi sah ihm nach und schüttelte den Kopf.
„Das war nicht nötig. So sind wir nicht!"
Die Pilotin der Little Miss ballte die Hand zur Faust und sah ihren Ziehvater an.
„Ich hatte ihn doch fast soweit! Er hat gelogen! Er wusste mehr, als er zugeben wollte. Der hat doch nur Angst vor Vydic! Ich hätte-"
„Nein Ella", unterbrach der Andere Sie zischelnd und ließ sich am Tisch nieder. Inzwischen hatte sich die Stimmung in der Cantina wieder beruhigt. Die Leute begnügten sich damit, sich ihrem Alkohol zuzuwenden. Die Vahla winkte eine der Bedienungen heran. Eine junge Twilek, die das ganze mitbekommen hatte. Schüchtern schritt das Mädchen zum Tisch.
„Abrax!", presste Ella hervor. Nickend eilte die Bedienung in Richtung Theke davon. Die junge Frau ließ sich ebenfalls nieder und legte die Füße auf dem Tisch ab. Sie dachte nach, ehe sie mit der Fast gegen die Wand hinter sich schlug.
„Scheiße!"
Es war nun eine Woche her, seitdem Reva verschwunden war. Seitdem flogen Irum und Elrassa von Raumhafen zu Raumhafen, um Informationen über ihren Verbleib zu suchen. Hier auf Nar Shaddaa hätte sie eigentlich damit gerechnet fündig zu werden. Die Wahrheit darüber, dass sie im Mist stocherten war mehr als nur ernüchternd.

Vydic hatte ihnen die Situation erklärt. Nun, auf seine Art und Weise. Reva würde jetzt für ihn arbeiten und sie wären aus ihrem Deal mit ihm entlassen. Mehr Informationen gab es nicht. Ella verzog das Gesicht und kämpfte gegen die Wut an, während die Bedienung ihr Getränk brachte. Sie legte das Geld auf den Tisch und nahm einen guten Zug aus dem Glas, ehe sie sich Irum zuwandte.
„Wir tappen im Dunkeln! Jetzt suchen wir schon seit Tagen und haben gar nichts! Sie kann sonst wo sein und Vydic lacht sich eins ins Fäustchen! Das schlimmste ist, dass es offenbar jeder wusste, bevor wir es wussten. Jetzt verstehe ich auch Vorthras seltsame Andeutungen kurz vor dem Rennen. Er wusste genau Bescheid was Reva getan hat."
Der Sluissi nahm ein paar Nüsse aus der Schale, die auf dem Tisch stand und schob sie sich in den Mund. Durch das Licht in der Cantina schimmerte seine grüne Haut ein wenig.
„Reva hat getan, was sie für das richtige hielt. Sie wollte uns helfen, da sie dachte sie wäre an allem Schuld. Das hat keiner von uns wirklich kommen sehen und jetzt können wir nur hoffen, dass es ihr gut geht."
Ella sah ihn an und schüttelte den Kopf.

„Irum. Reva wird daran zerbrechen. Sie ist nicht gemacht für das raue Pflaster da draußen! Die Galaxis ist voller Scheiße und sie wird darin ersticken! Sie ist doch quasi noch ein Kind, dass von all diesen Dingen keine Ahnung hat. Und jetzt ist sie ganz allein da draußen, ohne jemanden, der ihr Trost und Halt spendet. Das schafft Sie nicht!"
Ihre Stimme zitterte. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie es ihrer Freundin jetzt gerade wohl gehen musste. Es war ohnehin schon schwer genug. In den letzten 10 Jahren waren sie nicht einen Tag getrennt. Schon jetzt vermisste sie das Mädchen mehr als alles andere. Hätte sie die Gelegenheit, würde sie alles aufgeben nur um sie wieder in Sicherheit und wohl behütet zu wissen. Stattdessen musste sie sich mit dem Gedanken anfreunden dass Reva auf sich gestellt war und das in einer Welt, die ihr gänzlich unbekannt war.
„Reva wird nichts zustoßen Ella", erklärte der Sluissi langsam. Sie nahm einen Schluck vom Abrax. Der Alkohol zeigte die gewünschte Wirkung. Für einen kurzen Moment vertrieb er den Schmerz. Dennoch hämmerte die Ungewissheit in ihrem Kopf. Wie ein Geschwür saß sie dort.
„Das sagst du so leicht. Sie ist ein Kind Irum! Sie ist dein Kind! Unsere Reva!"
„Ich weiß. Auch wenn es dir nicht gefällt, aber im Augenblick ist sie bei Vydic am sichersten. Er wird es sich nicht nehmen lassen, diesen Triumph über uns auszukosten. Daher wird er auch alles unternehmen, damit es ihr gut geht. Er schließt kein Geschäft ab, bei dem er sich nicht sicher ist, dass es sich auch für ihn lohnt. Revas mechanische Fähigkeiten und ihr Geschick beim Fliegen sind ihre größten Trümpfe. Es ist das, was sie im Augenblick am Leben erhält. Mir gefällt es auch nicht, aber wir können nichts tun. Das einzige worauf wir hoffen können, ist sie beim nächsten Rennen wieder zu sehen. Vielleicht kann ich etwas mit Vydic arrangieren."
Ella lachte und schüttelte den wusste nicht mehr, was sie darauf sagen sollte. Irum hatte seine ganz eigene Art, sich um Dinge zu sorgen. Im Moment wollte er sie nur beruhigen. Das wusste sie. Es half aber nicht. Es änderte nichts. Die Little Miss würde ihr weiterhin seltsam leer vorkommen. Sie würde weiterhin hoffen, eines Morgens aufzuwachen und Reva in ihrem Quartier zu sehen, wie sie Sabbac spielte und Früchte aß. Eine Tatsache, die sich jetzt in einen Traum verwandelt hatte.

Sie verließen Nar Shaddaa am nächsten Tag. In den Cantinas hatten sie keinen Erfolg. Niemand gab etwas über Vydic Preis. Die meisten fürchteten sich viel zu sehr vor ihm. Die einzige Spur die sie hatten, war dieser Unterhändler, den Terro erwähnt hatte. Jemand namens Sky. Mit ziemlicher Sicherheit nicht der richtige Name. Mehrere Leute nannten diesen Namen. Jemand der seine Fäden im verborgenen zog und Söldner anheuerte, die Aufträge ausführten. Ihre beste Spur um Reva zu finden. Für manch außenstehenden wäre das damit verbundene Risiko vielleicht zu hoch. Für sie jedoch nicht.
„Wir sind da!"
Das Schiff fiel aus dem Hyperraum. In Zeiten wie diesen wäre es ihr nicht in den Sinn gekommen, Imperial Center anzufliegen, doch jetzt war es vielleicht die einzige Alternative. Coruscant lag in seiner allgegenwärtigen Pracht. Tausende von Schiffen lagen im Orbit. Frachter, kleine Fähren bis hin zu den großen Sternzerstörern, die die imperiale Autorität darstellten. 9 Jahre war es her, seitdem die Republik aufgelöst worden war. Die Dinge hatten sich seitdem sehr verändert. Viele fürchteten das Imperium. Ella und die Anderen hielten sich lieber aus deren Hoheitsbereich heraus wenn es möglich war. Es war besser, sich nicht in solche Dinge verwickeln zu lassen.
„Little Miss ruft Imperial Center. Kennzeichnung X-Q13Beta. Bitten um Landeerlaubnis!"
Sie wartete ab. Hinter ihr stand Irum, der nachdenklich aus dem Fenster blickte.
„Warst du schon einmal hier?"
Er nickte.

„Früher. Es ist Jahre her. Seltsam das hier zu sehen. Du hättest einmal zu Zeiten der Republik hier sein müssen. Der Planet hatte eine ganz andere Aura als heute. Viel lebendiger."
Er machte eine Pause, in der sich jemand über Funk meldete.
„Transporter Little Miss? Sie haben Landeerlaubnis. Man wird sie zur Landeplattform eskortieren. Anschließend gibt es eine kleine Überprüfung. Kein Grund zur Sorge. Normaler Standard!"
Sie nickte. Eine Überprüfung war kein Problem. Es war nicht so, als wären sie Kriminelle, die versuchten hier auf dem Planeten Fuß zu Fassen. Mit der Autorität würde es keine Schwierigkeiten geben. Dennoch konnte sie dieses unbehagliche Gefühl nicht abschütteln, dass das vor ihr liegende gefährlicher war, als es den Anschein hatte.

„Elrassa Vakhun, 28 Jahre alt und Irum Bathak, 38 Jahre alt. Das ist soweit korrekt?"
Auf der Plattform hatte man sie gebührend empfangen. Mehrere Sicherheitsleute erwarteten sie, um die Überprüfung durchzuführen. Ella und Irum ließen die Prozedur über sich ergehen, ohne weiter Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wichtig war nur, dass sie Sky fanden.

„Wir wollen ein paar Ersatzteile für unser Schiff kaufen und uns die schöne Stadt ansehen", erklärte sie schließlich mit gespielter Naivität. Der Sicherheitsmann nickte. Dabei blieb er stets in gebührendem Abstand zu Irum, der alle von ihnen überragte.
„Sehr schön. Ich empfehle unsere Einkaufspassagen. Für Touristen ist das genau richtig. Sie haben eine Aufenthaltsgenehmigung von 3 Tagen. Bis dahin sollten sie alle Dinge erledigen können. Ich wünsche ihnen einen angenehmen Aufenthalt Ma'am. Und ihnen auch äh...Sir..."
Das Sicherheitspersonal ließ die Beiden zurück. Entspannt ließ sich Ella auf der Rampe des Schiffes nieder und strich sich eine Haarsträhne zurück. Nachdenklich ließ sie ihren Blick über die Skyline der Stadt schweifen. Coruscant war atemberaubend. Man könnte sich für immer in diesem Anblick verlieren. Sie hatte jedoch keine Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu genießen. Entschlossen wandte sie sich an Irum.

„Also. Wir sollten uns in den Cantinas der Unterstadt umhören, ob jemand etwas über diesen Sky weiß."
Der Sluissi verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie nachdenklich an.
„Wir müssen vorsichtig sein. Die Unterstadt ist kein Urlaubsort. Dort tummelt sich der Abschaum. Wir werden unsere Blaster mitnehmen. Nur für den Fall. Das bedeutet nicht, dass wir unnötige Aufmerksamkeit auf uns ziehen müssen. Hast du das verstanden? Es geht hier darum, Reva zu finden. Ich kann verstehen dass du verzweifelt und wütend bist, aber das hilft uns im Augenblick nicht weiter. Ich brauche dich hierbei. Kann ich mich auf dich verlassen?"
Er sah sie mit einem ernsten Ausdruck im Gesicht an. Auch Irum sorgte sich um Reva, aber er hatte seine Gefühle offenbar besser unter Kontrolle als sie. Die Vahla nickte schließlich und erhob sich.
„Ich gebe mein Bestes."
Wichtig war jetzt nur, dass sie den Unterhändler fanden, damit dieser sie hoffentlich zu Vydic führte. Zu Vydic und zu Reva.