Eines hatten die Cantinas in der Unterstadt gemeinsam: Überall fand man die selben zwielichtigen Gestalten. Ella konnte beinahe spüren, wie die Männer sie mit ihren Blicken verzehrten wenn sie an ihnen vorbeiging. Zur Beruhigung griff sie immer wieder an ihren Gürtel, wo der Blaster hing. Zugegeben – In einer wirklichen Auseinandersetzung hatten sie und Irum wahrscheinlich wenig Chancen. Deshalb war es besser sich im Hintergrund zu halten. Dennoch durften sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Der Unterhändler Namens Sky war der Grund, weshalb sie nach Coruscant kamen. Noch hatten sie kein Glück. Die meisten sahen sie nur schief an, wenn sie nach ihm fragte. Andere erzählten ihr nur, sie solle sich zum Teufel scheren. Nach zwei Stunden des erfolglosen Fragens Waren die Vahla und der Sluissi in einem Diner geendet. Elrassa war nicht zufrieden mit ihren Fortschritten. Nachdenklich saß sie zusammen mit Irum in einer Nische des Diners und tippte mit den Fingern auf dem Tisch herum. Vor sich hatte sie ein Glas Ale stehen. Das war das beste, um den Frust loszuwerden. Der Sluissi begnügte sich mit einem Glas Wasser. Auch ihm war die Anstrengung der Suche ins Gesicht geschrieben.
„Ich glaube nicht, dass wir heute noch Erfolg mit der Suche haben Ella. Wer auch immer Sky ist: Er ist darauf bedacht, dass man ihn nicht so einfach findet. Ich denke auch nicht, dass es eine gute Idee ist, sich weiter durch die Cantinas zu fragen. Manche Leute sehen uns schon so an, als würden sie nur auf eine Gelegenheit warten uns zu überfallen. Wir müssen behutsam vorgehen. Das hier ist kein Spiel."
Sie nippte an ihrem Glas. Seine überhöhte Vorsicht war das letzte, was sie jetzt brauchen konnte. In diesem Fall mussten sie auf Risiko spielen. Anders würden sie keinen Erfolg haben.
„Das weiß ich auch Irum, aber wir werden den Unterhändler nicht finden, wenn wir nur hier sitzen und uns an den Füßen spielen. Wir haben drei Tage, bevor unsere Aufenthaltsgenehmigung abläuft. Ich weiß, dass dir das hier nicht gefällt, aber es ist der einzige Weg um Reva zu finden."
Sie klang ernst. Auf einen Kompromiss oder sonstiges würde sie sich nicht einlassen. Irum seufzte und legte die Hände ineinander.
„Mir legt ebenso viel daran Sie zu finden wie dir Ella. Dennoch will ich dich nicht unnötig in Gefahr bringen. Dieser Ort ist ein raues Pflaster. Jeder Fehler den wir hier begehen, könnte unser letzter sein. Durch meine Unachtsamkeit habe ich schon Reva verloren. Ich möchte nicht auch noch dich verlieren."
Väterlich sah er sie an. Ella senkte den Kopf. Es stimmte. Sie war nicht die einzige, die sich sorgte. Irum war quasi der Vater der beiden Frauen. In diesem Moment schämte sie sich ein wenig dafür, dass sie sich nicht die Mühe machte, die Dinge von seinem Standpunkt aus zu betrachten.
„Es tut mir leid. Ich wollte nicht so zu dir sein Irum. Es ist einfach nur...Das ist das erste Mal, dass wir solange ohne sie sind. Ständig frage ich mich, wo sie gerade ist, was sie tut und ob es ihr gut geht. Ich kann beinahe an nichts anderes denken. Dieser Unterhändler ist der einzige Lichtblick den wir haben. Ich will nicht auf die Eventualität warten, dass wir Reva vielleicht irgendwann bei einem Rennen wiedersehen. Wer weiß, was bis dahin alles mit ihr passiert? Ich will es mir gar nicht ausmalen."
Sie schüttelte den Gedanken von sich und bestellte sich das nächste Getränk. Für heute war es wahrscheinlich besser, die Suche aufzugeben. Sie wollte nicht unnötig Ärger verursachen. Besonders im Hoheitsbereich des Imperiums war es besser, sich bedeckt zu halten.
„Ist dieser Platz noch frei?"
Die Vahla hob den Kopf und blickte zu dem Neuankömmling. Es war ein kleines reptilienartiges Geschöpft mit Schwanz. Die Haut war dunkelbraun gehalten und mit einem leichten Flaum überzogen. Das herausstechende war hierbei die Hakennase im Gesicht. Das Kopfhaar leuchtete in weiß. Lächelnd ließ sich der Unbekannte ohne eine Einladung bei ihnen am Tisch nieder. Um die Dreistigkeit zu komplettieren nahm er einen Schluck aus dem Glas von Ella. Schnaubend nahm sie es ihm ab und schüttelte den Kopf.
„Benehmen wird hier wohl nicht sonderlich großgeschrieben. Und nein: Dieser Platz ist nicht mehr frei, also verdrück dich!"
Ein wenig traurig senkte er den Kopf. Ella musterte ihn. Er war kein Mensch. Dennoch ließ sich seine Rasse nicht genau einordnen. Das zählte aber auch nicht. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei nur um einen Taugenichts, der sich irgendwo durchschnorren wollte.
„Ohhhh...Das ist aber schade. Ich sah die hübsche Lady und ihren großen Begleiter und dachte mir: Wie interessant. Jaaa wirklich interessant. Die Leute reden hm. Ja das tun sie. Böse Zungen. Viele böse Zungen an diesem Ort. Vorsichtig sein jaaa. Hier ist es sehr gefährlich. Besonders für die hübsche Frau."
Sie verdrehte die Augen. Was war das denn für ein Vogel? Er sprach so schnell, dass sie sich bemühen musste mitzuhalten. Eigentlich hätte sie es sich ja denken könnten. Je länger sie und Irum hier an diesem Ort verweilten, desto wahrscheinlicher war es, dass sie irgendwelche seltsamen Leute anzogen.
„Hör mal...ähm..."
„Reek. Der Name ist Reek."
„Reek. Also ich will nicht unhöflich sein, aber wir haben einen harten Tag hinter uns."
Er nickte dreimal und tippte dabei mit seinen scharfen Fingernägeln auf dem Tisch herum.
„Jaja. Harter Tag. Verstehe, verstehe. Die Tage auf Coruscant sind immer hart. Heute kannst du Glück haben und morgen Tod sein. Kein schönes Leben. Nein. Kein schönes Leben. Die Miss ist schlau eine Pause zu machen. Zu viel auf einmal ist nicht gut. Gar nicht gut."
Er drehte den Kopf und lehnte sich zu den Beiden herüber.
„Ihr habt mir noch gar nicht den Namen genannt, aber ich schon. Es ist nicht nett seinen Namen nicht zu sagen. Nein das ist es nicht!"
Reek war ein nervöser Zeitgenosse. Ella nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Glas, wobei sie den sehnsüchtigen Blick ihres neuen Freundes bemerkte und das Getränk schließlich zu ihm schob. Fröhlich nahm er es in beide Hände und leerte es.
„Ahhh. Corellianisches Ale ist gut. Jaa. Wirklich gut. Nur nicht zu viel. Es macht den Kopf müde und der Kater ist nicht schön. Nein, wirklich nicht."
Die Kellnerin kam an ihrem Tisch und Ella beschloss für Reek gleich ein Getränk mit zu bestellen. Sie ging nicht davon aus, ihn so bald wieder loszuwerden. Er schien ganz nett zu sein, auch wenn seine aufgeregte Art ein wenig anstrengend war.
„Sind sie öfters hier Herr Reek?", warf Irum seine Frage in den Raum. Der Angesprochene kratzte sich am Hinterkopf und schien zu überlegen.
„Hmmm...Eigentlich nicht. Nein. Nicht sooft. Reek ist mal hier, mal dort. Die Stadt ist groß und es gibt viel sehen. Jaaa...Sehr viel zu sehen. Und ihr? Die Miss und der Sluissi sind nicht oft hier nein. Reek hat sie noch nie gesehen. Sie riechen anders. Ja das tun sie."
Die Getränke wurden an den Tisch gebracht und sogleich nahm das kleine Geschöpf das Glas in die Hände.
„Wir sind auf der Durchreise", erklärte Ella und stieß mit ihrem Getränk an. Er nickte heftig und nippte an seinem Drink.
„Jaaaa. Neu hier. Ihr sucht etwas. Reek weiß das. Ja das tut er. Er folgt euch durch die Straßen und sieht wie die Miss fragt und fragt und fragt, aber niemand hat eine Antwort. Nein hat er nicht."
Das wurde ja immer besser. Reek war ihnen also gefolgt. Er schien wirklich ein neugieriger Zeitgenosse zu sein.
„Es ist nicht nett, wenn man jemanden verfolgt. Außerdem ist es gefährlich. Was wäre gewesen, wenn wir Kriminelle sind?"
Er schüttelte den Kopf.
„Ohhh. Nein nein. Die Miss sieht nicht aus wie eine Kriminelle. Nein tut sie nicht. Reek fragt sich nur, ob er vielleicht beim suchen helfen kann. Vielleicht kann man das Ziel gemeinsam finden. Jaaa. Das könnte sein!"
Nun lehnte sich Irum wieder näher zu dem Burschen. Ella begnügte sich für's erste mit ihrem Ale. Der kleine Kerl war anstrengend und ein wenig Pause würde ihr nicht schaden. Sollte sich ihr Ziehvater mit Reek begnügen.
„Nun Reek. Vielleicht kannst du uns wirklich helfen. Wir suchen jemanden. Einen Unterhändler Namens Sky. Er soll hier in der Unterstadt Leben."
Nachdenklich tippte sich Reek gegen die Stirn und das so heftig, dass Ella befürchtete er würde sich mit seinem Finger das Auge ausstechen, wenn er nicht aufpasste. Schließlich nickte er wieder fröhlich und machte dabei mit seiner Nase merkwürdige Pfeifgeräusche. Jetzt wusste sie auch, was er war. Ein Ryn. Eine seltsame Rasse, die eigentlich nomadisch lebte. Sie war ab und zu mal einem von ihnen über den Weg gelaufen, aber sich mit einem unterhalten hatte sie sich noch nie. Blieb nur die Frage, ob der Rest seiner Sippschaft genau so seltsam war.
„Ahhh. Sky...Jaaaa. Jaaaa...Reek kann euch helfen. Reek weiß genau Bescheid, ja das tut er!"
Sofort wurde Sie hellhörig.
„Also weißt du wo dieser Sky ist?"
Er nickte und tippte sich gegen die fröhliches Lächeln zierte seine Lippen.
„Ja. Reek kennt Sky sehr gut und Sky kennt Reek sehr gut."
Er leerte den Rest seines Glases und zog sie an der Hand mit sich. Irum folgte den Beiden.
„Reek kann euch den Weg zeigen...Ja das kann er!"
Hierbei hatten sie wirklich unverschämtes Glück. Hätten sie Reek nicht gefunden, würden sie immer noch ohne Information in der Cantina sitzen. Wenn er sie wirklich zu Sky führte, dauerte es sicher nicht mehr lange, bis sie eine Spur hatten.
