„Ahh. So ist das also. Und jetzt hoffen Ella und Irum, dass Sky sie zu Reva führt, ja das tun sie!"
Reek hatte sie von den schmierigen Straßen der Unterstadt fortgeführt. Es glich beinahe einem Wunder, dass sie auf den Ryn gestoßen waren. Es blieb abzuwarten, ob er den Unterhändler wirklich kannte, oder einfach nur ein Spielchen mit ihnen spielte. Bei seinem kindlichen Charakter war ihm das durchaus zuzutrauen.
„Also Reek. Was kannst du mir über Sky erzählen? Wie ist er so?"
An einer Straßenecke machte der Ryn halt. Während er nachdachte, wippte sein Schwanz aufgeregt hin und her. Schließlich zuckte er mit den Schultern.

„Das kann Reek nicht sagen, nein kann er nicht. Sky ist Sky. Jaaa...Ja das ist er!"
Ella legte den Kopf schief und vergrub das Gesicht in einer Hand. Dieser Kerl war ja nicht auszuhalten. Bei ihrem Glück stellte sich das ganze wahrscheinlich als Sackgasse heraus. Dennoch musste sie dem nachgehen. Es war das beste was sie hatten.

„Aber du hast ihn schon mal gesehen?"
Der Ryn nickte aufgeregt und führte sie weiter durch die Straße. Dabei schlängelte er sich gekonnt zwischen den Passanten hindurch.

„Jaja. Reek sieht Sky und Sky sieht Reek. Viele Leute kommen zu Sky und stellen viele Fragen. Sky ist sehr beschäftigt. Er ist mal hier. Er ist mal dort. Schwer zu sagen, ob man ihn sieht, oder nicht. Ja das ist es!"
Sie ballte die Hand zur Faust und versuchte das Verlangen zu unterdrücken, ihm eine zu verpassen. Der Ryn entfernte sich ein wenig von den Beiden. Irum legte der jungen Frau eine Hand auf die Schulter.

„Ich weiß genau, was du jetzt sagen willst Ella. Dieser Reek ist seltsam. Daran besteht kein Zweifel und wer weiß, was er im Schilde führt? Ich traue ihm jedoch nicht zu, dass er etwas zwielichtiges versucht. Ertrage ihn eine Weile. Er wird uns zu dem Unterhändler führen und wir können uns dann wieder auf die Suche nach Reva konzentrieren."
Sie nickte seufzend.

„Wenn ich bis dahin nicht meinen Verstand verloren habe."
Weiter vorne winkte Reek ihnen zu.

„Schneller. Nicht so viel trödeln. Nicht so viel trödeln! Wir sind fast da! Ja das sind wir!"

Ihr Ziel befand sich in einer Gasse hinter einer Bar. Vielmehr war es ein geheimer Zugang, wenn man so wollte. Im vorbeigehen konnte man den Eingang übersehen. Reek war bereits hereingegangen, um Sky über die Ankunft von Irum und Ella zu informieren. Nach wenigen Sekunden kam er wieder nach draußen. Wie üblich mit einem Lächeln im Gesicht.

„Reek hat alles geklärt. Sky ist ein wenig müde. Es war ein harter Tag, ja das war es. Reek musste versprechen, dass es schnell geht. Jaaa...Schnell rein. Schnell wieder raus."
Damit führte er sie in eine Art Salon. Leibwächter gab es keine. Offensichtlich besaß der Unterhändler genug Arroganz um zu glauben, niemand würde ihm schaden wollen, oder aber die Leute hatten genug Respekt vor ihm. Ella warf einen Blick auf eine Gruppe, die an einem Tisch saß und Sabbac spielte. Ein Squib, ein Defel und ein Mensch. Letzterer erhob sich vom Tisch, als die drei den Raum betraten und bewegte sich leichtfüßig auf sie zu.
„Ah. Sie müssen die Leute sein, von denen mir Reek erzählt hat. Ich bin Andro. Wahrscheinlich kennen sie mich aber eher unter dem Namen, mit dem mich alle anderen ansprechen: Sky."
Zur Begrüßung gab er der Vahla einen Handkuss. Ella musterte ihn. Braunes gelocktes Haar. Harte Gesichtszüge und tiefblaue Augen. Er wirkte er wie ein kleinkarierter Schmuggler. Das sollte Sky sein? Nun. Heutzutage entsprach wohl nichts mehr den Erwartungen.
„Ja. Reek war so freundlich uns zu helfen. Ich bin Elrassa. Das hier ist Irum. Wir benötigen ihre Hilfe."
Er nickte und führte sie in eine Ecke, wo sie sich ungestört unterhalten konnten. Reek folgte ihnen und ließ sich als erster auf dem Ecksofa nieder.

„Nun. Eigentlich kommen die Leute zu mir, weil sie hoffen leichtes Geld machen zu können. Ich gebe ihnen Aufträge von dritten, die eine helfende Hand suchen", erklärte Andro und ließ sich nieder. Nachdenklich kratzte er sich am Kinn.
„Es ist selten, dass jemand kommt weil er einfach nur Hilfe braucht. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass ich eine Abfluss reparieren soll. Reek hat schon ein paar Andeutungen gemacht. Ihr sucht jemanden."
Ella legte die Hände in den Schoß und nickte. Wenigstens kam dieser Sky direkt zum Punkt, ohne großartig um den heißen Brei herum zu reden. Das gefiel ihr. Vielleicht war er ja wirklich derjenige, den sie suchten.

„Nun. Eine Freundin von uns ist verschwunden. Wir wissen nicht wo sie ist, aber wir kennen jemanden der es vielleicht weiß. Vydic Thrassk. Sie leiten seine Aufträge an Kunden weiter, also wissen sie vielleicht auch, wo er sich aufhält."
Der Unterhändler lachte.
„Das ist allerdings ein bisschen viel Hilfe. Vydic Thrassk ist niemand, der einfach so seine Adresse hinterlässt und normalerweise leben diejenigen nicht lange, die in seinem Garten graben."
Ella sah ihn an.

„Also wissen Sie nicht, wo er ist."
„Das habe ich nicht gesagt. Ich sage nur, dass es besser ist, wenn man sich nicht zu sehr mit diesem Mann verstrickt. Das kann ungesund sein."
Die Vahla seufzte. Natürlich hatte sie nicht gedacht, dass es so einfach sein würde. Vydic war gefährlich. Das wusste jeder, der mit dem Ayrou zu tun hatte.

„Sicher. Also. Helfen sie uns, oder nicht?"
„Natürlich. Aber das hat seinen Preis."
„Wie viel?"
Er lächelte süffisant.

„Wie viel wäre es ihnen denn wert? Immerhin reden wir hier von einem gefährlichen Mann. Ich kann nicht einfach jedem dahergelaufenen Kerl Informationen geben. Damit bringe ich mich selbst in Gefahr. Die erste Voraussetzung ist, dass sie Reek mitnehmen, falls etwas schief läuft. Er ist mein Sprechrohr, wenn sie es so wollen. Solange er bei ihnen ist, wird niemand sie behelligen."
Das konnte nicht sein Ernst sein. Warum sollten sie den Ryn mitnehmen? Wenn sich das allerdings nicht vermeiden ließ, musste sie wohl in die saure Binka-Frucht beißen.

„In Ordnung. Wir nehmen ihn mit, sofern er sich benimmt!"
Reek nickte aufgeregt.

„Reek benimmt sich! Er weiß wie man sich angemessen verhält. Ja das tut er!"
Andro lehnte sich zurück.

„Sehr gut. Damit hätten wir den Teil schon einmal erledigt. Kommen wir jetzt zum geschäftlichen. 10.000."
Perplex sah die Vahla ihn an.

„10.000?!"
„Natürlich. Ich sagte ja: Diese Information hat ihren Preis. Aber lassen sie mich raten: Sie haben nicht so viel Geld. Das war mir schon klar. Dennoch will ich kein Spielverderber sein. Man kann sich auch anders einigen. Es gibt da jemanden der mir eine Menge Geld schuldet und im Augenblick bin ich etwas knapp an Personal. Sie verstehen worauf ich hinaus will oder?"
Das tat sie nur zu gut und es gefiel ihr nicht, welche Richtung diese Konversation einschlug. Das letzte Mal, dass sie ein solches Geschäft abgeschlossen hatten, war es nicht gut ausgegangen.

„Wir sind keine Söldner Andro!"
„Und ich bin keine Wünschelrute. Entweder sie nehmen den Auftrag an, oder nicht. Dann können sie sich jemand anderen suchen, der ihnen die Informationen verkauft."
Ella sah zu Irum. Wahrscheinlich gab es keinen anderen Weg. Sie mochte es zwar nicht, aber im Augenblick blieb ihnen wohl nichts anderes übrig.

„Ist in Ordnung. Wir machen es!"