„Ich bin mir nicht sicher, ob das ganze wirklich eine so gute Idee war. Ich kann verstehen, dass es dir wichtig ist Reva zu finden Ella. Mir liegt auch viel daran, aber ich habe Angst davor, in welche Abgründe uns das ganze führen kann. Wohin es Dich führen kann."
Nach dem Gespräch mit Andro hatte die Gruppe keine weitere Zeit verloren und sich sogleich auf dem Weg in die mittleren Ebenen gemacht. Über das Ziel konnte ihnen der Unterhändler jedoch nicht viel sagen. Wahrscheinlich gab es unangenehme Details, die er ihnen lieber verschwieg. Etwas anderes konnte sich die Vahla nicht vorstellen. Deshalb hieß es einfach nur, einen Kerl namens Baudo daran zu erinnern, dass er Sky Geld schuldete. In der Vergangenheit hatte sich leider gezeigt, dass die Dinge nicht so schön waren, wie sie zu Beginn klangen. Außerdem ließ sich dieses unangenehme Gefühl nicht abschütteln, dass ihr schon die ganze Zeit im Nacken saß. Jetzt waren sie vor dem abgeschiedenen Hotel angekommen, in dem ihre Zielperson lebte. Während Reek damit beschäftigt war im Müll nach interessanten Sachen zu suchen, überprüfte sie mit Irum die Lage. Nachdenklich lehnte sie an einem Container und strich sich mit den Fingern die Jacke zurecht.

„Wir kommen aber auch nicht weiter, wenn wir nur herumsitzen und Däumchen drehen Irum. Mir gefällt das hier auch nicht, aber es ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Andro hilft uns nur, wenn wir diesen Auftrag erledigen. Ich hätte es mir gerne etwas anders gewünscht, aber das ist leider die Situation. Entweder wir tun es und haben die Chance darauf, Reva ein Stück näher zu kommen, oder wir stochern weiter nach der Nadel im Heuhaufen!"
Erst jetzt war sie sich des ernsthaften Tons in ihrer Stimme bewusst geworden. Was machte Sie hier nur? Das war Irum, ihr Ziehvater und nicht einer dieser dahergelaufenen Tölpel.

„Tut mir leid...Ich wollte dich nicht so anfahren..."
Sie senkte den Kopf und schloss die Augen. Alles wirkte so surreal. Reva war verschwunden und sie beide gingen Wege, von denen sie immer gesagt hatten, dass sie für sie nicht in Frage kämen. Dennoch standen sie jetzt hier, im Begriff jemanden zu bedrohen, damit er seine Schulden abzahlte. Wann hatte sich die Situation nur so grotesk entwickelt? Wenn sie nach der Antwort darauf suchte, fand sie nichts. Alles war so schnell geschehen. Ihnen blieb gar nicht die Möglichkeit, richtig auf eine solche Situation zu reagieren. So wischte sie sich den Schweiß von der Stirn. Der Sluissi legte ihr eine Hand auf die Schulter. Mittlerweile hatte es zu Regnen begonnen. Ihr Haar war leicht durchnässt und glänzte im Matten Schein der Straßenlaternen. Irum sah ihr tief in die Augen. Es war dieser eine Blick der sagte:
'Ich bin immer für dich da.'
„Es ist in Ordnung Ella. Wir beide haben uns dazu entschieden. Es mag sein, dass wir Menschen wie Andro nie verstehen werden. Ihre Beweggründe sind finster und entbehren jeglicher Nächstenliebe. Er ist ein Egoist. Das steht außer Frage. Dennoch brauchen wir ihn. Er ist ein notwendiges Übel für uns, aber nicht für lange. Denk immer daran. Sobald wir diese Sache hinter uns gebracht haben, werden wir ihn nie wieder sehen müssen. Dann können wir uns nur noch darauf konzentrieren Reva zu finden. Darauf, sie wieder nach Hause zu bringen."
Sie umarmte ihn. Die sichere Mauer, die sie um sich errichtet hatte, gab diesen Augenblick ein Stück weit nach. Sie schmiegte sich an Irum und ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Er hatte Recht. Alles was sie tun mussten, war diesen Auftrag hinter sich zu bringen. Dann konnten sie alles was damit zu tun hatte, sowie diesen Planeten endgültig hinter sich lassen. Nun gut...vielleicht nicht alles.

„Reek versteht nicht, wieso die Leute immer so gute Sachen wegschmeißen. Alles hat noch gute Qualität...jaaa das hat es."
Den Ryn hatte Ella für diesen Moment vollkommen vergessen. Triumphierend stand er neben einer Mülltonne und hielt einen alten Fisch in die Höhe, der entsprechende Düfte von sich gab. Angewidert verzog die Vahla das Gesicht und machte einen Schritt auf ihren neuen Begleiter zu.

„Still! Willst du, dass gleich alle merken, dass wir hier sind? Denk daran. Das ist ein wichtiger Auftrag!"
Er hielt sich die Hand vor den Mund und nickte aufgeregt, als wenn er bemerkt hätte, dass er etwas falsch machte.

„Ohhh...Jaaaa jaaa. Wichtiger Auftrag. Wichtiger Auftrag. Reek wird sich benehmen. Ja das wird er!"
Er steckte sich den Fisch in die Tasche. Anschließend öffnete er den Mund, um etwas Regenwasser zu trinken. Elrassa streckte den Kopf in die Höhe und warf einen Blick auf das Gebäude. Ein einfaches Hotel. Nichts allzu schlechtes, aber auch nichts besonderes. Blieb abzuwarten, ob sie diesen Baudo zur Kooperation bewegen konnten. Andro hatte nicht gerade mit Informationen geprahlt. Weder Sie noch Irum wussten, mit wem sie es hier zu tun hatten. Sie streckte die Glieder und nährte sich langsam dem Eingangsbereich. Ein paar Gäste standen vor der Tür und tuschelten miteinander. Nichts besonderes. Darunter ein Gran der sich mit einem Weequay darüber stritt, welches Diner den besseren Kaf servierte. Als Ella an ihnen vorüber schritt pfiffen ein paar ihr sogar nach. Sie achtete nicht darauf. Das einzige das für sie zählte war, diesen Baudo zu finden, damit sie ihren Teil des Handels mit dem Unterhändler einhalten konnte.

„Reek?"
Der Ryn erstarrte in seiner Bewegung und wandte sich ihr zu. Neugierig neigte er den Kopf und sah sie fragend an.

„Ja?"
„Du kennst Sky doch. Also Andro. Da hast du sicher einmal von diesem Baudo gehört. Was kannst du über ihn sagen? Gibt es da irgendwas das wir wissen müssen?"
Der Angesprochene überlegte und bohrte sich in der Nase. Das ging ein paar Sekunden so, ehe er wieder heftig nickte.

„Oh...Jaaa. Reek kennt Baudo. Baudo spielt gerne Sabbac. Hat sich öfters mal von Andro Geld geliehen. Ja, das hat er."
Die Vahla nickte. Das erklärte wohl auch das Interesse an diesem Kerl. Unweigerlich musste sie an Reva denken, die sich manchmal für ihre Spielchen ein wenig Geld von ihr geborgt hatte, nur um es innerhalb kürzester Zeit beim Sabbac zu verlieren. Was das anging war ihre Freundin einfach kein Naturtalent.

„Ist er gefährlich?"
Der Ryn schüttelte den Kopf und kicherte vergnügt.
„Nein. Baudo ist dumm. Ja das ist er. Wie viele Muun hat er kein Rückrad. Nein hat er nicht."
Ella runzelte die Stirn. Schon wieder ein Muun. Die Zuneigung zu dieser Spezies hielt sich in Grenzen. Besonders wenn sie an Terro von Nar Shaddaa dachte. Diese Aliens erzählten gerne viel, um die eigene Haut zu retten. Blieb abzuwarten, wie dieser Zeitgenosse reagierte. Wahrscheinlich würde er versuchen, sich mit irgendwelchen banalen Argumenten aus der Sache herauszureden. Wundern würde sie es nicht.

Die Gruppe erkundigte sich am Empfang nach ihrem Ziel. Der Muun hatte sich ein Zimmer im zweiten Stock gemietet. Das ersparte ihnen die Mühe, nach ihm zu suchen. Jemand, der seine Spuren nicht verwischte war wirklich keine Intelligenzbestie. So erreichten sie letztendlich den Korridor in dem das Zimmer lag. Ella warf einen Blick auf das Schild an der Tür.
„Apartment AA-23. Das ist es. Reek? Du wartest draußen. Wir wissen nicht, wie dieser Kerl reagiert, wenn wir ihn konfrontieren."
Der Ryn nickte und ließ sich einfach auf dem Fußboden nieder, wo er begann fröhlich in die Hände und anschließend auf seine Oberschenkel zu klatschen. Die Vahla sah ihn tadelnd an.

„Mit warten meinte ich eigentlich, dass du keinen Mucks von dir gibst!"
Traurig senkte Reek den Kopf und versuchte still zu halten. Die junge Frau wandte sich Irum zu.

„Was denkst du darüber?"
Der Sluissi schien unsicher.
„Kann ich nicht sagen. Bis jetzt haben wir keine großen Schwierigkeiten. Allerdings sind wir hier auf Coruscant. Die Dinge können sich schnell ändern. Ich will nur, dass du kein Risiko eingehst. Sei vorsichtig."
Als wäre sie nicht von selbst darauf gekommen, wandte sie sich wieder zur Tür. Vorsichtshalber hielt sie eine Hand am Griff ihres Blasters. Man konnte ja nie wissen, was sie dort drinnen erwartete. Ella atmete tief durch. Dann klopfte sie.

„Ja? Wer ist da? Ich habe keinen Zimmerservice bestellt!"
Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Das fing ja prächtig an.

„Baudo? Wir sind hier, um mit ihnen zu reden. Sagt ihnen der Name Andro etwas? Sie schulden ihm ein paar Credits!"
Ein paar Credits war hierbei noch dezent ausgedrückt. Es war mehr, als Andro für die Information über Vydic verlangt hatte.

„Ich kenne keinen Andro! Verschwinden Sie!"
Ella verdrehte die Augen. Hätte sie ja auch gewundert, wenn das hier wie am Schnürchen gelaufen wäre. Sie wandte sich ihrem Ziehvater zu und deutete auf das Schloss der Tür.

„Kennst du dich mit so etwas aus?"
Der Sluissi nickte und holte ein kleineres Schweißgerät hervor. Es war gut, dass er immer ein paar Werkzeuge mit sich trug. Nach ein paar Sekunden kündige ein Klicken an, dass sie freien Weg in das Zimmer hatten. Ella öffnete die Tür.

Baudo stand bei den Fenstern und sah sie perplex an. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sie zu ihm kommen würden. Das Zimmer sah aus wie ein Saustall. Es sah danach aus, als plante er zeitig aufzubrechen. Erschrocken hob der Muun die Hände und wich ein paar Schritte zurück.
„Nein. Bitte. Ich will keinen Ärger! Nehmen Sie sich was sie wollen und verschwinden sie!"
Irum und Ella betraten das Zimmer und schlossen die Tür hinter sich. Baudo schien nicht bewaffnet zu sein. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet, dass man ihn hier finden würde.
„Das geht leider nicht Baudo. Geben sie uns einfach das Geld dass sie Andro schulden und wir werden uns nie wieder über den Weg laufen!"
Dabei legte sie eine gewisse Ernsthaftigkeit in ihre Stimme, um ihm zu verdeutlichen, dass er hier keine Alternative gab. Der Muun bleckte die gelben Zähne und schüttelte den Kopf.

„Ich habe nichts. Ich habe alles verloren! Andro weiß das! Bitte. Lassen sie mich einfach gehen. Ich werde sie dafür belohnen!"
Sie schüttelte den Kopf. Sie hätte es wissen müssen.

„Wie denn? Ich dachte sie hätten nichts? Hören sie zu Baudo. Sie können sich die Sache einfach machen, oder die Geschichte unnötig verkomplizieren. Es ist ihre Entscheidung!"
Sie fühlte sich unwohl. Diese Art von Job sagte ihr nicht zu. Leute zu bedrohen und ihnen Angst einzujagen. Es fühlte sich falsch an. Dennoch blieb ihr nichts anderes übrig. Wenn sie Reva finden wollten, mussten sie eben unkonventionelle Methoden anwenden.

„Was willst du jetzt tun Ella? Er hat das Geld nicht. Jemand, der in solchen Schwierigkeiten steckt wird es nicht noch schlimmer machen, indem er uns anlügt!"
Sie schloss die Augen. Irum hatte Recht. Blieb nur eine Lösung.
„Wir nehmen ihn mit!"
Baudo erschauderte.
„Was? Nein! Das dürfen sie nicht! Bitte. Ich muss hier weg! Für mich ist es hier nicht sicher!"
Aufgeregt schritt er vor den Fenstern auf und ab und fuhr sich dabei mit den Händen durch das Gesicht. Er hatte Angst. Allerdings schien das nicht für sie zu gelten. Schon die ganze Zeit war er so nervös. War es wegen Andro? Nein. Sicher nicht. Etwas anderes musste dahinter stecken. Wegen ein paar Spielschulden würde jemand wohl kaum sein ganzes Hab und Gut zusammen stauen.

„Andro ist Unterhändler. Er kann ihnen sicher helfen."
Der Muun lachte, wobei dies wohl nur dazu diente, seine eigene Furcht zu überspielen.

„Sicher. Der Mann dem ich Geld schulde wird mich mit offenen Armen empfangen. Das wird mich nicht retten. Ich bin bald tot und sie auch wenn sie nicht schnellsten-"

Gerade war er wieder zur Seite getreten. Rechtzeitig, so dass der Schuss nur die Vase auf dem Tisch traf. Irum riss Ella zu Boden und ging mit ihr hinter dem Sofa in Deckung. Die Vahla kam hart auf dem Holz auf. Baudo wimmerte irgendwo in einer Ecke. Die beiden zogen ihre Blaster. Was war hier los?

„Was war das?!"
Sie versuchte sich ein Bild von der Situation zu machen. Der Muun antwortete nicht. Sie sah sich im Zimmer um, ehe sie den Kopf um die Ecke des Sofas wandte. Die Zeit genügte um zu sehen, dass das Fenster zersprungen war, bevor Irum sie wieder zurück zog. Der nächste Schuss verfehlte sie nur knapp und schlug wenige Zentimeter von ihr entfernt im Boden ein. Anscheinend war nicht nur Sky an diesem Baudo interessiert. Eine Information, die er ihnen vorenthalten hatte. Sie ballte die Hand zur Faust. Das veränderte alles. Sie saßen hier wie auf dem Präsentierteller.

„Irum? Kannst du irgendetwas sehen?"
Er schüttelte den Kopf.
„Die Schüsse kommen von weiter hinten. Wahrscheinlich sitzt jemand auf dem Dach eines Gebäudes in der Nähe. Er hat uns im Visier."
Sie knirschte mit den Zähnen.
„Baudo? Wer ist das? Einer ihrer tollen Bodyguards, den sie uns vorenthalten haben?"
Sie konnte hören wie der Muun in seiner Ecke nervös quikte.
„Nein. Nein. Er hat mich gefunden! Er hat mich gefunden! Das war's. Wir sind alle tot. Wir werden-
„SCHNAUZE!", blaffte sie durch den Raum. Dass er die totale Fassung verlor, war das letzte was sie jetzt brauchte.
„Baudo. Sie müssen mit mir reden! Wer ist das?"
„Was weiß ich! Ein verfluchter Söldner! Er ist mir schon seit Wochen auf den Fersen. Ich dachte ich hätte ihn abgeschüttelt. Das ist ihre Schuld! Sie haben ihn direkt zu mir geführt!"
Ein weiterer Schuss fiel in den Raum. Der Aggressor versuchte sie aufzuscheuchen, damit sie einen Fehler machten. Keine gute Ausgangslage. Ella dachte über eine mögliche Lösung nach. Plötzlich piepte ihr Kommunikator. Nachdenklich sah sie auf das Gerät, ehe sie abnahm.

„Ja?"
„Ah. Sehr schön. Das liebe ich an diesen billigen Geräten. Sie haben so viele Sicherheitslücken, dass man beinahe mit jedem reden kann, der einem gerade in den Sinn kommt!"
Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war verzerrt. Dennoch konnte sie mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich dabei um ihren Angreifer handelte. Irum kam etwas näher heran, damit er mithören konnte.

„Sehr witzig. Sie sollten nicht so viel herumballern. Das könnte die Ordnungskräfte auf den Plan rufen!"
Ein Kichern war die Antwort.

„Das bezweifle ich Liebes. Um diesen Teil der Stadt schert sich niemand einen Scheißdreck. Es wird keiner kommen um euch zu retten. Trotzdem müsst ihr nicht sterben. Ihr könnt einfach gehen. Ich will nur Baudo! Überlasst ihn mir. Ihr seid keine Söldner. Das habe ich sofort gemerkt. Wenn ihr weiterkämpft, werdet ihr sterben. Überlegt was euch wichtiger ist: Dieser schmierige Versager, oder euer eigenes Leben."
Der Kerl meinte es wirklich Ernst. Ella lehnte sich gegen das Sofa. Sie konnte nicht einfach aufgeben. Dennoch waren sie für solche Dinge nicht geschaffen. Sie waren Rennfahrer und keine Söldner. Sie musste eine Möglichkeit finden, die Situation zu ihrem Vorteil umzukehren. Suchend sah sie sich im Zimmer um. Das erste was sie tat, war mit dem Blaster sämtliche Lichtquellen im Raum auszuschalten, so dass das Zimmer innerhalb weniger Sekunden komplett im Dunkeln lag.

„Nette Idee Kleines", kam es vom anderen Ende der Leitung.
„Das hier ist kein Spiel. Ich sage es noch einmal: Gebt mir Baudo, oder ihr werdet sterben!"