Das Leben ist wie ein Karussell. Es hört nie auf sich zu drehen. ~Ellis Grey (Grey´s Anatomy)
Nach ihrem Telefonat mit Kate war Amy zu den Cheerleadern gegangen. Sie war in ihrer Middle School auch schon Cheerleader gewesen und kannte daher noch ein paar Routinen. Bei den Cheerleadern musste Amy etwas länger warten bis sie vortanzen durfte, musste dabei zusehen, wie ein Mädchen nach dem anderen abgelehnt wurde. Einige waren zu schlecht, andere durften gar nicht erst vortanzen.
„Nächste!", rief ein Mädchen, was an dem Tisch in der Sporthalle saß. Hinter ihr saßen auf der Tribüne die restlichen Cheerleader. Ein weiteres Mädchen stand hinter dem blonden Mädchen am Tisch. Sie war etwas größer als Amy, hatte langes dunkel braunes Haar, braune Augen und leicht gebräunte Haut. „Amy H. Berkeley."
Amy stand von ihrem Platz auf der Tribüne auf und ging in die Mitte der Halle. „Hallo, mein Name ist Amy Berkeley, ich war in meiner Middle School auch Cheerleader, und tanze nun für euch vor." Amy tanzte eine mittle schwere Routine vor, die sie mit ihren besten Freundinnen angefertigt hatte und sie auch Regionale Meister wurden. Leider gab es damals keinen Nationalen Wettbewerb für Quartett Cheerleading und Amy hatte auch einen Schönheitswettbewerb als die Nationale Cheerleader Meisterschaft stattfand.
Als Amy ihre Routine beendet hatte sah sie zu den Mädchen. Alle schienen unbeeindruckt, bis zu dem Moment, wo das blonde Mädchen ihr eine Uniform hinwarf. „Herzlichen Glückwunsch, du bist im Team. Das erste Training findet Montag um 15:00 Uhr statt. Sei pünktlich. Arbeite bis dahin an deiner Technik, deine Ausdauer war aber schon gut."
Amy fing die Uniform und sah wie die anderen Cheerleader ihr applaudierten. Sie lächelte nur kurz bevor sie sich umdrehte und sich auf den Weg machte die Turnhalle zu verlassen. „Warte!" Das braunhaarige Mädchen lief ihr hinter her. „Ich bin Rose. Rose Dean.", stellte sie sich Amy vor.
„Amy.", sagte Amy. „Ich würde gerne noch mit dir sprechen, aber ich muss gehen. Meine Mom kommt jeden Moment und holt mich ab." Sie drehte sich wieder um und versuchte weiter zu gehen, doch Rose hatte schon nach ihrem Arm gegriffen.
„Ich habe gesehen, dass du auch dich für das Vorsingen für die New Directions eingetragen hattest. Wenn ich du wäre, würde ich eher zu den Troubletones gehen.", sagte Rose zu ihr und lächelte sie an.
„Du hast doch nur Angst, dass ihr nicht genug sein werdet und deswegen nicht bei den Wettbewerben teilnehmen könnt." Hinter Amy war Madison aufgetaucht.
„Das geht dich nichts an Madison. Trag deine Uniform ab morgen Amy, es wäre zu deinem Vorteil.", sagte Rose und ließ Madison und Amy im Flur stehen, da sie wieder zurück in die Turnhalle ging.
„Was hat sie gegen die New Directions?", fragte Amy Madison, als diese mit ihr Richtung Ausgang ging.
Madison blickte Amy an. „Das weiß ich nicht. Aber sie hatte recht mit der Uniform. Wir Cheerios sind stolz auf unseren Status hier an der Schule, und die Uniform wird dir helfen."
Madison nahm Amy kurz in den Arm bevor sie wieder zurück zu den New Directions ging und Amy raus auf den Parkplatz, um auf ihre Mutter zu warten. Am Tag über hatte sie gesehen, wie Schüler mit Slushies beworfen wurden und wie Cheerleader anscheinend die Schule regierten.
Es war viertel nach 4 als Amy begann sich Sorgen zu machen. Ihre Mutter war nie unpünktlich und nun waren es schon 15 Minuten. An ihr Handy ging sie auch nicht mehr.
„Kann ich dir helfen?", erschrocken drehte sich Amy um. Ein junger Lehrer stand vor ihr. War er überhaupt schon Lehrer? Und seine Lippen sahen… recht füllig aus. „Wenn du auf einen der Schulbusse wartest kannst du lange warten. Alle sind schon weg."
„Danke, aber ich warte auf meine Mutter. Sie hat sich bestimmt nur verspätet.", sagte Amy zu ihm.
„Okay." Der Mann sah Amy noch einmal an. „Hattest du vorhin nicht für die New Directions vorgesungen? Ich bin Samuel Evans, Leiter der New Directions.", stellte sich der Mann vor.
„Amelia H. Berkeley, aber alle sagen nur Amy." Amy nahm die Hand, die er ihr hingehalten hatte.
„Wenn du willst, kann ich dich nach Hause bringen. Nicht dass du noch länger hier warten musst.", bot Sam ihr an.
Amy wog vorsichtig die Argumente in ihrem Kopf ab. Sie könnte noch länger hier warten, oder sich von ihrem Lehrer nach Hause bringen lassen. Ihre Mutter würde es zwar nicht gut finden, aber besser als noch länger hier zu stehen. Sie hatte ja auch noch Hausaufgaben zu erledigen.
Zum Schluss hatte Amy sich dann doch für ihre zweite Möglichkeit entschieden und sich von Sam nach Hause bringen lassen. Dabei hatte er das Gespräch auch auf die Cheerleader gebracht, als er ihre neue Cheerleader Uniform gesehen hatte. Laut ihm waren die Cheerleader (oder Cheerios, wie er sie genannt hatte) schon zu seiner Zeit beliebt gewesen. Sein bester Freund war sogar mal von dem Cheerleader Coach dazu gedrängt geworden, wieder den Cheerleadern beizutreten. Zum Glück aller war diese Lehrerin nicht mehr an der Schule.
Es war kurz vor 5 als Sam Amy einige Straßen von ihre eigentlichen Zuhause abgesetzt hatte. Den Rest war Amy innerhalb von 5 Minuten gegangen, blieb dann aber erschrocken am Anfang ihrer Straße stehen. Vor ihrem Haus standen mehrere Polizeiwagen, Nachbarn standen an ihren Fenstern und in ihren Vorgärten und beobachteten die Polizei, wie diese immer wieder aus und ins Haus von Amy und ihrer Familie ging.
„Kann ich dir helfen?", fragte eine etwas ältere Streifenpolizistin Amy, als diese Amy gesehen hatte, wie sie vor dem Haus stehen geblieben war.
„Wissen Sie, was hier passiert ist?", fragte Amy mit leiser Stimme. Sie hoffte, dass mit ihren Eltern alles in Ordnung war und diese auf sie zuhause warteten.
„Die Besitzer wurden bei einem Autounfall getötet. Wir suchen nun nach Hinweisen wieso dies passiert ist. Kanntest du das Ehepaar was hier gelebt hatte?" Die Besitzer. Getötet. Ihre Eltern waren tot? Ihre Eltern? Das konnte nicht wahr sein! Ihre Eltern durften nicht tot sein! Sie hatte doch sonst niemanden.
„Miss?" Die Stimme der Polizistin riss Amy wieder aus ihren Gedanken. „Ist alles okay bei dir?"
Amy konnte nur schwach nicken. Wo sollte sie nun hin? Wäre sie in Kenner gewesen, würde sie nun zu Ashley gehen. Oder zu Kate oder Maya. Aber sie war nicht in Kenner. Sie war in Lima, Ohio. Noch nie hatte sie den Umzug so gehasst wie jetzt. Ja, sie musste ihre Hobbys und Freunde zurücklassen, aber nie hätte sie gedacht, dass sie dadurch ihre Eltern verlieren könnte.
Amy kam Stunden später wieder zurück zu dem Haus. Den Restlichen Nachmittag hatte sie in einem kleinen Café in der Innenstadt von Lima verbracht. Der Kaffee war nicht der beste gewesen, aber besser als nichts. Dabei trank Amy eigentlich gar keinen Kaffee, doch da Maya immer Kaffee trank wenn sie nachdachte hatte Amy sich an Kaffee gewöhnt.
Das Haus lag im Dunkeln, die Haustür war versiegelt, doch als Tochter des Polizeichefs einer kleinen Vorstadt hatte sie so einiges gelernt. Wie das lösen eines Polizeisiegels ohne Spuren zu hinterlassen. Mit ihrer Handytaschenlampe leuchtete Amy im Haus herum. Wenn sie das Licht anmachen würde, würde es zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Wenn ihre Eltern etwas zu verheimlichen hatten, würde Amy es bestimmt in dem Arbeitszimmer ihres Vaters finden. Die Chancen waren hoch, dass die Polizei das Arbeitszimmer nicht gefunden hatte, da es eine Geheimtür hatte, von der nur Amy und ihre Eltern wussten.
Im Arbeitszimmer machte Amy das Licht wieder an. Sie hatte Glück, dass es keine Fenster hatte. Alles sah noch so aus, wie am Vortag, als Amy zum letzten Mal hier drin war, gemeinsam mit ihrem Vater. Sie hatte ihm geholfen, seine Waffensammlung zu putzen. Auf dem Schreibtisch ihres Vaters lagen ein paar alte Fallakten, die er mit nach Lima genommen hatte, sein Laptop war nicht da, aber Amy wusste, er hatte im Wohnzimmer gestanden und war damit von der Polizei eingesammelt worden.
Vorsichtig versuchte Amy eine der Schreibtischschubladen zu öffnen, doch sie war abgeschlossen. Mit ihrer Haarnadel versuchte es Amy nochmal und schaffte es dieses Mal. Es waren nur ein paar Akten und ganz oben lagen Bilder von Amy und ihren Eltern bei einem Schulfest und dem letzten Weihnachtsfest. Weihnachten und Thanksgiving waren die einzigen Tage an denen die Familie mehr als 4 Stunden gemeinsam verbrachten. Sonst lebte Amy ihr eigenes Leben, unabhängig von ihren Eltern. Sie wollte gerade die Schublade schließen, als ihr Blick auf den Namen der Akte fiel. Es war ein Fall, der inzwischen 15 Jahre alt war. In der Akte befand sich neben der Geburtsurkunde eines Babys auch die Sterbeurkunde des Babys und ein paar Zeitungsartikel, was Amy nicht verwunderte. Was sie aber verwunderte war, dass es auch Fotos einer Überwachungskamera gab, und die Frau sah ihrer eigenen Mutter zum Verwechseln ähnlich.
„Plötzlicher Kindstot - Baby starb im Lokalen Krankenhaus nach nur 3 Tagen" war die Überschrift des einen Artikels. „Frau bringt Kind zur Welt und Verschwindet. Polizei bittet um Mithilfe der Bevölkerung. Kennen Sie diese Frau?", stand auf dem zweiten, darunter das Bild einer Hochschwangeren Frau.
Wieso hatte ihr Vater die Details zu diesem 15 Jahre alten Fall und wie stand ihre Mutter damit in Verbindung. All diese Fragen wurden für Amy plötzlich unwichtig, als sie sich die Geburtsurkunden ansah.
Hier habt ihr das zweite Kapitel und auch euren ersten eigenen Charakter. Die Anmeldung für weitere Charaktere steht noch weit offen, also wer Lust hat, einfach den Steckbrief am Ende des ersten Kapitels ausfüllen und mir per PN schicken. Über Reviews, Alerts und Favorisierungen freue ich mich immer. Noch einen schönen Abend allen.
LG Lilly
