Schattenprinz
Outtakes
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Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.
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III
Das weiße Rauschen
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AN: Eine alternative Begegnung zwischen Miguel und Hraban. Was wäre passiert, wenn Miguel aggressiv auf Hrabans arrogante Art reagiert hätte? – Angesiedelt vor Miguels Vergewaltigung durch Lucius.
Ich entschuldige mich im Voraus bei allen Hraban-Fans: Das hier wird eurem Bild von ihm empfindlich schaden ... ;-)
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„Ich weiß auch nicht." Miguel zuckte mit den Schultern. „Ich fühle mich einfach so leer. So absolut leer. Wahrscheinlich hab ich mich früher auch schon so gefühlt, aber da war das Heroin, der Sex – das hat mich irgendwie abgelenkt. Aber jetzt ... ich sitze den ganzen Tag in diesem Zimmer und starre an die Decke oder aus dem Fenster. Severus kommt dreimal täglich, er schläft bei mir und in der Regel sagt er in vierundzwanzig Stunden nicht mehr als drei oder vier Sätze."
Hraban seufzte und streckte die Hand nach ihm aus.
„Und warum zum Teufel", fauchte Miguel plötzlich, „glaubt eigentlich jeder von euch, dass er mich ungefragt anfassen kann?!"
Überrascht zuckte Hraban zurück.
„Ich bin nicht euer gottverdammtes Spielzeug, kapiert ihr das nicht?! Ich bin ein Mensch, Scheiße noch mal, ein Mensch!"
„Beruhig dich!", sagte Hraban, selbst nur mühsam beherrscht. Eine unausgesprochene Warnung schwang in seinen Worten mit.
„Scheiße, nein! Ich will mich nicht beruhigen! Leck mich!"
Hraban hob abermals die Hand.
„FASS MICH NICHT AN!" Miguel schlug ihm auf den Arm.
„Wag es nicht!", zischte Hraban und hatte im Bruchteil einer Sekunde den Zauberstab gezogen. „Wag es nicht, mich zu schlagen!"
Miguel stand einen Moment still. Dann hob er die rechte Hand, ganz langsam, und schlug Hraban mitten ins Gesicht.
Hraban brauchte nur einen Augenblick, um sich von seinem Schock zu erholen. Wortlos hob er den Zauberstab. Ein roter Lichtstrahl fuhr wie eine Peitsche über Miguels Gesicht. Mit einem Schrei riss er die Hände hoch und sprang zur Seite, um sich vor den Schlägen zu schützen, die Hraban auf ihn niedersausen ließ.
„Immobilia!"
Miguel sackte in sich zusammen. Hraban versetzte ihm mehr als ein Dutzend Hiebe, ehe er den Zauberstab wegsteckte. Heftig atmend beugte er sich über sein Opfer und rollte es auf den Rücken. „Wie kannst du es wagen!", zischte Hraban. Jede Spur von Sanftheit war aus seiner Stimme und seinem Blick verschwunden. Dann sah er Miguels Augen, in denen ein Ausdruck absoluten Horrors stand. Sein Zorn verrauchte in derselben Sekunde. Er hob den Immobilia-Fluch auf.
„Was machst du nur für einen Mist!", sagte er kopfschüttelnd und zog den vor Angst erstarrten Miguel vom Boden hoch. Der Muggel hing schlaff wie eine Puppe in seinem Griff. „Was hast du dir nur dabei gedacht?", fragte Hraban vorwurfsvoll. Unsicherheit stieg in ihm auf. Miguel reagierte nicht auf seine Anrede. Er sah stur geradeaus und half nicht mit, als der Todesser versuchte, ihn auf die Füße zu ziehen. Schließlich gab Hraban auf und ließ den jungen Mann wieder zu Boden gleiten. „Scheiße, verfluchte!", knurrte er. Miguels Augen weiteten sich vor Entsetzen, als er erneut seinen Zauberstab zückte. „Schhht, Miguel, alles okay, ich tu dir nicht weh. Ich will dich nur untersuchen, ja?" Die Panik verschwand nicht aus Miguels Blick.
Scheiße. Da muss irgendwas getriggert haben ...
Blitzschnell ging Hraban verschiedene Möglichkeiten durch. Er entschied sich schließlich dafür, dass Aemilius den Immobilia-Fluch wahrscheinlich bei der Folter angewandt haben musste, um Miguel ruhig zu halten. Stumm fluchte er in sich hinein. Es gab Situationen, in denen er mit widerlich vorhersehbarer Regelmäßigkeit die Kontrolle über sich verlor, und körperliche Angriffe gehörten eindeutig dazu.
Miguels Atem ging viel zu hastig.
„Ruhig Miguel, ruhig. Ist ja gut."
Hraban hob den jungen Mann an den Schultern hoch und bettete ihn in seinen Schoß.
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Miguel war gefangen – gefangen in seinem eigenen Körper. Er sah und hörte nichts, oder vielmehr: Er sah und hörte Weiß. Ein gleißendes, rauschendes Weiß.
Er war aus der Welt gefallen.
Es war, als hätte er aufgehört zu existieren.
Was er fühlte, war nicht Angst, sondern Leere. Tabula rasa. Alles war ausgelöscht.
Irgendwie gefiel sie ihm, diese Leere, diese Abwesenheit jeglichen Gefühls. Endlich war er sicher – hier konnte ihn nichts mehr erreichen.
Und dann, nach einer Ewigkeit oder einem Lidschlag, erreichte ihn doch etwas. Es war kein Ton, kein Bild, sondern eine Berührung. Jemand streichelte sein Gesicht, sehr sanft, sehr behutsam, als hätte er Angst, etwas kaputtzumachen. Und obwohl ein Teil von Miguel es unendlich satt hatte, berührt zu werden, und eine Stimme ihn anflehte, ewig in diesem weißen Rauschen zu bleiben, zog die Berührung ihn allmählich zurück an die Oberfläche.
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„Miguel." Hraban sah, wie sich etwas in den dunklen Augen veränderte. Eine Tür ging auf und sie lebten wieder.
Eingedenk der Tatsache, dass eine ungebetene Berührung der Auslöser für Miguels gegenwärtigen Zustand gewesen war, wollte Hraban seine Hände rasch zurückziehen. Doch Miguel packte seine Handgelenke und hielt ihn eisern fest.
Sie sahen sich minutenlang in die Augen.
„Es tut mir leid", sagte Hraban endlich.
Miguel ließ ihn los und setzte sich auf.
„Soll ich dir wieder ins Bett helfen?"
Entschieden schüttelte Miguel den Kopf. „Nein. Ich lieg eh viel zu viel rum, seit ich hier bin. Ich will raus." Seine Stimme hatte einen entschlossenen Klang, den Hraban nicht an ihm kannte.
„Miguel ... Ich weiß nicht, ob das so eine tolle Idee ist ..."
„Bitte", sagte Miguel und es klang wie ein Befehl.
Hraban zögerte. „Okay", sagte er endlich, stand auf und hielt Miguel die Hände entgegen, um ihm vom Boden hochzuhelfen. Doch Miguel schüttelte abermals den Kopf und stand alleine auf, etwas wacklig zwar, aber er stand.
Schweigend öffnete Hraban die Tür, führte Miguel über Korridore und Treppen, durch das Speisezimmer – und schließlich hinaus in den Garten.
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Sonne. Der Geruch nach frisch gemähtem Gras. Ein leiser Wind, der über sein Gesicht fuhr und an seinen Haaren zupfte.
Miguel machte genau dreiundzwanzig Schritte, ehe er sich zu Boden sinken ließ und sich mit verzücktem Gesichtsausdruck der Länge nach auf dem Rasen ausstreckte. Nach kurzem Zögern setzte Hraban sich neben ihn.
Als einige Minuten verstrichen waren, sagte Hraban leise: „Es ist schwer für dich."
„Ja."
„Ich wusste nicht ... ich dachte ... Na ja, du hast ein Dach über dem Kopf, zu essen, deine Krankheiten werden behandelt ... Wenn ich an den Zustand denke, in dem du warst, als ich dich das erste Mal gesehen habe ... Ich dachte wirklich, du wärst ganz zufrieden hier."
„Wärst du's denn? An meiner Stelle?"
Hraban brauchte nur drei Sekunden, um eine Antwort zu finden. „Nein", sagte er fest.
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