Schattenprinz

Outtakes

SSSSSSS

Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.

SSSSSSS

VI

Miguel

SSSSSSS

Eigentlich ist er noch ein Kind ...

SSSSSSS

AN: Ein alternatives Ende für Kapitel 22.

SSSSSSS

„Raimond hat gesagt, dass ich jeden Tag reiten darf, wenn ich mich bei der Arbeit anstrenge. Jeden Tag, stell dir das mal vor, Severus!"

Severus seufzte leise und eine Spur genervt. Neben ihm tanzte Miguel über den Kiesweg in Richtung des Hauses.

Er ist ein Kind. Eigentlich ist er noch ein Kind.

Die Erkenntnis traf Severus unerwartet – und sie tat ein bisschen weh. Miguel war drei Jahre älter als er, hatte ein hartes Leben als Heimkind, Fixer und Stricher hinter sich, nicht zu vergessen das, was ihm auf Malfoy Manor widerfahren war, und dennoch hatte er mehr von seiner Kindlichkeit retten können als Severus.

Severus fragte sich bitter, wann er das letzte Mal so fröhlich und unbeschwert gewesen war wie sein Freund – seit Aemilius den Ausdruck verwendet hatte, hatte Severus begonnen, ihn ebenfalls auf seine Beziehung zu Miguel anzuwenden. Kopfschüttelnd beobachtete er den hüpfenden, tanzenden und absolut lächerlich wirkenden jungen Mann an seiner Seite und konnte sich wirklich nicht erinnern, jemals so übermütig gewesen zu sein.

„Severus, nun guck doch nicht so verkniffen!"

Severus sah aus ernsten Augen auf Miguel. Sofort verblasste dessen Fröhlichkeit. Mit einem unterdrückten Seufzen verfiel der junge Mann in einen gleichmäßigen Trott und warf Severus nur noch gelegentlich scheue Blicke von der Seite zu.

„Ich wollte dir den Spaß nicht verderben", sagte Severus gedämpft.

Miguel lächelte schief und Severus glaubte, in den dunklen Augen schon wieder eine Spur von Furcht zu erkennen.

Was ist bloß los mit mir? Vorhin hab ich mir doch noch gewünscht, er sollte öfter glücklich sein ... Und jetzt verderbe ich ihm die ganze Freude.

Die Wahrheit war, dass der grüne Eifersuchtsdrache seine Zähne fest in Severus' Herz geschlagen hatte. Wieso interessierte Aemilius sich auf einmal für Miguel? Warum nahm er sich die Zeit, ihn eigenhändig auf eins seiner Pferde zu setzen und ihn zu unterrichten? Zu einer Stunde, in der – nebenbei gesagt – eigentlich Severus' Okklumentik-Lektion hätte stattfinden sollen?

Severus hatte noch nie einen Menschen ganz für sich allein gehabt. Und nun sollte er Miguel bereits nach so kurzer Zeit mit Aemilius teilen. Oder störte es ihn vielleicht noch mehr, dass er plötzlich Aemilius mit Miguel teilen musste? Er wollte weder auf die volle Aufmerksamkeit seines Freundes, noch auf die ganz auf ihn gerichtete Anerkennung seines Lehrers verzichten.

Lautlos fluchte Severus in sich hinein. Warum musste das Leben immer so verdammt kompliziert sein?

SSSSSSS

Miguel und die Hunde

SSSSSSS

AN: Zwei herausgenommene Szenen aus Kapitel 24.

SSSSSSS

Jetzt müsste ich Rollschuhe haben und eine schöne glatte Piste. Oder Schnee und einen Schlitten, dachte Miguel, während er hinter den aufgeregt hechelnden Hunden her trabte.

„Langsam, Ferra!"

Mit den beiden käme ich in null Komma nichts von A nach B.

„Afra, brrr!"

Allmählich wurden die Hunde langsamer, verharrten immer öfter, um ihre Nasen in vermutlich eher überlriechende Duftmarken zu tauchen oder sich in höchstwahrscheinlich sehr unappetitlichen Dingen zu wälzen. Miguel koppelte die Leinen aneinander, so dass er eine Hand frei bekam, um über die blühenden Gräser und Kräuter am Wegesrand zu streichen.

Oh, an die erinnere ich mich, dachte er, als seine Finger über die rotviolette Blüte einer Wiesenflockenblume glitten. Die hat Annie besonders gern gemocht.

Bei ihren Sonntagsausflügen hatten sie immer Blumen gepflückt, seine Mutter, seine beiden Schwestern und er. Sein Vater hatte derweil an irgendeinem Baum oder Zaun gelehnt und missbilligend den Kopf geschüttelt. „Verflucht noch mal, Michael, du bist ein richtiges Weibsbild!"

Damals. In einem anderen Leben. Miguel zögerte, den Blütenstengel zwischen den Fingern. Dann öffnete er die Hand und ließ die Blume stehen.

SSSSSSS

Miguel und Rih

„Genug für heute", entschied Aemilius kategorisch. „Severus' Unterricht müsste in fünfzehn Minuten zu Ende sein – und du willst ihn doch nicht warten lassen, oder? – Rih!"

Miguel drehte sich um und sah den Hengst auf sie zu traben. „Ich dachte, der ist so gefährlich ...", murmelte er.

„Manchmal. Aber nicht, wenn ich mit dir oben sitze." Aemilius hielt Miguel die Hände hin und hob ihn aufs Pferd. Rih war nicht gesattelt, trug aber ein prachtvoll verziertes Zaumzeug. Der Hengst drehte den Kopf und beschnoberte Miguels Bein. Dann begann er, auf seinem Schnürsenkel zu kauen.

„He ..." Miguel zog den Fuß zurück, doch Rih erwies sich rasch als der Stärkere. Den Schnürsenkel fest zwischen den gelben Zähnen, drehte er den Kopf zurück nach vorne. Miguels Bein folgte zwangsläufig. „He!" Fast hätte er das Gleichgewicht verloren.

„Rih!", tadelte Aemilius sanft. Mit einem missmutigen Schnauben gab das Pferd Miguel wieder frei. Rasch blickte er zu Aemilius hinüber, der an der Ruhestätte seiner Frau stand und sich mit einem Kuss von ihr verabschiedete. Er sprach auch mit ihr, aber so leise, dass Miguel seine Worte nicht verstehen konnte. Dann kam Aemilius zu ihnen herüber und schwang sich hinter Miguel auf den Pferderücken. Rih grunzte missgelaunt.

„Sind wir nicht zu schwer für ihn, Sir?", fragte Miguel besorgt.

„Eigentlich schon, aber für die kurze Strecke bis zum Stall wird es ausnahmsweise gehen. Es ist fast vier Uhr, Severus dürfte jede Minute mit seinem Unterricht fertig sein. Und, wie gesagt: Wir wollen ihn doch nicht warten lassen, oder? Schließlich habe ich ihm extra zwei Stunden täglich freigegeben, damit er mit dir zusammensein kann."

SSSSSSS

Schutz und Schirm

SSSSSSS

AN: Eine alternative Version des Homagium-Schwurs in Kapitel 28. Ursprünglich war geplant, nur Aemilius und Miguel durch Magie aneinander zu binden, so dass Severus wesentlich freier in seinen Entscheidungen gegenüber Miguel gewesen wäre.

SSSSSSS

„Miguel ...", erklärte Aemilius ruhig. „Vor zwei Wochen, da habe ich dich einfach in Besitz genommen und als mein Eigentum gekennzeichnet. Aber ich würde gerne etwas ändern an deinem Rechtsstatus."

Miguel sah ihn überrascht an. „Sir?", fragte er unsicher.

„Im Moment bist du rechtlos. Ich kann alles mit dir tun, was mir in den Sinn kommt. Aber ich würde dich gern enger in die Familie aufnehmen."

„Sir, ich glaub nicht, dass es bei dieser Sache wirklich auf meine Meinung ankommt", stellte Miguel mit einem gezwungenen Lächeln fest.

Aemilius lächelte auch, aber freundlich, leicht amüsiert sogar. „Doch. In diesem Fall schon. Ich möchte dich mit dem Homagium-Schwur an mich binden. Dafür ist es aber erforderlich, dass du dein Leben freiwillig in meine Hände legst."

„Ich bin schon in Ihrer Hand", erwiderte Miguel, bitter jetzt.

„Der Homagium-Schwur beinhaltet eine gegenseitige Verpflichtung. Er würde eine dauerhafte Verbindung zwischen uns schaffen. Beide Seiten verpflichten sich mit ihm zu Schutz und Schirm der jeweils anderen. Ich wäre dann magisch gebunden und müsste für deine Sicherheit und dein Wohlergehen sorgen – solange, bis du in eine Auflösung des Eides einwilligst."

Er will was von mir?! Dass ich ihn zwinge, mich zu beschützen?!

„Sir ... ich verstehe nicht ...", erwiderte Miguel unsicher.

„Das musst du auch nicht", sagte Aemilius ruhig. „Bist du bereitet, den Schwur zu leisten, ja oder nein?"

Miguel zögerte eine Sekunde. Aber was hatte er zu verlieren?

„Ich ... ja, Sir."

Aemilius erhob sich. „Knie nieder. – Nein, nur auf ein Knie. So ist es richtig."

Was soll das? Was hat er vor mit mir?

Eine leise Panik kroch in Miguel hoch und er verspannte sich in ängstlicher Erwartung magisch zugefügter Schmerzen.

„Leg die Hände aneinander – wie beim Beten. Genau."

Aemilius neigte sich zu ihm herab, schob ihm den Zauberstab zwischen die gefalteten Hände und umfasste sie dann mit seinen eigenen. „Schutz und Schirm", sagte er laut. „Bist du – wie heißt du mit vollem Namen?"

„Starkey ... Michael Robin Starkey. Meine Mutter hat mich immer Miguel genannt, aber mein Taufname ist Michael."

„Schutz und Schirm", setzte Aemilius erneut an. „Bist du, Michael Robin Starkey, genannt Miguel, bereit, dein Leben in meine Hände zu geben?"

„Ja."

Ein blassblaues Licht entströmte dem Zauberstab und umgab ihre Hände mit einer leuchtenden Wolke.

„So nehme ich, Lucius Abraxas Aemilius Malfoy, dein Leben an, es zu schützen und zu schirmen, solange ich atme oder bis du diesen Eid aus freien Stücken löst."

Die blaue Wolke verdichtete sich. Miguels Finger begannen zu kribbeln.

„Schutz und Schirm. Bist du, Michael Robin Starkey, bereit, mein Leben mit dem deinen zu schützen, solange du atmest oder bis ich diesen Eid aus freien Stücken löse?"

„Ich ... ja."

Die Wolke begann zu zischen und sich zu teilen. Zwei blaue Ringe schwebten in der Luft, sanken auf ihre Handgelenke hinab. Ein Energiestoß schoss durch Miguels Körper. Dann sickerte das Blau in seine Haut und verblasste.

„Huh", machte Miguel, als Aemilius seine Hände losließ und den Zauberstab wieder an sich nahm. „Das war ja schräg."

„Steh auf", sagte Aemilius freundlich. Doch Miguel war furchtbar wacklig auf den Beinen. Lachend packte Aemilius ihn an beiden Armen. „Ich vergesse immer wieder, dass Muggel anders auf Magie reagieren als wir."

„Huh!", wiederholte Miguel. Ihm war ziemlich schwindelig.

SSSSSSS

Familienbande

SSSSSSS

AN: Ein alternatives Ende für Kapitel 25 – wobei die oben stehende Szene mit dem Homagium-Schwur zwischen Aemilius und Miguel vorweg zu denken ist.

SSSSSSS

Miguel dachte an seine zwei Tage zurückliegende Begegnung mit dem Hausherrn.

Schutz und Schirm ...

„Das wird er schon nicht, Severus. Mich töten, mein ich. Ich ... ich hab dir bisher nichts davon gesagt, weil Aemilius ... nun ja, er hat mich gebeten, die Sache möglichst für mich zu behalten. Aber vielleicht ist es besser, wenn ich dir erzähle, was vor zwei Tagen passiert ist ..."

Severus hörte ihm sehr aufmerksam zu, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen.

„Der Homagium-Schwur ...", sagte Severus nachdenklich, nachdem Miguel geendet hatte. „Das verstehe ich nicht."

„Kennst du den Schwur? Weißt du, was genau er bedeutet? Aemilius wollte es mir nicht erklären."

„Ja, ich kenne ihn ... Aber ich verstehe nicht, was Aemilius damit bezwecken will." Severus schüttelte verwirrt den Kopf. „Dieser Eid bedeutet nicht, dass Aemilius dich nicht mehr töten darf. Aber der Homagium-Schwur unterscheidet sehr genau zwischen den Motiven des Herrn. Er würde eine Tötung nur dann tolerieren, wenn sie im Interesse des Dienstmannes liegt – nur dann, wenn der Tod ihn vor ... vor Schlimmerem bewahrt. Falls der Herr seinen Untergebenen aus niedrigen Beweggründen aus der Welt schaffen will, muss er damit rechnen, von heftigen Schmerzen heimgesucht zu werden. Und es ist extrem schwierig, diese Schmerzen wieder loszuwerden – selbst mit Hilfe von Schwarzer Magie ist das so gut wie unmöglich. Soweit ich weiß, zumindest."

Dann ging es also gar nicht darum, dass er mein Leben schützen will? Aber was will er dann?

„Er hat gesagt, dass er mich enger in die Familie aufnehmen, mich an sich binden will", erinnerte sich Miguel plötzlich.

„Das wäre natürlich eine Möglichkeit ..." Severus betrachtete ihn nachdenklich. „Ich glaube fast, dass er dich damit auszeichnen wollte. Durch den Homagium-Schwur wirst du beinah so was wie ein Familienmitglied. In Aemilius' Augen ist das sicher eine verdammt außergewöhnliche Stellung für einen Muggel."

„Aber das hätte er doch auch anders machen können ... Wieso verpflichtet er sich, mein Leben ‚zu schützen und zu schirmen', wenn ihm eigentlich gar nichts an mir liegt?"

SSSSSSS

Warum?

SSSSSSS

AN: Ein kleines Gespräch zwischen Aemilius und Avery, das so etwas wie eine Antwort auf Miguels Frage in der vorangegangenen Szene sein könnte. Angesiedelt am Ende der Geschichte, parallel zu den Abschiedsszenen zwischen Lucius und Harban sowie Severus und Miguel in Kapitel 29.

SSSSSSS

„Ah, Jim, komm rein." Aemilius ließ die Feder sinken und schob das Pergament zur Seite, an dem er soeben gearbeitet hatte. „Wie geht es Miguel?"

Avery zog sich den Besuchersessel heran und ließ sich zufrieden seufzend darauf nieder. „Gut. Er ist gesünder als du oder ich es sind. Die Hepatitis ist ausgeheilt, sein Herz hat sich fast völlig erholt ... Was Lucius und seine Freunde mit ihm angestellt haben, hat auch keine Narben hinterlassen. Keine körperlichen zumindest."

Aemilius nickte befriedigt.

„Warum machst du das, Aemilius?", fragte Avery unvermittelt. „Warum nimmst du Miguel in Schutz? Ich weiß, dass dir viel an Severus liegt, aber gemeinsam hätten wir ihn sicher davon überzeugen können, Miguel aufzugeben ... Es ist ein Wunder, dass der Junge noch lebt, nachdem er es gewagt hat, den Wünschen des Dunklen Lords entgegenzutreten."

„Hmm." Aemilius erhob sich von seinem Stuhl und ging zur Bar hinüber. „Cognac? Wein?"

„Hast du noch was von diesem grandiosen Schlehenschnaps?"

Mit einem leisen Lächeln füllte Aemilius ein kleines Glas mit einer grünlichen Flüssigkeit und reichte es seinem Gast. „Bitte sehr." Er selbst schenkte sich einen Cognac ein und setzte sich Avery gegenüber in den zweiten Sessel. Nach einem kleinen Schluck Cognac begann Aemilius leise: „Er muss frei sein, Jim. Severus, meine ich. Noch glaubt er, dass er liebt ... Er muss selbst herausfinden, dass er nur schwärmt. Solange er aber an dem Muggeljungen hängt, solange werde ich Miguel zu schützen wissen. Severus ist wie ... ein Geschenk für mich. Ein ... ein zweiter Sohn. Mein wahrer Sohn. Ich ... niemand nimmt meinem Sohn etwas weg, woran er sein Herz gehängt hat. Niemand. Nicht einmal der Dunkle Lord. Und auch ich selbst nicht."

SSSSSSS