Angels Eyes - Forgivness

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by CarpeDiem

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Once there was a time

*2*

Remus Lupin saß in seinem alten Ledersessel, den Kopf in die Hände gestützt. Durch seine braunen Haare, die ihm über die Hände fielen, zogen sich schon viel zu viele graue Strähnen und mit jedem weiteren Jahr wurden es ein paar mehr.

Er fühlte sich grauenvoll. Er fühlte sich immer grauenvoll wenn Vollmond war.

Eine weitere Welle des Schmerzes zuckte durch seinen Körper und er verkrampfte jeden Muskel. Erst als der Schmerz wieder nachgelassen hatte, atmete er aus und tief wieder ein. Er hasste den Mond und er hasste den Wolf. Das hatte er schon immer. Und das hatte es nicht gerade leicht für ihn gemacht sich zu akzeptieren, sein Leben zu akzeptieren. Im Grunde hatte er das nie.

Sein Leben… wenn man es denn Leben nennen konnte. Mit sechs Jahren hatte ihn Greyback gebissen und seit diesem Tag hatte er nie wieder ruhig schlafen können. Sein ganzes Leben lang hatte er nach etwas gesucht, das er nie gefunden hatte und wahrscheinlich nie finden würde. Seinen Frieden.

# I ... I'm a roamer in time

I travel alone

Throughout an endless journey #

Obwohl, so war das nicht ganz richtig. Ein Mal hatte er eine Art von Frieden gefunden, für zwei Jahre. Doch auch in diesen zwei Jahren war er bis auf wenige Momente unglücklich gewesen. In diesen zwei Jahren hatte er zum ersten Mal in seinem Leben jemanden gehabt, der ihn ohne Bedingungen zu stellen und ohne Vorurteile geliebt hatte. Sirius.

Es war schwer für einen Werwolf eine Beziehung zu haben, nicht nur aus dem Grund, dass er in gewissen Situationen wenig Kontrolle über den Wolf hatte, ein kleiner Biss von ihm und sein Partner wäre ebenfalls infiziert worden. Aber Sirius hatte das nicht abschrecken können und das hatte Remus unsagbar glücklich gemach.

Früher waren sie nur Freunde gewesen und es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er ihn sogar gehasst. Dachten doch alle er hätte James und Lily verraten. Doch als er ihm nach 12 Jahren dann wieder gegenübergestanden war, hatte er nicht länger an diesem Hass festhalten können. Er hatte sich 12 Jahre lang von einer Lüge leiten lassen und noch heute hatte er immer noch mit seinen Schuldgefühlen zu kämpfen. Er hatte nicht an Sirius geglaubt, er hatte ihm nicht geholfen. Doch all das hatte er nachgeholt. Er war für ihn da gewesen und nach einiger Zeit war mehr daraus geworden, als er sich je zu träumen erhofft hatte. Liebe, ein kleines Stückchen Glück.

Doch auch dieses Glück war ihm verwehrt geblieben. Die Erinnerungen holten ihn jedes Mal wieder schneller ein, als ihm lieb war. Doch keine Träne rann über sein Gesicht, kein gequälter Ausdruck trat auf seine Züge, als er daran dachte wie Sirius im Ministerium hinter den schwarzen Schleier gefallen war. Die Tränen waren schon längst versiegt, und sein Gesicht hatte es schon längst aufgegeben Gefühle zu zeigen. Sirius war jetzt zweieinhalb Jahren tot und nichts was er tat, konnte ihn oder die Stunden, die sie gemeinsam verbracht hatten, zurückbringen.

Er sehnte sich nach einem Ort an dem er sich frei fühlen konnte und der ihm nicht wieder genommen werden würde.

# Home ... where is my home

Fragments of a love life

I won't surrender#

Er hatte die Hoffnung auf diesen Ort noch nicht gänzlich aufgegeben und in seinem tiefsten Inneren würde es das auch nie, schließlich hatte er ihn schon einmal gefunden, aber er machte sich keine Illusionen mehr.

Eine weitere Welle des Schmerzes überflutete seine Nervenenden und diesmal konnte er nicht verhindern, dass sein ganzer Körper unkontrolliert zitterte. Es waren nur noch wenige Minuten bis der Mond aufgehen würde. In Momenten wie diesen wünschte er sich manchmal er würde einfach sterben. Er könnte einfach dieses ganze verkorkste Leben hinter sich lassen und an irgendeinen Ort gehen, an dem es keine Schmerzen und keinen Mond gab. Und an dem er bei Sirius sein konnte. Ein Ort an dem er seinen Frieden finden würde und an dem alle Fehler, die er in seinem Leben gemacht hatte, bedeutungslos sein würden.

#When the spirits are calling my name

Then I will have passed all the sorrow and pain

and I`ll go to heaven with you

I´ll lay down my head on your pillow

and ask for forgiveness#

In Hogwarts, während seiner Schulzeit war er das erste Mal glücklich gewesen. Dort hatte er Freunde gehabt, Freunde die ihn akzeptiert hatten. Nicht so wie seine Eltern. Als sein Vater erfahren hatte, dass er gebissen worden war, hatte er sich von ihm abgewendet. Er hatte Angst von ihm gehabt und kein Wort mehr mit ihm geredet. Seine Mutter hatte sich Vorwürfe gemacht und sich völlig zurückgezogen. Schon damals war er auf sich gestellt gewesen.

#Once, I was just a child,

eyes are wide open

you left me broken hearded#

Auf sich gestellt, etwas aus seinem Leben zu machen. Das hatte sich als schwieriger herausgestellt hatte, als er sich das vorgestellt hatte. Er war immer auf der Suche nach einem Ziel gewesen. Ein Ziel, an dem er sich ausruhen konnte, an dem der Kampf überstanden sein würde. Der Kampf gegen den Rest der Welt, gegen alle Vorurteile, die die Hexen und Zauberer ihm gegenüber hatten.

In Hogwarts hatte es so einen Ort gefunden. Zu seiner Schulzeit hatte er hier Freunde gehabt, die ihn akzeptiert hatten und mit Dumbledore einen Mann, der sich nicht um Vorurteile geschert, und ihm eine Chance gegeben hatte.

Doch letzten Endes war es immer an ihm gelegen sich durchzuschlagen und für einen kleinen Lichtblick zu kämpfen.

#Fly, now I have to fly

searching for the light

I won't surrender#

Dennoch war er weit davon entfernt aufzugeben. Er war als letzter seiner Freund noch am Leben und er hatte nicht vor ihr Andenken zu verraten indem er seinem Leben selbst ein Ende setzte, obwohl er sich wünschte, er könnte bei ihnen sein. Eines Tages würde er das, aber bis zu diesem Tag würde noch viele Male der Vollmond aufgehen.

#When the spirits are calling my name

Then I will have passed all the sorrow and pain

and I`ll go to heaven with you

I´ll lay down my head on your pillow

and ask for forgiveness#

Ein weiteres Zittern lief durch seinen Körper und als er den Kopf hob, sah er den Mond durch sein Fenster und eine kleine Stimme vervollständigte seinen letzten Gedanken. Er würde sein Ziel erreichen und sein Ziel war der Tod.

# # #

Ein paar hundert Meter weiter oben, über der Welt, in einer anderen Dimension, saß ein Wesen auf einem Wolkenfetzen und beobachtete die Situation unten ihm. Es sah aus wie eine Frau in ihrem langen, blassgrünen Kleid und mit der niedlichen Stupsnase und den langen Türkis farbenen Haaren.

Die nackten Füße hingen über den Rand der weißen Wolke, die unglaublich weich aussah. Man hätte das Wesen für einen Menschen halten können, hätte es keine Flügel gehabt.

Der Engel blickte traurig auf die Welt unter sich und vor allem auf den Wolf, der nun langsam, aber unruhig im Zimmer hin und hier ging. Wie bei den Menschen gab es auch bei den Engeln Vorurteile. Kein Schutzengel wollte einen Werwolf als Schutzbefohlenen. Man musste ständig auf sie aufpassen und jeden Monat beten, dass er keinen Menschen beißen würde und man zum Himmeltürsteher degradiert wurde.

Aber so viele Schutzengel wie Remus Lupin in seinem Leben gehabt hatte, hatte wohl kaum ein anderer Werwolf gehabt. Der arme Mann wurde aber auch wirklich vom Pech verfolgt! Sogar die Himmlischen wollte nichts mit ihm zu tun haben!

Einige Engel hatten ihre Sache gut gemacht, andere weniger gut und so war Remus von einem Hoch unablässig immer wieder in ein Tief gestürzt.

Aber jetzt war sie hier.

Der Schutzengel strich sich eine Strähne ihrer seidigen, türkisen Haare hinters Ohr. Sie würde ihm helfen sein Glück zu finden und das diesmal für immer! Und welches Glück hielt länger als die Liebe?

tbc.