Angels Eyes - Forgivness

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by CarpeDiem

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This is the Moment

*3*

Drei Monate später.

Es war ein harter Tag gewesen. Diese kleinen Erstklässler Nervensägen hatten wirklich im wahrsten Sinne des Wortes an seinen Nerven gesägt.

Severus Snape schleuderte dem Portrait von Quentin dem Meuchler das Passwort förmlich entgegen, als er die Tür zu seinen Räumen erreicht hatte, die daraufhin zur Seite schwang und ihn einließ. Empfangen wurde er von einem gemütlichen Raum, wie er ihn sich früher nie hätte verstellen können. Im Kamin prasselte ein lustiges Feuer und durch ein magisches Fenster an der Seite fielen helle Sonnenstrahlen.

Auch war es hier unten nicht so kalt wie sonst im Winter, jedenfalls machte es nicht mehr den Anschein. Die gewohnten schwarzen Ledersessel standen zwar immer noch im Raum, aber auf dem kalten Steinboden lagen antik aussehende Teppiche, und die Wände wurden schon seit einiger Zeit von Gemälden in warmen Farben geschmückt.

So hatte er sich das früher niemals vorstellen können, aber jetzt hatte sich das geändert. Jetzt konnte er sich den kahlen und kalten Raum nicht mehr verstellen. Diese gemütliche Einrichtung hatte alle Bilder an diesen einst so abweisenden Raum verschwinden lassen.

Severus schloss die Tür hinter sich. Mehr geistig als körperlich Erschöpft von dem harten Tag, ging er zu einem der Sessel und ließ sich in die weiche Polsterung fallen. Einen Wink seines Zauberstabes später, hielt ein halb gefülltes Glas Whisky in den Händen und schloss die Augen. Das war genau das was er jetzt brauchte.

Doch ob es wirklich ein gut gefülltes Glas Whisky war, das er brauchte, sollte sich noch zeigen, als er eine tadelnde Stimme hinter sich hörte.

„Du wolltest doch nicht mehr so viel trinken."

Er öffnete seine Augen wieder, aber das hätte er gar nicht gebraucht, diese Stimme würde er aus tausend anderen heraus kennen. Als er den Kopf drehte, sah er in zwei warme, braune Augen, die ihn eher amüsiert, als ärgerlich anblickten.

„Das nennst du viel?", fragte Severus ungläubig und hielt das halbvolle Glas, von dem er noch keinen Schluck getrunken hatte, vor Remus' Nase. „Außerdem habe ich noch keinen Schluck getrunken, also spar dir deine Moralpredigt. Du weißt genau, dass ich das brauche um mich zu entspannen."

„Ach wirklich?", überlegte Remus laut, bevor er um Severus' Sessel herum ging, sich über die Lehne beugte und einen Moment später begann mit geschickten Händen die Knöpfe von Severus' Robe zu öffnen.

„Ob du es glaubst oder nicht, nicht alle Menschen können immer alles so gelassen nehmen wie du", antwortete Severus mit sarkastischer Stimme und kümmerte sich nicht im Mindesten um Remus, der, als er Severus' Robe aufgeknöpft hatte, sie ihm von den Schultern streifte. Zwei warme Hände legten sich auf Severus' Schultern und begannen von dort aus sanft die verspannten Nackenmuskeln unter dem weißen Hemd zu lockern.

Severus änderte seine Meinung augenblicklich. Das war es, was er brauchte - was er schon immer gebraucht hatte. Er seufzte zufrieden, ließ den Kopf nach vorne fallen und stellte sein Glas Whisky unberührt zur Seite auf einen kleinen Tisch.

Und während diese wunderbaren, sanften Hände weiter seine Schulter und Nackenpartien lockerten, durchströmte ihn wieder dieses Gefühl von Frieden und innerer Ruhe, wie er es noch nie zu vor erlebt hatte. Dieses Gefühl, dass er angekommen war, an einem Ziel, an seinem Ziel. Inzwischen war er sich sicher, dass er hierfür gelebt und überlebt hatte, hierfür, für diesen Moment und alle weiteren die noch folgen würden. Und das würden noch eine ganze Menge sein, denn er hatte nicht vor den Gryffindor, wie chaotisch und kitschig er manchmal auch sein mochte, jemals wieder gehen zu lassen. Jedenfalls nicht bis er tot war und danach höchst wahrscheinlich auch nicht.

#When the spirits are calling my name

Then I will have passed all the sorrow and pain

and I`ll go to heaven with you

I´ll lay down my head on your pillow

and ask for forgiveness#

# # #

Remus spürte merklich wie sich Severus unter seinen Händen immer weiter entspannte, und als der Slytherin mit einem wohligen Seufzen seinen Kopf nach vorne fallen ließ, erschien ein glückliches Lächeln auf Remus' Gesicht.

Es war nicht das erste Mal, dass er Severus damit von seinem Glas Whisky abgelenkt hatte und das ziemlich erfolgreich, wie er sich mit einem weiteren Lächeln erinnerte.

Zu all dem, das ihm mittlerweile so viel bedeutete, war er nur durch einen wahnsinnigen Zufall gekommen, ein Geschenk des Himmels, wie er es gerne nannte. Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, dass so ein Zufall von alleine passierte.

Zufall... alles in seinem Leben war Zufall, aber dieser Zufall war ihm sehr willkommen. Das hier war das Ziel, sein Ziel auf das er so lange gewartet hatte und das er nie geglaubt hatte zu erreichen. Doch er hatte es erreicht und jetzt, war es gleichbedeutend mit einer neuen Startlinie.

Er fühlte sich völlig zufrieden und zugegeben auch ein wenig Stolz in diesem Moment. Er war sehr wahrscheinlich der einzige Mensch auf dieser Erde, der Severus Snape je so erleben durfte, vor dem dieser sarkastische, stolze und absolut wunderbare Mann seine Maske fallen ließ.

Worte wie Heimat, Frieden und Glück waren nur einige, die ihm gerade in den Sinn kamen und schon seit Wochen durch seinen Kopf geisterten. Severus war wirklich das Beste gewesen, das ihm noch hatte passieren können, dessen war er sich vor einer Woche erst richtig bewusst geworden.

Es war Vollmond gewesen und Remus hatte wie üblich den Wolfsbanntrank genommen, den Severus zubereitet hatte. Doch anders als die letzten beiden Male, hatte Severus nicht den Raum verlassen, als er sich verwandelt hatte. Er war stehen geblieben und hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als der riesige Wolf sich ein paar Meter entfernt von ihm auf die Hinterläufe sinken ließ. Doch anders als Remus erwartet hatte, hatte Severus keine Angst gehabt, oder Abscheu vor ihm gezeigt, im Gegenteil. Der Slytherin hatte nicht einmal zugelassen, dass Remus auf dem Vorleger vor dem Kamin schlief und nicht eher Ruhe gegeben, bis sich der Wolf am Fußende seines Bettes zusammengerollt hatte.

#When the spirits are calling my name

Then I will have passed all the sorrow and pain

and I`ll go to heaven with you

I´ll lay down my head on your pillow

and ask for forgiveness#

# # #

Hundert Meter weiter Oben, über der Welt, in einer anderen Dimension saßen zwei Engel auf einem Wolkenfetzen und strahlten mit ihren schimmernd goldenen Flügeln um die Wette.

Die Szene, die sie gerade beobachteten, gefiel ihnen beiden außerordentlich gut, aber ihre goldenen Flügel gefielen ihnen fast noch ein kleines bisschen besser.

„Das haben wir hervorragend hinbekommen oder?", fragte der eine Engel und strich sich eine Strähne ihrer türkisen Haare hinters Ohr.

„Müssen wir wohl. Sonst hätten wir die hier nicht bekommen", kam die Antwort und als der Engel mit einem breiten Grinsen über seine goldenen Flügel strich, fielen ihr ihre langen, lila Haare vor die Augen.

Für einen Augenblick herrschte zufriedene Stille zwischen den beiden, bis der Engel mit den Türkis farbenen Haaren sich mit einem Mal nachdenklich zu seiner Freundin drehte.

„Glaubst du, dass die beiden glücklich werden? Oder vielmehr, es bleiben?"

Nach einem kurzen Blick auf die beiden Männer unter ihnen und einem Grinsen bekam sie ihre Antwort.

„Ja, ganz sicher", meinte der andere Engel und strich sich die lila Haare aus dem Gesicht.

Ende