A/N: So heute wieder einen Tag später. War gestern wieder unterwegs zum Bewerbungsgespräch. Seltsam wie sich das scheinbar immer genau um diese Zeit ergibt. Diesmal Neues von Evoe. Ich hoffe ihr bemitleidet ihn alle, das kann er jetzt auch brauchen.


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Mit einem Finger über dem Abgrund

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***EVOE/LENWE***

„Oh verdammt!" stöhne ich leise und sinke langsam auf die Knie, die Stirn hoffnungslos an das raue Holz der Tür gelehnt. Wieso schaffe ich es nur immer wieder genau die falschen Signale zu geben und ihn so wütend zu machen? Dabei hatte ich diesmal gar nicht die Absicht Lenwe derart zu reizen. Im Gegenteil. Der Tag vergeht, ohne dass jemand kommt um nach mir zu sehen. Jede Sekunde scheint sich ins Endlose zu dehnen, während ich immer mehr mit der Leere zu kämpfen habe. Etwas mehr als sechzehn Tage ist es jetzt her, dass ich nach Ethins Manipulationsversuch das Bordell aufgesucht habe. Ungefähr vierzehn seit Lenwe sich mir so brutal aufgezwungen hat. Normalerweise ist dieser Zeitraum meine absolute Grenze. Ich habe keine Ahnung wie lange ich diese Situation noch ertragen kann. Niemals habe ich es bisher so weit kommen lassen und dieser ungewohnte Zustand meines Geistes macht mir mehr und mehr Angst. Das große gefräßige Loch in mir will gefüttert werden und ich habe keinen Weg dies zu bewerkstelligen. Es ist als würde mir fortwährend jemand mit voller Lautstärke ins Ohr brüllen, nur, dass ich dabei mit dem ganzen Körper hören muss, ohne mich wehren zu können.

Die Nacht verbringe ich wieder einmal fest zusammengerollt auf der schmutzigen Decke, zitternd vor Kälte und kann nicht entscheiden welches dieser zwei Übel das schlimmere ist, das ewige Frieren oder das ständig wachsende Bedürfnis nach Berührung. Sie übertönen jedenfalls beide Durst und Hunger recht effektiv. Zu meiner eigenen Überraschung schlafe ich sogar einige Stunden.

Als der Morgen graut, versuche ich noch immer vergeblich meinen Geist abzulenken und an etwas anderes zu denken. Ich kann mich nur noch schwer konzentrieren, da meine Bedürfnisse immer mehr in den Vordergrund rücken. Weil ich keine Möglichkeit habe mich abzulenken, bleibt mir auch nichts anderes übrig als es irgendwie zu ertragen. Den ganzen folgenden Tag über, wächst in mir der Wunsch Lenwe möge kommen und mich endlich erlösen. Die Kopfschmerzen, die ich irgendwann bekomme, weil es meinen Körper nach Wasser verlangt das er nicht kriegt, sind seltsam dumpf und scheinen fast nebensächlich, weil sie von allem anderen, was in mir tobt einfach in den Hintergrund gedrängt werden.

Meine ganze Welt wird zusehends kleiner und beschränkt sich mehr und mehr auf mein Inneres. Ich habe das Gefühl, als stünde ich in einem Raum, der sich langsam, aber stetig mit Wasser füllt, bis es mir irgendwann über den Kopf steigen wird und ich erbärmlich ersticke. Genau so zieht sich auch die leere Dunkelheit um meinen Geist zusammen, während ich nur mit wachsender Panik zusehen kann. Als sich der Abend nähert, wird die Sehnsucht nach einer Berührung so stark, dass es langsam wehtut. Dieser Schmerz ist zwar nicht direkt körperlich, aber dafür umso hartnäckiger. Ich bin beinahe froh, als die Kälte der Nacht wieder über mich hereinbricht und ich etwas anderes unangenehmes habe um mich darauf zu konzentrieren. Ich glaube mittlerweile wäre ich durchaus bereit über meine lächerlichen Gefühle der Abneigung hinweg zu sehen und Lenwe auf den Knien anzuflehen mit mir zu schlafen. Wenn er nur kommen würde.

Wenn er mich mit beiden Händen nah heranziehen würde und seine Lippen auf meine presst… warm und lebendig… fordernd… oh bitte! Der Gedanke zerfasert unvollendet und hinterlässt nur ein begieriges Echo.

Am zweiten Morgen beginne ich sogar die Kälte zu vermissen, weil ich ohne ihren Biss das Gefühl habe, mein ganzer Körper würde Schritt für Schritt taub oder als würde ich mich langsam davon loslösen. Es ist fast als wollte er mich dafür büßen lassen, dass er nicht bekommt was er will. Meinen Durst nehme ich kaum noch wahr, auch wenn mir auf eine klinisch distanzierte Weise bewusst ist, wie unangenehm trocken mein Hals und meine Lippen inzwischen geworden sind. Meine Augen brennen und ich bin so müde, aber die Leere und meine Angst lassen mich nicht mehr schlafen.

Ich hatte gehofft, dass Lenwe heute vielleicht wenigstens Wern schicken würde, damit er nachsieht wie es um mich steht, aber noch immer bin ich allein. Bilder flackern wirr durch meinen Kopf, während ich bewegungslos auf der groben Decke liege. Hauptsächlich namenlose Körper, Haut, Hände, Lippen… alles wonach ich mich so sehne, wirbelt in einem ungeordneten Strom um mich herum. Das sonst nur nagende Gefühl der Leere wird immer schmerzhafter. Es ist als würde sie scharfe Krallen in einen verletzlichen Teil von mir schlagen, fast als würde ich davon Stück für Stück aufgefressen. Es scheint sie wird stärker, je schwächer ich werde. Und ich werde inzwischen schnell schwächer. Irgendwann werde ich mich nicht mehr wehren können. In dieser Hinsicht hat Lenwe mir absolut keinen Gefallen getan, indem er mich hier ohne Wasser und Nahrung eingesperrt hat. Unter normalen Umständen hätte ich wahrscheinlich länger ausgehalten, aber so…

Irgendwann erhebe ich mich doch ein wenig und reiße angstvoll die bisher geschlossenen Augen auf, um mich davon zu überzeugen, dass ich wirklich noch existiere, dass ich mich noch nicht in der Dunkelheit verloren habe. In der beginnenden Abenddämmerung kann man hier drinnen nicht mehr viel erkennen, aber es reicht um mich einen Moment lang zu beruhigen. Das Gefühl der wachsenden Distanz von meinem Körper bleibt jedoch, während absurderweise meine Begierde immer noch wächst. In hilfloser Wut und Angst vor dem was mit mir passiert schlage ich eine Faust auf den Boden. Der Schmerz versetzt mich einen kurzen Moment lang wieder völlig zurück in meinen Körper. Es dauert eine Weile, bis sich die Erkenntnis dessen was gerade geschehen ist, durch mein beanspruchtes Gehirn filtert, aber sobald ich den Ablauf begriffen habe kratze ich versuchsweise hart über meinen Unterarm. Es funktioniert auch diesmal. Einen großartigen Augenblick lang wird mein Halt in der Realität wieder stärker.

Fast mechanisch wiederhole ich die Bewegung. Immer wieder. Solange ich dies fühlen kann, beschließe ich wild, solange bin ich der Leere noch nicht unterlegen. Ich will mich nicht verlieren!! Das mir im Laufe der Nacht durch diese Handlungen tiefe, blutende Wunden an den Unterarmen entstehen ist mir in dem Moment gleich. Je schmerzhafter sie sind desto besser. Solange ich mich irgendwie an der Realität festkrallen kann, würde ich auch noch einiges mehr in Kauf nehmen. Meine Angst davor der Leere anheim zu fallen, lässt mich alles andere verdrängen. Ich muss sehr seltsam aussehen, denke ich diffus, wie ich so halb aufgerichtet an der Wand hocke und meine eigenen Arme zerfleische. Wie seltsam das wird mir erst klar als sich irgendwann doch endlich die Tür öffnet und der kleine Aufschrei Werns durch mein benebeltes Bewusstsein dringt. Oh ja, frohlockt es in mir! Jemand ist gekommen! Mein Zeitgefühl habe ich irgendwann verloren, aber ich merke wie helles Licht durch die Tür strömt. Also muss es wohl wieder Tag sein. Ich kann deutlich fühlen, dass sich die Leere wie ein Raubtier zum Sprung zusammenkauert als der Junge schnell näher kommt. Diesmal versuche ich nicht einmal mich ihrer bodenlosen Gier zu widersetzen. Wern ist schon verloren gewesen als er die Tür geöffnet hat.

„Oh nein", murmelt er und beugt sich besorgt über mich. Ein Fehler, denn darauf haben ich und die Leere nur gewartet. Mit der Stärke der Verzweiflung durchbreche ich meine bisherige Lethargie, packe Wern und schaffe es durch seine Überraschung tatsächlich ihn trotz meiner gefährlichen Schwäche unter mir auf den Boden zu pressen. Alles in mir jubelt haltlos als ich mich gierig auf ihn stürze und ihm die knappe Hose einfach herunter reiße. Ich muss geknurrt haben wie ein Tier, denn Wern gibt angstvoll wimmernd schnell jeden Widerstand auf, nachdem ich ihm einmal warnend meinen Ellenbogen in den Nacken gerammt habe. Gut für ihn. Ich könnte in diesem Augenblick nicht einmal aufhören wenn mein Leben davon abhinge. Alles in mir verzehrt sich danach diesem warmen, biegsamen Körper so nah zu sein wie nur möglich. Am liebsten würde ich ganz in ihn hinein kriechen. Den Schmerz in meinen Armen nehme ich gar nicht mehr wahr, obwohl ich gerade dabei bin den Jungen großzügig mit meinem eigenen Blut vollzuschmieren.

Lenwe hat ihn gut abgerichtet, denke ich mit einer diffusen und völlig unbegründeten euphorischen Heiterkeit, während ich die Finger hart in die goldbraune Haut grabe und seine Hüfte zu mir heranzerre. Endlich! Wärme, Berührung… Erleichterung! Wern ist offenbar so geschockt von meinem Angriff, dass er sich in sein Training flüchtet und einfach alles hinnimmt was ich gerade mit ihm tue. Selbst als ich völlig rücksichtslos in ihn eindringe bringt er nur ein unterdrücktes Stöhnen hervor. Dabei weiß ich genau welche Schmerzen ich ihm gerade zufüge. Normalerweise ist mir eine solche Handlungsweise völlig fremd, aber gerade jetzt würde ich alles tun um das große klaffende Loch in mir zu füllen. Ich beuge mich nah über ihn um auch den letzten Zentimeter der verlockenden Haut zu erreichen die ich nach so langer Zeit endlich berühren kann. Selbst dies scheint mir im ersten Moment zu wenig, so groß ist meine Gier.

Einem plötzlichen Impuls folgend beiße ich hart zu und fühle wie sich meine Zähne tief in seine Schulter graben. Mir wird fast schwindelig von dem Geschmack seines Blutes und ich kann hören, dass er nach seinem letzten Aufschrei inzwischen doch angefangen hat zu weinen. Sogar das Beben seiner Schluchzer kann ich fühlen, aber das kümmert mich nicht, solange ich ihn nur hier behalten kann. Es dauert nicht lange bis ich meinen Höhepunkt erreicht habe, zu stark ist das Bedürfnis, das immer noch in mir brennt. Doch selbst nachdem ich endlich diese Erleichterung erfahren durfte, kann ich Wern noch immer nicht loslassen. Wie von selbst klammern meine Finger sich unbarmherzig um die schlanken Glieder unter mir. Ich kann ihn nicht loslassen. Wenn ich das tue werde ich wieder allein sein mit meiner Begierde! Dies war noch nicht genug, auch wenn die Leere jetzt wieder wesentlich besser zu ertragen ist als zuvor. Immerhin hänge ich jetzt nicht mehr an nur einem Finger über dem Abgrund. Aber ich befinde mich immer noch gefährlich nah am Rand. Ich drücke mich an den Jungen wie an eine große, weiche Puppe und reibe verlangend meine Wange an seinem Rücken, während er nur weiterhin zittert und heult. Er fragt mich nicht einmal ob ich ihn loslassen könne. Vielleicht hat Lenwe ihm solche Anwandlungen ja aberzogen.

Langsam dringt durch die Erleichterung auch der rasende Schmerz in meinen Unterarmen, der quälende Durst und mein Hunger wieder zu mir durch, aber nicht einmal das kann mich dazu bringen meinen Griff zu lockern. Alarmiert schaue ich auf, als ein Schatten das Licht verdunkelt, das durch die Schuppentür fällt. Einen kurzen Augenblick starre ich in Lenwes Richtung, unfähig gegen das Licht sein Gesicht zu erkennen, dann brülle ich gepeinigt auf, wegen der Schmerzen, die durch das Halsband in meinem Körper wüten. Sie stellen alles, was von meinen Armen kommt, mühelos in den Schatten. Gezwungenermaßen muss ich Wern loslassen, als ich mich instinktiv zu einem kleinen schreienden Ball zusammenrolle. So schnell sie gekommen sind, so schnell sind die Schmerzen allerdings auch wieder weg.

Hilflos keuchend sehe ich mit an, wie Wern sofort wimmernd zu Lenwe krabbelt sobald ich meinen Griff gelöst habe. Haltlos schluchzend schmiegt er sich schutzsuchend an das Bein des großen Elfen. Der Magier begutachtet ihn eingehend, streichelt sogar den blond gelockten Kopf und redet beruhigend auf den aufgelösten Jungen ein, bis dieser wieder ein wenig zu sich kommt. Irgendwie überrascht mich dieses fürsorgliche Verhalten. Gleichzeitig verstärkt es jedoch meine aufwallende Furcht. Zu sehen wie Lenwe sich um den Sklaven kümmert und ihn tröstet beunruhigt mich. Ich liege währenddessen verhalten keuchend auf dem Boden und wage nicht mich zu bewegen. Nicht einmal als Lenwe schließlich unbarmherzig wieder die Tür hinter sich zuschlägt und vermutlich Wern in den Turm bringt um ihn dort zu versorgen. Wahrscheinlich könnte ich es nicht einmal, denn jetzt nach diesem kurzen Hoch, bricht wieder meine volle Schwäche und Erschöpfung über mich herein. Ich habe mich zu sehr verausgabt um jetzt mehr zu tun als still hier zu liegen und zu warten. In meinem Kopf macht sich nach und nach eine Art neblige Gleichgültigkeit breit. Was immer passieren mag, ich habe nichts mehr was ich Lenwe noch entgegen setzen könnte. All meine, über die Jahre aufgebaute Stärke scheint sich in der dunklen Leere aufgelöst zu haben. Am liebsten möchte ich weinen wie ein Kleinkind, schreien aus vollem Halse, bis ich heiser bin. Wahrscheinlich ist es nur pure Sturheit die mich davon abhält wirklich in Tränen auszubrechen.

Ich habe keine Ahnung wie lange ich dort zitternd verharre. Vielleicht bin ich sogar eingeschlafen. Meinem Gefühl nach dauert es ziemlich lange bis Lenwe irgendwann wieder auftaucht. Mein klägliches, ängstliches Wimmern ignoriert er und schleift mich hinaus auf den Hof. Irgendwie bin ich froh, dass ich mich in diesem Moment nicht selbst sehen kann. Als Lenwe sich draußen über meinen Brustkorb kniet und nach einem meiner Arme greift, um die Wunde dort zu begutachten kann ich nur wortlos aufstöhnen. Selbst jetzt noch ist es eine Mischung die, neben dem Schmerz, mindestens zur Hälfte aus Verlangen besteht. Zunächst reagiert Lenwe nicht darauf, aber als er sich dann erheben will, greife ich, ohne im Geringsten darüber nachzudenken, panisch nach seiner Robe und kralle mich in den festen Stoff.

„Bitte schickt mich nicht zurück in den Schuppen Herr", fange ich sofort an zu betteln, völlig außer mir vor Panik bei dieser Vorstellung. „Bitte nicht. Ich werde alles tun was ihr wollt. Alles, nur lasst mich nicht allein da drin. Bitte! Es ist so schrecklich und ich kann nicht mehr. Ich halte das nicht länger aus. Bitte nicht!"

Je weniger er reagiert, desto panischer werde ich, bis ich unter endlosem Bitten schließlich etwas tue, das ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr getan habe. Ich breche doch noch in hilflose Tränen aus und dies ohne, dass mir jemand Schmerzen zufügt. Wie peinlich. Vielleicht ist es das, was Lenwe letztendlich davon überzeugt, dass ich ihm wirklich nichts vorspiele, aber egal was es ist, er seufzt einmal tief auf und beugt sich über mich.

„Evoe?"

„Herr?" schniefe ich halb angstvoll, halb erleichtert und wage es noch immer nicht meinen verzweifelten Klammergriff zu lockern.

„Möchtest du mir vielleicht etwas erzählen? Was genau hat dein seltsames Verhalten zu bedeuten? Das hier scheint mir nicht gerade typisch für dich."

Wie man es nimmt.

„Ich bin verflucht", hauche ich und schlage mir gleich darauf erschrocken selbst eine Hand über den Mund um das hysterische Kichern zu unterdrücken, das diesem Geständnis auf dem Fuße folgt und nach dem letzten Wort einfach so aus meinem Mund blubbert. Na toll, jetzt bin ich wirklich wahnsinnig, denke ich schwach und erschauere. Vielleicht hat die Leere mir doch mehr genommen als ich dachte. Ich versuche mich zusammen zu rollen, aber Lenwe hält mich unbarmherzig davon ab und drückt beide meine Schultern flach auf den Boden.

„Verflucht", wiederholt er wenig überzeugt und starrt weiterhin unergründlich auf mich herab. Eigentlich ist er ziemlich ruhig geblieben bisher.

Vorsichtig nehme ich die Hand von meinen Lippen. Alles bleibt still. Gut.

„Die Drow nennen es Quortek Caluss", kläre ich Lenwe nun schwach auf, ernte aber zunächst nur eine zweifelnd hochgezogene Augenbraue.

„Ich brauche regelmäßig Berührung… Sex. Sonst werde ich… wahnsinnig und kann mich selbst nicht mehr beherrschen", fasse ich die Situation in ihrer ganzen simplen Hässlichkeit zusammen. Der blaugrüne Blick wandert wieder zu meinen rohen, aufgerissenen Armen.

„Und das hättest du mir nicht vielleicht etwas früher mitteilen können?" will er ungnädig wissen.

Die Antwort: Das hättet ihr an meiner Stelle auch nicht getan, liegt mir auf der Zunge, aber meine Angst vor dem Schuppen ist immer noch so groß, dass ich sie nicht über die Lippen bringe.

„Es tut mir leid Herr", presse ich stattdessen kläglich hervor, woraufhin Lenwe halb amüsiert schnaubt.

„Seit wann lastet denn dieser Fluch auf dir?" will er dann mäßig interessiert wissen, als hätte ich ihm lediglich erzählt dass die Gurken in meinem Garten dieses Jahr besonders gut gedeihen.

„Einige Wochen bevor wir uns das erste Mal trafen Herr. Ethins Meister hatte es als Strafe angeordnet."

„So lange schon?"

Er wirkt auf einmal ehrlich überrascht, aber schnell bekommt sein Blick etwas kalkulierendes.

„Ethins Meister sagst du?"

„Ja, Herr."

Meine Antwort endet in einem verlangenden Seufzen, als Lenwe mir versuchsweise über die tränennasse Wange streichelt, als wollte er meine Behauptungen doch noch einmal überprüfen, bevor er sie wirklich glauben kann. Ich wende schnell meinen Blick ab.

„Wie eng sind deine Grenzen dabei gesteckt?"

Der spekulative Ton dieser Frage gefällt mir gar nicht, aber wo ich nun schon einmal angefangen habe, kann ich jetzt wohl nicht mehr schweigen. Besser ich erzähle alles, als dass Lenwe es durch gefährliches experimentieren herausfindet und ich dann der Leidtragende bin. Obwohl, leiden werde ich sowieso. Da mache ich mir gar keine Illusionen. Ich kann nur hoffen, dass er es nicht irgendwann zu weit treiben wird.

„Nach zehn Tagen bekomme ich langsam ernsthafte Schwierigkeiten mich zu konzentrieren Herr und danach…", ich schlucke unbehaglich, weil mir die pure animalistische Angst vor diesem Zustand immer noch tief in den Knochen sitzt. Offenbar sagt mein besiegter, angstvoller Gesichtsausdruck mehr als viele Worte, denn Lenwe scheint auf einmal hocherfreut. Jetzt hat er ein Druckmittel, mit dem er buchstäblich alles von mir verlangen kann und das wissen wir beide.

„Ich wusste doch, dass da noch etwas sein muss", murmelt er gedankenvoll, mehr zu sich selbst als zu mir. „Aber dass es so einfach sein sollte! Wer hätte das gedacht."

Er lacht entzückt. Ich schaudere.

„Ich wusste schon immer, dass es bei dir etwas gab, eine Unregelmäßigkeit, ein kleines Detail, das sich meinem Wissen entzog", teilt er mir im Plauderton mit. „Deshalb hast du dich so schnell auf mich eingelassen damals. Zuerst dachte ich du wärest einfach nur leicht zu haben, weil die Drow dich so abgerichtet hatten, aber dann war dein Benehmen manchmal doch zu widersprüchlich. Du wolltest mich benutzen", eröffnet er mir unheilvoll mit einem gefährlichen Raubtiergrinsen.

Sofort flackert der Blick meiner geweiteten Augen hektisch in Richtung Schuppen. Hat er wirklich vor mich jetzt für etwas zur Rechenschaft zu ziehen, dass ich vor mehreren Jahrzehnten getan habe? In meinem gegenwärtig wahrscheinlich höchst psychotischen Zustand würde ich selbst dies nicht als unmöglich ansehen.

„Es tut mir leid Herr! Bitte lasst es mich wieder gutmachen", versichere ich sofort panisch und versuche instinktiv die Schultern hochzuziehen. Das ist ein wenig schwer, denn Lenwe hat wieder nach meinem Arm gegriffen. Das breite Lächeln, das auf seinem Gesicht erblüht, als er hart und absichtsvoll einen Daumen in meine immer noch blutige Wunde presst, lässt mich fast ebenso sehr zurückschrecken wie der Schmerz an sich. Mit einem Wimmern, in dem selbst jetzt noch hilfloses Verlangen mitschwingt, drehe ich das Gesicht zur Seite. Lenwe lässt dieses Ausweichen nicht zu. Mit der anderen Hand greift er sich mein Kinn und zwingt meinen Kopf wieder herum, bis er mich küssen kann.

Ich gebe nach. Natürlich gebe ich nach. Ich brauche den Kontakt. Was macht es schon, dass ich ihn hasse oder dass er mir immer noch gegen meinen Willen Schmerzen zufügt? Letztendlich ist es bedeutungslos. Ich kann im Moment sowieso nichts dagegen tun. Später, wenn ich an diese Augenblicke zurückdenke, werde ich mich innerlich winden vor Abscheu und Selbstverachtung, aber im Augenblick schieben sich meine Bedürfnisse vor alles, wie ein gnädiger Vorhang. Ich bin hilflos unter Lenwes Händen. Jede Berührung ist wie Wasser in der Wüste für mich und ich beuge mich ihm schamlos entgegen.

Nachdem ich meine allerschlimmste Gier bereits an Wern abreagiert habe, bin ich gerade klar genug um zu hassen was ich hier tue, während ich mich gleichzeitig ausgehungert an Lenwe festklammere wie an einem Rettungsanker. Wahrscheinlich ist es mein Glück, dass er fasziniert genug ist von dieser Entdeckung um wirklich hier und jetzt auf mein Drängen einzugehen. Im Nachhinein erstaunt es mich immer wieder, dass der blonde Magier sich wirklich darauf einlässt sich mitten auf seinem Hof so zu entblößen. Aber er tut es.

„Ahh Herr! Bitte!" höre ich mich verzweifelt stöhnen, als er nach einer Weile noch immer nicht zur Sache kommt. Seine Hände auf meiner Haut zu fühlen ist zwar eine Erleichterung, aber es macht mein Sehnen nach einer wirklichen Erlösung nur akuter.

„Bitte was?" raunt er nur grinsend zurück. Natürlich genießt er die Situation!

„Nehmt mich, fickt mich, benutzt mich… was wollt ihr hören?"

Das Letzte worauf ich jetzt Lust habe sind dämliche Wortspielchen. Ich bin so schrecklich erschöpft dass ich kaum geradeaus denken kann, aber mein ewiges Bedürfnis treibt mich immer noch an.

„Hm ich weiß nicht."

Nachdenklich lehnt Lenwe ich etwas zurück, woraufhin ich frustriert knurre und instinktiv versuche ihn wieder an mich zu ziehen. Das endet damit, dass er meine Handgelenkte packt und sie über meinem Kopf zu Boden drückt. Hilflos winde ich mich unter ihm.

„Bitte, Herr", versuche ich es ein weiteres Mal mit unterwürfigem Winseln und schiebe leicht mein Becken vor.

„Ich glaube so gefällst du mir viel besser als sonst Evoe", grinst Lenwe bösartig, noch während er nun doch endlich in mich drängt. Wegen der fehlenden Vorbereitung und Hilfsmittel ist es natürlich schmerzhaft, aber das ist mir beinahe lieber als wenn er vorsichtig wäre. Je mehr ich dabei fühle desto eher ist die Leere befriedigt.

Später trägt Lenwe mich praktisch zurück in den Turm, nachdem ich feststellen muss, dass meine Beine dies wohl nicht mehr tun werden. Er hält mich noch so lange wach wie es nötig ist, um meine Wunden zu versorgen und mir etwas Wasser einzuflößen. Danach darf ich endlich meiner Erschöpfung nachgeben und in gnädiger Schwärze versinken.