A/N: Öhhh ja ich habe ein wenig vernachlässigt und bin etwas im Verzug... aber hier sind nun alle neuen Kapitel, damit und wieder auf einem Stand sind.
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Politik
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Als ich meine Augen öffne und als erstes den, inzwischen vertrauten Herd erblicke, frage ich mich einen Augenblick, ob die Ereignisse der letzten Tage womöglich ein seltsamer Fiebertraum gewesen sein könnten. Die schwachen aber immer noch vorhandenen, tief sitzenden, dumpfen Schmerzen in meinen Gliedern und zwei frische, rosige Narben an meinen Unterarmen überzeugen mich allerdings sehr schnell vom Gegenteil. Wie nett dass er mir ein sichtbares Zeichen lässt, damit ich mich jederzeit an dieses grässliche Erlebnis erinnert fühlen kann. Lenwe hätte ohne weiteres auch alle Narben verschwinden lassen können als er mich geheilt hat. Am liebsten möchte ich schreien.
Ich muss dringend hier weg! Sofort! Schießt es mir bei diesem Anblick durch den Kopf. Kein neuer Gedanke, aber etwas verstörend in seiner plötzlichen Dringlichkeit. Ich muss tatsächlich meine Augen schließen und einen Moment lang tief durchatmen um nicht kopflos aufzuspringen und einfach in Richtung Tür zu hechten. Nicht, dass ich überhaupt dort hingelangen würde. Die verdammte Kette ist wieder zurück an meinem Hals und hält mich hier an der Wand fest. Aber du weißt wie man diese Kette im handumdrehen loswerden könnte, flüstert es hinterhältig in meinem Kopf. Ärgerlich durch knirschende Zähne zischend, lasse ich meinen Kopf nach hinten gegen die Wand fallen. Natürlich weiß ich um Wege mich aus den Fesseln zu befreien, aber wie weit würde ich denn kommen ohne einen Plan? Das Halsband werde ich nicht so schnell los, ohne die richtigen Bücher und Zutaten. Lenwe würde mich wieder einfangen und ich hätte noch mehr Probleme als ich es sowieso schon habe. Und wie soll ich jemals etwas planen solange ich den lieben langen Tag nichts anderes zu Gesicht bekomme als diese Küche? Mir fehlt jegliche Grundlage, jeglicher Weg Informationen oder irgendwelche Ausrüstung zu sammeln. Meine Lage ist ziemlich hoffnungslos. Ich bin hoffnungslos. Auf eine verdrehte Art und Weise bin ich beinahe überzeugt dieses Leiden verdient zu haben. Natürlich weiß ich dass das rational gesehen nicht stimmt, aber Elarns kommentarloses Verschwinden hat bei mir ein Gefühl der Wertlosigkeit hinterlassen, das ich einfach nicht abschütteln kann. Abgestellt und zurückgelassen wie ein altes Möbelstück das niemand mehr braucht.
Eine Weile bemühe ich mich tunlichst gar nicht mehr zu denken und schaue lediglich teilnahmslos zu, wie die Schatten über den kalten Fliesenboden wandern. Langsam würde es Zeit für Wern mich zu holen, aber ich bin mir nicht sicher ob Lenwe ihn heute überhaupt herschicken wird. Ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern ob ich ihn stark verletzt habe.
Meine Frage wird beantwortet als kurze Zeit später ein blond gelockter Haarschopf durch die Tür lugt. Misstrauisch und furchtsam beobachtet der Junge mich, wie ein gefährliches Tier, das ihn jeden Augenblick anspringen könnte. Ironischerweise weiß ich ganz genau wie er sich fühlt. Nach meinem allerersten Zusammentreffen mit Ethin habe ich ebenso reagiert. Damals war ich der Unterlegene. Zum Vergnügen unserer Herren. Aber auch diese Erinnerung kann mich gerade nicht wirklich zum Mitleid bewegen. Dafür fehlt mir die Energie. Stattdessen schenke ich Wern ein böses Grinsen. Der einzige Weg meinen angestauten Gefühlen und Aggressionen irgendwie Luft zu machen. Die vollen Lippen des Jungen werden augenblicklich zu einem schmalen, blutleeren Strich, während er sich sichtlich zwingen muss die letzten Schritte zu überwinden, die noch zwischen uns liegen. Rein äußerlich scheint er wieder völlig genesen und bewegt sich offenbar ohne Schmerzen.
Trotzdem, seine Hände zittern leicht als er die Kette von der Wand löst und er weicht hastig einen großen Schritt zurück als ich mich erhebe. Die Verletzlichkeit scheint quasi aus seinen Augen und seiner ganzen Haltung. Die Versuchung ihn noch mehr zu ängstigen ist groß. Ich schätze von nun an wird sich sein Mitleid mit mir in Grenzen halten. Ich starre ihn einen langen Augenblick nur an, bevor ich mich mit einem leisen Schnauben auf den Weg in den Hof mache. Wer braucht schon das Mitleid von irgendeinem Bettsklaven, denke ich verächtlich, während ich gleichzeitig den kleinen Stich ignoriere, den mir dieser Gedanke versetzt. Denn mehr als ein Bettsklave bin ich im Moment leider auch nicht. Diesmal bleibt Wern in der Küche zurück, offenbar nicht mehr willens mir näher zu sein als nötig.
Missmutig gehe ich am Brunnen alleine meiner täglichen, eisigen Reinigung nach. Lenwe hätte es nicht besser einrichten können wenn er dies alles geplant hätte. Der Einzige, der zumindest ansatzweise ein Verbündeter hätte werden können, ist nun für immer verschreckt.
Ein eigentümliches magisches Prickeln lässt mich innehalten und den hoffnungslosen Versuch, meine Haare mit den Fingern zu entwirren, aufgeben. Jemand ist dabei sich hierher zu teleportieren. Einen Moment bin ich versucht zurück zum Turm zu sprinten, damit dieser Jemand mich nicht sieht, nass, nackt, generell ziemlich mitgenommen und mit einem unübersehbaren Sklavenhalsband. Aber das würde wahrscheinlich das Unausweichliche nur für kurze Zeit hinauszögern. Resigniert stelle ich den Eimer ab und bleibe wo ich bin.
Zwei Personen materialisieren sich, mit dem Rücken zu mir. Dies gibt mir einen wertvollen Augenblick mein Entsetzen zu zügeln, als ich sehe, dass sie die schwarzen Uniformen von Lord Akhreals Garde tragen. Einen von ihnen habe ich bereits bei meinen Verhandlungen mit dem Söldnerführer kennen gelernt. Tresk Nekhaar ist ein Tiefling unbestimmbaren Alters und einer von Akhreals ranghöchsten Generälen. Außerdem ist er ein ziemlich gefährlicher Nekromant. Mit einem Gefühl aufsteigender Übelkeit beobachte ich, wie sich beide Neuankömmlinge sofort, nach ihrer Ankunft zu mir herum drehen. Die schmalen, blassen Lippen Tresks verziehen sich bei meinem Anblick zu einem abfälligen, aber nichtsdestotrotz entzückten Lächeln, das mir zusätzlich zu der generellen Kälte einen spontanen Schauer über den ganzen Körper jagt. Tresks Arbeit habe ich auch das schwarze Wappen auf meinem Handgelenk zu verdanken. Ich fand ihn schon damals widerlich und ich schätze diese Antipathie beruht auf Gegenseitigkeit. Wahrscheinlich freut es ihn ungemein mich besiegt zu sehen.
Tresks Begleiter ist ein dunkelblonder, kompakt gebauter Mensch, den ich schon auf den ersten Blick als Kämpfer einschätze. Auch er trägt etliche Abzeichen an seiner Uniform, die mir zu verstehen geben, dass er eine hohe Position bekleiden muss. Der teilnahmslos taktierende Blick, den er mir widmet, ist fast genau so unangenehm wie das arrogante Grinsen des Nekromanten.
„So so, nicht besonders erfolgreich gewesen, mit diesem wundervollen Plan, den du hattest, was Elf?" höhnt Tresk gedehnt, während er langsam näher kommt und mich dabei eingehend betrachtet. Das Wort Elf hört sich aus seinem Mund mehr an wie eine Obszönität und ich kann deutlich das gierige Aufleuchten in den dunklen Augen erkennen, als sein Blick auf das Halsband fällt. Ich fühle mich auf einmal wieder sehr viel nackter als noch vor einer Minute und muss mich bewusst davon abhalten mich mit den Händen zu bedecken.
„Nein", antworte ich flach und hoffe sehr, dass Tresk nicht sehen kann, wie gerne ich ihm gerade einen Feuerball mitten in das selbstzufriedene Gesicht schleudern würde. Ob er es sieht oder nicht, irgendetwas bringt ihn dazu als nächstes nach meinem Arm zu fassen. Wie eine angreifende Schlange schießt die weißhäutige Hand vor und zieht mein Handgelenk zu sich heran. Diesmal halte ich mich wirklich nur knapp davon ab ihn zu attackieren. Innerlich knirsche ich heftig mit den Zähnen, während der Tiefling interessiert die frischen Narben an meinen Unterarmen begutachtet. Kühle Finger gleiten dabei wie neugierige Würmer über meine nackte Haut. Noch vor wenigen Wochen hätte er niemals gewagt mich so unbesorgt anzurühren.
„Versucht dich umzubringen?" fragt er mit makaberem Interesse.
„Nein", sage ich wieder und bin erleichtert zu hören, dass meine Stimme dabei genau so teilnahmslos klingt wie ich beabsichtigt hatte. Die tief sitzende Angst vor der Leere ist nichts was ich Jemandem wie Tresk preisgeben möchte.
„Gut!" befindet er mit einem spitzzahnigen Grinsen und lehnt sich nah an mich heran. „Ich hoffe es wird noch lange dauern bis er dich völlig gebrochen hat arroganter Elfenbastard", raunt er mir leise zu, während er gleichzeitig eine Hand hebt und seine Finger in dem verknoteten Haar an meinem Hinterkopf vergräbt, um mich gleich darauf scharf nach unten zur Seite zu zerren.
„Ich denke es ist an der Zeit, dass du uns angemessen begrüßt Sklave", verkündet er dabei.
Da ich weiß, dass diese Prozedur vermutlich ohnehin unvermeidbar ist, lasse ich ohne weiteren Widerstand zu, dass er mich auf die Knie zwingt. Das Einzige worauf ich in diesem Moment gar nicht vorbereitet bin, ist Lenwes Stimme, die gleich darauf ertönt.
„Nimm deine schmutzigen Finger von meinem Sklaven, Dämonenbrut!" zischt mein Herr mit einer so deutlichen Abneigung in seinem Ton, dass Tresk und ich beide überrascht auseinander zucken. Die leise Erleichterung, die in mir aufsteigt, als Lenwe mit schnellen Schritten auf uns zukommt, beschämt mich. Sogar in solchen Dingen bin ich nun auf seinen Schutz angewiesen. Aber so wenig ich ihn mag, Lenwe scheint wenigstens in der Wahl seiner Feinde Geschmack zu haben.
Aus dem Augenwinkel kann ich den Menschen sehen, der ebenso wie ich alarmiert beobachtet, dass Lenwe und Tresk sich nun frontal gegenüberstehen und sich aggressiv beäugen, wie zwei räudige Hunde über einem saftigen Knochen. Bei diesem Anblick frage ich mich, ob die beiden nicht bereits in der Vergangenheit aneinander geraten sind.
Es wäre ziemlich unklug die Söldner anzugreifen, aber da Lenwe gerade ungewöhnlich wütend zu sein scheint, gleite ich dennoch unauffällig in eine bessere Position, damit ich schnell aufspringen kann falls sich das hier zu einem Kampf entwickelt. Beinahe wünsche ich mir es würde wirklich so weit kommen. Dann könnte ich endlich etwas tun, statt tagein tagaus nutzlos in einer Küche herum zu hocken. Ich bin zwar denkbar schlecht vorbereitet, aber vielleicht könnte ich wenigstens den Menschen ausschalten. Der scheint meine Gedanken erraten zu haben, denn er greift in dem Moment zu seinem Schwert in dem ich meine Hand vom Boden hebe, bereit nun doch einen Feuerball zu werfen.
„Nein, Evoe!" zischt Lenwe scharf, durch die kleine Bewegung aufmerksam geworden, auf das was sich gerade neben ihm entwickelt hat. Unzufrieden lasse ich meine Hand wieder sinken. Der Mensch steckt zwar seine Waffe ebenfalls wieder weg, behält jedoch eine Hand locker um den Griff gelegt.
„Euer kleines Schoßhündchen habt ihr ja gut unter Kontrolle", ätzt Tresk sofort los.
„Mein kleines Schoßhündchen könnte euch in eine seelenlose Staubwolke verwandeln, wenn ich ihn nur ließe", gibt Lenwe überheblich zurück. Im Augenblick ist das zwar hoffnungslos übertrieben, aber wenn ich Zeit hätte mich angemessen vorzubereiten, könnte ich diese Drohung sogar durchaus wahr machen. Ich frage mich nur, ob Lenwe das auch wirklich weiß oder ob in diesem Moment nur die Abneigung gegen den Tiefling aus ihm spricht.
„Er hat noch Schulden zu begleichen bei unserem Lord", übergeht der Mensch diese letzte Äußerung einfach und kommt damit sofort zum Grund ihres Auftauchens. Er hat eine tiefe, angenehme Stimme, die wie warmer Pelz über meine Ohren streicht. Sehr unerwartet in Kombination mit seinem reichlich unauffälligen Äußeren. „Ich muss gestehen, ich hatte nicht erwartet eine solche Situation vorzufinden", fährt er dann, leicht zögerlich, fort. „Nachdem wir festgestellt hatten, dass er hier und am Leben war, hatten wir eher mit einem anderen Ausgang dieser Auseinandersetzung gerechnet."
„Glaub ja nicht du könntest ihn einfach behalten und damit ungeschoren davon kommen", setzt Tresk nach, noch bevor Lenwe sich in irgendeiner Weise äußern kann. Wie konnte jemand mit einem derartigen Mangel an Diplomatie überhaupt jemals so hoch aufsteigen in diesem intrigengetränkten Söldnerheer? Die drei Paar konsternierter Blicke, die ihn nun treffen, scheint der Tiefling gar nicht wahrzunehmen, während er Lenwe über verschränkten Armen hochnäsig anstarrt. Der Mensch schaut derweil drein, wie eine Katze, der gerade jemand kräftig auf den Schwanz getreten ist. Auch Lenwe wirkt als hätte er auf einmal heftige Kopfschmerzen bekommen. Das heitert mich allerdings wieder so weit auf, dass ich schnell den Kopf senke um mein plötzlich aufblühendes Grinsen zu verbergen.
Ich war damit wohl nicht schnell genug, denn als nächstes raunzt Lenwe mich ärgerlich an und befiehlt mir barsch, zurück in die Küche zu gehen und ein Frühstück herzurichten. Eine Order, der ich prompt folge und sei es nur um eine Weile ungestört vor mich hin grinsen zu können.
Schnell erledige ich meine Aufgaben. Wer weiß worüber die drei gerade sprechen. Wenn ich Pech habe entscheiden sie mein weiteres Schicksal ohne meine Anwesenheit. Nicht dass ich großen Einfluss auf den Ausgang hätte, selbst wenn ich dabei wäre, aber die Information ist mir wichtig. Ich habe allerdings auch noch keine definitive Präferenz was die weiteren Geschehnisse angeht. Ob hier oder bei Akhreal und seiner Armee, solange ich keinen Weg finde mich von Lenwe zu befreien, werde ich auch insgesamt gesehen nur sehr wenig Handlungsspielraum haben. Wenn ich Tresks erste Reaktion als Richtlinie nehme, dann könnte es für mich sogar sehr viel unangenehmer werden sich dem Heer anzuschließen als hier mit Lenwe zu verweilen, auch wenn ich damit wahrscheinlich mehr Möglichkeiten bekäme meine Freiheit zurück zu erlangen. Vielleicht sollte ich auf seine instinktive Abneigung gegenüber dem Söldnerführer zählen und darauf hoffen, dass er sich und damit auch mich, irgendwie aus dieser Verpflichtung herauswinden kann.
„Auf keinen Fall!" höre ich Lenwe entschieden sagen, als ich mit dem hoch beladenen Tablett endlich aus der Küche komme. „Ich lasse ihn doch nicht über so eine lange Zeit unbeaufsichtigt!"
„Ach?" macht Tresk gedehnt. „Fünf Tage sind also eine lange Zeit? Dafür, dass ihr ihn angeblich besiegt und unter Kontrolle habt, scheint ihr ihm ja wirklich noch einiges an Vorsicht entgegen zu bringen."
„Wieso habt ihr ihn nicht einfach getötet?" fragt der Mensch gerade. Diese pragmatische Frage habe ich mir natürlich auch bereits gestellt, aber besonders erfreut bin ich nicht gerade sie jetzt und hier laut ausgesprochen zu hören.
„Ihn zu töten hieße wissentlich von unserem Lord zu stehlen", belehrt ihn Tresk sofort mit einem unverhohlen gehässigen Grinsen. „Lenwe weiß genau, dass er sich das nicht leisten kann."
Aha. Das erklärt Einiges. Dann hatte ich also doch recht mit meiner Vermutung, dass er Akhreal gegenüber gewissen Verpflichtungen unterliegt. Die Gesichtszüge des besagten Lenwe sind bei diesen Worten zu Stein erstarrt. Er hat ein warnendes Funkeln in den Augen, das offenbar nicht einmal Tresk übersehen kann, denn der hält auf einmal inne und äußert sich nicht weiter zu den Gründen für seine Aussage.
Das Gespräch stockt als ich beginne den Tisch anzurichten. Sowohl die beiden Söldner als auch Lenwe schauen interessiert zu wie ich mit Geschirr und Lebensmitteln hantiere, während es hinter meiner äußerlich unbewegten Miene brodelt. Früher konnte ich solche Dinge erledigen ohne dabei Aufmerksamkeit zu erregen. Es sieht ganz so aus, als sei ich ernsthaft aus der Übung. Wenigstens ist die Leere gerade so weit zurückgedrängt, dass ich mich ansonsten mühelos beherrschen kann. Der Tag an dem mir Tresks widerliche Person ernsthaft attraktiv erscheint wird mit einiger Wahrscheinlichkeit auch der Tag sein an dem ich mich von der nächstbesten Klippe stürze. Ich hoffe stark Lenwe wird nicht doch noch irgendwann seine Abneigung gegenüber dem Tiefling überwinden und etwa auf die Idee kommen mich auszuleihen.
„Also stimmt ihr nicht zu ihn für einige Projekte auszuleihen bis seine Schuld beglichen ist?" vergewissert sich der Mensch noch einmal.
„Das hat er doch gerade gesagt Erko!" murrt Tresk unwirsch, in einem Ton als müsste er gerade zum hundertsten Mal einem Kleinkind dieselbe einfache Sache erklären. Diese beiden scheinen sich auch nicht sonderlich gut zu verstehen. Vielleicht ist es ja die schiere soziale Unzulänglichkeit die den Tiefling zum Nekromantentum getrieben hat, überlege ich mürrisch. Er mag zwar intelligent sein, aber es mangelt ihm deutlich an Feinfühligkeit. Außer ein paar wehrlosen Leichen will sich wahrscheinlich niemand freiwillig mit ihm abgeben.
„Dann bleiben nicht mehr sehr viele Alternativen", bemerkt der Mensch, Erko, ruhig als hätte er Tresks Einwurf gar nicht gehört. „Lord Akhreal hat mich ermächtigt an seiner Stelle zu verhandeln, daher möchte ich euch einen anderen Vorschlag unterbreiten."
Auf Lenwes aufforderndes, aber ziemlich steifes Nicken hin erläutert er seine Idee.
„Da ihr ihn nicht ohne Aufsicht lassen wollt, biete ich euch an ihn für die Dauer seiner Dienstzeit zu begleiten. Ihr erhaltet für ein Jahr dieselbe Bezahlung wie ein Offizier des Heeres, bekleidet aber keine offizielle Position, sondern fungiert als unabhängiger Berater."
Erko ist also zu der gleichen Schlussfolgerung gekommen wie ich, was die Logistik in dieser Angelegenheit betrifft. Lenwes Miene gibt zunächst nicht preis wie er zu diesem Vorschlag steht, auch wenn ich bereits weiß wie sehr ihm ein solches Vorgehen missfallen muss.
„In Anbetracht dessen, dass Lord Akhreal unter diesen Umständen die Dienste von zwei Magiern statt einem erhielte, halte ich es für angemessen die Dienstzeit auf die Hälfte zu verkürzen", erwidert er nach einigen Augenblicken bewundernswert neutral.
„In diesem Fall verlangen wir, dass sowohl ihr als auch euer Sklave einen Offiziersposten annehmt. Als Berater ohne einen offiziellen Rang wäret ihr kaum voll einsatzfähig."
Diesmal lässt Lenwe sich doch zu einem eisigen Blick hinreißen.
„Ich soll Akhreals Wappen tragen?" zischt der blonde Elf böse. Die instinktive Abwehr steht ihm ins Gesicht geschrieben.
„Sechs Monate", gibt Erko ruhig zurück. „Keine besonders lange Zeit. Nicht einmal für einen Menschen."
Tresk grinst erwartungsvoll, bleibt aber ausnahmsweise einmal still. Seine lauernde Miene spricht allerdings Bände, auch ohne dass er einen Kommentar abgibt. Mittlerweile bin ich ziemlich sicher, dass es in der Vergangenheit zwischen ihm und Lenwe einige unschöne Vorfälle gegeben haben muss. Außerdem erstaunt es mich, dass Erko sich so einfach herunter handeln lässt. Sechs Monate sind wirklich nicht sehr lang. Ich überlege unbehaglich, ob Akhreal möglicherweise bereits weitere Pläne hat um Lenwe und damit auch mich stärker an sich zu binden.
„Er dient ausschließlich unter meinem Kommando und wird unter keinen Umständen aus meiner Nähe entfernt", verlangt Lenwe steif. Er ist blass, wirkt aber nun wieder gefasster. Vielleicht hat er sich bereits damit abgefunden nun zeitweise auch ein Teil von Akhreals Heer zu werden. Immerhin hatte er einige Tage Zeit sich Gedanken zu machen, während ich mich im Schuppen an die kümmerlichen Reste meiner geistigen Gesundheit klammerte.
„So weit die Umstände unter unserer Kontrolle sind", schränkt Erko diese Bedingung sofort ein.
„Natürlich." Lenwe macht sich nicht die Mühe sein Misstrauen zu verbergen. „Ich werde keinen Rang akzeptieren der unter dem seinen liegt." Er deutet auf Tresk. Erko nickt nur als sei dies selbstverständlich. "Außerdem werde ich mindestens zwei Wochen brauchen um vorher einige Angelegenheiten zu regeln", erklärt der blonde Elf dann unverhohlen widerwillig.
„Das ist durchaus akzeptabel", befindet der Mensch ruhig.
Es ist offensichtlich weshalb Akhreal ihn zum Verhandeln hergeschickt hat. Mit Tresk alleine wäre die ganze Angelegenheit bereits nach den ersten Sekunden in einen Kampf ausgeartet. Der Gedanke, dass es nicht schaden kann sich gut mit diesem Erko zu stellen, schleicht sich fast automatisch in meinen Kopf und ich beginne ihn näher zu betrachten. Falls er Interesse an mir zeigt hätte ich bereits den ersten Ansatzpunkt. Allerdings ist er auch schwieriger zu lesen als Tresk, der aus seiner Begierde keinen Hehl macht. Aber vielleicht…
„Also gut. Sechs Monate", bestätigt Lenwe säuerlich. „Und nun entschuldigt mich bitte eine Weile. Ich muss mich um eine Angelegenheit kümmern die keinen Aufschub duldet. Falls ihr etwas benötigt wendet euch einfach an Evoe. Ich werde zurück sein sobald ich kann."
Damit erhebt er sich, neigt sehr knapp den Kopf und rauscht aus dem Raum. Das ganze ist äußerst unhöflich und kommt fast einer Flucht gleich, was eigentlich für Lenwe ziemlich untypisch wäre.
Ich frage mich vage, wie ich bitte die grundverschiedenen Ansprüche zwischen einer Position als Offizier und meinem momentanen Sklavenstatus vereinen soll, beschließe jedoch, dass die Lösung dieses Problems Lenwes Aufgabe sein wird. Wenn er im Heer noch alte Feinde hat, wird er ohnehin meine Hilfe brauchen, nehme ich an und hoffe still, dass dies in größerer Freiheit für mich resultieren wird. Zumindest wird er die ganze Zeit auf einem sehr schmalen Grat balancieren müssen um sich selbst effektiv zu schützen und gleichzeitig seine Autorität über mich zu wahren.
Für den Moment beginne ich erst einmal damit den frisch aufgebrühten Kaffee auszuschenken, dessen aromatischer Duft sich bereits verlockend im Raum verbreitet. Ich wünschte ich könnte auch eine Tasse davon haben. Stattdessen darf ich dabei zusehen wie Tresk mit sichtlichem Genuss an der seinen nippt. Von den Pfannkuchen zeigt er sich allerdings weniger begeistert. Nachdem er sich sofort gierig drei Stück geschnappt hat, noch bevor ich auch nur einen Gedanken daran verschwenden konnte sie irgendwie anzurichten, beginnt er unter skeptischen Blicken damit, in dem Haufen, den er vor sich aufgetürmt hat, herum zu stochern. Innerlich verdrehe ich die Augen und möchte ihm am liebsten den gesamten Teller vor die Brust hauen.
„Küchenarbeit scheint ja nicht gerade deine Stärke zu sein", bemerkt er kritisch.
„Die Küche ist gleich nebenan", rutscht es mir heraus, bevor ich mich zurückhalten kann. „Falls ihr mir großzügigerweise eine Vorführung eurer eigenen, zweifellos unfehlbaren Fähigkeiten zugestehen wollt, werde ich natürlich mit dem größten Interesse zusehen und lernen."
Aus dem Augenwinkel kann ich sehen wie Erkos Mundwinkel kurz zucken, aber da Tresk mich gleichzeitig mit einem wütenden Zischen am Handgelenk gepackt und zu sich herangezogen hat, habe ich daran nicht mehr sehr viel Freude.
„Du vergisst dich", faucht er und sein fester Klammergriff lässt schon jetzt meine Fingerspitzen kribbeln. Es steckt mehr Kraft in diesen schmalen, weißen Händen als man auf den ersten Blick erwartet. „Erinnere dich an deine Position Sklave!"
Eigentlich hat er sogar Recht, aber ich ärgere mich über ihn, schon seit er hier aufgetaucht ist und die starke Abneigung, die ich ihm und seinem lächerlichen Benehmen gegenüber hege, lässt mich für den Augenblick alle Vorsicht vergessen. Es gibt nur wenige Personen die mich derart die Beherrschung verlieren lassen, aber Tresk gehört eindeutig zu denen die ich nur sehr schwer tolerieren kann.
„Ich mag ja Lenwes Sklave sein, aber ich bin bestimmt nicht der eure!" zische ich eisig zurück. „Wenn ihr mir selbst ein Halsband angelegt habt könnt ihr gerne versuchen meinen Gehorsam zu erzwingen."
Damit reiße ich meine Hand zurück. Tresk ist so überrascht von meiner Gegenwehr, dass ich sogar Erfolg habe mit diesem Befreiungsversuch.
„Wünscht ihr sonst noch etwas", frage ich kühl, während der Tiefling mich noch aus zornblitzenden Augen anstarrt. Ich bin wahrscheinlich gerade ebenso wütend wie er, versuche aber mich schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen, bevor ich noch etwas wirklich Dummes tue.
„Noch ein paar Heidelbeeren wären nett, falls welche da sind", erwidert Erko mit scheinbar unerschütterlicher Gelassenheit und kommt damit jeder Äußerung Tresks zuvor.
„Natürlich Herr", murmle ich, dankbar für diese Unterbrechung und fliehe nun meinerseits in die Küche, wo ich mich als erstes mit einem halb unterdrückten Stöhnen gegen die Wand lehne und kurz die Augen schließe. Zum Glück ist Wern gerade nirgendwo zu sehen. Schon jetzt bedauere ich meinen Ausbruch, denn Tresk wird bestimmt darauf herumreiten sobald Lenwe zurück ist. Ich will gar nicht wissen was der dann tun wird. Eigentlich muss er mich irgendwie bestrafen, wenn er sein Gesicht wahren will.
Nachdem ich so lange wie nur irgend möglich damit verbracht habe, erst ein paar Minuten herumzutrödeln und dann die verlangten Beeren umständlich zu waschen, mit Zucker zu bestreuen und in eine Schale zu füllen, muss ich wohl oder übel wieder zurück.
„Hast du das verdammte Obst erst noch gepflückt?" will Tresk auch sofort wissen kaum das ich den Raum betrete, „oder hattest du etwa Angst?"
Er entblößt spitze Zähne in einem bösartigen Grinsen und scheint enttäuscht als ich nicht antworte. Das kostet mich allerdings einiges an Beherrschung. Stumm serviere ich die Beeren und nehme meine alte Position wieder ein. Die knappe halbe Stunde die vergeht, bis Lenwe wieder erscheint, scheint mindestens das Dreifache dieser Zeitspanne in Anspruch zu nehmen. Nach einigen spitzen Bemerkungen, die mich trotz ihrer Vorhersehbarkeit aufregen, gibt sogar Tresk sich damit zufrieden einfach still zu sein und sein Frühstück zu essen. Er und Erko haben sich wohl nicht viel zu sagen so lange ich anwesend bin und mithören kann. Einen Moment wünsche ich mir Elarn wäre hier. Wahrscheinlich hätte er Tresk schon lange dazu gebracht nach ein paar scheinbar unschuldigen Anmerkungen vor Wut zu explodieren. Er konnte schon immer besser mit Worten umgehen als ich. Aber ich sollte nicht an ihn denken. Besonders nicht hier und jetzt wo meine Trauer und Sehnsucht mich nur angreifbar machen. Die Luft kratzt unangenehm in meinem Hals als ich tief einatme und versuche die Gefühle zu verdrängen, die mit der Erinnerung an bessere Zeiten kommen. Zum Glück lenkt Lenwes Rückkehr mich schnell von meinen wehmütigen Gedanken ab.
„Wo will er uns einsetzen?" fragt er knapp noch bevor er ganz durch die Tür getreten ist, ohne sich mit Begrüßungen aufzuhalten.
„Das hat er mir nicht mitgeteilt, aber ich bin mir sicher er wird euch rechtzeitig alle nötigen Informationen zukommen lassen", antwortet Erko glatt. Woraufhin Lenwe ein unzufriedenes Schnauben hören lässt.
„Typisch", murmelt er ärgerlich. „Nun dann wäre wohl zunächst alles geklärt", setzt er danach an, wird jedoch schnell von Tresk unterbrochen.
„Fast alles", zischt der Tiefling. Ich beiße wütend die Zähne zusammen, denn ich weiß genau was als nächstes kommen wird. Neben mir rollt Erko resigniert mit den Augen.
„Euer Sklave hat mich beleidigt. Ich verlange dass ihr ihn bestraft."
„Beleidigt?" wiederholt Lenwe irritiert, zuckt aber dann plötzlich beinahe gleichgültig mit den Schultern und winkt mich heran. Sobald ich in seiner Reichweite bin, holt er aus und schlägt mir mit der flachen Hand ins Gesicht. Ich bin ein wenig überrascht, erhole mich aber schnell. Er hätte sehr viel härter zuschlagen können wenn er dies gewollt hätte. Wäre er wirklich wütend, dann läge ich jetzt am Boden statt nur mit einer verhalten schmerzenden Wange vor ihm zu knien.
„So, das sollte wohl genügen", befindet Lenwe dann kühl. „Ich habe wirklich dringenderes zu tun als mit euch über Nichtigkeiten zu diskutieren. Wir sehen uns dann in zwei Wochen."
Zu meiner Erleichterung neigt Erko daraufhin stumm den Kopf, erhebt sich und stapft ohne ein weiteres Wort zur Tür hinaus. Tresk muss ihm notgedrungen folgen, sieht aber aus als fiele es ihm äußerst schwer dies ohne weiteres zu tun. Der Blick, den er mir zuwirft, ist geradezu mörderisch. Er hilft mir das Pochen in meiner Wange ohne weiteres zu verdrängen.
„Ich hoffe das war es wert", bemerkt Lenwe nachdem die beiden endgültig weg sind. Ich zucke leicht mit den Schultern und lasse endlich das Grinsen, das schon seit einer Weile hinaus will, über meine Lippen kriechen. Einen Moment sieht es beinahe aus als würde er meine Gefühle teilen, aber dann wird er plötzlich wieder ernst.
„Tresk ist leider unsere kleinste Sorge im Moment", sagt er. „Absichtlich oder nicht, du hast mich in eine sehr schwierige Situation gebracht Evoe."
„Wäret ihr lieber tot?" will ich wissen, denn das wäre wohl die einzige Alternative zu dieser Situation gewesen. Entweder ich hätte ihn wirklich getötet oder er hätte mich getötet und sich dann im Nachhinein vor Akhreal verantworten müssen. Damit wäre auch nur eine andere Variation der jetzigen Lage eingetreten. Meine Ehrlichkeit bringt mir einen ungnädigen Blick aus den unbestimmbaren, grünlichen Augen ein.
„Er wird sich nicht mit sechs Monaten zufrieden geben", grollt Lenwe und bestätigt damit meinen Verdacht. Die kurzlebige Freude über Tresks Wut verfliegt spurlos, als ich die ersten Spuren von echter Angst und Hilflosigkeit in seinem Gesicht wahrnehme. Der große Elf springt auf und beginnt ruhelos auf und ab zu laufen. Die neutrale Gelassenheit, die er während der Verhandlung gezeigt hat, ist verschwunden. Habe ich den Söldnerführer falsch eingeschätzt und er ist noch viel gefährlicher als ich angenommen hatte?
„Was ich dir bisher angetan habe ist nichts im Vergleich zu den Dingen die Akhreal regelmäßig aus purer Langeweile tut. Und wenn er erst einmal etwas in seinen gierigen Fingern hat, wird er es nicht freiwillig wieder loslassen."
Das überrascht mich nicht einmal.
„Ihr kennt ihn besser als ich. Sagt mir was wir tun sollen", versuche ich einen etwas konstruktiveren Ansatz zu finden. Ich will schließlich auch nicht mehr Zeit als nötig in diesem Heer verbringen. Aber Lenwe ist gerade nicht zugänglich für logisches Vorgehen.
„Wenn ich nur mehr wüsste!" murmelt er vor sich hin und ballt die Fäuste als hätte er mich gar nicht gehört. Langsam habe ich genug. Dieses nervöse, fast schon kopflose Verhalten ist so ungewöhnlich für ihn, dass ich mir mittlerweile selbst immer mehr Sorgen mache. Was natürlich nur heißt, dass wir es uns nur umso weniger leisten können jetzt in Furcht zu versinken und Fehler zu machen. Sieht nicht so aus als wäre Lenwe gerade sehr gelassen und in einer ordentlichen Verfassung zum Nachdenken. Ich erhebe mich entschlossen aus meiner knienden Stellung und stelle mich ihm in den Weg.
„Reißt euch zusammen. Solange ihr am Leben seid gibt es auch Möglichkeiten die Situation zu euren Gunsten zu wenden", zische ich böse und bringe ihn damit tatsächlich dazu innezuhalten.
„Ist es das womit du dir im Schuppen die Zeit vertrieben hast, sinnlose Plattitüden erfinden?" fragt er nicht minder bösartig, scheint aber endlich etwas ruhiger zu werden. Die Erwähnung der Zeit im Schuppen lässt mich unfreiwillig schaudern, aber davon lasse ich mich jetzt nicht ablenken.
„Lasst mich eine angemessene Ausrüstung zusammenstellen und gebt mir ein gewisses Maß an Handlungsfreiheit. Wir arbeiten zusammen und ich verspreche, ich werde mein Möglichstes tun um weitere Verpflichtungen gegenüber diesem Heer und Akhreal zu vermeiden."
Allein die Tatsache, dass Lenwe bei diesem Vorschlag nicht gleich in abfälliges Gelächter ausbricht zeigt mir, wie verzweifelt er sein muss. Natürlich heißt eine Zusammenarbeit nicht, dass ich mich nicht bemühen werde einen Weg aus seiner Kontrolle zu finden. Für den Rest meiner Tage in Sklaverei zu leben ist nicht gerade ein Wunschtraum von mir.
„Ich werde ohnehin von euch abhängig sein", erinnere ich ihn leise, als er zweifelnd den Mund verzieht und lehne mich einladend etwas näher an ihn.
Statt einer Antwort lässt er daraufhin zögerlich lange Finger durch meine Haare gleiten. Das ist ein wenig schwierig, so verfilzt wie sie inzwischen sind, aber es hält ihn nicht auf. Mich auch nicht. Ich bin entschlossen diese Chance zu ergreifen.
„Ich habe immerhin über fünfzig Jahre mit einem Drow überlebt", murmle ich und lasse meine Hände verführerisch über seinen breiten Rücken streichen. „Jemand der euch aus eigenem Antrieb den Rücken freihält wäre für euch nur von Vorteil. Ich will auch nicht wirklich auf ewig in einem Söldnerheer festsitzen und den Rücken vor selbsterklärten Lords beugen."
Jetzt lacht Lenwe wirklich leise auf, aber er stößt mich auch nicht von sich.
„Und damit, dass du lediglich einen Weg suchst mich zu beschäftigen und deine Freiheit zurück zu erlangen während du mir am liebsten das nächstbeste Messer ins Herz stoßen würdest, hat diese plötzliche Bereitschaft zur Kooperation gar nichts zu tun, nicht wahr?"
„Es sind nur sechs Monate. Sehr viel kann ich da bestimmt nicht ausrichten. Ihr könntet danach zuschauen während ich den Nekromanten an Ter-Soth verfüttere", locke ich weiter, ernte jedoch einen scharfen Blick.
„Ein Balor?" will Lenwe skeptisch wissen und unterbricht für einen Moment die Bewegung seiner Hände. „Darüber solltest du keine Witze machen."
„Das war kein Witz", gebe ich todernst zurück und meine es auch so.
Lenwe scheint einen Moment lang beunruhigt, bevor er sich nachdenklich ein wenig zurücklehnt.
„Du würdest tatsächlich einen Balor beschwören", wiederholt er. „Ich nehme an du bist ziemlich sicher dabei keinen Fehler zu machen der dich das Leben kosten würde."
Ich nicke. Das Vorhaben ist zwar nicht ungefährlich, aber ich weiß durchaus wie man die Risiken minimieren kann.
„Sehr sicher."
„Hm", macht Lenwe mit unbestimmbarem Tonfall und lässt mich dann erschauern indem er federleicht mit seinen Fingerspitzen an meinem Ohr hinabstreicht. Entschlossen unterdrücke ich meinen Widerwillen gegen diese Berührung und zwinge ein einladendes Lächeln auf meine Lippen. Ich glaube meine Chancen haben sich gerade um einiges verbessert. Mit diesen Aussichten kann ich auch Lenwes Nähe ertragen.
„Vielleicht ist die Lage ja doch nicht so hoffnungslos wie ich dachte", gibt er zu. Ich lächle nur weiter mit halb geschlossenen Augen und schmiege mich aufreizend an ihn, sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.
