A/N: Ohje da habe ich tatsächlich vergessen mich um das Update zu kümmern. Bin gerade total eingespannt, mit Fortbildung und Arbeit komme ich im Moment zu nichts. Aber die Fortbildung ist morgen vorbei. Dann kann ich wieder zu zivilisierten Zeiten ins Büro :)
***ELARN/ETHIN***
Für jemanden der mindestens schon eine Woche lang tot war, sieht Ethin inzwischen wieder äußerst vital aus. Gepriesen sei Elistraee, denke ich sardonisch und schaue zu wie die tanzenden Priesterinnen langsam den Höhepunkt ihrer Darbietung erreichen, bevor die unbekleideten, dunkelhäutigen Frauen atemlos in einem perfekten Kreis um Ethins Körper zu Boden sinken. Gleichzeitig verstummt auch der Chor, der ihre Bemühungen bis hier hin akustisch unterstützt hatte. Nach dem stundenlangen, anhaltenden Gesang ist der folgende Augenblick verstörend still. Alle warten mit angehaltenem Atem auf das Ergebnis dieses Rituals.
Erst einmal scheint gar nichts zu geschehen und ich kann spüren wie sich langsam die Unruhe in der Gruppe ausbreitet. Alle schauen sich mit wachsender Unsicherheit an, nur um sofort wieder auf den Körper zu starren, der zwar inzwischen flach zu atmen scheint und auch sonst wieder einigermaßen lebendig wirkt, aber dennoch in hartnäckiger Bewegungslosigkeit verharrt. Als er sich nach einigen unerträglichen Minuten noch immer nicht regt, beugt sich schließlich eine der Priesterinnen vorsichtig über Ethin und legt zögerlich einen einzelnen Finger an den schlanken Hals, wie um nach einem Puls zu fühlen.
Im Nachhinein erstaunt es mich gar nicht, aber als Ethin auf diese Berührung hin explosionsartig in Bewegung verfällt und der unglückseligen Frau heftig seinen Handballen ins Gesicht rammt, zucke ich im ersten Augenblick genau wie alle anderen zusammen. Das Geräusch ihres brechenden Nasenbeins wirkt unnatürlich laut angesichts der anhaltenden Stille. Da ich Ethin besser kenne als mir lieb ist, weiß ich genau, dass das nicht alles war und bin nur verhalten überrascht, als er sich gleich danach mit einem gutturalen Brüllen auf die nächste Person stürzt, um sie mit allem zu attackieren was ihm gerade zur Verfügung steht. Glücklicherweise sind das lediglich seine eigenen Hände und Füße. Ich schätze sonst hätte es, selbst in dieser kampferprobten Truppe, wohl einige Tote gegeben. Auch so schafft Ethin es eine ansehnliche Spur von blutenden Nasen, gebrochenen Knochen und tiefen Kratzern zu hinterlassen.
Es dauert eine ganze Weile bis die Gruppe es geschafft hat den rasenden Elfen mit vereinten Kräften zu Boden zu pressen. Valaira gibt einen sehr unterhaltsamen Anblick ab, wie sie, nackt und keuchend, mit blutender Nase auf der Brust des ebenfalls nackten Ethin hockt und ihn mit wütenden Blicken fixiert, während weitere Mitglieder ihrer kleinen Gemeinschaft sich verbissen an seinen Armen und Beinen festklammern. So unterhaltsam ist diese kleine Szene, dass mir tatsächlich ein leises Lachen entschlüpft.
Trotz seines anhaltenden Widerstandes muss er mich gehört haben, denn augenblicklich reißt Ethin den Kopf herum und fixiert mich nun seinerseits, plötzlich regt er keinen Muskel mehr.
„Du!" grollt er voller Hass. „Ich hätte es wissen müssen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich endlich so etwas wie Frieden gefunden und du musst alles zerstören!"
Ein wenig überrascht angesichts der ungewohnt persönlichen Anrede, zucke ich dennoch gelassen mit den Schultern.
„Sag mir wo Evoe ist und ich kann dich gerne sofort wieder dahin zurückbefördern wo du gerade hergekommen bist", biete ich ihm kühl an.
„Wie bitte?" schaltet Valaira sich sofort entrüstet ein. „Du wirst nichts dergleichen tun!"
Ich ignoriere sie und starre stattdessen in die beunruhigend klaren, grünen Augen Ethins. Der übliche, dunkle, latente Wahnsinn, den ich dort zu sehen erwartet hatte, fehlt völlig. An seiner Stelle stehen verständlicherweise Wut und eine gute Portion Hass, aber auch ein Selbstbewusstsein und eine innere Ruhe, die ich früher noch nie bei dem blonden Elfen gesehen habe. Oder vielleicht doch. Es erinnert mich dunkel an die ersten Monate, die er bei seinem alten Herren verbracht hat, bevor er schließlich irgendwann völlig verbogen und halb wahnsinnig war. Allerdings habe ich ihn zu jener Zeit nicht sehr häufig zu Gesicht bekommen. Sein Tod scheint Ethin tatsächlich gut bekommen zu sein, so merkwürdig das auch klingt. Natürlich bringt diese Entwicklung für mich auch einige Schwierigkeiten mit sich, da ich nun kaum noch verlässlich vorhersagen kann wie er auf meine Befragung reagieren wird.
„Also, wo ist er?" frage ich trotzdem kühl und schaue beunruhigt zu, wie Ethin plötzlich einen sehr kalkulierenden Ausdruck im Gesicht bekommt.
„Wieso willst du das wissen?" antwortet er prompt mit einer Gegenfrage. Valaira, die immer noch auf seinem Brustkorb hockt, ignoriert er dabei ebenso wie ich. Seine respektlose Anrede irritiert mich mehr als ich erwartet hätte. An seinem lauernden Blick kann ich sehen, dass dies durchaus beabsichtigt war. Ist er auf einmal zu einem ernsthaften Gegner geworden? Woher nimmt er diese plötzliche Dreistigkeit? Früher hätte er sowas niemals gewagt. Aber früher ist nun offenbar vorbei. Ich schlucke meine Irritation hinunter und antworte spöttisch: „Was glaubst du denn? Ich suche ihn."
„Oh tatsächlich?" gibt Ethin im gleichen Tonfall, nicht im Mindesten angekratzt, zurück. „Na dann viel Glück", wünscht er mir scheinbar desinteressiert.
Jetzt wo er augenscheinlich wieder ruhiger ist, ziehen sich die Priesterinnen vorsichtig ein wenig zurück. Zumindest so weit, dass er sich langsam aufsetzen kann. Trotzdem beobachten sie Ethin auch weiterhin mit einer gesunden Portion Misstrauen. Täte ich an ihrer Stelle auch. Dafür, dass er völlig unbewaffnet war und gegen eine ziemliche Übermacht angetreten ist, hat Ethin eine sehr beeindruckende Leistung gezeigt.
„Bitte entschuldigt meinen Ausbruch von vorhin", wendet der blonde Elf sich sofort mit einer vollendeten Darbietung von betretener Zerknirschtheit an Valaira. „Ich hatte in meinem Leben nicht die besten Erfahrungen mit Drow. Es tut mir sehr leid."
Ich wusste schon immer dass Ethin ein guter Schauspieler ist, wenn er wirklich will, aber Valaira kennt ihn nicht und ist deshalb um einiges mehr beeindruckt von seiner kleinen Darbietung als ich. Inzwischen hatte er genug Zeit um zu erkennen wo er sich gerade befindet. Ethin muss wissen, dass er von Priesterinnen der Eilistraee nichts zu befürchten hat. Ihre Glaubensgrundsätze sind ihm schließlich bekannt, nachdem ich mich oft genug darüber lustig gemacht habe. Ich denke kaum, dass ihm sein kleiner Tobsuchtanfall wirklich leid tut, aber ich werde mich hüten dies jetzt zur Sprache zu bringen und meine Position zu verschlechtern, indem ich eine von Mitleid erfüllte Valaira mit meinen Anschuldigungen verärgere. Ihre Miene verdunkelt sich ohnehin gerade.
„Für jemanden der angeblich freiwillig ein Sklave war, hat er erstaunlich wenig Interesse an dem Schicksal seines früheren Herren", bemerkt Valaira spitz in meine Richtung.
Ich bin mir trotz der jüngsten Veränderungen ziemlich sicher, dass Ethin immer noch ein großes Interesse an Evoes Wohlergehen hat. Bisher war er mit bewundernswerter, psychopathischer Sturheit geradezu fanatisch auf ihn fixiert und ich denke nicht, dass man soetwas einfach abschüttelt. Auch nicht im Tod. Allerdings hat Ethin in der Zwischenzeit offenbar auch eine eigene Agenda entwickelt. Ich frage mich unbehaglich was er wohl will und wie viel es mich kosten wird.
„Er mag mich nicht besonders", versuche ich die unausgesprochene Anschuldigung leichthin abzutun.
„Du bist frei zu tun was immer du willst", versichert Valaira dem blonden Elfen fürsorglich. Ich unterdrücke ein Zähneknirschen. „Niemand wird dich hier zu etwas zwingen. Auch Elarn nicht."
Irre ich mich, oder war das Triumph der gerade durch Ethins grüne Augen gezuckt ist? Auf seine nächsten Worte bin ich trotzdem nicht im Geringsten vorbereitet.
„Du hast ihn ohne jegliche Vorwarnung verlassen", beschuldigt mich der sonst immer so unterwürfige Sklave eisig und mit einem fast schon mörderischen Blick. Einen Moment bin ich tatsächlich sprachlos. „Weißt du überhaupt was du ihm damit angetan hast?" faucht Ethin auch gleich böse weiter. „Wieso sollte ich es dir so einfach machen ihn wieder zu finden? Sobald er über dich hinweg ist, wird es ihm besser gehen."
„Und ich schätze du wirst ihm über den Verlust hinweg helfen?" zische ich giftig und überrasche mich selbst mit diesem spontanen Ausbruch. So viel wollte ich eigentlich nicht preisgeben. Meine eigenen Fehler so öffentlich vorgehalten zu bekommen ist reichlich frustrierend.
„Natürlich!" zischt Ethin nicht minder bösartig zurück. Das heißt wohl, dass er sehr genau weiß wo er Evoe zu suchen hat. Am liebsten würde ich dieses Wissen auf der Stelle aus ihm heraus prügeln. Meine Knöchel knacken als ich meine Hände nur halb bewusst zur Faust balle.
„Sag mir wo er ist!" verlange ich lauter als nötig. Diese neue, respektlose Version von Ethin bringt mich viel zu sehr aus dem Gleichgewicht, aber das scheint mir nebensächlich, angesichts des Dranges endlich etwas über Evoes Verbleib zu erfahren. Ich weiß, das Gefühl macht mich unvorsichtig, aber ich kann mich auch nicht wirklich dagegen verschließen. Unser Publikum schaut gebannt der Vorstellung zu die wir ihnen gerade bieten. Wahrscheinlich hatten sie eine etwas herzlichere Wiedervereinigung erwartet.
„Sag mir wo er ist", äfft Ethin mich spöttisch nach und richtet sich dabei vollends auf, bis er auf mich herab blicken kann. Bisher ist mir kaum aufgefallen wie viel größer als ich er tatsächlich ist.
„Mehr hast du nicht zu bieten?" fragt er mit beißendem Spott. Er hat längst begriffen, dass mir hier und jetzt die Hände gebunden sind. Im Moment hat er noch die Sympathien aller Priesterinnen auf seiner Seite und ich bin buchstäblich machtlos.
„Was ist aus: Antworte mir Sklave, bevor ich dir die Haut vom Rücken peitsche! geworden?" will Ethin immer noch spöttisch wissen.
Ich ernte dunkle Blicke nach dieser Frage und muss hart daran arbeiten ein abfälliges Schnauben zu unterdrücken. Ethin hat nie den Eindruck gemacht als würde er sich allzu sehr darum scheren was aus seinem Rücken wird. Im Gegenteil, meist schien er es geradezu darauf anzulegen eine Strafe zu kassieren. Im Moment wäre mir nichts lieber als ihn bluten zu sehen. Ich schätze das sieht man mir auch viel zu deutlich an, denn Valairas Miene wird gerade noch eine Nuance schwärzer. So langsam gelange ich an das Limit ihrer Geduld und Toleranz. Sie weiß zwar, dass ich nicht unbedingt ihre Einstellungen teile, aber bisher habe ich es immer vermieden in ihrer Gegenwart allzu drastisch vorzugehen. Eine vorsichtig aufrecht erhaltene Halb-Ignoranz, mit der wir beide bisher recht gut zurecht gekommen sind.
Einen Augenblick lang überlege ich, ob ich Ethin zunächst zum Schein einfach ziehen lassen soll, um ihn dann später aufzuspüren und herauszufinden was er weiß. Dieser Plan hat allerdings einen großen Haken. Valaira kennt mich zu gut um meine Absichten nicht zu durchschauen wenn ich jetzt nicht genügend Widerstand leiste oder wenigstens versuche ein bisschen auf ihn einzugehen. Ich schätze Letzteres ist einfacher.
„Also gut", knirsche ich. „Was willst du?"
Die grünen Augen weiten sich überrascht, als ich so ungewöhnlich schnell nachzugeben scheine, aber Ethin fängt sich schnell wieder. Nur jemand der ihn gut kennt würde das schwache Glimmen der Zufriedenheit in seinem Blick erkennen. Ich kenne ihn, wie gesagt, besser als mir lieb ist.
„Von dir?" fragt er mit abfällig gekräuselten Lippen und verschränkt abwehrend die Arme vor der nackten Brust. „Nichts."
Das glaube ich ihm nicht. Wenn er nicht wenigstens irgendeine Art von Rache will, dann ist er inzwischen doch noch wahnsinniger als ich zuerst dachte. Ich weiß genau, dass ich ihm über die Jahre mehr als genug Gründe gegeben habe mich zu hassen. Aber ich weiß auch, dass er Evoe mit einiger Wahrscheinlichkeit tatsächlich retten will und gegen jemanden der meinen ehemaligen Lehrling überwältigt hat, hätte Ethin alleine keine Chance. Im Moment besitzt er absolut nichts was ihm bei einem solchen Kampf von Nutzen sein könnte, er hat ja nicht einmal Kleider. Er muss sich eigentlich mit mir zusammen tun, wenn er auch nur im Geringsten etwas erreichen will. Oder ist es ihm doch wichtiger seine eigenen Pläne zu verfolgen? Würde er so weit gehen Evoes Leben dafür aufs Spiel zu setzen? Ich kann mir nicht völlig sicher sein. Manchmal sind Ethins Ansichten etwas seltsam. Allerdings, fällt mir dann auf, würde er mit allzu drastischen Forderungen mir gegenüber auch die Unterstützung der gutgläubigen Priesterschaft riskieren, die quasi das einzige darstellt, was ihn gerade vor mir schützt…
Wie es scheint muss ich etwas privatere Umstände schaffen um seinen wirklichen Wünschen auf den Grund zu gehen. Ich hoffe nur seine scheinbare Ruhe ist berechtigt und Evoe hat diese zusätzliche Zeit tatsächlich übrig.
Während ich noch abwäge, habe ich bereits einen drohenden Schritt auf ihn zu gemacht. Schließlich muss ich zumindest den Anschein aufrechterhalten. Noch bevor ich mehr als einen Fuß weit an Ethin heran gekommen bin, steht mir auch schon eine stirnrunzelnde Valaira im Weg. Das sieht aus als hätte sie ihr Limit schneller erreicht als gedacht. Im Moment kann ich wohl nicht mehr von ihr erwarten.
„Ich denke es ist besser wenn du dich jetzt zurück ziehst Elarn", schlägt sie spröde vor. „Ich lasse dir bis morgen früh Zeit um deine Sachen zu packen. Falls es Neuigkeiten gibt, werde ich dich benachrichtigen."
Deutliche Worte. Und es ist sogar schlimmer als ich gedacht hatte. Da kann ich nichts mehr ausrichten. Also gut, wenn sie darauf besteht. Herrisches Frauenzimmer. Ich frage mich kurz wie lange es wohl dauern wird sich wieder mit ihr gut zu stellen, habe aber gerade Wichtigeres um das ich ich kümmern muss.
„Wie du wünschst", knirsche ich und muss nicht viel vorspielen, um mich, mit einem frustrierten Schnauben, ohne ein weiteres Wort durch die versammelten Frauen aus der Kapelle hinaus zu drängeln und mit finsterer Miene auf die kleine Hütte zu zustreben, in der ich dank Valairas Gastfreundschaft die letzten Monate verbracht habe. Der wenige Platz den diese bescheidene Behausung bietet, ist momentan von meinen überall verstreuten Habseligkeiten ausgefüllt. Die einzige Stelle an der nichts herumliegt ist das schmale Bett. Dort lasse ich mich nieder, nachdem die leichte Holztür laut hinter mir zu gekracht ist und gestatte mir einen kleinen Moment der Verzweiflung. Wie viel werde ich noch opfern um Evoe wieder zu bekommen? Wieso konnte Ethin nur in eine solche Position kommen? Ist ihm bewusst wie weit ich gehen würde um seinen Herrn zu retten? Wahrscheinlich. Ethin wird keinerlei Skrupel haben dieses Wissen auszunutzen. Das ist etwas völlig anderes als Valaira ein paar Versprechungen zu machen. Verdammt! Ich schaudere. Nachdem ich mich wieder zusammen gerissen und das Gesicht aus den Händen gehoben habe, beginne ich damit zu packen. Zumindest vorbereitet will ich sein.
Dann beginnt das Warten. Ich weiß, Ethin wird sich nicht gleich von seinen Wohltäterinnen fortstehlen können, aber trotzdem kommen mir die Stunden, die ich dort hocke, wie Tage vor. Irgendwann lege ich vorsorglich eine leichte Schallisolierung über die Hüttenwände. Schließlich muss ja nicht gleich jeder mithören können. Gegen allzu laute Geräusche kann diese Dämpfung allerdings nichts ausrichten. Mit einem wirkungsvolleren Zauber würde ich aber leider garantiert Valaira auf den Plan rufen. Sie hat mehr als einmal demonstriert, dass sie auf eine unheimliche Weise immer genau zu wissen scheint was in ihrer Siedlung so alles vorgeht.
Der Mond ist bereits aufgegangen als ich endlich ein leises Scharren aus Richtung Fenster vernehme.
Du wirst tun was immer nötig ist! Erinnere ich mich selbst und verharre still im Schneidersitz auf dem Bett. Ethins helles Haar schimmert leicht im Mondlicht, als er sich geschickt durch die schmale Öffnung des Fensters windet und in den Raum schlüpft. Weshalb er nicht einfach die Tür benutzt ist mir ein Rätsel. Es ist ja nicht so als hätte ich sie abgeschlossen. Offenbar haben ihn einige hilfsbereite Frauen in der Zwischenzeit mit einem recht eng sitzenden Hemd und einer kurzen, dunklen Hose versorgt die gerade einmal knapp über seine Knie reicht.
Einen Moment lang verharrt Ethin fast regungslos, als müsse er mich erst suchen, obwohl ich keine vier Schritt von ihm entfernt sitze. Das vorhandene Licht reicht völlig aus um unseren empfindlichen Augen jedes Detail zu enthüllen. Oder zögert er doch jetzt wo es ernst wird? Ein wenig beruhigt mich dieser Gedanke. Genug dass ich auch weiterhin bewegungslos an meinem Platz bleibe als Ethin sich schließlich doch nähert. Vielleicht steckt doch noch mehr von dem unterwürfigen Sklaven in ihm als ich dachte. Ich sage nichts. Wenn er die Kontrolle über dieses Gespräch will, dann muss er sie sich selbst nehmen.
Offenbar steht ihm der Sinn nicht nach Reden, stelle ich fest, als er kurzerhand an mich heran tritt und damit beginnt mein Hemd zu öffnen. Überrumpelt von diesem Vorgehen greife ich schnell nach seinem Handgelenk.
„Was wird das?" will ich scharf wissen. Insgeheim bin ich jedoch beinahe erleichtert. Mit Sex kann ich mich abfinden. Sex ist berechenbar. Es gibt Schlimmeres. Das ist ohnehin das was Ethin die meiste Zeit im Kopf hat.
„Was glaubst du?"
Ethins Stimme hat eine fast neckende Note. Er klingt belustigt. Eigentlich ist es überflüssig gewesen noch nachzufragen, aber ich wollte natürlich trotzdem sicher gehen.
„Du würdest noch sehr viel mehr zulassen um herauszufinden was ich weiß", sagt er selbstsicher und schüttelt meinen Griff ab.
„Und was macht dich da so sicher?" will ich wissen und versuche erfolglos die ersten Keime der Beunruhigung in meinem Bauch zu vertreiben. Weiß er tatsächlich so viel? War ich so leicht zu durchschauen? Das gefällt mich gar nicht.
„Willst du das wirklich hören? Immerhin scheint es dir ziemliche Angst gemacht zu haben. Und zwar so sehr, dass du am Ende einfach feige abgehauen bist", spottet Ethin bissig und fährt mit seiner Tätigkeit fort als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Ich starre ihn böse an, tue aber zunächst auch nichts mehr um ihn aufzuhalten. Mit diesen zwei Sätzen hat er zielsicher meinen wunden Punkt getroffen. Ich hasse es dass meine Gefühle mich so verwundbar machen! Kühle Fingerspitzen gleiten neugierig über den entblößten Teil meiner Brust. Das erste Mal. Ich hatte in all den Jahren die er bei uns war, nie den Wunsch Ethin näher zu sein als nötig. Seine bösartige Ader konnte ich für mich nie recht mit seinem Sklavenstatus vereinbaren. Und warum mit ihm schlafen, wenn ich Evoe habe? ...hatte. Verdammt! Jedenfalls habe ich nie es eingesehen Ethin solche Macht über mich einzuräumen. Auch nicht wenn mir der Sinn danach stand doch einmal den unterlegenen Part einzunehmen.
Dafür weckt seine Berührung jetzt allerdings erstaunlich wenig Widerstreben in mir. Die Beunruhigung mischt sich mit den zarten Anfängen von Interesse. Ethin ist momentan gefährlich genug um dieses Zusammentreffen zumindest auf einer Ebene spannend zu machen.
„Was, keine schlagfertige Bemerkung?" fragt der blonde Elf, noch immer spöttisch nach und schaut interessiert auf. Das es mir die Sprache verschlägt kommt in der Tat selten vor. Er nutzt die Gelegenheit um schnell das Hemd von meinen Schultern zu streifen und mich mit sanfter Gewalt nach hinten zu drücken, bis ich auf dem Rücken liege. Jeder Widerspruch wird zu diesem Zeitpunkt nur noch lächerlich klingen, aber ich kann mich trotzdem nicht zurückhalten.
„Ich habe keine Angst!" behaupte ich ärgerlich, fange aber gleich darauf an leise zu zischen, weil Ethin mit spitzen Nägeln einmal hart über meine Brust gekratzt hat. Er lacht.
„Du kannst uns beiden gerne weiter etwas vorlügen", erklärt er dann unbeeindruckt. „aber ich weiß ganz genau wovor du dich so fürchtest."
„Ach?" frage ich eisig nach und hoffe inständig, dass er Unrecht hat.
„Ich weiß, dass du für ihn sterben würdest wenn es sein muss."
Laut ausgesprochen hört es sich noch sehr viel schlimmer an als in meinem Kopf. Noch während ich versuche meiner entsetzten Miene Herr zu werden, hat Ethin sich nah über mich gebeugt und flüstert in mein Ohr: „Genau wie ich."
