A/N: Sooo Evoe geht jetzt durch die Hölle und ich werde gleich schön in der Sonne spazieren gehen. Die Welt ist schon ganz schön ungerecht.


***EVOE/LENWE***

Als ich nach getaner Arbeit wieder in den Vorraum zurückkehre, empfängt mich Lenwe mit einer beispiellos finsteren Miene. Erschrocken frage ich mich, was denn nun wieder geschehen sein mag. So schlimm kann er meine Äußerungen vorhin gar nicht gefunden haben.

„Hast du dich von diesem Turm entfernt seit ich dich hergebracht habe?" will er scharf wissen noch bevor ich überhaupt einen Fuß durch die Türe gesetzt habe.

„Nein, Herr", antworte ich überrascht, etwas überrumpelt von dieser Frage. Leider erhellt sich seine Miene daraufhin kein bisschen.

„Lüg mich an!" fordert er stattdessen mit schmalen Lippen.

Ich verkneife mir nur mühsam die Nachfrage und sage einfach: „Ich bin sehr gerne euer Sklave."

Woraufhin ich mich im nächsten Moment erstickt aufstöhnend zusammenkrümme, weil ich auf einmal das Gefühl habe jemand würde mir gerade glühende Nägel in die Augen bohren. Und das wird jedes Mal passieren wenn ich Lenwe anlüge? Götter seid mir gnädig! Zum Glück muss ich diese Folter nicht lange ertragen, denn er scheint ziemlich schnell überzeugt von der Echtheit meiner Darbietung. Trotzdem hoffe ich sehr, dass Lenwe das nächste mal eine andere Möglichkeit finden wird um zu überprüfen ob seine verdammten Sprüche noch funktionieren! Denn dass es das ist, was er wissen wollte, ist ziemlich offensichtlich.

„Sehr drollig", kommentiert er meine Aussage, scheint aber bereits etwas ruhiger, während ich immer noch ein phantomhaftes Pochen in meinen Augäpfeln zu spüren meine. Und misstrauisch an meinen Liedern herumtaste.

„Zieh das an", befiehlt er mir als nächstes knapp und drückt mir eine kurze Tunika in die Hand. Dieses verblichene, blaue Gewand aus zerknittertem Leinen wird mir zwar kaum bis an die Knie reichen, aber gegenüber meiner bisherigen, völligen Nacktheit erscheint es mir geradezu wundervoll bedeckend. Schnell schlüpfe ich hinein, halb verärgert über die Erleichterung die dabei in mir aufblüht. Bin ich etwa doch so leicht zu haben? Ich bin noch dabei meine Haare durch den weiten Kragen zu zerren, da eröffnet mir Lenwe auch schon, weshalb er gerade diese ungewohnte Großzügigkeit an den Tag legt.

„Wir werden zu deinem alten Haus zurückkehren und einige Dinge holen, die du in Akhreals Heer nötig haben wirst", sagt er und ich kann deutlich sehen wie unglücklich er darüber ist dies tun zu müssen. Nun ja, mich ganz neu auszustatten kann er sich wohl auch nicht leisten und da Akhreal einen einsatzfähigen Magier zu erwarten scheint, werde ich eine ganze Menge Dinge benötigen. Ich nicke mit einem vorsichtig neutralen Gesichtsausdruck, der hoffentlich meinen spontanen inneren Jubel hinreichend überdeckt. Bleibt nur die Frage weshalb Lenwe so dringend wissen wollte ob ich zwischendurch weg war...

Hat er Angst ich hätte dies geahnt und ihm irgendwie eine Falle gestellt? Das scheint mir doch etwas sehr weit hergeholt, aber wer weiß schon wie paranoid er tatsächlich ist. Die äußerst beeindruckenden Sicherheitsmaßnahmen, die er in seinem Zuhause getroffen hat, hielten mich schließlich auch davon ab ihn hier anzugreifen. Ich bekomme keine Gelegenheit mehr länger darüber nachzudenken, denn Lenwe packt mich schnell am Arm und murmelt einen offensichtlich bereits lange vorbereiteten Spruch, denn wir sind fast augenblicklich zurück in meinem alten Haus. Ich kann sofort sehen, dass er sich in der Zwischenzeit wenig rücksichtslos durch alle meine Besitztümer gewühlt und sie großzügig verstreut hat, doch das war wohl zu erwarten, nachdem Lenwe alle Zeit der Welt hatte um sich hier gründlich umzusehen. Obwohl ich eigentlich gedacht hatte, er würde ein wenig behutsamer vorgehen, nicht wie ein gewöhnlicher Einbrecher. Vielleicht war er noch zornig.

Einen Moment nimmt der vertraute Anblick mir, trotz der Unordnung, fast den Atem. Selbst der Geruch ist noch derselbe. Das leichte Aroma von Zimt, das hier aus unerfindlichen Gründen ständig in der Luft zu liegen scheint, steigt mir in die Nase. Meine Kehle ist wie zugeschnürt und ich bin sehr froh, dass ich gerade nichts sagen muss, denn Lenwe schaut sich bereits misstrauisch und beinahe hektisch nach allen Seiten um. Götter wie sehr ich mir gerade wünsche dies alles wäre nie geschehen, Ethin wäre noch am Leben, ich hätte lediglich mein angeschlagenes Ego zu beklagen und müsste mich nicht mit diesem verfluchten blonden Elfen auseinandersetzen, der mich mit allen Mitteln zu brechen versucht. Mir wird beinahe schlecht vor Hass und Abscheu als ich zu ihm herüber blicke.

Ungünstig für mich ist, dass Lenwe genau diesen Moment wählt um sich ebenfalls nach mir umzusehen. Hastig wende ich meine Augen zu Boden, aber der Schaden ist bereits angerichtet. Der blonde Elf hat viel zu viel von dem gesehen, was ich sonst in seiner Gegenwart tief in mir verberge und unter dem Deckmantel des widerwilligen Gehorsams begrabe. Er lächelt, unerklärlich zufrieden und ich tue unwillkürlich einen Schritt rückwärts, obwohl es hier kein Entkommen für mich geben kann.

„Also Evoe", sagt er viel zu ruhig und liebenswürdig. „Ich denke du magst es nicht besonders mich hier zu sehen. Erinnert dich wohl zu sehr an Dinge die du nicht mehr haben kannst, was?"

Ein Schädel kann um einiges wärmer und freundlicher lächeln als Lenwe es gerade tut. Ich glaube wenn es überhaupt etwas gäbe, das mich ihn noch mehr hassen ließe als ohnehin schon, dann wäre es dieser Anblick. Er sieht so täuschend harmlos aus, die langen geflochtenen Haare glänzen unter einen verirrten Lichtstrahl und seine großen grau-grünlichen Augen glänzen über dem falschen Lächeln. Wer ihn nicht kennt, wird wahrscheinlich auf der Stelle beeindruckt und angetan sein von dieser Person. Wer ihn nicht kennt, der weiß auch nicht welche Schmerzen diese schlanken Finger und die spitze Zunge verursachen können.

Diesmal muss ich mich wirklich sehr beherrschen um nicht zurück zu zucken als er näher tritt. Hier gibt es so vieles, was mir wichtig ist. Ich bin unglaublich verletzlich durch all diese Erinnerungen und die Emotionen die an ihnen hängen. Nervöse Tausendfüßler krabbeln durch meinen Bauch, während ich angespannt beobachte wie er immer näher tritt. Ich will nicht! Aber ich kann es auch nicht verhindern, dass er langsam und genießerisch die Fingerspitzen die geschwungene Linie meines Kiefers entlang gleiten lässt um dann über meinen Hals abwärts zu streben und dann wieder hinauf, bis seine Fingerspitzen meine Lippen streifen. Bitte nicht das! Nicht jetzt! Ich weiß wirklich nicht, ob ich mich im Moment dazu zwingen kann auch nur das geringste Bisschen Hingabe zu heucheln.

„Lass uns in dein Zimmer gehen", schlägt er in der Parodie einer Verführung vor und blickt mir dabei tief in die Augen.

Ich weiß, dass ich dieser Aufforderung Folge leisten sollte. Wenn ich klug wäre, dann würde ich nicken, überheblich lächeln und es einfach tun, ohne ihn wissen zu lassen wie sehr ich es verabscheue. Aber ich kann nicht. Ich kann einfach nicht! Ich bin wie gelähmt von meinem überwältigenden Hass und Widerwillen. Und Lenwe kann dies alles in meinen Augen lesen! Eine Welle der Panik schwappt über mich hinweg. Verflucht! Ich gebe gerade viel mehr Preis als ich jemals wollte! Das hat Elarn dir aber besser beigebracht, schießt es mir unzusammenhängend durch den Kopf. Hat er auch, aber Lenwe schafft es immer wieder mich so aus der Fassung zu bringen, dass ich einfach vergesse was ich gelernt habe. Er scheint mit einer unheimlichen, traumwandlerischen Sicherheit meine wunden Punkte zu finden und auszunutzen. Der Titel Soulbreaker ist durchaus einer den er sich ehrlich verdient hat, denke ich bitter in einem kleinen distanzierten Teil meines Kopfes, der gerade nicht gelähmt ist von dem hilflosen Zorn, welcher mir im Moment mit eiserner Faust den Magen zusammen drückt.

„Auf einmal doch so widerspenstig?" will Lenwe fasziniert wissen und lehnt sich nah an mich, bis ich mit dem Rücken an die Wand stoße und bald das Gefühl habe kaum noch atmen zu können.

„Nein", würge ich hervor, wobei sogar für mich selbst unklar bleibt, wogegen ich damit genau zu protestieren versuche. Ich wünsche mir verzweifelt eine gnädige Taubheit für meine Innereien, die sich gerade immer mehr zu verknoten scheinen. Hier zu sein ist gar nicht gut für mich. Steif folge ich Lenwes Schubsern, mit denen er mich als nächstes unaufhaltsam in Richtung meines Zimmers dirigiert. Bitte nicht in meinem eigenen Bett, flehe ich innerlich, weiß aber gleichzeitig bereits jetzt, dass es genau das ist, was Lenwe tun wird. Wie könnte er auch eine solche Gelegenheit verstreichen lassen nachdem ich sie ihm quasi auf einem Silbertablett präsentiert habe?

Im Türrahmen bleibe ich abrupt stehen, so dass er tatsächlich in mich hineinläuft. Dort steht das Bett in dem ich die letzten Jahre geschlafen habe, alleine, mit Elarn und seltener auch mit Ethin. Breit genug für uns alle drei wäre es auch gewesen, obwohl Elarn nie Interesse daran gezeigt hat. Hat er sich am Ende vielleicht gelangweilt, frage ich mich unglücklich? Ist er deshalb gegangen, um sich neue Unterhaltung zu suchen? Daran zu denken versetzt mir einen scharfen Stich.

Niemand hat in der Zwischenzeit die Bettwäsche gewechselt. Aber ich könnte mir auch so den vertrauten Geruch, der noch in den weichen Kissen haftet, ohne Mühe wieder ins Gedächtnis rufen und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass Lenwe auch nur das Laken berühren wird. Als er mich diesmal vorwärts schieben will schiebe ich zurück. In die entgegengesetzte Richtung.

Es braucht nur ein paar leise Worte um meine Gegenwehr im Keim zu ersticken.

„Überleg es dir gut Evoe", raunt Lenwe dicht an meinem Ohr und schlingt dabei von hinten einen langen Arm um meine Mitte, mit dem er mich nah heranzieht. „Vierzehn Tage im Schuppen könnten ziemlich lang werden."

Die Vorstellung lässt mich augenblicklich in erstarren, als hätte mich ein großer Eimer Eiswasser frontal getroffen.

„Nein!" keuche ich, atemlos vor momentaner Panik. „Nicht das!"

Wie von selbst fällt mein Blick hinab auf meine Handgelenke, wo noch immer die frischen, rosigen Narben prangen, die ich mir während meines letzten Aufenthaltes dort selbst zugefügt habe. Meine plötzliche, unreflektierte Angst ist beschämend, aber diesmal zerre ich Lenwe geradezu hinter mir her als ich einen Schritt auf das Bett zu mache. Ich hasse jede Sekunde in der ich ihn hier ertragen muss, aber das instinktive Grauen im Angesicht der Leere lässt mich meinen Unwillen erstaunlich schnell überwinden.

Trotzdem kommt es mir vor als hätte Lenwe auf einmal unnatürlich viele Hände entwickelt, nachdem er mich an der Schulter greift und vorbeugt, bis ich auf allen vieren vor ihm auf dem Bett hocke. Er schiebt die weite Tunika an meinem Rücken hoch und ich kralle meine Finger hilflos in die Matratze, um sie nicht sofort zu packen und wieder schützend über meinen Körper zu ziehen. Das würde ja doch nichts bringen.

Ich schließe die Augen und beiße mir auf die Lippe bis ich Blut schmecke, während Lenwe sein bestes tut um sich mit Händen, Lippe und Zunge wie ein unaufhaltsamer Eindringling auf jedem Zentimeter meines Körpers auszubreiten. Mein diesmal nur schlecht verborgener Widerwillen stört ihn dabei nicht im geringsten. Wenn er nicht bald aufhört, werde ich noch an meinem Hass ersticken. Gerade als ich denke es kann nicht mehr schlimmer kommen, beginnt er tatsächlich damit sanft meinen Penis zu streicheln. Automatisch zucke ich weg von seinem Griff, doch er hält mich nur fest und flüstert mir zu ich solle stillhalten. Bisher hat er sich nie so aktiv darum gekümmert was mit mir passierte, solange er selbst bekam was er wollte. Wieso ausgerechnet jetzt dieses neue, beunruhigende Interesse an meiner Erregung? Wieso frage ich eigentlich noch? Natürlich weil mich das gerade jetzt besonders stark verletzen wird, wie Lenwe sehr genau weiß. Das wird mir spätestens klar, als ich erneut versuche mich zu entwinden und dazu ein kleiner, sehr kläglicher Laut aus meinem Mund schlüpft, ohne dass ich mich bewusst dazu entschieden hätte so zu handeln. Mein überwältigendes Bedürfnis einfach nur weg zu kommen von hier, von ihm, hat jedoch keine Chance auf Erfüllung. Auch diesmal hält Lenwe mich ohne Mühe fest.

„Bitte tut das nicht", flüstere ich und wünsche mir gleich darauf es nicht getan zuhaben. Ich verberge meinen Kopf zwischen den Armen, weil ich bereits weiß, dass er natürlich trotzdem weiter machen wird. Und ich werde es zulassen, weil ich zu viel Angst davor habe meine geistige Gesundheit an die Leere zu verlieren.

Ich versuche nicht an all die anderen Erlebnisse zu denken die ich hier hatte und die sich so sehr von der jetzigen Situation unterscheiden. Wenn ich zulasse, dass ich daran denke, wird Lenwe sich auf ewig mit diesen Erinnerungen verbinden. Ich werde nichts haben zu dem ich wenigstens in Gedanken fliehen kann. Selbst wenn die Erinnerung an diese Zeiten inzwischen bestenfalls bittersüß ist.

Es ist unendlich schwer mich zu verschließen, hier in dieser vertrauten Umgebung, wo mich alles an die Vergangenheit erinnert. Gleichzeitig scheint Lenwe überall zu sein, in mir, auf meiner Haut, um mich herum, es ist kaum möglich ihn zu verdrängen. In Gedanken kehre ich zurück zu dem Trank den ich eigentlich vorhatte zu brauen. Denke nur daran, halte ich mir vor. Die Liste der Zutaten, die detaillierten Anweisungen. Die Stelle, an der ich Lenwes Blut in die Mischung rühre gefällt mir am besten. Ich wünschte so sehr ich könnte es tatsächlich tun. Einen breiten Schnitt quer über seine Kehle, bis mir die rote Flüssigkeit entgegen spritzt und warm und klebrig meine Kleider tränkt.

Der Schmerz, der durch meinen Arm schießt, als Lenwe ihn brutal auf meinem Rücken verdreht, reißt mich unsanft aus meinen eskapistischen Mordvorstellungen. Ich zische und beuge ich weiter vor um den schmerzhaften Druck auf meine Knochen und Gelenke wenigstens ein bisschen erträglicher zu machen.

„Hast du es hier auch mit ihm getrieben?" will Lenwe boshaft wissen, nachdem er sich meiner Aufmerksamkeit wieder sicher ist und macht damit meine bisherigen Bemühungen in einem einzigen Augenblick mühelos zunichte. Ich muss nicht fragen von wem er gerade redet.

„Ja", antworte ich so knapp wie es nur geht und erzittere aus Furcht vor der nächsten Frage.

„Hat er dich hier auch auf allen Vieren gevögelt?" raunt Lenwe mir dann ins Ohr und verleiht seinen Worten gleich darauf mit einigen brutalen Stößen Nachdruck, die mich mit dem schmatzenden Geräusch von Haut auf nackter Haut näher an den Kopfteil des Bettes schieben, bis ich fast meine Stirn gegen das dunkle Holz legen könnte. Stattdessen verberge ich mein Gesicht zwischen den Kissen und versuche erfolglos die Vergangenheit zu vergessen. Wenn Lenwe doch nur endlich aufhören würde mit seiner Fragerei, dann könnte ich mich besser darauf konzentrieren die rein körperliche Seite zu ertragen.

„Wahrscheinlich hast du auch nach mehr gebettelt, nicht wahr?"

In der tiefsten Hölle sollt du schmoren du Bastard! Diesmal biegt er meinen Arm hart nach oben, bis ich vor Schmerz aufstöhne und doch noch antworte.

„Ja", keuche ich angestrengt und hoffe eigentlich nur, dass es das ist was er hören will. „Ja, habe ich."

„Er hat dich benutzt, genau wie ich es jetzt tue", behauptet Lenwe mit einer Sicherheit, die sich wie bösartige Säure in meine Ohren und meine Seele ätzt. Noch vor einem Jahr hätte ich mit Überzeugung protestiert oder ihn einfach ignoriert, aber nach den letzten Monaten bin ich mir meiner selbst nicht mehr sicher genug, um jetzt gegen diese Behauptung aufzubegehren.

„Und das weißt du auch", beschließt Lenwe zufrieden, nachdem ich dazu nur vielsagend schweige. „Du weißt das ich recht habe", fährt er fort. „Und warum auch nicht? Du bist ja sonst zu nichts gut. Und du hast es ihm leicht gemacht, nicht wahr?"

Ja, das habe ich. Damals, als mir das alles noch so einfach und richtig erschien. Eigentlich hätte ich es ahnen müssen. Er ist Drow, was habe ich denn erwartet? Ich habe mein Verhältnis mit Elarn nie ernsthaft hinterfragt, bis es so unverhofft zu Staub zerfiel. Vielleicht hatte ich schon immer Angst ich würde beginnen zu zweifeln, sobald ich anfinge uns zu analysieren. Trotzdem tut es weh jetzt zu merken wie naiv ich tatsächlich war.

Und so, Stück für Stück, nimmt Lenwe mir noch einen Teil meines Lebens, meiner Vergangenheit, die alles ist woran ich mich bisher noch klammern konnte. Ich habe keine Energie mehr mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen nachdem er schließlich von mir ablässt. Die Überreste meines erzwungenen Orgasmus kleben erkaltend an meinem Bauch, dort wo Lenwe sie nachdrücklich verschmiert hat, aber das nehme ich kaum noch wahr, während ich auf der Seite liege, blicklos vor mich hin starre und mein Möglichstes tue um die gnädige Taubheit nicht zu vertreiben, die sich nun doch endlich über mich legt, wie dichter Nebel. Es ist angenehm. Ich hoffe ich muss nie wieder etwas fühlen.

Lenwe lässt mich sogar ein paar Minuten dort liegen, bevor er mir einen Lappen an den Kopf wirft, damit ich mich säubern kann und mich dann unwirsch anfährt ich solle mich nicht anstellen und endlich helfen. Mechanisch erhebe ich mich, zupfe die Tunika wieder zurecht und folge ihm durch die ehemals vertrauten Räume. Ich packe in einen magischen Sack was immer er mir reicht, ohne wirklich wahrzunehmen was es eigentlich ist, das da gerade durch meine Hände geht. Aller Optimismus, den ich gestern noch angesichts dieses Handels verspürt habe, ist für mich nun unerreichbar. Das einzige, was ich im Moment noch fühlen kann, ist die allgegenwärtige Leere, die trotz allem noch irgendwo am Rande meines Geistes lauert. Wozu wehre ich mich eigentlich noch, überlege ich vage? Seit Ethin tot ist, interessiert es ohnehin niemanden mehr was ich tue und wie es um mich steht. Ich kann genauso gut einfach aufgeben.

„Wirst du noch etwas anderes brauchen um dich während der nächsten zwei Wochen vorzubereiten?" will Lenwe nach einem letzten kritischen Rundumblick durch meinen ziemlich verwüsteten Arbeitsraum wissen. „Wir werden nicht noch einmal hierher zurück kehren. Wenn noch etwas essentielles fehlt, dann sag es jetzt. Akhreal wird vollen Einsatz von dir erwarten."

Ich starre ihn nur verständnislos mit leerem Blick an, unfähig gerade jetzt über solche Nichtigkeiten nachzudenken. Ich glaube Lenwe merkt erst in diesem Moment, was er mit dieser letzten Vergewaltigung bei mir ausgelöst hat. Nicht einmal die nebelige Taubheit ist genug um den Schauder der Angst zu überdecken, der mich durchfährt, als der blonde Magier nun näher tritt um mich forschend anzusehen. Meine Finger krallen sich in den weichen Stoff des Beutels als ich darum kämpfe still stehen zu bleiben.

„Du musst ihn tatsächlich geliebt haben", sagt Lenwe und klingt dabei fast ein wenig erstaunt.

Ich weiß nicht wen ich in diesem Moment lieber schlagen möchte, mich, weil ich so dumm war diese Gefühle zuzulassen oder Lenwe, weil er fortwährend in dieser Wunde herum bohren muss. Am besten vergesse ich, dass es jemals dieses andere Leben gegeben hat.

„Ich hätte es besser wissen müssen", murmle ich müde, halb zu mir selbst und wünsche mir ich könnte augenblicklich in tiefen Schlaf fallen aus dem ich nie mehr aufwachen müsste. Ich kann nicht mehr. Es ist so unglaublich anstrengend ständig gegen Lenwe anzukämpfen, immer auf der Hut zu sein, auf seinen nächsten Angriff zu warten. Ich weiß langsam nicht einmal mehr wieso ich das überhaupt noch tue.