A/N: Kapitel 2 von 3


***LENWE/EVOE***

Je mehr ich mich von dem Vorfall in meinem alten Zuhause erhole, desto stärker erschreckt es mich wie fragil meine Verfassung ist. Lenwe lässt mich für die nächsten paar Stunden mehr oder weniger in Ruhe. Zumindest ist er nicht direkt anwesend, obwohl ich annehme, dass er mich beobachtet. Während ich noch einmal, mit etwas mehr Aufmerksamkeit, die Dinge sortiere, die wir mitgenommen haben, kehre ich erst langsam ein wenig zu mir selbst zurück. Wahrscheinlich hilft es mir auch, die altbekannten Gegenstände zu berühren, die mich schon so lange begleiten. Die Sehnsucht nach meinem alten Leben ist so heftig, es schmerzt fast schon körperlich. Wenigstens die Magie ist mir geblieben. Die einzige Konstante für mich. Leider werde ich auch immer wütender, je länger ich über die letzten Stunden nachdenke. Ein großer Teil dieser Wut gilt mir selbst. Wieso habe ich mich nur derart von ihm beeinflussen lassen? Die momentane Resignation, die ich habe aufkommen lassen, erschreckt mich sehr. So darf ich nicht denken!

Mangels eines anderen Raumes, habe ich alle meine Dinge im Empfangszimmer ausgebreitet und so ist es nicht verwunderlich, dass Wern nach einer Weile hereinkommt. Ich beobachte aus dem Augenwinkel, wie er fasziniert die unbekannten Gegenstände beäugt. Ich wette Lenwe lässt ihn nicht in seinen Arbeitsraum. Und das mit gutem Grund. Einige dieser harmlos aussehenden Steine oder Stäbe sind ziemlich gefährlich für jemanden, der nicht mit ihnen umzugehen weiß. Vorhersehbarerweise greift er nach etwas das bunt ist und hübsch glitzert. Ein handtellergroßer, violett glänzender Halbedelstein, den man gewöhnlich dazu benutzt mittels einen einfachen Kommandowortes binnen Sekunden große Hitze zu generieren.

„An deiner Stelle würde ich die Finger von meinen Sachen lassen", bemerke ich spitz und bin nicht im Mindesten überrascht, als Wern daraufhin lediglich trotzig zu mir hinüber starrt und die Finger fester um den Stein schließt.

„Wenn überhaupt, dann sind es Meister Lenwes Sachen und nicht deine", belehrt er mich böse.

Diese einfache Äußerung bringt mich, dank meiner ohnehin sehr schlechten Stimmung, auf der Stelle zum Siedepunkt. Meister Lenwe soll von mir aus im Abgrund verfaulen! Ohne weiter darüber nachzudenken spreche ich blind vor Zorn das Kommandowort und der Stein, den Wern noch immer in der Hand hält, erhitzt sich augenblicklich. Mit einem Aufschrei lässt er ihn fallen, doch es ist bereits zu spät. Sein Handteller ist hellrot und die Haut wirft ungesunde Blasen. Weil mir das noch nicht genügt, springe ich auf und schnappe mir die besagte Hand.

Ich beobachte mit kranker Faszination, wie Wern mit einem atemlosen Keuchen schmerzlich das Gesicht verzieht, als ich nachdrücklich meine Fingerspitzen in die verletzte Stelle grabe. Er versucht seine Hand wegzuziehen, aber ich halte sie nur noch fester. Auf einmal finde ich es ungemein befriedigend die schmerzverzerrte Grimasse zu sehen, die ich damit verursache. Wenigstens einer hier ist immer noch schwächer als ich. Ich kann mich kaum losreißen von dem Anblick und fange unbeherrscht an zu grinsen, woraufhin Wern nur noch heftiger zerrt und seine kleinen weißen Zähne sich angstvoll in die rosige Unterlippe graben, während er versucht dabei nicht vor Schmerz zu schreien.

„Shas", flüstere ich und eine kleine, orange-rote Flamme erscheint über meiner freien, mit der Innenseite nach oben gewendeten Hand. Dies ist die allererste Beschwörung, die ich in meinem Leben gelernt habe. Auch damals war ich Sklave. Allerdings nicht der von Lenwe. Selbst wenn das zu jenem Zeitpunkt gar keinen so großen Unterschied bedeutet hat, wie mir gerade zu meiner eigenen Überraschung klar wird. Wern ist nach den gerade erlittenen Verletzungen außerordentlich beeindruckt von meiner Vorstellung. Er zwinkert hektisch während er atemlos das schmale, flackernde Licht fixiert, völlig erstarrt vor gedankenloser Furcht. Der schlanke Junge schnappt hilflos nach Luft, mit kleinen, hastigen Atemzügen, als wäre er bereits kilometerweit gerannt. Wenn ich mich ein wenig anstrenge, dann kann ich bestimmt auch sein Herz heftig schlagen hören.

„Wie ich bereits sagte", zische ich ihn böse an und halte meine Hand mit der Flamme drohend noch ein wenig näher an seinen Kopf. „Fass meine Sachen lieber nicht an, sonst zerstörst du dabei noch aus Versehen dieses hübsche Gesicht."

Das gedankenlose Wimmern, das daraufhin über Werns Lippen kommt, sendet einen kleinen Schauer der Freude über meinen Rücken.

Seltsam, früher hatte ich nie besonders großes Interesse daran andere zu quälen. Zumindest hat es nie eine derartige Befriedigung in mir ausgelöst. Offenbar sind Lenwes Erziehungsmethoden nicht gerade förderlich für meinen Charakter. Dieser Jähzorn ist sehr untypisch für mich.

Da ich ohnehin davon ausgegangen bin, dass Lenwe mich beobachtet, überrascht es mich nicht, dass er gleich darauf mit finsterer Miene hereingestapft kommt.

„Evoe!" faucht er bloß herrisch und ich lasse die kleine Flamme resigniert verschwinden. Seine Stimme hat diesen gefährlichen Beiklang, der mich bei jedem Anderen in atemloser Erwartung erschauern lassen würde. Von Lenwe kommend ruft dieser Ton allerdings nichts auch nur im entferntesten Angenehmes bei mir hervor.

Wern zieht schnell seine verletzte Hand zurück, um dann auf die Knie zu sinken und sie dabei schützend an seine Brust zu pressen. Notgedrungen folge ich seinem Beispiel und knie ebenfalls nieder. Schließlich muss ich mir nicht noch mehr Ärger einhandeln. Wern wartet offenbar auf Lenwes Urteil und schaut ihm mit einem Ausdruck nur knapp unterdrückter Empörung im Gesicht entgegen, sagt aber klugerweise nichts, auch wenn es ihn große Mühe zu kosten scheint in diesem Moment still zu bleiben.

„In einem hat er recht Wern", äußert sich der große Elf auch recht schnell. „Du solltest tatsächlich die Finger von der Ausrüstung eines Magiers lassen. Ich habe dir doch schon oft genug erklärt, dass einige Gegenstände sehr gefährlich sein können."

Die Ausrüstung eines Magiers? Das ist meine verdammte Ausrüstung, nicht irgendeine und ich habe sehr viel Zeit und Mühe investiert um sie zusammen zu stellen! Ich unterdrücke mühevoll mein wütendes Zähneknirschen, denn mir ist klar, dass Lenwe diese Formulierung wahrscheinlich sehr bewusst gewählt hat.

„Ja, Herr. Es tut mir sehr leid Herr", biedert der Junge sich sofort an. Na gut, an seiner Stelle hätte ich das jetzt wahrscheinlich auch getan. Trotzdem lässt es mich gerade wünschen Lenwe wäre doch etwas später eingetroffen. Meine Fingernägel graben sich machtlos in meine eigene Haut als ich die Fäuste balle.

„Allerdings sollte ich wohl eine Sache klarstellen", fährt Lenwe fort und wendet sich damit an mich. „Wenn es darum geht Strafen auszuteilen, dann bin ich der Einzige der hier etwas tun wird."

Er wartet einen Moment ab und gibt mir damit die Chance es Wern nachzutun, aber im Moment bin ich nicht gewillt kriecherisch allem zuzustimmen was er von sich gibt. Was wahrscheinlich ziemlich dumm von mir ist. Ich wünschte ich hätte den Spielraum für eine höfliche Lüge oder wenigstens eine Halbwahrheit. Lenwe seufzt, aber es klingt nicht wirklich bedauernd.

„Du machst es dir unnötig schwer Evoe", teilt er mir scheinbar leidenschaftslos mit, aber ganz kann er die Vorfreude doch nicht aus seiner Stimme verbannen. „Und dabei dachte ich du hättest heute deine Lektion gelernt."

Ich presse die Lippen aufeinander, bis jegliches Gefühl aus ihnen weicht, damit ich jetzt nichts Falsches sage.

„Heb ihn auf", befiehlt Lenwe mir. Ich muss nicht fragen was ich da aufheben soll und die Vorahnung lässt mir bereits jetzt ein flaues Gefühl im Magen entstehen. Langsam bewege ich mich zu der Stelle hinüber, wo noch immer der Hitzestein liegt, nachdem Wern ihn vorhin fallen gelassen hat. Vielleicht hätte ich doch lieber unterwürfig zustimmen und um Vergebung betteln sollen. Dafür ist es leider nun zu spät.

Ich kann spüren wie mir das Blut langsam aus dem Gesicht weicht, während ich Lenwe den Stein auf der flachen Hand präsentiere. Noch ist er schwer und kühl. Die glatte Oberfläche schmiegt sich täuschend harmlos in meine Hand. Wenigstens zittere ich nicht auch noch, doch das ist mir nur ein schwacher Trost, während ich wie erstarrt meine Strafe erwarte und mein eigener Herzschlag mir in den Ohren dröhnt. Ich hasse es zu wissen was kommt. Mit unerwarteten Schmerzen kann ich um einiges besser umgehen.

Lenwe greift nach meinen Fingern und hält sie fest. Seine Hände sind warm, ganz im Gegensatz zu den meinen. Ich starre ihm ins Gesicht, damit ich nicht meine Handgelenke ansehen muss, wo immer noch die Narben meiner letzten Kapitulation prangen. Ich frage mich wie viele mehr ich hier noch bekommen werde.

„Sag das Wort", befiehlt der blonde Elf mir als nächstes leise.

Ich schlucke und versuche mich zum sprechen zu zwingen, bringe aber nur ein heiseres Flüstern hervor, das sehr schnell abbricht sobald die unerträgliche Hitze und der brennende Schmerz durch meine Hand schießen. Lenwe hält mich lange Augenblicke unbarmherzig fest, während ich durch zusammengebissene Zähne stöhne und versuche wenigstens einigermaßen still zu halten, damit sich die Verbrennungen nicht unnötig weit ausbreiten.

Es ist schrecklich, doch zum Glück hält sich die Hitze des Steines immer nur wenige Sekunden. Was aber nicht heißt, dass der Schmerz danach weniger würde. Es fühlt sich an als würde nach wie vor ein Stück rot glühender Kohle auf meiner Handfläche liegen. Ich möchte am liebsten schreiend und kreischend durch den Raum rennen. Der Geruch von gebratenem Fleisch liegt schwach in der Luft und mir dreht sich der Magen um. Ich kann Lenwes Blick nicht mehr halten und schließe die Augen um heftig nach Luft zu schnappen, damit ich mich nicht auf der Stelle übergebe. Endlich lässt er mich los und ich kann meine Hand zurück ziehen. Ich weigere mich stur sie, wie Wern, schützend vor meine Brust zu pressen, auch wenn ich das gerade tatsächlich sehr gerne tun würde.

Ich bemerke schwach den metallischen Geschmack von Blut in meinem Mund. Wahrscheinlich habe ich mir auf die Lippe gebissen ohne es zu merken. Meine Übelkeit verstärkt sich für ein paar gefährliche Sekunden erheblich und ich kann fühlen wie mir der kalte Schweiß am ganzen Körper ausbricht. Lenwes Stimme klingt undeutlich in meinen Ohren, in denen es immer noch laut rauscht. Ich hoffe er hat mir nicht gerade eine Frage gestellt. Vorsichtshalber werfe ich ihm einen prüfenden Blick zu und zwinkere dafür schnell die Tränen aus meinen Augen. Lenwe schaut mich erwartungsvoll an. Sieht aus als hätte ich doch etwas verpasst. Ich ignoriere meine vor Schmerz kreischende Hand so gut es geht und konzentriere mich darauf meine Stimme in eine ebenmäßige Tonlage zu zwingen.

„Bitte entschuldigt, Herr. Ich war gerade ein wenig abgelenkt", knirsche ich mehr oder weniger beherrscht. In Anbetracht der Umstände klingt es sogar akzeptabel.

„Ich sagte", wiederholt Lenwe übertrieben langsam und deutlich. „Du darfst deine eigene Hand heilen, sobald du Werns wieder hergestellt hast."

Tatsächlich? Das erscheint mir überraschend großzügig. Misstrauisch starre ich Lenwe an.

„Jetzt sofort, Herr?" vergewissere ich mich etwas ungläubig und schiele dennoch jetzt schon hoffnungsvoll nach dem schmalen Zauberstab aus Ebenholz, der rechts von uns auf dem Tisch liegt und für genau solche Zwecke hergestellt wurde.

„Jetzt", bestätigt Lenwe knapp und hält mir dabei ein Pergament hin, auf dem irgendeine magische Formel geschrieben steht. „Damit", verlangt er dann, woraufhin mir ein Licht aufgeht. Er will mich testen. Das ist auch gar nicht so erstaunlich, jetzt da ich darüber nachdenke, denn bisher hat er nur wenig von meinen Fähigkeiten aus erster Hand sehen können. Wenigstens hatte ich auch etwas davon, schießt es mir durch den Kopf, denn ich traue Lenwe durchaus zu, mir solche Verletzungen auch ohne den zusätzlichen Grund zuzufügen, den ich ihm durch meinen Angriff auf Wern geliefert habe.

„Wie ihr wünscht", quetsche ich schmallippig hervor und nehme das Pergament in Augenschein. Das ist nichts was ich nicht schon einmal getan hätte. Elarn hat früher öfter darauf bestanden mir einige sehr ähnliche Prüfungen aufzuerlegen. Ein Umstand für den ich ihm schon einige Male heimlich dankbar gewesen bin, denn hätte ich mich in manchen Momenten wegen Verletzungen nicht konzentrieren können, dann wären wir beide gestorben.

Der Spruch ist speziell für Brandwunden gedacht und daher gar nicht einmal sehr anspruchsvoll oder komplex. Ich bin fast ein etwas beleidigt, weil Lenwe mir offenbar so wenig zutraut. Aber solange ich überhaupt Heilung bekomme, sollte ich mich wohl nicht beschweren.

Entschlossen raffe ich meine Konzentration zusammen und verdränge die rasenden Schmerzen in meinem Handteller und die immer noch anhaltende Übelkeit, so weit es geht aus meinem Bewusstsein. Lenwes sezierende Blicke versuche ich ebenso effektiv zu ignorieren, als ich mich Wern zuwende, der nach wie vor misstrauisch seine Hand vor die Brust presst.

„Du wirst sie mir schon hinhalten müssen", fahre ich ihn übellaunig an, nachdem er sich einige Sekunden lang nicht geregt hat. Es braucht danach noch einen Kontrollblick zu Lenwe und einen weiteren Augenblick der Überwindung bevor Wern mir endlich zögerlich die Hand hinstreckt, augenscheinlich bereit jeden Moment zurück zu zucken. Als ob ich ihm jetzt irgendetwas antun würde. So dumm bin ich dann doch nicht.

„Bleib so", weise ich ihn kurz an und beginne damit die Worte zu rezitieren. Wenigstens hält er still. Ich kann sehen wie sich die Brandwunde langsam zu schließen beginnt, doch mir ist auch schnell klar, dass einmal nicht reichen wird um den Schaden gänzlich zu beheben. Ein ziemlich ineffektiver Spruch. Es braucht drei Wiederholungen bevor Werns Hand endlich vollständig geheilt ist. Wahrscheinlich hat Lenwe ihn nur wegen des Aufwands ausgewählt, den ich für die Heilung betreiben muss. Je mehr ich tun muss, desto länger kann er mich dabei beobachten.

Die lange, gründliche Begutachtung meines Werkes, die folgt, treibt mich bereits wieder fast zur Weißglut. Hat er nicht schon genug gesehen? Es ist ja nicht so, als hätte ich hier viel falsch machen können. Zähneknirschend stehe ich daneben und warte ab. Meine eigene Hand pocht und brennt immer noch unerträglich, aber noch kann ich nichts dagegen tun. Zu wissen, dass ein sehr effektiver Zauberstab direkt neben mir liegt, den ich jedoch nicht benutzen darf, macht mich langsam wahnsinnig. Grimmig beiße ich weiter die Zähne zusammen und halte still, während Lenwe weiter die makellose Haut auf Werns Handfläche betrachtet. Es kann doch gar nicht so viel zu sehen geben dort! So langsam denke ich er will einfach nur wissen wie lange ich den Schmerz ertragen kann ohne zu protestieren.

„Kümmere dich um deine eigene Hand", befielt Lenwe mir dann endlich.

Erleichtert lege ich das dämliche Pergament zur Seite und greife nach meinem eigenen Stab. Nur um sofort von einem festen Griff um mein Handgelenk gestoppt zu werden. Den Fluch, der mir auf den Lippen liegt, schlucke ich gerade so herunter.

„Was habe ich dir vorhin gesagt?" will Lenwe streng wissen. Nachdem ich einmal tief durchgeatmet habe, damit ich ihn nicht frustriert anschreie, neige ich den Kopf und murmle ein gezwungenes: „Wie ihr wünscht, Herr."

Dann benutze ich eben seinen verdammten Spruch. Vielleicht kann ich ihn wenigstens ein bisschen effektiver machen indem ich das Ende etwas ändere. Nach dem dritten Mal brauche ich auch das Pergament nicht mehr. Die wenigen Worte habe ich mir inzwischen eingeprägt. Ich hefte meinen Blick auf mein eigenes verbranntes Fleisch und fange an. Obwohl ich absichtlich ziemlich schnell und leise spreche, fallen Lenwe meine kleinen, spontanen Änderungen sofort auf.

„Das ist nicht das was ich dir gegeben hatte", hält er mir vor, woraufhin ich ihm ärgerlich meine Hand hinhalte.

„Es ist aber wirksamer auf diese Weise, Herr", knirsche ich ungeduldig. Immerhin haben die Schmerzen inzwischen beträchtlich abgenommen und sind zu einem dumpfen Pochen geworden, das ich mühelos ertragen kann, aber dass Lenwe mich wie einen dummen, unwissenden Jungen behandelt zerrt an meinen Nerven. Netterweise beschert der große Elf mir ein paar neue schmerzende Stellen, indem er mir daraufhin mit der flachen Hand ins Gesicht schlägt.

„Pass auf deinen Ton auf, Sklave", grollt er bedrohlich.

Es braucht fast genau so viel Beherrschung wie vorhin die rasenden Schmerzen der Verbrennungen zu ignorieren, um mich jetzt zusammen zu nehmen, gehorsam den Kopf zu senken und ein unterwürfiges: „Verzeiht Herr, es tut mir leid", von mir zu geben. Ich habe das Gefühl beinahe an den Worten zu ersticken, als ich sie über meine Lippen zwinge.

„Wiederhole den Spruch noch einmal, aber diesmal lauter", weist Lenwe mich an.

Ich beschließe, dass ich für heute genug gelitten habe und halte mich diesmal an den ursprünglichen Wortlaut, auch wenn ich dabei fast platze vor Widerwillen. Wenigstens komme ich heute ohne neue Narben davon. Immerhin scheint Lenwe nach meiner Darbietung einigermaßen von meiner Kompetenz überzeugt, denn er schleppt mich gleich darauf in seinen Arbeitsraum, damit ich ihm bei seinen eigenen Vorbereitungen für die Zeit in Akhreals Heer helfe. Er ist sehr gut ausgerüstet, wie ich ihm neidvoll zugestehen muss. Zu meiner Überraschung besitzt er unter anderem eine erstaunlich große Anzahl von Schutzamuletten, deren Kräfte meist gegen Gifte, aber auch gegen allerlei andere Gefahren schützen. Ich frage mich, ob er es wohl für nötig halten wird mir ein paar davon abzugeben. Aber darauf sollte ich mich wahrscheinlich nicht verlassen.

Die vertrauten Tätigkeiten lassen mich fast vergessen wo ich bin. Zumindest solange ich es schaffe Lenwe zu ignorieren, der am Rande meines Blickfeldes seinen eigenen Arbeiten nachgeht. Ich atme tief ein und versuche dabei nicht zu seufzen. Das zittrige, schwache Gefühl in meinem Bauch und meinen Armen weicht nur langsam, während ich sorgfältig eine Handvoll runder, glänzend brauner Schreibaumsamen in einem kleinen Mörser zermahle. Eine Nachwirkung der Brandverletzung, die sich auch mit Heilzaubern nicht beheben lässt. So ganz kann man den Körper dann doch nicht überlisten. Aber auch das wird vorbei gehen. In ein paar Stunden wird man mir nichts mehr anmerken.

Wahrscheinlich sollte ich mir etwas mehr Mühe geben, aber als Lenwe mich an diesem Abend in die Küche, statt in sein Bett bringt, kann ich nicht anders als erleichtert zu sein. Für heute hatte ich wirklich genug von ihm. Sogar die Kette, die er wie immer um meinen Hals legt, macht mir heute erstaunlich wenig aus. Ich schätze Lenwe zieht es auch vor sich einfach nur zu entspannen. Dafür ist der loyale Wern unzweifelhaft besser geeignet als ich. Vielleicht hört der Junge dann auch auf mich ständig mit bösen Blicken zu verfolgen. Obwohl ich das inzwischen schon fast niedlich finde, denn es sollte langsam selbst für ihn mehr als offensichtlich sein, dass zwischen Lenwe und mir keinerlei Sympathien herrschen.