Ich vermisse Dich...

Alice POV

„ Niemals!" flüsterte er gegen meine Lippen und ich konnte nicht anders, als mein Bein in seine Weichteile zu stoßen. Dann rannte ich nach draußen, weg von ihm, denn ich musste so schnell wie möglich zu meiner Familie zurück. Ganz egal, ob ich sterben würde, aber ich würde Jasper auch so beschützen können. Ich konnte mich diesem abscheulichem Tracker doch nicht aussetzen, damit er mich nehmen konnte, wie es ihm passte, ohne auf meine Schmerzen Rücksicht zu nehmen. Ich beschleunigte, als ich sein Fluchen hörte und schon hörte ich seine schweren Schritte, die mir nachliefen. Plötzlich wurde ich zu Boden gerissen und ich fühlte seinen schweren Körper auf meinem. Ich schluchzte auf vor Schmerz, und er setzte sich gegrätscht auf mich. Er strich mit seiner Hand meinen Rücken entlang und ich stöhnte vor Schmerz, als sein Druck fester wurde.

„ Flucht ist zwecklos, Mary Alice!" flüsterte er in mein Ohr, während er mich zu sich umdrehte. Ich sah in sein Gesicht, während er mit seiner Hand ausholte und mich schlug. Wieder und wieder. Nach ein paar Schlägen konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und fing an zu schluchzen.

„ Dir muss man also erst gutes Benehmen beibringen?" fragte er mich, als er aufgehört hatte, mich zu schlagen. Ich hielt meine Wange und funkelte ihn böse an. Dafür bekam ich gleich noch einen Schlag. Schließlich beugte er sich zu mir herab und küsste meine Wange. „ Du riechst gut, Mary Alice!" flüsterte er. Er war krank, eindeutig! Schließlich stand er auf und bevor ich etwas tun konnte, hob er mich hoch. Er trug mich vor die Tür und stellte mich dann wieder auf den Boden.

„ Gehen kannst du wohl selber." Sagte er dann. Ich zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür. Ich ging hinein und wartete auf ihn. Was sollte ich auch sonst tun? Er grinste und schloss die Tür hinter sich, bevor er sich mit einem irren Grinsen zu mir umdrehte und mich meterweit zurück stieß.

„ Was weißt du über deine Vergangenheit?" fragte er mich, als wir beide auf dem Bett lagen. Er hatte seinen Arm unter meinen Kopf geschoben und ich sah an die Zimmerdecke, die ziemlich viele Risse hatte. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass James mich beobachtete, aber es war mir egal. Er hatte sich wieder genommen, was er haben wollte, und ich hatte es ihm gegeben. Seine rechte Hand strich durch meine Haare, und ich wollte am liebsten sterben.

„ Nichts." Sagte ich schließlich.

„ Soll ich dir etwas davon erzählen?" Ich zuckte mit den Schultern. Ich wollte es nicht wissen, solange er eine Rolle darin spielte.

'' Dann will ich aber einen Kuss dafür.'' verlangte er und strich weiter durch meine Haare. Niemals! Ich machte keine Anstalten mich zu ihm zu drehen oder mich aufzurichten, und schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie James wütend wurde.

'' Mary Alice!'' Konnte er mich nicht einfach Alice nennen? Ich hasste Mary! '' Beweg sofort deinen Hintern hierher und küss mich!'' Stur starrte ich an die Decke, ich würde nur Jasper freiwillig küssen. Jasper... Er fehlte mir jetzt schon so stark, aber sein Leben war wichtiger als meines... Ich drehte meinen Kopf und kurz drückte ich meine Lippen auf seine. Schon wollte ich mich wieder zurückziehen, aber James legte seine Arme um mich und hielt mich fest. Dominant bewegte er seine Lippen auf meinen und ich versuchte verzweifelt, mich aus seinem harten und festen Griff zu befreien. Nach schier endlosen Minuten ließ er mich endlich los und ich schnappte nach Luft.

'' Das war doch gar nicht so schwer, nicht wahr?'' Ich sah ihm in die Augen und er sah mich grinsend an. Kurz zögerte ich, bevor ich mich wieder hinlegte und James fing an zu erzählen.

„ Eines Tages kam ich zufällig an dieser psychiatrischen Klinik vorbei, und ich roch sofort, dass ein Vampir in der Nähe war. Ich wollte ihn kennenlernen, ich bin ziemlich neugierig, weißt du? Und dann habe ich dein Blut gerochen, doch dieser Vampir hat dich vor mir beschützt und als ich den Vampir getötet hatte und dich dann endlich sah, warst du mitten in der Verwandlung. Schade eigentlich, aber ich habe dich ja jetzt, nicht?" Er lächelte und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich sah in seine blutroten Augen und fragte mich, ob er mich zwingen würde, ab jetzt Menschenblut zu trinken, aber das würde ich unter keinen Umständen tun. James schnupperte an meiner Wange und lächelte. „ Deine Haut riecht wie dein Blut." Und bevor ich ihn davon abhalten konnte, biss er in meine Wange. Ich schrie auf, das Gift brannte in mir, und instinktiv versuchte ich ihn wegzudrücken. James liess von meiner Wange nicht ab und hielt mich am Rücken fest, sodass ich nicht weg konnte. Schließlich löste er sich von mir und ich wich zurück.

„ Lecker!" Er strich sich mit der Zunge über seine Lippen und näherte sich meinem Gesicht.

„ Nicht!" bat ich ihn. Meine Wange brannte, und ich legte eine Hand auf die Wunde. James gab mir einen Kuss auf die andere Wange und lächelte. „ Das Blut hätte mit Sicherheit besser geschmeckt!" flüsterte er. Ich zitterte, als er meine Hand wegzog und sich den Biss ansah. Er lächelte und legte seine Hand darauf. Ich zuckte zusammen, es brannte noch immer.

„ Komm her!" befahl er mir, und ich legte mich wieder zurück ins Kissen. Er schob seine Hand unter meinen Körper und ich sah ihn an. Ich hatte noch immer etwas Angst, aber ich dachte nicht, dass er mich noch einmal beißen würde. Er strich über mein Gesicht, und am liebsten hätte ich ihn geschlagen, dafür, dass er mir körperlich und seelisch weh tat, und damit auch Jasper. Ich hatte Jasper verlassen, um ganz genau zu sein, für James, aber er hatte mich doch gezwungen, oder etwa nicht?

„ Alice, ich habe Hunger, aber ich kann dich nicht alleine lassen, nachdem du mich fast verlassen hättest!" Ich sah ihn verwirrt an, warum nahm er mich nicht einfach mit? Ich hatte schließlich auch Hunger. „ Aber das ist kein Problem, ich hab nämlich etwas für dich!" Er stand auf und ging auf die Kommode zu. Er zog die oberste Schublade auf und nahm etwas heraus, aber ich konnte nicht genau sehen, was. Dann drehte er sich zu mir um und ich sah ein Seil. „ Vampirfest!" grinste er stolz und kam auf mich zu.

„ Nicht!" sagte ich panisch und versuchte von ihm wegzukommen. Ich sprang auf, doch James war schneller. Er hielt mich fest und drückte mich auf das Bett. Dann legte er meine Hände über meinen Kopf und band sie an das Eisengestell des Bettes. Ich zog an meiner Fessel und sah panisch zu ihm.

„ Du kannst mich doch nicht so hier zurücklassen!" schrie ich ihn an. Er zuckte nur mit den Schultern und rannte dann hinaus.

„ Ich werde mich beeilen!" grinste er noch, dann war er verschwunden.

Ich lag nackt und gefesselt auf dem Bett und wartete einfach auf das Ende. Ich wollte nicht mehr, es ging einfach nicht.

Nach einer Weile Mitleid mit mir selbst und mit Jasper, fing ich an, das Zimmer mit meinen Blicken durchzusuchen. Außer einer Kommode, einem Bett, zwei Nachttischchen und einem Esstisch befand sich nichts in dem Zimmer. Es gab sogar ein Bad, wie ich sah, nur leider würde James sofort bemerken, wenn ich nicht mehr nach ihm roch. Ich wollte diese Gerüche endlich loswerden, aber es gab drei Probleme: Erstens wusste ich nicht, wann James wiederkommen würde, zweitens würde er es sofort bemerken, und drittens war ich ans Bett gefesselt. Es war so entwürdigend! Ich zerrte an meinen Fesseln, doch ich konnte mich nicht befreien, egal, was ich probierte.

„ Ich hasse dich, James!" schrie ich, so laut ich konnte. Es nahm mir einen Teil meiner Wut und ich fühlte mich etwas befreiter. „ Es kann doch nicht sein, dass ich mich nicht befreien kann!" sagte ich in die Stille hinein.

Nach einigen Versuchen gab ich auf und blieb ruhig liegen. Ich hatte so Durst, zuletzt war ich vor zwei Monaten jagen gewesen. Meine Kehle brannte, aber ich konnte mich nicht von dem Bett lösen. Ich sah an die Zimmerwand und versuchte, so langsam wie möglich die Risse in der Wand zu zählen, doch bereits nach einer halben Stunde war ich fertig. Das gab es doch nicht! Wieso war ich nur ein Vampir, der alles so schnell machen konnte? Dieses Leben war die reinste Folter, jedenfalls ohne Jasper.

Was tat er wohl gerade? Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf seine Zukunft. Ich sah ihn im Zimmer sitzen, er las gerade einen Brief. Von wem hatte er wohl einen Brief bekommen? Rosalie kam herein und setzte sich zu ihm. Wieso sah er auf einmal so traurig aus? Rose fing an ihn zu trösten, doch ich sah seinen Schmerz, den er vor Rose geheim halten wollte und ihn zu verstecken suchte.

Was hatte er denn gelesen?

Ich kehrte in die Realität zurück und musste feststellen, dass ich immer noch am Bett gefesselt war. Meine Finger versuchten das Seil zu lösen, doch das half nichts, es wurde nicht locker.

Mittlerweile waren drei Tage vergangen, und James war noch immer nicht zurückgekommen. Wenn ich nicht gefesselt gewesen wäre, dann wäre es so eine schöne Zeit gewesen, ohne ihn, aber ohne Jasper natürlich nicht. Ich lag gelangweilt auf dem Bett und sah einer Fliege zu, wie sie um die Lampe flog.

Leise fing ich an, eine Melodie zu summen, die Edward einmal komponiert hatte. Ich fand dieses Stück von ihm am Schönsten, und plötzlich fing ich an zu schluchzen, „während mich lauter Erinnerungen an meine Familie überfielen. Ich sah Rose, die unter einem Auto lag und es reparierte, ich sah Emmett, der Playstation spielte, ich sah Edward am Klavier sitzen und Bella, wie sie ihm zuhörte. Ich sah Esme, die sich um uns kümmerte und Carlisle, wie er im Krankenhaus arbeitete. Und dann sah ich Jasper, wie er auf dem Bett lag und ein Buch las. „ Jasper?" fragte ich leise, es fühlte sich so real an. Plötzlich fühlte ich eine Berührung an meinem Bauch. Ich öffnete meine Augen und sah in das abscheuliche Gesicht von James.

„ Falsch geraten!" stöhnte James, der mich erregt beobachtete. Ich sah ihn aus Angst geweiteten Augen an, als er sich die Hose auszog und sich auf mich legte.

„ Nein!"

James band mich, nachdem er sich an mir vergangen hatte, los und ich bewegte zaghaft meine Finger. Sie taten etwas weh, aber sonst ging es mir gut. Ich zog mir ein T-Shirt an und eine kurze Jeans, aber wenigstens zwang er mich nicht dazu, den Minirock anzuziehen. James lag auf dem Bett und beobachtete mich die ganze Zeit. Ich versuchte ihn zu ignorieren. Dann sah ich doch zu ihm und James lächelte, als er meine tiefschwarzen Augen sah.

„ Wann warst du zuletzt jagen?" fragte er boshaft.

Ich überlegte kurz und sagte dann: „Das war vor 2 Monaten." Das Brennen in meiner Kehle war unerträglich, aber das sagte ich James natürlich nicht. Ich wusste, dass er es liebte, wenn ich durstig war. Ich schluckte schmerzvoll und verzog mein Gesicht ein bisschen. James lachte und kam zu mir, nachdem er sich angezogen hatte. Er drückte seine Lippen auf meine und schob seine Zunge in meinen Mund. Ich schmeckte ein bisschen Menschenblut. Sofort knurrte ich und biss zu, ich war ziemlich durstig. James lachte noch einmal und löste sich von mir.

„ Hast du Durst?" fragte er mich schließlich. Ich nickte nur und James lächelte, als er seine Hände auf meinen Hintern legte. „ Das glaube ich dir!"