Puh… Das zweite Kapitel wäre geschafft =) Ich würde mich über Kommentare freuen =) Viel Spass!

„…Und das ist die Cafeteria", sagte Lenalee, und machte eine weitlaufende Geste mit der linken Hand. Es war ein großer Raum, sehr hoch und hell, mit vielen langen Holztischen, an denen mehrere Leute zusammen sitzen konnten. Es war Mittagszeit, vor allem Finder hatten sich jetzt hier im Saal zum Essen versammelt. Zwischen den vielen weißen Uniformen, die die Finder auszeichneten, konnte Taki auch ein paar schwarze ausmachen; Exorzisten. Sie staunte. Alles wirkte so freundlich… Ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte, vor allem, nachdem man ihr all diese dunklen Geschichten über den schwarzen Orden und seine Aufgabe erzählt hatte. Diese Bürde, die Welt von Akumas zu befreien, Dämonen, die aus gequälten Seelen erschaffen wurden, schien hier nicht präsent zu sein. Man wahrte einen Schein von Normalität im Alltag…

„Das ist auch schon das Ende unseres Rundgang", sagte Lenalee freudlich lächelnd. „Ich muss dich jetzt leider alleine lassen, Komui braucht noch meine Hilfe. Er glaubt ich bin die einzige, die ‚richtigen' Kaffee kochen kann." Sie verdrehte gespielt genervt die Augen. „Du kannst dir ruhig was zu essen holen, wenn du Hunger hast. Und ich bin mir sicher, dass dir hier jeder weiterhelfen wird, wenn du noch irgendeine Frage hast." Mit diesen Worten wollte sie sich umdrehen, hielt aber noch einmal inne. „Wenn wir dich brauchen, werden wir dich rufen lassen. Also, viel Glück." Sie lächelte noch einmal aufmunternd, dann verschwand sie auch schon mit eiligen Schritten.

Taki wandte ihre Aufmerksamkeit der Cafeteria zu, und ging langsam auf die Essensausgabe zu. Sie hatte Hunger. Als sie am Morgen aufgewacht war, war sie noch viel zu verwirrt gewesen, und hatte keinen Bissen herunter bekommen. Zuerst hatte sie erfahren, dass sie nun einen neuen Namen hatte. Der General hatte ihr ihn gegeben. Dann hatte man ihr erklärt, dass man ihr Innocence erst einmal in eine Waffe verwandeln müsste. Es hatte sich in dem breiten silbernen Armreif befunden, den sie getragen hatte. Komui hatte ihn ihr abgenommen und modifizierte das Innocence nun zu einer Anti-Akuma Waffe. Er hatte gesagt, dabei könnte alles Mögliche heraus kommen. Vor allem, da man nichts über Taki wusste. Sie wusste ja nicht einmal, woher sie diesen Armreif überhaupt hatte… Das alles war ihr nicht ganz geheuer, vor allem das mit der Waffe. Komui behauptete zwar, dass es wahrscheinlich war, dass sie kämpfen konnte, da sie einen Dolch bei sich getragen hatte, aber das konnte ja alles Mögliche heißen. Vielleicht war sie auch eine gemeine Diebin gewesen. Aber naja. Wenn diese Wissenschaftler meinten, dass sie wahrscheinlich kämpfen konnte, würde hoffentlich nicht so viel schief gehen. Sie seufzte. Wie viel einfacher es wohl wäre, wenn sie ihre Erinnerung nicht verloren hätte? Alles was sie im Moment hatte, war diese nagende Leere in ihrem Kopf, die ständig neue Fragen aufwarf, und sie an sich selbst zweifeln ließ. Wer war sie überhaupt? Hatte sie Eltern, Geschwister? Hatte sie überhaupt eine Familie? Warum war sie plötzlich alleine im Wald aufgewacht, ohne Erinnerungen? Weshalb trug sie diese Waffe bei sich, und warum war ausgerechnet sie Innocence kompatibel? Über all dies konnte sie nur Vermutungen anstellen, die zuletzt dann doch zu nichts führten, außer Frustration. Zum Glück hatte sie noch nicht genügend Zeit gehabt, um intensiv über diese Dinge nachzudenken.

Sie wurde abrupt aus ihren Gedanken gerissen, als jemand nicht weit hinter ihr plötzlich laut aufschrie.

„Pass das nächste Mal gefälligst besser auf, Vollidiot!"

Taki fuhr erschrocken herum. Dort stand Kanda, sein Schwert bedrohlich auf einen Finder gerichtet, der vor ihm auf dem von Essen besudelten Boden lag, die Arme schützend vor sein Gesicht erhoben.

„T-t-tut mir leid!" rief er ängstlich und erschrocken zugleich. „Ich wollte nicht-"

„Halt deinen Mund!" Kanda, immer noch wutentbrannt, trat drohend noch einen Schritt näher. Scheinbar hatte der Finder Kanda unabsichtlich angerempelt, sodass dieser sein Essen fallen gelassen hatte. Irgendein Nudel Gericht… Er schien ihm das ziemlich übel zu nehmen.

Der Finder starrte Kanda ängstlich an und sagte nichts mehr. Taki wollte schon einschreiten, doch jemand kam ihr zuvor. Ein Rotschopf mit Augenklappe näherte sich dem Geschehen, die Hände beschwichtigend erhoben.

„Hey hey, Yuu…"

„Nenn mich gefälligst nicht so!" Jetzt schien Kanda fast zu platzen. Zornig fuhr er zu dem Rothaarigen herum.

„Ist ja schon gut! Jetzt hab dich nicht so." Der andere grinste leicht. „Der Mann hat dir doch nichts getan, das war keine Absicht. Jetzt beruhige dich, und leg Mugen beiseite."

Kanda antwortete nicht, doch er starrte den Rotschopf nach wie vor grimmig an. Es war jetzt ganz still im Saal. Niemand wagte es, ein Wort zu sagen, kein Ton war zu hören. Verstohlen starrten die anderen Finder von ihren Tischen zu den beiden Exorzisten herüber.

Kanda schien sich jetzt tatsächlich beruhigt zu haben. Langsam, in einer fließenden Bewegung, stecke er das Schwert zurück in die Scheide. Er war dem Finder am Boden einen letzten säuerlichen Blick zu.

„Che."

Er drehte sich auf dem Absatz um und verließ die Cafeteria ohne ein weiteres Wort.

Erst jetzt wagte der Finder, sich aufzurichten.

„Danke Lavi", sagte er zu dem Rothaarigen, und warf ihm einen dankbaren Blick zu. Dann setzte er sich zu anderen Findern an einen Tisch, welche ihn nun nach überstandener Gefahr dümmlich angrinsten, und anfingen, Witze über das Geschehen zu machen.

„Keine Ursache", meinte Lavi lässig. Er wollte sich zum gehen wenden, als sein Blick plötzlich auf Taki fiel. Sie hatte das Gefühl, als würde sein sich in diesem Moment weitendes Auge aufleuchten. Einen Moment lang starrte er sie an, dann grinste er plötzlich und kam auf sie zu.

„Heey" rief er gut gelaunt.

„Ähm, hallo…" Taki wusste nicht recht, wie sie jetzt reagieren sollte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ein Exorzist sie ansprechen würde. Irgendwie hatte sie gedacht, alle seien so kühl und distanziert wie Kanda, schließlich war ihre Aufgabe so…ernst…

Lavi stand jetzt vor ihr. „Du bist wohl die Neue oder?" Er grinste breit.

„Ja… die Neue…" Die andern hatten also schon von ihr gehört.

„Willst du dich nicht zu uns setzen? Ach ja, ich bin übrigens Lavi, Bookman Junior."

„Bookman…?"

„Ja ja… Ich und der alte Mann zeichnen die Geschichte auf und so… Deswegen sind wir gerade hier im Schwarzen Orden." Er winkte ab. „Ist ja auch egal. Du hast mir nicht auf meine Frage geantwortet." Er grinste.

„Äh… ja klar." Sie lächelte unsicher. Warum auch nicht? Es wäre nicht schlecht, hier mal ein paar Leute kennen zu lernen.

Lavi führte sie zu einem der Tische am Ende des Raumes. Dort saß bereits ein anderer, weißhaariger Exorzist, der einen riesigen Berg Essen vor sich liegen hatte. Er stopfte sich ein Gericht nach dem anderen in den Mund. Taki hatte noch nie jemanden gesehen, der so viel auf einmal essen konnte. Andererseits hatte sie ihr Gedächtnis verloren, da war das nicht weiter verwunderlich.

„Das ist Allen Walker", sagte Lavi, und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Dabei klopfte er einladend mit der Hand auf den freien Stuhl zwischen Allen und ihm. Taki setzte sich.

Der genannte Exorzist blickte verwundert auf, das Gesicht mit Schokolade beschmiert von irgendeinem Dessert, das er gerade verschlang.

„Mh mho!" Nuschelte er mit vollem Mund und streckte ihr seine behandschuhte Hand hin.

„Das heisst ‚Oh hallo'" erklärte Lavi.

Allen schluckte schwer. „'Tschuldigung…" murmelte er. „Ich bin Allen." Er lächelte freundlich.

Taki ergriff seine Hand. „Mein Name ist Taki… Naja, zumindest der, den man mir gegeben hat."

„Wie kommt das?" fragte Allen verwundert.

Lavi beugte sich vor. „Sie hat ihr Gedächtnis verloren. Hast du das denn nicht mitgekriegt?"

„Nein…"

Lavi grinste. „Naja egal. Jetzt weißt du es." Er wandte sich Taki zu. „Sind denn schon irgendwelche Erinnerungen zurück gekehrt?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Ach schade… Das ist doch langweilig."

Taki wollte etwas erwidern, doch Allen kam ihr zuvor.

„ Das macht es doch gerade spannend." Er rieb sich die Hände, und nahm sich ein riesiges Sandwich vor.

Lavis Auge funkelte. „So kann man's auch sehen…"

Um auch mal zu Wort zu kommen, beschloss Taki, ein wenig mehr über ihre neuen Bekanntschaften in Erfahrung zu bringen.

„Und… Was sind eure Anti-Akuma Waffen?"

Lavi grinste. Taki staunte nicht schlecht, als er einen winzigen schwarzen Hammer aus seinem Gürtel zog.

„Dieses kleine Ding soll eine Waffe sein?" Sie bezweifelte, dass man damit einem Akuma Schaden zufügen könnte.

„Natürlich", erwiderte Lavi selbstsicher, und drehte den kleinen Hammer zwischen seinen Fingern. „Wenn ich das Innocence aktiviere, kann ich die Größe beliebig variieren."

„Und das ist meins" sagte Allen unvermittelt, und hob seine linke Hand vor Takis Gesicht. Die Hand sah seltsam aus. Am Handrücken war eine Art Kreuz, und die Haut hatte eine seltsame Farbe."

„Deine Hand?" fragte Taki verwirrt.

„Nein, mein ganzer Arm. Ich bin ein Parasiten-Typ."

Lavi setzte zu einer Erklärung an. „Das ist, wenn das Innocence mit seinem Körper verbunden ist. Dieses Innocence ist meist etwas stärker als der Ausrüstungs-Typ, verbraucht aber auch mehr Energie."

Allen nickte nur und wandte sich weiter seinem Essen zu.

Taki sah ihm dabei zu, teils interessiert, teils angewidert.

„Wie VIEL isst du da?"

„Hm?"

„Achja, das gehört auch noch dazu" Lavi grinste. „Das hängt mit seinem Energieverbrauch durch das Innocence zusammen. Du wirst dich dran gewöhnen."

„Das ist verrückt…" Plötzlich leuchtete etwas in Takis Gedanken auf. Es war nur ein kurzer Augenblick, doch in diesem Moment schien ihr Geist klarer zu werden, für den Bruchteil einer Sekunde. „… ‚keiner ist so verrückt, dass er nicht noch einen Verrückteren fände, der ihn versteht.'…"

Lavi sah sie erstaunt an. Er blinzelte. „Was hast du gesagt?"

„Äh…"

„Das ist Heinrich Heine!"

„Was?" mischte Allen sich ein.

„Dieses Zitat." Lavi starrte sie immer noch perplex an. „Das ist ein Zitat von Heinrich Heine, einem deutschen Dichter. Wie kommst du darauf?"

Taki starrte auf die Tischplatte. „Ich hab keine Ahnung. Es war plötzlich in meinem Kopf und ich musste es aussprechen."

„Das ist bestimmt eine Erinnerung! Erinnerst du dich noch an was anderes?"

Sie schüttelte den Kopf. „ Nein…"

„Du musst gebildet sein," sagte Lavi.

Taki sah ihn fragend an.

Er erklärte. „Wenn du Zitate von einem Dichter kennst… Dann musst du ja wohl etwas von ihm gelesen haben. Natürlich kann man das jetzt nur spekulieren…"

„Hm… schon möglich…"

„Siehst du!" Allen wischte sich mit der linken Hand den Mund ab. „Ich sagte doch, das Ganze wird spannend."

Taki hörte schon fast nicht mehr zu. Sie war von einem Moment auf den anderen in Gedanken versunken. War das ihr ich? Eine gebildete Taki? Oder hatte sie das Zitat nur irgendwann irgendwo aufgeschnappt? Diese Tatsache verdrängte sogar ihre Überlegung, dass sie eine Diebin gewesen war. Aber warum dachte sie überhaupt darüber nach? Es würde ihr ja doch nichts bringen. Solange die Erinnerung weg war, war nichts zu machen. Sie musste wohl oder übel abwarten. Vielleicht kamen ihr ja noch weiterer solcher Gedanken…

„Taki?" ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihr. Taki sah über die Schulter und erblickte einen dunkelblonden Mann in der Kleidung der Wissenschaftsabteilung. Er hielt ein Papierklemmbrett in der rechten Hand.

„Mein Name ist Reever Wenham. Komui möchte dich in seinem Büro sehen. Würdest du bitte mitkommen?"

Taki nickte ohne etwas zu sagen und erhob sich. Sie wollte Reever schon folgen, doch dann erinnerte sie sich daran, dass Lavi und Allen ja noch da waren. Rasch drehte sie sich noch einmal um und winkte den beiden verlegen zu.

„Ich schätze ich muss weg." Sie lächelte. „Wir sehen uns." Damit drehte sie sich um und folgte Reever.

Taki war nicht die einzige, die Komui zu sich ins Büro gerufen hatte. Auf der Couch, die vor Komuis überfülltem Schreibtisch stand, saß bereits Kanda, die Arme verschränkt, die Augen geschlossen und Mugen gegen die die Couch gelehnt. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper, als die beiden eintraten. Erst als Taki sich neben ihn setzte – aber mit einigem Abstand, denn seit der Szene in der Cafeteria hatte sie ein bisschen mehr, sagen wir, Respekt vor ihm als zuvor – sah er sie kurz aus den Augenwinkeln an, rührte sich jedoch nicht.

Reever verließ den Raum, und Komui ließ auf sich warten. Es herrschte eine unangenehme Stille. Taki sagte kein Wort und versuchte, sich nicht zu bewegen, um jegliches Geräusch zu vermeiden, das die Stille hätte brechen können. Sie wusste selbst nicht wieso. Das einzige was sie in den fünf Minuten, in denen sie alleine waren, hörte, war die kaum vernehmbaren, regelmäßigen Atemzüge Kandas. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, beehrte der zerstreute Wissenschaftler sie endlich mit seiner Anwesenheit.

Er hatte ein langes Etwas mitgebracht, das er unter braunem Stoff versteckte. War das vielleicht ihre Waffe?

„Ah Taki, Kanda, da seid ihr ja schon." Er lächelte, rückte seine Brille zurecht und wandte sich an Taki. „Ich hoffe du hattest Spaß bei dem Rundgang mit meiner wundervollen Lenalee." Immer wenn er von Lenalee sprach, trat schiere Bewunderung in seine Stimme.

Taki nickte nur und lächelte leicht.

„Naja wie auch immer" fuhr Komui fort, „seit heute Morgen haben wir uns mit deinem Innocence und der neuen Waffe beschäftigt…" Er drehte sich zu dem Etwas um, das er hereingebracht und gegen den Schreibtisch gelehnt hatte. „Et voilà!" Mit einem Ruck zog er den Stoff herunter.

Taki staunte bei dem Anblick ihrer neuen Waffe. Komui hielt einen aus dunklem Holz gefertigten Bogen in der Hand, der fast so lang war wie Taki groß war. Das Mittelstück war mit schwarzem Leder umwickelt und so geformt, dass man einen guten Griff hatte, und die zwei Wurfarme waren mit filigranen, silbernen Linien verziert. Dazu hielt Komui einen aus schwarzem Leder gefertigten Köcher hoch, der bis auf einige feinen, silbernen Stickmuster schmucklos war. Er war relativ schmal und enthielt mehrere schwarze Pfeile.

„Das ist ein Langbogen mit leichtem Recurve. Das bedeutet, dass er nicht nur die typische D-Form hat, sondern die Enden leicht nach außen gebogen sind, wie du sehen kannst. Dies verleiht ihm eine erhöhte Durchschlagskraft." Komui grinste, er war offensichtlich stolz auf sein Werk. „Die Pfeile sind sehr dünn und sehr spitz, mit je zwei untereinanderliegenden Widerhaken an einer Seite. Die Federn sind Rabenfedern, diese liegen besonders gut in der Luft. Es sind genau fünfzehn Stück. Bei aktiviertem Innocence wird ihre Anzalh nicht weniger, allerdings dauert es ein wenig, bis sie sich rückbilden. Wenn du also alle Pfeile in wenigen Augenblicken verschießt, dauert es ein paar Sekunden, bis dir wieder welche zur Verfügung stehen. Achja, und ich habe noch was für dich." Aus der großen Seitentasche seines Kittels zog Komui einen kurzen Dolch. Es war der Dolch, den Taki bei sich getragen hatte. Er war schlicht und schmucklos, dafür aber sehr scharf.

„Da der Bogen eigentlich fast ausschließlich für den Fernkampf gedacht ist, bekommst du den Dolch noch dazu. Eigentlich haben Exorzisten nur eine einzige Waffe, aber Hevlaska hat es geschafft, dem Dolch einen kleinen Teil des Innocence einzuhauchen. Damit kannst du zwar nur minimalen Schaden zufügen und einen Akuma wahrscheinlich nur schwer oder gar nicht töten, aber zur Verteidigung wird es reichen." Mit diesen Worten hielt er Taki die Waffen hin.

Diese nahm sie perplex an. Sie war ziemlich sprachlos. So viel auf einmal, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte eigentlich gedacht, dass sie den Dolch nur ein wenig aufbessern würden. Aber gleich so etwas! Unglaublich…

„A-aber… Ich habe keine Ahnung, wie man damit umgeht!" brachte sie schließlich hervor.

Komui ließ sich hinter seinem Schreibtisch nieder und zwinkerte ihr zu. „Das denkst du nur. Das Innocence weiß schon was es tut, glaub mir." Er lächelte. „Aber jetzt zum Wesentlichen! Kanda!"

„Hm?"

Taki hatte den stillen Exorzisten fast schon wieder vergessen.

Komui rückte mit dem Mittelfinger seine Brille zurecht und lächelte verschmitzt. „Hiermit erkläre ich dich zu Takis Mentor!"

„WAS?" Erklang es aus Kandas und Takis Mund gleichzeitig.

„Du hast richtig gehört." Komui grinste.

Kanda sprang auf. „Ich passe nicht auf Neulinge auf! Sie wird mir nur im Weg sein!"

„Kanda, ich bitte dich." Komui stützte seine Arme auf den Ellbogen und verschränkte die Finger ineinander. „Wer sonst sollte sich ihr annehmen? Ihr beide kennt euch doch am längsten." Er grinste.

„Und was ist mit Mari?" protestierte Kanda aufgebracht.

„Der ist bereits wieder auf einer Mission. Und ich dachte, es wäre gut, wenn Taki einen gleichaltrigen Mentor hätte. Außerdem ist sie kein kleines Kind. Ich bin sicher sie wird keine Probleme machen."

„Ich arbeite nicht mit Neulingen! Nimm doch Lavi oder diese Bohnenstange dafür!"

Es passte Taki nicht, dass in ihrer Anwesenheit so über sie geredet wurde. In ihrer Abwesenheit würde es ihr zwar auch nicht passen, aber da kriegte sie es zumindest nicht mit. So fühlte sie sich noch viel hilfloser als zuvor.

„Kanda…" Komuis Stimme klang jetzt zum ersten Mal ernst. „Das. ist. ein. Befehl."

Diese Bemerkung schien bei Kanda Wirkung zu zeigen. Er entspannte sich ein wenig, und obwohl sein Gesichtsausdruck immer noch seinen Unmut ausdrückte, widersprach er jetzt nicht mehr.

„Ihr solltet euch noch ein wenig ausruhen" sagte Komui ruhig. „Der Zug fährt heute Abend ab. Es geht nach Tschechien."