Kapitel 1
Erinnerungen
††† Hermine †††
Seit Wochen schon kam die junge Gryffindor hierher auf den Nordturm.
Hier war es die meiste Zeit des Tages ruhig. Es war die ideale Atmosphäre um seine Gedanken schweifen zu lassen.
Wohin ihre Gedanken wanderten wusste allerdings nur Hermine.
Fast ein Monat wer nun schon vergangen. Damals war es ein es ein Schock gewesen, doch mittlerweile hatte sie sich einigermaßen mit der Realität abgefunden. Von einer Sekunde zur nächsten musste Hermine damit klarkommen keine Eltern mehr zu haben. Mann hatte ihre Mutter tot aufgefunden. Sie hatte sich im eigenen Schlafzimmer das Leben genommen. Neben ihr hatte ein letzter verzweifelter Brief, an ihre Tochter, gelegen. Er offenbarte die Abgründe und Schmerzen einer plötzlich endenden tiefen und wahren Liebe.
♥♥♥ An meine geliebte Tochter, Hermine ♥♥♥
Es tut mir leid, dass du es so erfahren musst.
Ich lebe nicht mehr.
Jetzt da du diesen Brief erhalten hast ist es traurige Gewissheit. Mein Leben ist zu Ende.
Ich kann deinem Vater nicht die Schuld dafür geben. Dennoch ist er der Grund für meine Entscheidung.
Mir fehlt die Kraft um weiter zu leben.
Jetzt musst du stark sein.
Ich will nicht, dass auch dein Leben schon jetzt endet.
Diese Schuld will ich mir nicht auch noch aufbürden.
Es reicht schon wenn ich dich schon jetzt alleine lassen werde. Doch zu sehr schmerzen mich die Erinnerungen.
Du hast dein Leben noch vor dir. Gib ihm einen Sinn. Meines hat ihn verloren bevor ich ihn richtig verstanden habe.
Es wird schwer für dich sein, bei dem was ich dir noch mit zu teilen habe.
Ich habe gesagt, dass ich dich alleine lassen werde. So ist es auch. Denn auch dein geliebter Vater ist nicht mehr am Leben. Zu früh hat man ihn uns genommen. Mir raubt es den Verstand wenn ich nur daran denken ohne ihn leben zu müssen. Deshalb auch meine Entscheidung, ihm zu folgen. Ich weiß, dass du mir jetzt vorwerfen willst, dich im Stich gelassen zu haben. Aber in meinem Zustand wäre ich dir nur zur Last gefallen als dir zu helfen deinen weitern Weg des Lebens zu gehen.
Glaube mir. Ich will nur dein Bestes.
††† Deine dich liebende Mutter. †††
Hermine konnte und wollte es noch immer nicht verstehen. Von einem Moment zum Nächsten hatte sich ihr komplettes Leben verändert. Mit einem Mal war sie eine Vollwaise. Es waren auch keine noch lebenden Verwandten bekannt. Die junge Gryffindor wusste nun nicht wo sie am Ende ihres Schuljahres hin sollte. Es war zwar noch mehr als ein halbes Jahr Zeit, doch wollt der Gedanke ihr nicht aus dem Sinn gehen.
In ihr Elternhaus wollte sie vorerst nicht, so viel stand fest. Bei Ron und seiner Familie wollte sie auch nicht die ganzen sechs Wochen verbringen. Dieser wusste ja noch nicht ein Mal vom Tod ihrer Eltern. Wie sollte sich im dann erklären, warum sie die kompletten Sommerferien bei ihm bleiben wollte. Vor allem, da sie ihn erst vor kurzem hatte abblitzen lassen.
So in Gedanken versunken, lies Hermine ihren Blick über die Ländereien von Hogwarts schweifen. Die Realität holte sie schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurück, als sie eine dunkle Silhouette vom Waldrand her auf das Schloss zu kommen sah. Der Statur nach zu urteilen, musste es ein großer, schwarz gekleideter Mann sein. Hermine erstarrte. Der Schnee unter der Person färbte sich tiefrot. Die junge Frau konnte kaum noch atmen. Panik stieg in ihr auf als sich der Umriss nicht weiter dem Schloss näherte und dann ohne Vorwarnung in sich zusammen sank.
Was sollte sie nur tun? Würde sie nicht auf der Stelle handeln, könnte der Unbekannte dort unten innerhalb einer Stunde nicht mehr am Leben sein.
Ihr Gewissen wäre nicht in der Lage so etwas zu verkraften. Niemand sollte auf solch grausame Weise zu Grunde gehen.
Das wünschte sie nicht einmal ihrem meist gehassten Lehrer, Severus Snape.
Doch was war in dieser Situation besser. Erst den Direktor von dem Vorfall in Kenntnis setzten, oder doch erst nach dem Verwundeten sehen.
Hermine entschied erst den Direktor auf zu suchen und mit ihm gemeinsam hinunter auf das verschneite Gelände zu gehen.
Auf haben Wege zu Dumbledores Büro durchfuhr es sie, wie ein scharfes Messer das Fleisch eines jungen Rehs. Sie kannte ja nicht einmal das Passwort zu seinen Räumen.
Es zu knacken würde für eine Hexe ihres Alters viel zu lange dauern. Somit hatte sie bereits wertvolle Minuten eingebüßt.
Hätte sie sich direkt auf den Weg hinab auf die Ländereien begeben, wäre sie vielleicht schon fast bei dem vermutlich Bewusstlosen Mann angekommen.
Ihr Herz schlug in einem völlig eigensinnigen Rhythmus.
Ihr Verstand drohte aus zu setzten.
Sie konnte ihre Handlungsabläufe kaum noch richtig koordinieren.
Die Panik schien sie zu kontrollieren.
Sie erkannte die Flure, durch die sie jetzt rannte nicht wieder. Alles um sie herum wurde unwichtig, verschwand in Schwärze. Nur noch ein Gedanke fand in ihrem Kopf einen Platz.
‚Sie musste diesen Menschen retten. Egal wer er war und wie seine Vergangenheit aussah.'
Als Hermine endlich das große Eichenportal erreich hatte, glaubte sie Stunden gerannt zu sein. Angst, zu spät gekommen zu sein, machte sich in ihr breit.
Glücklicherweise hatte es aufgehört zu schneien. Dennoch war es ein beschwerlicher Weg bis zu dem Verletzten. Die Schneedecke war gut 30 cm dicht. Jeder Schritt war ein Kampf gegen die Natur für die junge Hexe, die noch immer mit ihrer Panik um die Vorherrschaft in ihrem Geist konkurrierte. Nur langsam bahnte sie sich eine Spur durch den Schnee.
Endlich hatte Hermine es geschafft. Nur noch ein, zwei Schritte trennten sie von dem Mann, dem sie um alles in der Welt das Leben retten wollte. Noch immer färbte sein Blut den Schnee.
Nur langsam beugte sich Hermine über den Mann. Zu groß war die Angst, ihm noch mehr Schmerzen zuzufügen. Das Blut war in ihren Adern stehen geblieben, so glaubte es zumindest die junge Hexe.
Ihr Herz schien endgültig seinen Dienst zu versagen, als sie bei ihm keinen Puls feststellen konnte. Tränen traten in ihre Augen. Nun wollte sie auch wissen wessen Leben auf solch grausamen Weg enden musste. Vorsichtig drehte sie den leblosen Körper so dass sie ihm in die Augen blicken konnte.
Als sie sah wer es war, wollte sie eigentlich nur noch eins.
Weg von hier.
Weg von diesem grausamen Ort.
Weg von ihm.
Es war ihr Lehrer.
Ungehindert liefen ihr nun die Tränen an den Wangen hinab.
Sie konnte sie nicht aufhalten, auch wenn sie den Menschen hasste um den sie nun weinte.
Wie oft hatte sie sich gewünscht das Snape etwas Schlimmes widerfahren würde, doch konnte sie nicht fassen, dass sein Leben nun vorüber sein sollte.
Plötzlich hörte sie Schritte hinter sich. Noch jemand war auf dem Weg zu ihnen. Sie hoffte inständig dass es weder Ron noch Harry war. Keiner von beiden sollte sie in dieser Situation sehen. Niemand sollte sehen, dass sie um den meistgehassten Lehrer dieser Schule trauerte. Wie sollte sie das jemanden erklären? Hermine wusste ja selbst nicht warum.
Die Person war nicht mehr weit von ihnen entfernt.
Immer näher kam das Geräusch von Schnee, der zusammengetreten wurde.
Auf einmal spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie blickte auf, um endlich zu erfahren wer sich noch auf den Weg hier herunter begeben hatte.
Rehbraune Augen trafen auf Himmelblaue.
