Disclaimer: Noch immer nicht meine... -seufz-
Ich danke allen für eure lieben und aufbauenden Kommentare und es tut mir leid das es solange gedauert hat, aber der Teil wollte einfach nicht so wie ich wollte...
06. – Und ich stehe am Wasserfall, sehe dich fallen, doch kann ich mich selbst kaum fangen
„Ich werde heiraten." Severus sah tief in die Augen seines Freundes.
„I-ich gratuliere dir." Harry schloss seine Augen, versuchte seine Tränen zu unterdrücken. Er hatte es doch gewusst. Hatte von Anfang gewusst, dass sie beide keine Chance hatten.
„Harry."
„Geh."
„Harry." Der Ältere trat dichter an den Anderen herran.
„Geh, bitte geh." Gott, wie sehr wollte er seine Würde bewahren. Doch der Andere ließ sich davon nicht beeindrucken, zog den Kleineren einfach in seine Arme. Das war zu viel. Weinend brach er zusammen, klammerte sich an die schwarze Robe vor sich.
„E-es tut mir leid. Ich will doch... will doch nur das-das du glücklich wirst. A-aber ich … ich liebe dich doch so sehr. E-es tut mir leid. Ich freue mich, ich freue mich wirklich für Sharina. Sie ist eine so liebe Frau. Sie hat mich nicht gehasst, mich nie beleidigt, mich akzeptiert… und …ich…" Eine Hand legte sich auf Harrys Rücken, zog beruhigende Kreise, während eine Stimme in sein Ohr flüsterte: „Shh… Alles wird gut. Shh…"
Die Tage zogen ins Land, bis daraus Wochen wurden.
Harry Potter stand unbeweglich in seinem Quartier und starrte nach draußen. Seit Stunden schon. Die Hände hielten einander hinter seinem Rücken. Sie pressten sich immer fester gegeneinander. In drei Stunden würde wieder Leben in diese Gemäuer einziehen. Harry spürte wie sehr die alte Dame sich darauf freute. Die Steine summten regelrecht. Er musste bei dem Gedanken an ein singendes Schloss doch lächeln.
Harry war aufgeregt doch nicht auf eine positive Art und Weise. Mit den Schülern würden auch andere kommen. Seine Kameraden, seine Freunde, seine Feinde. Ron, Hermione, Neville und Draco. Menschen voll jugendlichem Überschwang und Freude. Keinen hatte er bisher getroffen - auch wenn die Weasleys auf ein Treffen gedrängt hatten - Harry war noch nicht in der Lage gewesen ihnen gegenüber zu treten. Selbst jetzt fühlte er sich noch nicht bereit. Er hatte an all diesen Menschen Seiten kennen gelernt, die er am liebsten wieder aus seinem Gedächtnis streichen würde. Charakterzüge von denen man hoffte, sie niemals an seinen Freunden oder seinen Feinden sehen zu müssen.
Harry seufzte. Es war nun mal geschehen und nun nicht mehr rückgänig zu machen. Nach dem die Presse ‚erfahren' hatte, dass der große Harry Potter wieder zurück war, hatte Voldemort seine Pläne den Hogwarts Express anzugreifen wieder zurück gezogen - natürlich nicht auf öffentlichem Wege. Er hatte immerhin erreicht was er mit der Drohung bezweckt hatte, sein Feind war wieder zurückgekehrt und musste sich nun offen stellen.
Mit einem letzten Blick nach draußen wandte sich Harry wieder ab und schritt zu seinem Schreibtisch zurück. Er hatte noch immer einige Dokumente die er durchsehen musste. Er hatte zwar schon dreimal einen Dunklen Lord besiegt, doch jedes Mal auf eine andere Art und Weise - abgestimmt auf die Geschichte und Gegebenheiten in der jeweiligen Biographie. Denn auch wenn am Ende ein größenwahnsinniger dunkler Zauberer stand, verlief jedes Leben anders. Ein paar Anhaltspunkte konnte er schon verzeichnen. Nachdenklich kratzte er sich am Handgelenk der linken Hand. Eine Geste, die er sich in irgendeiner Welt angeeignet hatte. Eigentlich belog er sich selbst, denn er wusste ganz genau zu welcher Zeit er diese unbewusste Handlung übernommen hatte, doch verweigerte er sich selbst die Erinnerung daran. Er war noch zu keiner Zeit wirklich bereit gewesen darüber nach zu denken. Er wusste, lange würde er es nicht mehr aufschieben können, doch noch erkaufte er sich etwas Frieden.
So war das mit Erinnerungen - auf der einen Seite konnte man sie lange verdrängen, tief wegschließen, versenken in den weitläufigen Windungen des Geistes, doch irgendwann wurde es zu viel und sie begannen hervorzubrechen, krochen immer mehr, Stück für Stück nach oben und setzten sich im Bewusstsein fest. Dann musste man einen Weg finden mit ihnen fertig zu werden. Nur die Wenigstens ließen sich wieder hinabsperren.
Er musste sich zwingen die Hand weg zu nehmen, seufzend fuhr er sich durch die Haare, ließ sie noch mehr in alle Richtungen ab stehen. Er nahm eine der vor ihm liegenden Pergamentrollen in die Hand und begann zu lesen, er hatte noch immer eine Aufgabe zu erfüllen.
Wie als hätte jemand den Strom angedreht, ging plötzlich ein Buzzen durch die Steine. Hogwarts begann zu vibrieren – der Hogwarts Express war da und die Kinder kamen endlich zurück. Die alte Dame war aufgeregt. Noch nie hatte sie solange warten müssen. Klar sie brauchte im Sommer die Zeit für sich um sich neu aufzuladen, zur Ruhe zu kommen. Aber am Ende der drei Monate konnte sie die Rückkehr der kleinen und auch großen Monster kaum erwarten. Diesmal hatte sie sich lange Gedulden müssen, doch das warten war endlich vorbei. Hätte sie eine wirkliche Stimme gehabt, hätte man ein lautes „JUHUU!" durch die Gänge hallen hören. Stattdessen gab sie sich damit zufrieden, die Halle festlicher als sonst zu dekorieren und jedes Kind wärmstens willkommen zu heißen.
Leicht nervös saß Harry bereits an einem der langen Tische, Gryffindor und wartete darauf, dass seine einstigen Kameraden, Freunde und auch Feinde wieder kommen würden. Er hörte Stimmen, spürte wie Hogwarts begann zu summen, die Türen zur Halle gingen auf und die Kinder strömten herein. Niemand schien ihn zu beachten, dann schallte es ihm auch schon entgegen. „Harry!" Und ein brauner Haarschopf warf sich in seine Arme, eine starke Hand fiel auf seine Schulter. „Hey Kumpel, du bist also zurück." Harry lächelte nur und drückte Hermione noch ein Stück näher an sich. ‚Ja, ich bin zurück.'
Tiefschwarz war die Dunkelheit in dieser Nacht. Harry saß auf der Plattform des Astronomieturms und starrte auf die Wolken über sich. Die einheitliche Masse bedeckte die Sterne und den Mond. Er hatte nach draußen kommen müssen. Sein Geist fühlte sich eingesperrt. Klar er war wieder in den Körper eines 16-jährigen gesperrt worden. Mit diesem kamen auch alle Regeln, die mit dem Alter einhergingen. Ältere Mitschüler, Lehrer, die eigenen Freunde, alle wussten es besser, egal was er tat oder sagte. Am schlimmsten war, dass er die sechste Stufe wiederholen musste, um auch ja niemanden zu übervorteilen. Wie er sie doch in manchen Momenten am liebsten einfach hinweg fegen möchte. Doch das würde eine Pforte zu einem Weg öffnen, den er nicht noch einmal beschreiten möchte, auch wenn es nur zu einfach wäre. Wo Licht ist, ist auch Schatten; würde immer Schatten sein.
Harry spürte wie es begann in seinen Fingerspitzen zu kribbeln. Er musste diese überschüssige Energie loswerden. Es hatte sich einfach zu viel Magie angesammelt. Nachdenklich, auf der Suche nach einem Weg das am besten zu bewerkstelligen ohne großes Aufsehen auf sich zu ziehen, spielte er mit seinem Zauberstab. Hogwarts würde ihn zwar decken, aber auch sie kann nur ein gewisses Maß an magischer Energie, die plötzlich ausbricht verbergen und Harry wusste, dass das, was er los werden musste, weit über dieses Maß hinaus ging. Er würde wohl oder übel auf einen kleinen Pokertrick setzten müssen, von dem er schon jetzt wusste das es nicht gut gehen würde. Aber was sollte er tun? Besser es versuchen, als am Ende noch das Schloss in die Luft jagen. Das würde Dumbledore ganz sicherlich nicht gut heißen, egal wieviel er ihm sonst durchgehen ließ.
Severus Snape murmelte unverständliche Obszönitäten vor sich hin, als er durch die dunklen Gänge schritt. ‚Ach Severus, könntest du nicht die magischen Ausbrüche untersuchen, die seit drei Nächten Hogwarts heimsuchen. Ich würde es ja selber machen, aber du weißt ja,…' ‚Klar Albus, immer Albus, gerne Albus. Manipulativer Bastard, weiß doch sicherlich schon lange wer oder was dahinter steckt. Aber wer muss wieder die Drecksarbeit machen? Der gute, alte Severus, Mädchen für alles…'
Severus bog gerade um die Ecke, als wieder ein Ausbruch von magischer Energie durch die Steine zog. Nur wenige bekamen so etwas mit. Man musste erfahren sein um die verschiedenen magischen Energien, die in der Welt existierten - zumindest grob - von einander unterscheiden zu können. Hogwarts gelang es ganz gut, einen großen Teil davon für ihre eigene auszugeben, doch noch immer blieb ein Teil übrig, der sich durch die Steine in alle Richtungen ausbreitete und den jenigen, die ihn lesen konnten, die Nackenhaare zu Berge stehen ließ.
Severus hatte so eine Ahnung wer der Verursacher war. Auf der kahlen Wand vor ihm erschien plötzlich eine Tür. Vorsichtig öffnete der Tränkemeister sie und? Richtig, „Potter!".
Harry drehte sich zur Stimme und ließ gleichzeitig seinen Stab sinken, den er noch eben zum nächsten Spruch bereitgehalten hatte. „Professor, wie schön Sie zu sehen", flötete er. Snape schnaubte nur als Antwort und sah den anderen erwartungsvoll an. Harry ließ sich nicht beirren. „Ich habe eine Erlaubnis, mich noch auf den Gängen aufzuhalten." Als Antwort streckte sich ihm nur eine langfingrige Hand entgegen. Harry lachte leise und suchte das Stückchen Papier vom Schulleiter aus seinen Hosentaschen. Snape nahm mit etwas Abscheu das total zerknitterte Stück Papier entgegen. Mit Fingerspitzen, als würde er eine frische tierische Trankzutat sezieren, zog er es auseinander. Er las es sich mehr mals durch. Der Bengel hatte Recht, Albus gab ihm mit diesem Schriftstück die Erlaubnis sich nachts im Schloss bewegen zu können und zu trainieren, vorrausgesetzt er störe niemanden, verließ das Gelände nicht oder begab sich sonst wie in Gefahr. Das Pergament trug sogar dessen magische Signatur. Und doch... irgendetwas fühlte sich daran seltsam an. Snape konnte nicht ganz den Finger darauf legen, aber sein Instinkt hatte ihn selten getäuscht. Er faltete das Stück sorgfältig zusammen und steckte es in eine seiner zahlreichen Gewandtaschen.
„Komm mit Potter, wir klären das am besten mit dem Schulleiter." Immerhin hatte Albus ihm einen Auftrag gegeben. Harry seufzte nur und fügte sich. Warum musste er auch ausgerechnet an Snape geraten? Der Mann war einfach zu misstrauisch und seine Instinkte zu gut.
Schulleiter Dumbledore saß lächelnd hinter seinem massigen Schreibtisch, Fawkes streichelnd. Nur die leuchtend Lila Nachtmütze zeugte davon, dass er auf diesem Stuhl nicht festgewachsen war.
„Severus! Was führt dich zu so später Stunde zu mir? Hast du die Ursache für die Ausbrüche schon gefunden?" Der Tränkemeister verzog die Augen zu Schlitzen, die blauen Augen des anderen funkelten einfach ein Stückchen zu sehr bei dieser Frage, doch er würde mitspielen, alles andere würde in stundenlangen Spielchen ausarten, zu denen er heute einfach keine Kraft mehr hatte.
„Habe ich Albus. Mister Potter." Harry lächelte kalkuliert scheu.
„Ah Harry, ich hatte so etwas schon vermutet. Warum hast du mir nicht bescheid gesagt, dann hätten wir was für ein Training aushandeln können."
„Aber Schulleiter, anscheinend haben Sie bereits eine Erlaubnis erteilt", kam es trocken von Snape und dieser reichte dem älteren Magier gleichzeitig das Stück Papier.
Dumbledore betrachtete es nachdenklich, fuhr ein paar Mal mit seinem Stab darüber und murmelte dabei leise.
„Sieh an, sieh an… Hmmm… Sogar die magische Signatur. Nicht perfekt, aber einem oder auch zweiten Blick durchaus standhaltend." Er strich nachdenklich durch den langen Bart. „Aber sag mir, warum?"
„Weil ich es konnte? Und Sie nicht um Erlaubnis bitten wollte, nicht konnte."
„Aber wo hast du gelernt meine Signatur zu fälschen, kein leichtes Unterfangen, wie ich anmerken möchte." Harry lachte leise.
„Ich gebe Ihnen Recht. Ich habe drei Jahre gebraucht, um diesen Stand zu erreichen."
„Aber warum?"
„Um Sie besser zu verstehen, zu wissen wer Sie sind, wie Sie denken, wie Sie funktionieren."
„Warum, Potter?"
„Um Albus Dumbledore besser töten zu können." Und tief in Harrys Augen blitze etwas auf…
Er sah verbrannte Erde und dunkle Schatten. Einen roten Himmel und Staubwolken. Er konnte Umrisse von Ruinen ausmachen. Auf dem Boden lagen weiß leuchtend die Knochen von lang vergessenen Toten. Welches Jahr wohl war?
Die Luft stank nach Verwesung, nach ‚Zu Spät' und ‚Längst Vorbei', nach zerbrochenen Träumen und Hoffnungen. Am Himmel kreisten abgewetzte Gestalten. Waren es Vögel? Oder einfach nur Gespensterfetzten die diese Welt zusätzlich noch heimsuchten?
Harry wusste, dass er nicht weiter gehen brauchte, hier würde er nichts finden, außer Tod und Finsternis. Er konnte nur hoffen, dass das Fenster ihn bald holen würde. Ehe er in dieser apokalyptischen Wüste noch den Rest seines Verstandes verlieren würde...
