Hey ihr Lieben 'knuddel'

Habe hier nun das zweite Chap meiner KG!

Wünsche euch viel Spaß beim lesen 'zwinker'

Chap 2

Nach Lilys Absturz mit James Besen hatte sich eigentlich nicht viel verändert, außer der Tatsache, dass Lily noch weniger als vorher erzählte, was Mandy am meisten zu schaffen machte, da sie sich ganz sicher war, dass Lily ihr etwas verschwieg.

An diesem Morgen kam die Post schon recht früh und Lily blickte erwartungsvoll nach oben. „Na Chiara, bringst Du mir einen Brief von zu Hause?", fragte Lily ihre Eule und streichelte ihr sanft über das Gefieder.
Lily nahm Chiara den Brief ab, und hielt ihr ein Stückchen Toast hin, wobei sie auf die Handschrift schaute, und verwundert feststellte, dass Petunia ihr schrieb.

Lily stand auf, und beschloss den Brief draußen am See zu lesen, als Kinsley Shacklebolt sie an der Tür ansprach.
"Gleich streicht sie sich ihre Haare hinter das linke Ohr und lächelt ihn an", dachte James, und verfolgte Lily aus den Augenwinkel und auch Sirius beobachtete Lily und stellte, mit einem Seitenblick auf James fest, dass Kingsley ganz gut zu ihr passen würde.

Sirius wollte gerade aufstehen, als Isabelle sich neben ihn setzte, so konnte er nicht sehen, wie Kingsley seine Hand auf Lilys Rücken legte und mit ihr die Große Halle verließ. James hingegen hatte es gesehen und dachte:
"Scheint zu klappen", und widmete sich wieder seinem Frühstück.

Lily und Kingsley trennten sich vor dem Eingangsportal. Lily ging hinunter zum See, und Kingsley in den Gryffindorturm, um seine Schulsachen zu holen.
In den ersten beiden Stunden hatten sie Wahrsagen, und da Lily dieses Fach nicht mochte, musste sie sich auch nicht beeilen, da sie wie sie sich ausdrückte, diesen „Quatsch" abgewählt hatte und dafür hatte sie nun zwei Freistunden. Darum wunderte sich auch niemand, als Kingsley alleine ins Klassenzimmer kam. Doch als Lily auch nicht zu Alte Runen und zum Mittagessen erschien, machte sich Mandy langsam Sorgen.
"Kingsley, hat Lily dir heute Morgen gesagt, wo sie hin gehen wollte?", fragte Mandy ihn nach der letzten Nachmittagsstunde.
"Sie wollte runter zum See, um noch etwas zu lernen und ein bisschen die Sonne genießen", antwortete Kingsley, und schaute dabei aus dem Fenster.
Es hatte zu regnen angefangen und so wie es aussah, zog ein Gewitter auf.

„Lily ist bestimmt nicht mehr draußen. Sie wird in der Bibliothek sein und hat wahrscheinlich nur die Zeit vergessen", resümierte Kingsley, um sich und Mandy damit zu beruhigen.

Sirius, der mit Remus auf der Couch saß, hörte aufmerksam zu.
"Lily war heute überhaupt nicht im Unterricht", stellte Sirius nachdenklich fest, als Mandy seine Gedanken laut aussprach.
"Mag schon sein, aber Lily hat noch nie den Unterricht vergessen, und Verwandlung und Alte Runen sind ihre Lieblingsfächer. Ich gehe sie suchen", rief Mandy, und lief aus dem Gemeinschaftsraum.
"Warte, ich helfe dir", rief Kingsley, und rannte hinter Mandy her.
"Ob es mit dem Brief zusammen hängt, den Lily heute Morgen bekommen hat?", fragte Remus Sirius leise, und sah diesen besorgt an.
"Keine Ahnung, aber ungewöhnlich ist es schon. Lily war auch nicht beim Mittagessen", meinte Sirius nachdenklich.
Mandy und Kingsley hatten noch ein paar andere Schüler gebeten, ihnen bei der Suche nach Lily zu helfen, aber auch nach einer Stunde intensiver Suche, hatte keiner von ihnen Lily gefunden. Mandy lief zurück in den Gemeinschaftsraum, in der Hoffnung, Lily dort anzutreffen, aber da war sie nicht und auch Grace Duik, mit der sich Lily und Mandy ein Zimmer teilte, hatte Lily nicht gesehen. Als Kingsley eine viertel Stunde später in den Gemeinschaftsraum kam, herrschte eine bedrückende Stimmung.
"Ich habe noch in den Kerker nachgesehen, aber dort ist sie auch nicht", erklärte er Mandy und schüttelte betrübt den Kopf.
"Hoffentlich ist ihr nichts geschehen", meinte Mandy leise, und ließ sich in einen der Sessel fallen.

"Suchst Du was bestimmtes, Pad?", fragte James der auf seinem Bett lag, ohne dabei die Augen zu öffnen.
"Die Karte. Sorry, wollte dich nicht wecken, Prongs", antwortete Sirius und aktivierte die Karte der Marauder.
"Nun mach schon", murmelte Sirius.
"Na endlich. Sie muss doch hier irgendwo sein", entfuhr es dem Dunkelhaarigen besorgt, als er Lilys Namen nirgends auf der Karte finden konnte.
"Wer muss wo sein?" wollte James unbeteiligt wissen, ohne sich dabei zu rühren.
"Lily", antwortete Sirius knapp, und studierte weiter die Karte.
"Vielleicht will sie nur ihre Ruhe haben und ein bisschen alleine sein", schlug James vor.
"Vielleicht! Die Frage ist nur wo, Prongs. Sie ist nicht auf der Karte zu sehen und wir haben fast alles eingezeichnet, sogar die Hälfte vom Verbotenen Wald, aber ich kann sie nicht finden", klärte Sirius James auf.
Dieser öffnete darauf nur ein Auge und meinte scheinbar unbeteiligt:
"Vielleicht ist sie nach Hause gefahren!"
Worauf Sirius nur die Augen verdrehte und James betrübt ansah.
"Ohne irgendjemanden etwas davon zusagen, hm? Sie wurde das letzte Mal beim Frühstück gesehen und Kingsley meinte, dass sie unten am See noch etwas lernen wollte, aber sie war nicht im Unterricht, falls Du dich daran erinnern kannst", schnappte Sirius.
James setzte sich abrupt auf, zog sein T-Shirt und seine Schuhe an und rief:
"Wir suchen im Wald nach ihr", und ging den Gang runter zum Gemeinschaftsraum.
Auf der Treppe blieben James und Sirius stehen und schauten sich um, als das Portraitloch zur Seite klappte und Lily in den Raum stolperte. Alle Blicke waren nun auf sie gerichtet.
"Lily! Himmel! Merlin, wie siehst Du denn aus?", rief Mandy bei Lilys Anblick entsetzt aus und stürzte sich auf sie.
Lily war klatschnass, ihre Haare tropften und hingen ihr im Gesicht, ihre Kleidung war völlig verdreckt und teilweise zerrissen ... kurz Lily befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Mandy bombardierte Lily mit Fragen und wollte sie in den Arm nehmen, wurde aber von Lily unsanft zur Seite geschoben, als Kingsley auf sie zuging und seinen Arm um sie legte. „James", rief Lily, und schüttelte mit letzter Kraft Kingsleys Arm von ihrer Schulter.
James, der sich schon umgedreht hatte, um in seinen Schlafsaal zurück zu gehen, blieb, als er seinen Namen hörte, stehen. Er wandte sich Lily zu, als diese ihm einen Brief hinhielt. James schaute Lily direkt in die Augen, in denen sich Schmerz, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und Entsetzten widerspiegelte. Er konnte sehen, dass Lily geweint hatte, aber jetzt tat sie es nicht. Er nahm den Brief, den Lily ihm entgegen streckte und konnte die ungläubigen Gesichter der anderen Schüler förmlich spüren, aber dies kümmerte ihn nicht. Er strich den Brief, der ziemlich zerknödelt und durchnässt war, wieder glatt und überflog ihn mit emotionslosem Gesichtsausdruck.
"De Winter, bring Lily in ihr Zimmer und hilf ihr beim umziehen", wies er Mandy an, drehte sich um und schritt die Treppe hoch.
Mandy verengte die Augen zu Schlitzen, konnte nicht fassen, was sich da vor ihren Augen eben abgespielt hatte. Wo andere Menschen ein Herz hatten, da war sich Mandy sicher, hatte James Potter einen Eisblock sitzen und wenn Blicke hätte töten können, dann wäre James auf der Stelle tot umgefallen.
Mandy führte Lily Richtung Schlafsaal, während die Anderen sich nur langsam aus ihrer Starre lösten. Allen war bekannt, dass James gefühllos handelte, nur bei seinen engsten Freunden und bei seinem Quiddichteam machte er eine Ausnahme, aber dies ging einfach zu weit. Nur Lily schien sich über James Reaktion nicht zu wundern.
Sirius stand immer noch auf der Treppe und konnte es nicht glauben. Er wollte einfach nicht wahrhaben, dass das eben sein langjähriger Freund war und weigerte sich zu akzeptieren, dass James wirklich zu einem gefühl- und herzlosen Monster, wie viele James nannten, geworden war. Ganz, ganz tief in seinem Inneren, wusste Sirius, dass James nicht so kalt und herzlos geworden sein konnte, wie er sich eben dargestellt hatte.
"Sirius", flüsterte eine blass gewordene Isabelle und schlang ihre Arme um ihn.
Dieser strich ihr zärtlich über den Kopf und drückte sie fest an sich.
"Prongs braucht auch eine Freundin. Warum nur stößt er alle von sich?" dachte Sirius bitter.
Es gab schon das eine und andere Mädchen, das es versucht hatte und James hatte ihnen auch immer gesagt, was er von ihnen wollte. James tat ihnen nicht weh und die Mädchen wussten genau, auf was sie sich einließen, trotzdem hatten manche gehofft, dass sie mehr für James waren, als ein One-Night-Stand, doch mehr ließ James nie zu, nie!
Sirius setzte sich mit Isabelle auf die Couch und sein Blick schweifte durch den Raum. Er entdeckte Kingsley, der traurig und verletzt in einem Sessel hockte, als Mandy wieder in den Gemeinschaftsraum kam. Sofort sprang Kingsley auf und ging auf Mandy zu.
"Wie geht es Lily? Was ist passiert?", wollte der junge Gryffindor wissen und seine Stimme überschlug sich beinahe, wobei man die Sorge um Lily deutlich heraushören konnte.
"Ich weiß nicht was passiert ist. Lily blockt total ab und erzählt nichts. Sie möchte alleine sein und hat mich einfach weggeschickt", antwortete Mandy traurig und tief enttäuscht.
"Daran ist nur dieser elende Bastard Schuld. Ich habe doch schon immer gesagt, dass er ein Monster ist", rief Mandy schrill und ihre Worte trafen Sirius wie Peitschenhiebe.

Es tat ihm weh, so was über James zu hören, dies hatte er nicht verdient.
"Mandy", rief eine Stimme.
Grace war aus ihrem Sessel aufgestanden und sie schien in einer Art Trance zu sein. Um sie herum war weißer Nebel, aus der sich eine Gestalt heraus kristallisierte. Sie trug ein langes weißes Nachthemd und ihre langen Haare wehten wie im Wind! Lily.
"James ist alles, aber kein Monster", sagte die virtuelle Lily, drehte sich um und lief auf Grace zu, löste sich auf, bevor Grace wieder aus ihrer Trance erwachte und in ihren Sessel zurück fiel.
Grace hat seherische Fähigkeiten, die sie von ihrer Großmutter geerbt hat, aber bis heute hatte sie es noch nicht geschafft, eine bildliche Version darzustellen.
Mandy schaute panisch auf die Szene vor sich, sie musste sich bei Lilys Anblick an Kingsley festhalten, ihre Beine drohten ein zuknicken. Als sich die virtuelle Lily wieder aufgelöst hat, zitterte Mandy am ganzen Körper und sie keuchte laut auf. Es war Mucksmäuschen still, keiner wagte ein Wort zu sagen.
"Isa, ich gehe nach James sehen, kümmere dich ein wenig um Mandy", bat Sirius seine Freundin, gab ihr einen Kuss und ging in seinen Schlafsaal.
"Prongs! Du glaubst nicht was eben passiert ist", rief Sirius, als er die Schlafsaaltür öffnete und blickte sich verdutzt um.
"Wo ist er denn?" überlegte Sirius und schaute im Badezimmer nach, aber da war James auch nicht.
Sirius griff nach der Karte der Marauder, die auf James Nachtschrank lag, aktivierte sie wieder und schaute, wo sein Freund sein könnte, als er bemerkte, dass James Tarnumhang nicht mehr an seinem Platz war.
"Na schau mal einer an", schmunzelte Sirius überrascht und ließ den Punkt, der mit „James Potter" beschriftet war, nicht aus den Augen.
James öffnete leise Lilys Schlafsaaltür, trat ein und verschloss sie mit einem leisen „Colloportus". Er konnte den Schmerz, den Lily empfand, regelrecht fühlen. Es war der gleiche Schmerz, den er auch vor zwei Jahren gefühlt hatte, als man ihm den wichtigsten Menschen in seinem Leben genommen hatte.

An jenem Tag, vor nun fast zwei Jahren, wollte er mit seiner Grandma in Muggellondon ein paar Freunde besuchen. Als sie in die Strasse einbogen, sahen sie schon die brennenden Häuser und die vielen leblosen Körper auf den Gehwegen und in den Gärten liegen. Seine Grandma wies ihn an, weg zulaufen, aber es war schon zu spät. Voldemorts Anhänger hatten sie schon eingekreist. Grandma stellte sich schützend vor ihm, wollte nicht, dass ihm etwas passiert.

Wo waren nur die Auroren, wenn man sie am meisten brauchte?", hatte sich James immer wieder gefragt.
Seine Eltern, die als die besten Auroren Englands bezeichnet wurden, wo waren sie? Wo sein Vater war, wusste James, er versuchte seinem Sohn und seiner Mutter zu helfen und seine eigene Mutter? Wo war sie, wenn er sie mal brauchte? Wie immer zu sehr mit wichtigeren Dingen beschäftigt. In diesem Fall, war sie damit beschäftigt, Muggel vor den Todessern zu schützen. James gab den Muggeln keine Schuld, sie konnten schließlich nichts dafür, dass wusste er, aber seine Mutter, die konnte was dafür. Wenn sie nicht unbedingt wieder arbeiten gehen müsste, um eine der besten Auroren zu sein, dann hätte sie ihn auch nicht zu seiner Grandma abgeschoben, die ihn im Laufe der Jahre der wichtigste Mensch geworden war. Ihr vertraute er all seine Geheimnisse, Sorgen und Wünsche an. Sie holte ihn immer vom Bahnhof ab, freute sich ihn zu sehen und brachte ihn, mit Tränen in den Augen, nach den Ferien wieder zum Bahnhof. Grandma war für ihn all das, was seine Mutter für ihn hätte sein sollen, aber sie wollte ihn nicht. Wollte nicht nur Mutter sein, darum beschützte sie auch die Muggel und nicht seine Grandma und ihn. Sein Vater versuchte alles, um Grandma und ihn, aus der Schusslinie zu bringen, aber es waren einfach zu viele. Viel zu viele und dann sah er, wie seine geliebte Grandma zu Boden sackte, getroffen von einem grünen Strahl. James glaubte in diesem Augenblick, sein Herz würde in tausend Teile zerspringen und diesen Schmerz, den er empfand, raubte ihm die Stimme, unfähig zu denken oder sich zu bewegen, ließ er zu, dass ihn sein Vater fortbrachte. Fort von dem Menschen, der bis dahin das wichtigste in seinem jungen Leben war.

Lily saß mit angezogenen Beinen auf ihrem Bett und wippte mit ihrem Oberkörper vor und zurück. Den Kopf hatte sie auf ihre Knie gestützt und sie schluchzte, wobei ihr zierlicher Körper zitterte. James ging auf Lily zu, die zwar geduscht und einen trockenen Hausanzug an hatte, doch ihre Haare waren immer noch nass. James nahm den Tarnumhang von sich, holte seinen Zauberstab aus der Tasche und trocknete Lilys Haare damit.
"Weißt Du, James, ich dachte, dass dein Besen intelligent ist, aber das ist er nicht, denn wenn er es wirklich wäre, so wie ich gedacht hatte, dann hätte er mich auf den Boden stürzen lassen und mir dies alles erspart. Er ist nicht intelligent, ist er nicht", schluchzte Lily, und dicke Tränen lief ihr über das Gesicht.
James richtete sich bei ihren Worten auf.
"Ich habe gemeint, was ich gesagt habe", antwortete er ihr ruhig, aber bestimmt.
Doch er wusste, dass sie nichts hören wollte. Sie wollte nur gehalten, in den Arm genommen werden, ohne zu reden oder irgendetwas erklären zu müssen, sonst hätte sie Mandy nicht weg geschickt. Nur in den Arm genommen werden, von jemanden, der ihren Schmerz, ihre Wut nach empfinden konnte. James wusste, dass es das war, was sie wollte, er wäre auch damals gerne in den Arm genommen, einfach nur gehalten worden, ohne Erklärungen. James sah Lily an und ihre Augen spiegelten all das wieder, was er nur zu gut kannte. Er setzte sich auf Lilys Bett und nahm sie, ohne ein weiteres Wort zu sagen, in seine Arme.
James wusste in diesem Moment, in dem er Lily umarmte, dass sie damals nicht gefragt hätte, warum er denn so ein Gesicht ziehen würde, schließlich würden seine Eltern doch noch leben! Lily hätte seine Trauer und seinen Schmerz verstanden und hätte nicht über ihn gelacht, als er anfing zu weinen. Aber Lily war nicht da gewesen und an diesem Tag hatte James sich geschworen, nie wieder seine Gefühle einem anderen zu zeigen, nachdem Mandy de Winter ihn lächerlich gemacht hatte. Er hing noch eine Weile seinen Gedanken nach, als er bemerkte, dass Lily nicht mehr weinte. Ihr Körper zitterte auch nicht mehr so unkontrolliert. James löste vorsichtig die Umarmung und schaute sie an, sie schlief.
"Sie hat sich in den Schlaf geweint", dachte er bei sich und legte Lily richtig hin.

James betrachtete Lilys Gesicht. Sie war immer noch sehr blass und ganz deutlich konnte man die Spuren sehen, die die vielen Tränen hinterlassen hatten. Plötzlich zuckte Lily zusammen, wachte aber nicht auf und James wollte ihr gerade über ihre Wange streicheln, als er inne hielt.

„ Was, wenn sie gar nicht von mir berührt werden will? Schließlich hat sie mich nicht darum gebeten. In den Arm genommen zu werden, ja das wollte sie. Ich konnte es in ihren Augen sehen, aber alles andere? Es gibt mit ihr keine Abmachung, wie mit den anderen Mädchen, die zugestimmt haben. Doch Lily hat nicht zugestimmt, ich habe sie nicht mal danach gefragt. Was, wenn sie aufwacht, schreit und um sich schlägt?", überlegte James, und griff instinktiv nach seinem Tarnumhang, folgte dann aber doch seinem ersten Impuls und strich Lily vorsichtig, ja fast schon ein wenig unbeholfen, über die Wange.
James stellte fest, dass Lilys Haut ganz weich war und wartete gespannt darauf was nun passieren würde. Doch Lily wachte nicht auf, sie schrie auch nicht und schlug auch nicht um sich. Auf ihrem Gesicht erschien ein Lächeln. James hielt unbewusst den Atem an und schaute weiter wie gebannt, auf das lächelnde Gesicht vor ihm. Er, den alle für kalt und gefühllos hielten… für ein Monster, er hatte sie beruhigen können, ja sogar zum Lächeln gebracht. James legte sich vorsichtig neben Lily, spürten ihren Atem, fühlte die Wärme, die von ihrem Körper ausging und eine innere Ruhe bereitete sich in seinem Körper aus.

Sirius hatte sich mit der Karte auf sein Bett gelegt und beobachtete genau die beiden Punkte im Schlafsaal der Mädchen. Sirius wusste, dass etwas Schlimmes passiert sein musste, wenn Lily James, und nicht einer ihrer Freundinnen, den Brief zum Lesen gab. Sirius freute sich auf der einen Seite, dass James, wenn auch heimlich, zu Lily gegangen war, aber auf der anderen Seite tat Lily ihm auch Leid, weil er sich sicher war, dass James nie und nimmer freiwillig den Mädchenschlafsaal betreten hätte, wenn es nichts schlimmes gewesen wäre, etwas sehr schlimmes, so vermutete es Sirius zumindest.
Als sich der Punkt „James Potter" bewegte, flehte Sirius seinen Freund in Gedanken an, nicht gleich wieder zu gehen und Lily alleine zu lassen. Als er aber sah, dass James das Zimmer nicht verließ, entwich Sirius ein Seufzen und ein trauriges Lächeln huschte über sein Gesicht. Nun hatte er die Gewissheit, dass etwas ganz schlimmes in dem Brief gestanden haben musste, den Lily bekommen hatte, sonst wäre James schon längst wieder gegangen.

James blickte auf den Wecker neben sich und stellte fest, dass es bald Abendessen gab. Er überlegte, Lily zu wecken, da er sich sicher war, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, entschied sich dann aber, sie schlafen zu lassen. Leise, um Lily nicht auf zuwecken, stand James auf, nahm die vielen Briefen und das Päckchen vom Boden, griff nach seinem Tarnumhang und verließ so leise und unsichtbar, wie er gekommen war den Schlafsaal und ging zurück in seinen eigenen. Als er die Tür öffnete, sah er Sirius auf seinem Bett liegen, auf seiner Brust lag die Karte der Rumtreiber und James war sich sicher, dass er ihn beobachtet hatte. James war Sirius nicht böse deswegen, er hätte es ganz genauso gemacht. James nahm die Karte, deaktivierte sie und legte sich auf sein Bett, um später mit Sirius zum Abendessen zu gehen.
James überlegte, wie er Lily helfen könnte, obwohl er sich geschworen hatte, niemanden, außer Peter, Remus und Sirius zu helfen und schon gar nicht einem Mädchen, aber das hier war etwas anderes. Lily hat ihn nicht um Hilfe gebeten und ihm kam eine Idee, wie er ihr vielleicht helfen könnte.
Er zauberte das Päckchen, welches er aus Lilys Zimmer mitgenommen hatte, klein und steckte es zu den Briefen in seine Umhangtasche.

Nach dem Abendessen machte sich James auf den Weg zu Dumbledores Büro. Am Wasserspeier nannte er das Passwort und diesmal klopfte er an, und wartete auf ein „Herein" des Schulleiters, bevor er das Büro betrat.
"Guten Abend James, was führt dich zu mir?" fragte Dumbledore ihn freundlich.
"Ich müsste dringend mit meinem Vater sprechen, Professor", antwortete James knapp.
Dumbledore musterte James kurz. Er wusste, dass es wirklich wichtig sein musste, wenn James seinen Vater sprechen wollte, kannte er doch das angespannte Verhältnis zwischen ihnen. Er nickte James zu, stand auf und verschwand für kurze Zeit im Kamin.
"Dein Vater ist in einer Besprechung im Ministerium, wird aber in ein paar Minuten hier sein", erklärte Dumbledore James, als er wieder aus dem Kamin stieg.
"Du kannst hier auf ihm warten. Schließe bitte die Tür, wenn Du wieder gehst", darauf verließ der alte Mann sein Büro, und ließ James allein.
James stellte sich ans Fenster und überlegte, ob es richtig war, seinen Vater um Hilfe zu bitten, aber wen hätte er sonst fragen können?
Die Flammen im Kamin flackerten auf und Mr. Potter trat aus diesem.
"James, mein Junge, wie geht es dir? Albus sagte mir, das du etwas Dringendes mit mir besprechen möchtest."
"Hallo Dad, ist richtig, ich möchte was Wichtiges mit dir besprechen. Ich wollte dich fragen, ob Du mir helfen kannst", entgegnete James, und erzählte seinem Vater warum es ging.
Dass Petunia Lilys Briefe an ihre Eltern alle abgefangen hatte, dass sie einen Brief sogar gefälscht hatte, in dem sie behauptete, dass Lily lieber in der Zauberwelt bleiben möchte, statt nach Hause zurück zu gehen, dass sie auch nicht zu der Geburtstagsparty ihres Vaters und zur Hochzeit ihrer Schwester kommen würde, lieber würde sie in Hogwarts bleiben und zu guter Letzt hat Petunia auch noch das Geschenk, welches Lily für ihren Vater gekauft hat, zurück geschickt mit der Aufschrift „Annahme verweigert! Wir nehmen nichts von Freaks". James erzählte von Petunias Brief, den Lily heute morgen bekommen hat, in dem sie berichtete, dass sie es geschafft hat, ihre Eltern davon zu überzeugen, dass Lily nicht mehr in ihre Welt passen würde, weil sie doch eine Hexe war und, dass es wohl das Beste für alle wäre, Lily einfach zu vergessen, worauf ihre Eltern zustimmten. Petunia hatte Lily eindringlich gewarnt, noch weitere Versuche zu unternehmen, da Lily ja wohl noch wissen würde, dass ihr Vater ein schwaches Herz hat.
Mr. Potter sah seinen Sohn entsetzt an und konnte kaum glauben, dass diese Petunia so etwas machen konnte.
"Und was genau möchtest du nun von mir?" fragte er seinen Sohn vorsichtig.
James kramte alle Briefe und das Päckchen aus seiner Tasche und gab sie seinem Vater.
"Ich möchte, dass du die zu Lilys Eltern bringst und ihnen sagst, wie es wirklich abgelaufen ist. Sie werden die Handschrift von dieser Petunia erkennen und wissen, dass sie gelogen hat. Lily ist noch nicht volljährig und darf Hogwarts nicht so einfach verlassen, ohne in Kauf zunehmen, von der Schule zu fliegen, das weißt du, Dad", erläuterte James seine Bitte.
"Verstehe, es ist nur so, dass ich für die nächsten Tage einen Auftrag habe, wir waren gerade in der Abschlussbesprechung, als Albus mich kontaktierte und ich weiß nicht genau, wie lange ich unterwegs sein werde", erklärte Mr. Potter seinem Sohn, und sah ihn entschuldigend an.
"Aber,…!"
"Nein", unterbrach James ihn barsch.
" Auf einen Tag früher oder später kommt es nicht an. Es reicht, dass Du zu ihnen gehst, wenn Du wieder zurück bist. Dad, ich bitte dich nicht sehr oft um irgendetwas", entgegnete James.
Mr. Potter nickte und sah seinen Sohn traurig an.
"Ich werde zu den Evans gehen, und ihnen Lilys Briefe und das Päckchen bringen. Vielleicht dauert es nicht so lange wie geplant", sagte Mr. Potter mit trauriger Stimme.
"Danke Dad, und viel Glück und pass auf dich auf", dabei drückte James seinen Vater und verließ das Büro.

"Mrs. Evans, Sie möchten bitte nach der Stunde in das Büro des Direktors kommen", wies Madame Sprout, Lily kurz vor Ende der Stunde an.
James ahnte schon, warum Lily in Dumbledores Büro kommen sollte, sein Vater hatte also Wort gehalten. Lily dagegen hatte keine Ahnung, was Dumbledore von ihr wollte und fühlte sich ein wenig mulmig. Als es klingelte, packte Lily schnell ihre Tasche und verabschiedete sich von ihren Freundinnen, um ins Schloss zu eilen. Vor Dumbledores Bürotür atmete Lily noch einmal tief durch und klopfte dann an.
"Herein", rief der Schulleiter, und Lily öffnete die Tür und ging ins Büro.
"Ah Ms. Evans, schön dass Sie so schnell kommen konnten", lächelte Dumbledore Lily freundlich an.
"Hier ist jemand, der Sie sehr gerne sprechen möchte", fuhr Dumbledore geheimnisvoll fort und zeigte auf den Kamin, vor dem drei Sessel standen.
Lily schaute ihren Schulleiter verwirrt an, als zuerst ihr Vater und anschließend ihre Mutter aufstanden und sich zu ihr umdrehten.
"Mum! Dad! Wie kommt ihr denn hierhin?" fragte Lily perplex, und lief auf ihre Eltern zu, die sie stürmisch in eine feste Umarmung zogen.
"Lily, Liebes, mein Engel es tut uns so unendlich leid. Wir haben nicht gewusst, was Petunia gemacht hat", flüsterte Mrs. Evans und Tränen liefen ihr über das Gesicht.
Mr Evans strich über Lilys Haare und küsste sie auf die Stirn. Lily weinte nun auch und sie drückte und küsste ihre Eltern abwechselnd und konnte ihr Glück kaum fassen. Mr Und Mrs Evans erzählten Lily, wie sie Petunia zur Rede gestellt haben, die dann unter Tränen gestanden hat, dass sie Lily verabscheute, weil sie eine Hexe war und in ihren Augen nicht normal und somit auch nicht in die Familie passen würde. Als Mr Evans sich für das Geschenk bedankte, stutze Lily und sah ihre Eltern fragend an.
"Woher wisst ihr das eigentlich alles, und wie kommst Du an das Geschenk?" verlangte Lily mit einem Mal zu wissen.
Ihr Vater lächelte sie an.
"Wir wollten gerade frühstücken, als," dabei zeigte er auf Mr. Potter, der am Fenster stand,

„ mit einem lauten Knall in der Küche stand und uns alle zu Tode erschreckt hat", schmunzelte Mr Evans.
Lily starrte Mr Potter an und flüsterte:
"James", worauf ihr Vater mit dem Kopf schüttelte und sagte:
"Nein, mit James hat er sich nicht vorgestellt, er sagte sein Name sei Mortimer Potte".
Lily und Mr Potter lachten laut auf.
"Sie haben schon Recht, Ms Evans. James hat mir erzählt, was Ihre Schwester gemacht hat und mich gebeten mit Ihren Eltern Kontakt auf zunehmen", klärte er Lily auf, wobei Lily lächelnd mit dem Kopf nickte.
"Ms Evans, Sie dürfen für zwei Tage mit Ihren Eltern nach Hause fahren und an der Geburtstagsparty Ihres Vaters teilnehmen", schaltete sich Dumbledore nun in die Unterredung mit ein.
"Sie sollten in ihren Schlafsaal gehen und ein paar Sachen einpacken. Ihre Eltern werden hier auf Sie warten", meinte Dumbledore.
"Professor, wie kommen meine Eltern denn zurück nach Hause?", wollte Lily wissen.
Dumbledore sah sie amüsiert an und gluckste:
"Habe ich das nicht erwähnt? Mr Potter hat den Kamin Ihrer Eltern vorübergehend an das Flohnetzwerk angeschlossen".
"Meine Eltern reisen durch den Kamin?", hakte Lily skeptisch nach und zog ihre Augenbrauen hoch.
"Warum denn nicht? Wir wollten schon immer mal wissen, wie es ist, durch den Kamin zu reisen", lachte Mrs Evans und drückte ihre Tochter.
"Nun beeil dich aber Liebes, ich muss noch eine Menge vorbereiten."
Lily staunte nicht schlecht über die Worte ihre Mutter, versprach aber sich zu beeilen und lief aus dem Büro.
Hastig packte sie das Nötigste zusammen und verließ mit schnellen Schritten den Gryffindorturm, aber statt sofort zurück ins Büro des Schulleiters zu gehen, lief sie erst noch nach draußen zum Quidditchfeld. James der gerade aus der Kabine kam, wurde von Lily fast über den Haufen gelaufen. Erschrocken sprang er zur Seite und wollte gerade etwas sagen, als Lily ihm um den Hals fiel.
"Vielen, vielen Dank James! Für alles", dabei küsste sie ihn auf die Wange.
" Du bist der Beste", fügte Lily noch strahlend an.
"Vergiss es nur nicht", entfuhr es James.
Erschrocken, über das, was er eben gesagt hatte und panisch, wie Lily darauf reagieren würde, wich er einen Schritt von ihr weg.
"Werde ich nicht", flüsterte sie ihm zu, und James konnte sehen, dass sie es ehrlich meinte.
Lily hätte ihm gerne, über die Wange gestreichelt, wusste aber, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt dafür war, stattdessen sagte sie:
"Pass gut auf ihn auf", und streichelte sanft über James Besen, wobei James nicht sicher war, wer nun auf wen aufpassen sollte.
Ohne James noch einmal anzusehen, lief sie zurück ins Schloss, nahm am Eingang ihre Tasche auf, um in Dumbledores Büro zurück zukehren.

Ich hoffe, es hat euch gefallen

liebe Grüße jas