Erschöpft ließ sich der Rotschopf auf sein Bett fallen und bettete seinen Kopf auf sein Kissen.
Gerade erst waren seine beiden Brüder wieder verschwunden. Sie hatten ihn in ihre Arme geschlossen und so gut getröstet, wie sie nur konnten.
Er war ihnen wirklich zu Dank verpflichtet.
Nun jedoch war er wieder alleine, und langsam begann er die Strapazen des Tages zu spüren. Die Müdigkeit hatte ihn befallen, und am liebsten wäre er sofort eingeschlafen, doch er wollte sich zuerst noch duschen gehen. Seine Kleidung war noch immer nass vom Schnee und auch dreckig von der Erde, auf der er gesessen hatte.
Er nahm alle seine Kräfte zusammen und erhob sich ein letztes Mal für heute von seinem Bett. Schlaftrunken schlurfte er in das einst gemeinsame Bad, welches er sich mit seinem Zwilling geteilt hatte. Nun jedoch war es seines alleine.
So schnell wie es ihm in diesem Zustand möglich war, entledigte er sich seiner Kleidung und verschwand dann sofort unter der Dusche. Er drehte das Wasser heiß auf, denn sein Körper fühlte sich nicht nur psychisch, sondern auch physisch kalt an. Immerhin war er doch ohne Jacke oder warmen Pullover aus seinem Elternhaus geflüchtet und dann für einige Zeit bei Minusgraden im Schnee gekniet. Doch erst als er mit seinen beiden Brüdern gesprochen hatte, war ihm dies bewusst geworden.
Nun wärmte das heiße Wasser ihn langsam aber sicher auf. Sein Körper schien in Flammen aufzugehen, während die Durchblutung langsam wieder zu einem normalen Zustand zurückkehrte. Er schloss die Augen und seufzte.
Wenn er früher ein Problem gehabt hatte, so schien es ihm manchmal, wenn er sich einfach gehen ließ, als ob das Wasser alle seine Sorgen mit sich nehmen würde und ihn wieder zum alten George machte. Aber wie unwichtig waren all diese Probleme doch gewesen… Den Verlust der zweiten Hälfte seiner Seele konnte das Wasser nicht lindern. Selbst wenn er noch so lange unter dem aufgedrehten Duschkopf stehen blieb, würde es nicht besser werden.
Von dieser trübsinnigen Kenntnis befallen, drehte er das Wasser leicht enttäuscht ab und stieg aus der Duschkabine heraus.
Als sein Blick den beschlagenen Spiegel streifte, blieb er dort hängen.
Er sah sein eigenes Gesicht, verschwommen. Seine beiden Augen waren wie zwei Farbtupfe auf seinem erschreckend bleichen Gesicht, umrahmt von einem roten Haarschopf, von welchem unablässig Wasser tropfte. Doch weil die Scheibe beschlagen war, konnte er keine Details erkennen. Alles war unförmig, als hätte man dem Bild jegliche Feinheiten entzogen.
Genau so fühlte er sich.
Ohne die Lachfalten, ohne das strahlen in den Augen, ohne Feinheiten, war das Bild von ihm unvollständig. Mit dem Verlust seines Seelenverwandten, hatte er nicht nur den Lebensmut verloren, sondern auch sich selbst. Er war nun diese verschwommene, unvollständige Persönlichkeit in dem beschlagenen Spiegel.
Nach einer unendlich langen Zeitspanne, so schien es ihm, hatte er endlich die Kraft sich von diesem verzerrten, jedoch seltsamerweise der Wirklichkeit entsprechenden Spiegelbild abzuwenden.
Schlussendlich lag er wieder in seinem Bett. Seine Haare waren wieder trocken und sahen aus wie immer, und auch der Spiegel zeigte ihn wieder so, wie man ihn von Außen sah. Sein Innenleben war wieder zu seinem eigenen geworden.
Die Müdigkeit bedrängte ihn nun immer mehr. Erschöpft zog er die Decke an sich. Schon kurz darauf hatte er kaum mehr Kraft, seine Augen offen zu halten. Er warf einen letzten Blick in den abgedunkelten Raum, dann konnte er sich nicht mehr wehren und schlief ein.
Schon kurz darauf zuckten seine Augenlieder wieder.
War er überhaupt eingeschlafen? Er fühlte sich nicht mehr müde, sondern vollkommen erholt und regeneriert. Hatte er wirklich so lange geschlafen, dass er jetzt einfach aufstehen konnte und sich wie neugeboren fühlte?
Er wollte sich aus seiner Seitenlage herausdrehen, doch als er sich mit seinen Hände abzustützen versuchte, spürte er, dass der Untergrund fest war, bei weitem nicht so weich wie sein Bett, obwohl es ihm hier auch nicht ungemütlicher schien als auf der weichen Matratze.
Leicht widerwillig entschied er sich dazu, nicht wieder zu versuchen, einzuschlafen. Er blinzelte verschlafen, doch dann schlug er seine Augen ganz auf und erhob seinen Oberkörper.
Er war an einem fremden Ort, und überall um ihn herum waberte Nebel. Es war jedoch nicht diese beunruhigende Art von Nebel, wie sie sich manchmal auf Friedhofshügeln bildete, und bei welcher man jeden Moment erwartete, von einem heimtückischen Etwas angefallen zu werden. Hier war eher jene Art von Nebel um ihn angesammelt, die auf Bildern von Engeln abgebildet war, um der Szene eine geheimnisvolle Seite zu verleihen.
Der Rotschopf fühlte sich trotzdem etwas unsicher. Leicht schwankend stellte er sich auf seine Füße und bemerkte, dass der Nebel stets in einem sicheren Abstand zu ihm im Raum stand. War es überhaupt ein Raum, in dem er sich befand?
Unsicher hob er seinen Fuß um einen Schritt vorwärts zu gehen, doch sowie er den Boden wieder berührte, stob der Nebel mit einem Mal auseinander, und eine ihm vertraute Umgebung nahm Gestalt an.
Er stand in dem Zimmer, dass er viele Jahre lang im Fuchsbau sein Eigen hatte nennen können. Oder zumindest zur Hälfte, denn er hatte dort stets mit seinem Zwillingsbruder gelebt. Dieser Gedanke jedoch versetzte ihm einen schmerzhaften Stich, und so verdrängte er ihn rasch wieder.
Ihm fiel auf, dass das Zimmer genauso aussah wie beim letzten Mal, als er es betreten hatte, am Tag von Bills und Fleurs Hochzeit. Die Betten waren fein gemacht, und es lagen keine Scherzartikel herum, welche gerade dabei waren, den letzten Schliff zu bekommen. Kein einziger Bestellschein flatterte herum.
Es war beinahe gruselig, dieses Zimmer hier zu haben, ohne dass es auch nur eine Spur von dem Chaos aufwies, dass er und sein Bruder immer angerichtet hatten.
Sehnsucht nach seinen Kindstagen befiel ihn ohne Warnung, als er sich zu dem Fenster wandte, welches einen hübschen Ausblick auf die Hügel hatte. Er brachte es kaum über sich, noch weiter dem schier unendlich starken Druck zu entfliehen, mit welchem die Erinnerungen auf ihn zuzurasen schienen. Er stellte sich zum Fenster und blickte durch die Scheibe, wurde jedoch von seiner zarten Spiegelung daran gehindert, allzu viel ausmachen zu können. So ließ er sich doch von seinen Gedanken überrollen, schien beinahe darin zu ertrinken…
„George!"
Die Stimme holte ihn schneller wieder an diesen fremden und doch vertrauten Ort zurück, als auch nur irgendetwas anderes es je vermocht hätte.
Noch während er sich umwandte, begann sein Blick zu verschwimmen, denn Tränen sammelten sich bereits in seinen Augen. Seinen Gedanken waren beherrscht von der Hoffnung, es sich nicht eingebildet zu haben, was er eben gehört hatte. Konnte es denn wirklich sein…?
Als er schließlich den Urheber der ihm so bekannten Stimme erblickte, stockte ihm der Atem. Dort, gegenüber von ihm, stand tatsächlich sein Ebenbild, jedoch mit zwei und nicht einem Ohr.
Von seinen Emotionen dazu getrieben, stürmte er auf seinen Bruder zu und fiel ihm um den Hals.
„Hey, ist doch kein Grund gleich so zu weinen!", hörte er seinen Zwillingsbruder zu sich sprechen, während er ebenfalls seine Arme um ihn legte und versuchte ihn zu beruhigen.
George jedoch war wie gelähmt in seiner Trauer und der Freude, die ihn übermannten.
Erst nach einiger Zeit konnte er die Tränen zurückhalten und beruhigte sich ein klein wenig.
Sein Bruder drückte ihn ein Stück von sich weg und nahm ihn in Augenschein, wobei er ein Taschentuch aus seiner Hosentasche zog und es seinem Bruder reichte.
„Na, wie geht's dir, George?"
Bei der Nennung seines Namens hätte er am liebsten gleich wieder geweint, doch es gab so vieles, was er sagen wollte… Da konnte er sich nicht noch länger damit aufhalten.
„Was für eine beschissene Frage."
Sein Bruder lächelte ihn an und erwiderte: „Ich weiß. Aber Etikette muss sein. Du willst doch nicht, dass Mom böse wird, oder?"
Ein schwaches Lächeln huschte über Georges Gesicht, doch er konnte es nicht lange aufrechterhalten. Tausende Gedanken veranstalteten ein Rennen in seinem Kopf, alle versuchten sie als Erstes ausgesprochen zu werden.
Doch keiner von ihnen bekam eine Chance, denn Fred begann wieder zu reden: „Also weißt du, George, ich hab deinen Brief bekommen. War nicht ganz leicht zu lesen, weil die Schrift richtig krakelig war… Hast du etwa so gezittert?"
George nickte nur schwach mit dem Kopf, also fuhr sein Bruder fort: „Ich freu mich natürlich sehr für Ron und Hermine… War ja eh schon längst überfällig, aber da sind wir uns einig. Auf jeden Fall danke ich dir mal dafür… Es war ganz nett, Mal wieder etwas von dem zu erfahren, auch wenn das mit Dad und seiner Rede…"
Fred fuhr sich mit der Hand in den Nacken. Ein Zeichen dafür, dass er gerade nicht wusste, was er sagen sollte. Etwas, das George nur sehr selten erlebt hatte. Er konnte die Male an einer Hand abzählen.
Fred seufzte leicht genervt und fragte seinen Bruder kurz, ob sie sich nicht setzen wollten.
George ließ sich auf sein altes Bett fallen und strich beinahe andächtig über die Decke.
Fred lächelte und sagte: „Schon seltsam, nicht? Das letzte Mal, als wir beide noch richtig hier gewohnt haben, war das ganze Zimmer total unordentlich… Überall lagen unsere neusten Entwicklungen und Bestellscheine herum. Ich frag mich noch immer, wie wir es bloß geschafft haben, uns hier drinnen noch zu bewegen… Wo wir selbst doch eigentlich auch nicht grade Platz sparend sind."
Nun konnten beide nicht anders als sich herzhaft anzulächeln, und George lachte sogar leise.
„Nun ja… Die Zeiten haben sich geändert. Alles ist so anders geworden… Schon seltsam, irgendwie… Als du noch da warst, ist mir nie aufgefallen, wie die Zeit dahin gleitet. Wir hatten immer unseren Spaß…, " meinte George kleinlaut.
„Hey!", fiel Fred ihm ins Wort. „Wir haben noch immer unseren Spaß, und du kannst sicher auch etwas Freude am Leben finden, ohne dass ich wie ein siamesischer Zwilling an dir klebe! Außerdem bist du ja nicht allein!"
George zog skeptisch seine Augenbraue hoch und musterte seinen Zwillingsbruder mit einem Blick, der bereits alles sagte, was er hätte sagen können.
Fred fuhr lachend fort, ließ seinen Bruder dabei jedoch nicht aus den Augen: „Nur weil ich jetzt da unten, oder oben… Wie auch immer! Auch wenn ich bei euch jetzt keinen Körper mehr habe, kann ich zu euch kommen. Ihr könnt uns dann zwar nicht so wirklich sehen, aber wir sind an eurer Seite.
Wir begleiten und beschützen euch! Vielleicht nicht immer ganz so gut wie wir es als tatsächlich Lebende könnten… Aber immerhin, wir können etwas tun. Ich hab schon ein paar altbekannte Gesichter dort unten gesehen! Zum Beispiel Harrys Eltern… Die schauen gerne Mal auf einen Sprung zu ihrem Sohn, gemeinsam mit Sirius. Mit dem ist es immer ganz lustig, wenn ich ihn seh… Aber egal!
Wichtig ist, George, dass du weißt, dass du mich nicht für immer verloren hast!"
„Aber das weiß ich doch!"
Es schien Fred beinahe so, als hätte sich durch diese Worte von ihm eine Tür in George geöffnet, denn dieser begann plötzlich wie wild drauflos zu reden.
„Ich weiß doch, dass ihr immer über uns wacht und darauf Acht gebt, dass wir nicht zu viel Mist bauen oder sonst was. Ihr seid auf jeden Fall da und habt ein Auge auf uns! Aber… Trotzdem! Ich vermisse dich so schrecklich! Wenn ich nur bedenke… Wenn ich dich nicht mit Perce hätte abziehen lassen, dann wäre ich bei dir gewesen! Dann hätte ich etwas tun können!
Aber so war ich nicht einmal in deiner Nähe, als es passiert ist!
Wir haben immer gesagt, wir würden die letzten Worte des jeweils anderen hören, aber ich war nicht einmal im Entferntesten nah genug, um auch nur deine Stimme zu hören! Wer weiß, vielleicht war ich in dem Moment sogar mehr als zwei Stockwerke unter dir! Ich weiß nicht einmal mehr, wo ich zum Zeitpunkt deines Todes war!
Ich habe immer geglaubt, wir würden zusammenbleiben! Ist dir schon einmal aufgefallen, dass wir nie an den Tod gedacht haben? All die Jahre! Wir waren immer überzeugt, dass es uns beide nur zu zweit oder gar nicht gibt!
Aber was ist jetzt?
Ich sitze in UNSEREM Haus, allerdings ohne dich! Alleine! Aus unserem Bad wurde mein Bad, aus unserem Laden mein Laden! Aus unserer Familie meine Familie! Wir haben uns immer alles geteilt, und plötzlich gehört alles mir alleine, und ich komme damit nicht klar! Ich wollte deine Hälfte nie haben, und ich brauchte sie ja auch nie, weil ja immer du deine Hälfte hattest, und du aber immer an meiner Seite warst! Du warst die Hälfte meiner Existenz!
Und jetzt… Ganz plötzlich bist du weg! Ich hatte keine Chance mich darauf vorzubereiten! Ich bin in die große Halle gekommen, weil Dad mich gesucht hat! Und dort hast du gelegen, neben Lupin und Tonks! Ich bin zu dir gerannt, aber was auch immer ich getan habe, du hast dich nicht gerührt! Du hast nur gelächelt! Immer als Toter vor dich hin gelächelt, mit geschlossenen Augen, als würdest du einen schönen Traum haben und jeden Augenblick wider aufwachen und mir davon erzählen!
Dein Gesicht verfolgt mich, Nacht für Nacht, und lässt mich nicht los… Du warst doch meine bessere Hälfte! Ein Teil meiner Seele war immer in dir, du warst meine Seele!
Jetzt stehe ich aber da, und an meiner Seite ist nur dieses Loch, diese schreckliche, kalte Leere! Du fehlst mir!"
Während er gesprochen hatte, waren die Tränen zurückgekommen, und er hatte wieder begonnen zu weinen.
Fred nahm die zitternden Hände seines Bruders in seine eigenen und sprach dann leise zu ihm: „George, weißt du, warum ich diesen Ort gewählt habe, um dich wieder zu sehen?"
George schüttelte schluchzend den Kopf und versuchte, sein tränenüberströmtes Gesicht zu verbergen.
„Das hier ist ein Ort, an den wir unendlich viele Erinnerungen haben. Hier haben wir unsere ersten Streiche ausgeheckt, und hier hatten wie unsere besten Ideen. Vielleicht auch die Dümmsten, aber unter ihnen waren die Besten. Hier sind wir groß geworden, und hier wurde viel getan, um uns zu den Menschen zu machen, die wir geworden sind. Wir haben viel unseren Eltern zu verdanken, und auch unseren großen und dem kleinen Brüdern, unserer Schwester, die alle miteinander unsere Opfer waren, wobei wir sie natürlich geliebt haben, ohne Zweifel.
Erinnerst du dich noch, als wir einmal durchs Haus gezogen sind, kurz nachdem Charlie ausgezogen war, und wir bei seinem Zimmer halt gemacht haben. Da hast du gesagt, du kannst fast noch hören, wie Charlie in seinem Zimmer mit seinen kleinen Drachenfiguren spielt und herumexperimentiert… Als hätte er damals noch in unserem Haus gelebt.
Auch am Tag von Bills und Fleurs Hochzeit hast du so etwas gesagt, als du in unserem Zimmer warst. Wie wir zwischen unseren Betten gestanden sind, meintest du, du würdest das Gefühl haben, als würden wir noch immer hier leben.
Und weißt du was, George?
In gewissem Sinne tun wir das auch noch. Wir halten unsere Erinnerungen am Leben. Sie verweilen in diesen Zimmer bis in die Ewigkeit und verraten immer, dass wir einst dort drinnen gelebt und gescherzt haben. Ein Stück von uns bleibt dort.
Du wirst nie den Fuchsbau betreten können und dich vollkommen alleine fühlen. Überall hängen Erinnerungen fest, von Leid und Freude, Kummer und Jubel, Verlust und Triumph. Selbst jene, die niemanden kennen, der jemals den Fuchsbau betreten hat, könnten sich dem nicht entziehen. Denn überall hängen Teile von uns, Stücke unserer Persönlichkeit, die wir als eine Art Souvenir für die Ewigkeit dort verwahren.
Ich wollte und will dir also damit sagen, dass ich nie wirklich fort bin.
Auch wenn mein Todestag vielleicht schon zehn Jahre zurückliegt, so reicht es in den Fuchsbau zu gehen. Aber es wird nicht nötig sein, weil du eine jede Erinnerung mit mir in dir bewahrst. Vielleicht wird mit der Zeit die Erinnerung an mein Gesicht verblassen, oder an das, was ich damals anhatte. Aber sieh einfach in den Spiegel, dann siehst du mich. Denn ich werde immer ein Teil von dir sein. In all der Zeit, die wir zusammen verbrachten, hat sich eine Verbindung zwischen uns aufgebaut. Sie besteht aus Erinnerungen, aus Worten und Gefühlen, aus Zeiten, die wir gemeinsam durchlebt und durch gestanden haben.
Solange du nicht vergisst, dass ein Teil von mir immer an deiner Seite ist, solange du mich nicht vergisst… Werde ich bei dir sein."
Bei den letzten Worten hob George sein Gesicht. Seine Augen waren bereits leicht gerötet und schimmerten von den Tränen. Sein Blick an sich jedoch war klar, und er sah seinen Zwillingsbruder für einen Moment schweigend an.
Dann drückte er sachte seine Hand, und aus seinen Augen sprach mehr Dank, als er jemals hätte sagen können.
Dann stand Fred plötzlich auf und meinte unbekümmert, als wäre nie etwas geschehen: „So, ich glaube es wäre dann mal wieder an der Zeit für dich und mich zu gehen. Du solltest dir jetzt endlich etwas Ruhe gönnen, es war ja ein harter Tag.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich jetzt dann wirklich gehen sollte. Nicht, dass unser Gespräch unerwartet von anderen beendet wird."
Er reichte seinem Bruder lächelnd die Hand, welcher sie, ebenfalls lächelnd, annahm und aufstand.
„Danke, Fred!", sagte er.
„Kein Problem, Brüderchen. Aber tu mir einen gefallen!"
„Welchen?"
„Versuchs mal bei dem Mädchen aus der Nachbarschaft unserer Eltern. Sie ist ganz süß, und ich glaube, mit ihr würde es dir nicht schlecht gehen."
Er zwinkerte seinem Bruder schelmisch grinsend zu, und dieser nickte nur zustimmend und grinste dabei zurück.
„Ich werd dich lang nicht sehen, oder?", fragte George.
„Sehen vielleicht nicht, aber ich bin da, keine Sorge", antwortete Fred.
Die beiden Zwillinge umarmten sich ein letztes Mal, und sie legten all ihre Gefühle füreinander, all ihre Freundschaft, das Leid und die Freuden ihres Lebens, ihre ganze Geschichte in diese Umarmung. Sie sollte beiden Kraft geben, bis sie sich das nächste Mal sehen würden.
Als George seine Augen wieder öffnete, lag er wieder zusammengerollt in seinem Bett.
Die Leere an seiner Seite schien nicht mehr da zu sein, ersetzt durch Wärme und Geborgenheit.
