Entstehungsdatum: 13.3.09. Fortsetzung
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Der Druck sinkt nicht
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Kapitel 2 - Nach der Übung
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Bella strich mit der Hand über das Bettlaken, und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. Bei den Übungskämpfen zuzusehen, hatte ihr nicht wirklich geholfen, ruhiger zu werden. Jeder der Cullens hatte bereits einen Platz in ihrem Herzen, um jeden von ihnen würde sie trauern, wenn er im Kampf fiele. Sie rief sich die Gesichter in Erinnerung, und verharrte bei Edward und Jakob. Jakob, der Wolf, war auch anwesend gewesen beim Kampf auf der Lichtung.
Es machte sie verrückt, nichts tun zu können.
Nicht einmal Charlie zu beschützen war sie in der Lage! Auch das übernahmen die Cullens. In jeder Nacht, das hatte Edward angedeutet, stand einer von ihnen unten am Waldrand - wenn sich nicht gleich Edward bei Bella im Zimmer aufhielt, Augen und Ohren offen, immer wachsam.
Sie blickte durch das dunkle Zimmer auf den hellen Lichtfleck, der durchs Fenster fiel. Aus dem Nachbarzimmer drang leise Charlies schnarchen. Ihr Vater hatte nicht bemerkt, dass Bella in dieser Nacht zeitweise weg war. Erst vor ein paar Minuten hatte Edward sie hierher zurückgebracht, und sich mit einem Kuss verabschiedet.
Er wollte zu Alice, und mit ihr und Carlisle und den anderen mögliche Strategien durchsprechen. Bella gähnte, und ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie an die anrückende Armee dachte.
Trotz ihrer Ängste schloss sie die Augen. Das Geräusch des Windes in den Bäumen vor dem Haus begann sie einzulullen, und bald döste sie vor sich hin, erschöpft von den durchwachten letzten Stunden.
Bunte Bilder fügten sich zu Traumszenen aneinander, hinter ihren geschlossenen Augen, Geräusche ergaben plötzlich sinnfreie Dialoge. Und dann saß sie wieder auf dem weißen Sofa im Haus der Cullens, erneut auf dem Schoß von Carlisle. Auch diesmal befand sich Alice links neben ihr. Nur Jasper fehlte.
Etwas in Bella erinnerte sich, dass sie träumte, und sie versuchte, den Traum abzukürzen. Wie gestern Nacht schaute sie über ihre Schulter zurück in Dr. Cullens Augen, und sprach: "Ich muss das tun."
Der große Vampir reagierte nicht, und sie fügte eilig an: "Bitte, Carlisle, ich möchte zu Edward."
Er sah sie nur kurz an, und warf einen raschen Blick zu Alice.
"Hier, nimm du mal.", bat er sie, genau wie gestern.
Sie hätte seine Sätze für ihn sprechen können, wenn ihr das nicht lächerlich vorgekommen wäre. So wartete sie still ab, bis Alice sie hielt, und schaute rasch zurück. Carlisle stand bereits, in einen weißen Kittel gekleidet, und jetzt war auch Jasper da.
Obwohl Bella sich vor dessen roten Augen gruselte, sprach sie ihn direkt an: "Ihr müsst mich nicht hierbehalten."
Jasper runzelte die Stirn.
"Jasper, ich möchte zu Edward.", bat sie erneut, und klammerte sich an Alice Arme.
Hilflos blickte sie um sich, in einen Raum, in dem niemand mit ihr sprach, und sie nichts tun konnte. Alice hielt sie eisern fest. Sie war gefangen und dazu verdammt, nichts zu tun. Resigniert schloss sie die Augen.
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Als jemand kicherte, öffnete Bella die Augen wieder.
Um sie herum herrschte Dunkelheit. Ein paar Momente lang blinzelte sie, verwirrt, und suchte nach dem roten Augenpaar aus ihrem Traum.
Aus dem Schaukelstuhl fielen vereinzelt glitzernde Lichtfunken, als säße jemand darin, dessen Haut aus Diamanten bestünde. Bella blinzelte in das wenige Mondlicht, das zum Fenster einfiel, und versuchte den Traum abzuschütteln. Als weigerten sich ihre Augen, wach zu werden, wollte die Figur vor ihr einfach nicht die vertrauten Umrisse annehmen.
Die große, bullige Gestalt kicherte erneut.
Bellas Herz beschleunigte merklich, als ihr klar wurde, dass es sich um Emmett handeln musste. Edward hatte ihr gesagt, als er ging - wie lange war das her?-, dass Emmett heute zusammen mit Jasper Wache halten würde. Das Emmett hereinkommen würde, war ihr nicht bewusst gewesen.
Verschämt zerrte sie an der Decke, die sich eng um sie geschlungen hatte. Sie zog die Ecken glatt, und achtete darauf, vollständig bedeckt zu sein.
"Emmett.", begrüßte sie ihren Besucher leise.
"Tut mir furchtbar leid, dass ich dich enttäuschen muss.", erwiderte Emmett ebenso leise, und daran, wie seine Zähne im Mondlicht glitzerten, konnte Bella zweifelsfrei erkennen, dass er immer noch grinste.
Sie versuchte, seine Worte zu verstehen.
Emmett seufzte ungeduldig über ihren Gesichtsausdruck. "Weißt du nicht mal selbst, was du träumst? Du hast oft genug gesagt, dass du zu Edward möchtest. Unter anderem." Das letzte setzte Emmett genüsslich gedehnt hinzu, als wolle er Bella provozieren. Was wahrscheinlich der Fall war.
Bella erstarrte unter der Decke. Ihre Wangen röteten sich. Als sie sich soweit gefasst hatte, dass sie sprechen konnte, blickte sie zornfunkelnd zu Emmett. "Was machst du hier? Hätte Edward mir gesagt, dass du kommst, wäre ich wach geblieben!"
Emmett zuckte mit den Schultern: "Er hat uns erzählt, dass du im Schlaf sprichst. Ich war neugierig."
Natürlich war er das.
Sie hätte gerne gewusst, was außer den Liebesbekenntnissen für Edward sie noch geäußert hatte.
"Geht es wieder? Dein Herz schlug zuletzt ganz schön schnell.", stellte Emmett fest.
Bella stöhnte.
Natürlich hatte der Albtraum ihrem Körper wieder Reaktionen entlockt. Sie versuchte nicht länger, die düstere Vision von Carlisle und Alice zu verdrängen, sondern sich an Einzelheiten zu erinnern.
Emmett schaukelte.
Ihr Herzschlag beruhigte sich, und als sie vorsichtig ihre Wangen befühlte, waren diese auch nicht mehr heiß.
"Hmm.", machte Emmett. Er lehnte sich sachte zurück in dem Stuhl, schien auf etwas im Wald zu lauschen. Vielleicht redete Jasper mit ihm.
Bella stützte sich auf den Ellbogen und zog das Kopfkissen zurecht. Mit schräg gelegtem Kopf musterte sie den großen Vampir.
"Ich hatte einen Albtraum. Also sollte ich dir danken, dass ich jetzt wach bin."
Emmetts Augen funkelten eigentümlich: Zum Großteil brachte das Mondlicht sie zum Glitzern, aber da lag auch Vorfreude in Emmetts Blick.
"Das hier kann auch ein Albtraum werden, Bella.", flüsterte er, ließ den Schaukelstuhl nach vorne kippen, bis er anstieß, und starrte ihr in die Augen.
Als er die Gänsehaut am Arm von Bella sah, lachte er auf. "Hast du schön von mir geträumt, ja? Hab ich dir ordentlich Angst gemacht?"
Er saß immer noch nach vorne gebeugt im Stuhl.
Trotzdem wirkte er nicht bedrohlich auf Bella.
Nachdenklich blickte Bella dorthin, wo Emmetts goldene Augen sein mussten. Sie sah nichts, und fragte sich, ob der große Vampir die Augen geschlossen hatte, oder einfach gerade keinerlei Lichtreflexe auf sein Gesicht fielen. Bevor er erneut zu kichern anfing, weil er sie eventuell genauso anstarrte, wie sie ihn, schaute sie weg.
Vereinzelte Lichtpunkte fielen auf das Fensterbrett. Der Mond musste tief stehen, sein Licht fiel durch die Blätter des Baumes, der im Vorgarten stand. Auch Emmett war jetzt mit silbernem Licht beleuchtet. Er sah sie tatsächlich an. Trotz der Dunkelheit, in der große Teile seines Körpers lagen, sah sie, dass seine Augen nicht rot waren. Es war ein dummer Gedanke, aber ihr Traum hatte sich so realistisch angefühlt.
"Ist Jasper da draußen?", fragte sie murmelnd, und lauschte unwillkürlich. Sie würde nichts hören, das war ihr klar. Sie hatte ja offenbar auch verschlafen, wie Emmett ins Zimmer kam.
"Bewacht die Bäume.", witzelte Emmett, bevor er etwas ernster hinzufügte: "Im Wald ist nichts los."
Emmett nahm es leicht, dass in Kürze eine Armee über die Berge marschieren würde. Bella versuchte, sich in seine Stimmung einzufühlen. Ihr wurde klar, dass sie diese Gelassenheit nicht haben würde. Es wäre anders, wenn sie auch etwas tun können würde, wie zum Beispiel kämpfen, oder die Armee abzulenken von den Cullens.
Ihr Unterbewusstsein hatte Jasper einmal mehr in ihrem Traum mit der Neugeborenenarmee zusammengebracht.
Emmetts forschender Blick wich einem nachdenklichen. "Was nicht heisst, dass du in Sicherheit bist."
Irgendwie freute sich Bella, nicht alleine zu sein. "Danke, dass du da bist.", seufzte sie.
"Na klar." Emmett erhob sich. "Jasper ruft schon eine Weile. Ich gehe auf meinen Posten zurück, bevor sein Herz vor Aufregung noch zu klopfen beginnt."
Bella musste unwillkürlich lachen, trotz der ernsten Situation.
Sie lauschte auf Charlie, und als sie zurück zum Fenster blickte, war es offen und Emmett weg.
"Ach Emmett.", stöhnte sie, ganz leise, bevor sie sich erhob, um das Fenster zu schließen.
Der Riegel rastete ein, und Bella legte die Stirn ans kühle Glas, um einen Blick auf die beiden Brüder zu erhaschen.
Zu ihrer Überraschung ließ sich tatsächlich einer blicken. Jasper stand zwischen zwei Bäumen im Wald, mit matt glänzender Haut. Die Wolken zogen schnell, und der Vampir war immer wieder unsichtbar, im Schatten verborgen.
Aber Emmett tauchte nirgends auf.
Sie ließ den Blick schweifen, und überlegte, warum Jasper dort stand und hochstarrte zu ihr.
Plötzlich begriff sie. Der Schreck fuhr ihr in alle Glieder. Emmett hatte das Zimmer nie verlassen. Ganz langsam und steif wandte sie den Kopf. Aus den Schatten neben dem Schrank trat Emmett, die Zähne entblösst, die Hände zu Klauen geformt.
Ihr Herz raste los.
Und Emmett prustete los. Charlie im Nebenzimmer war vergessen. Emmett hielt zum Glück den Mund geschlossen, doch auch so war es laut. Er lachte immer noch, nur mühsam verhalten.
Das brach den Bann.
Zornfunkelnd mühte Bella sich am Fenstergriff ab.
Emmett umfasste sie, hob sie zur Seite und sprang blitzschnell und erstaunlich lautlos aus dem Fenster. Hinter Bella öffnete sich die Türe.
"Bella?", fragte Charlie in das Dunkel. Ihre Augen hatten sich so weit an die Schwärze angepasst, dass sie sah, dass ihr Dad das Bett absuchte.
"Ich bin hier.", murmelte sie am offenen Fenster.
"Was machst du denn da?" Charlie knipste das Licht an, und trat auf Bella zu.
Unten im Wald winkte Jasper ihr zu, bevor er Emmett hinter sich her tiefer in das Dickicht zog.
Als Charlie neben Bella stand, und das Fenster schloss, waren sie verschwunden.
"Wird doch ganz kalt, Bella. Hast du geträumt?", fragte Charlie mit sorgenvollem Blick.
"Geträumt, ja.", nahm sie seine Vorlage als Notlüge dankbar an. Eilig schlüpfte sie zurück ins Bett. Charlie setzte sich an die Bettkante. "Keine Sorge, Bells, es war nur ein Traum. Es ist nichts passiert." Er strich die Decke glatt, ging zur Tür und schaltete das Licht aus.
Bella wusste genau, wie sehr es ihn drängte, zurück ins Bett zu kommen. In die Wärme. Weg von hier, wo er an unangenehme Gefühle erinnert wurde. An die Nächte damals, als Edward fort war, und Bella jedes mal mit einem Schrei aufgewacht war. So lange, bis es für Charlie zur Normalität geworden war.
Als das Schweigen länger wurde, erlöste Bella ihren Vater.
"Es ist in Ordnung, Dad. Ich schlaf noch ne Runde. Danke, dass du kamst." Bevor Emmett noch mehr Blödsinn macht, fügte sie in Gedanken an.
Charlie nickte, beruhigt, und schloss die Tür hinter sich.
Bella blieb reglos im Bett. Ihr Vater. Oh, Charlie. Dad.
Für ihn und die anderen Bürger aus Forks hielten Emmett und Jasper Wache. Und für Bella.
Charlie hatte Recht. Es war noch nichts passiert. Noch nicht. Aber die Armee würde angreifen.
Bella dreht sich zur Wand, und dachte an Edward. An seine Familie. An ihre Familie.
Und schließlich schlief sie wieder ein.
Und die unruhigen Träume kehrten wieder.
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ENDE
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Der Entwurf hierzu entstand am 28.3.2009. Viel Spaß beim Lesen : - )
