Teil 2

In dieser Nacht kehrte Snape nicht mehr in seine Gemächer zurück. Er vergrub sich in der Bibliothek und las mehr über diese Tradition. Und schlief dann über dem Buch ein. Als er am frühen Morgen aufwachte und in seine Räume ging, erwischte er 2 Paare. Allerdings schien da schon alles zu spät. Er atmete tief durch, schloss die Augen und versuchte zu vergessen was er gesehen hatte. Zumal ein Teil des Paares Ronald Weasley war. Allerdings, so schwor er sich, wenn dieser nur einen weiteren Annäherungsversuch machen würde, dann konnte er für nichts garantieren. Verhexen war da das geringste Übel.

Leise betrat er sein Wohnzimmer. Aber wie auch beim letzten Mal war Hermine bereits verschwunden.

Ooo

Sie wusste auch nicht warum sie schon wieder vor Professor Snapes Tür stand. Niemand hatte sie heute verfolgt. Selbst Ron nicht. Vielleicht hatten sich inzwischen alle Paare gefunden oder die Jagd war langweilig geworden.

Wie auch immer – es gab keinen Grund hier zu sein. Keinen außer, dass sie ihn sehen wollte. Natürlich sollte er dann auch bleiben und nicht fluchtartig den Raum verlassen.

Aber sie war schon wieder viel zu weit. Noch hatte sie ihn nicht gesehen und noch hatte er sie nicht hereingelassen.

Sie klopfte.

„Professor, ich bin es."

Er öffnete die Tür und sah sie an. Und plötzlich wusste er, dass ihr Besuch nichts mit der Trophäenjagd zu tun hatte.

Ooo

Er lies sie ohne Kommentar herein und schloss die Tür hinter ihr.

„Miss Granger, Sie kennen den Weg."

Er wollte doch nicht schon wieder gehen. Sie drehte sich um und prallte mit ihm zusammen.

Hermine war wie erstarrt. Er schien überhaupt nicht wütend.

„Warum sind Sie hier?"

Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Frage.

Ooo

Eine dumme Frage, aber er musste wissen, ob sie es auch fühlte.

Schließlich sah sie ihn an und sprach es aus.

„Ich wollte Sie sehen."

Das war es was er gehofft hatte. Vorsichtig nahm er ihre Hand und zog sie zu sich heran.

Hermine hielt die Luft an und schloss die Augen. Würde er sie jetzt küssen?

Sie spürte seinen Mund in ihren Haaren, auf ihrer Stirn. Sie wartete auf mehr und war enttäuscht als es sich von ihr löste.

„Oh."

Einem Impuls folgend trat sie einen Schritt auf ihn zu und berührte ihn leicht. Sie war überrascht als er sich in ihre Berührung lehnte.

Aber genauso schnell war es auch wieder vorbei.

Er räusperte sich und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Denn genau davor hatte er sich gefürchtet. Das er Gefühle für sie entwickelt hatte war das eine. Aber sie war seine Schülerin und darüber konnte er nicht hinwegsehen.

Niemals.

Leider.

Er musste seine Taktik ändern. Sie durfte nicht erfahren was er empfand.

„Nun Miss Granger. Sind Sie es leid?"

Sie sah ihn überrascht an.

„Was meinen Sie, Sir?"

„Nun anscheinend ist niemand mehr hinter Ihnen her und nun langweiligen Sie sich. Ist es nicht so?"

Seine Worte waren wie eine kalte Dusche für sie. Das hatte sie nun wirklich nicht verdient. Diese kalte Stimme, ohne Gefühl war zuviel für sie.

„Entschuldigen Sie Sir. Ich werde Sie nicht mehr belästigen."

Und bevor Snape etwas sagen konnte, war sie weg.

Ooo

Die nächsten Tage waren die Hölle für beide. Hermines schlechte Laune und ihre Ausbrüche hielten alle „Verehrer" von ihr fern. Wenn sie das vorher gewusst hätte.

Snape stand seit dem Zwischenfall mit Hermine ständig unter Strom. Er wusste, dass er zu weit gegangen war und versuchte sein schlechtes Gewissen durch Aktionismus zu unterdrücken.

Nun am vierten Tag nach dem Zwischenfall saßen alle beim Frühstück in der großen Halle als eine Armada von Eulen auftauchte. Sie hatten alle den Tagespropheten im Schnabel und schon bevor Snape in die Zeitung sah, wusste er dass es Ärger bedeutete.

Minervas Blick sagte ihm, dass er Recht hatte. Sie reichte ihm die Zeitung hinüber.

„Beliebte Tradition von Hogwarts in Gefahr" – Exklusiv von einem Insider

„Die letzten vier Wochen eines Schuljahrs waren in der Vergangenheit immer von einer Tradition geprägt, die zu vielen Ehen geführt hatten. Aber in diesem Jahr scheint ein Lehrer den Spielverderber zu spielen. Wie unser Insider berichtete, war es besonders schwierig einen Platz für die heimlichen Treffen zu finden. Aber trotz dieser Widerstände gelang es vielen Schüler diese wichtige Tradition fortzuführen. Wie wir erfahren haben gab es trotz allem einige Verlobungen.

Aber es gab auch ein prominentes Opfer. Wie uns bestätigt wurde, sah man Ron Weasley mit einigen Schönheiten der Schule. Allerdings war Hermine Granger, seine langjährige Freundin nicht unter ihnen. Sollte es dem Lehrer gelungen sein, diese Beziehung zu zerstören?

Lesen Sie mehr darüber in den nächsten Ausgaben unserer Zeitung."

Zum allem Unglück sah man noch ein paar wacklige und dunkle Fotos, die Snape, Ron und Hermine zeigten.

Am liebsten hätte Snape die Zeitung sofort verbrannt, aber er versuchte sich zu bremsen. Es änderte ja nichts. Aber wenn er den Insider und den Fotografen zu fassen bekam …

Ooo

Hermine las wie alle anderen den Artikel und betrachtete die Bilder. Natürlich wusste sie, dass der Prophet ein Käseblatt war und oft Lügen verbreitete. Aber ein Blick auf Ron und Harry sagte alles. Beider Gesichter waren so schuldbewusst. Aber Harry war wenigstens so klug gewesen sich nicht erwischen zu lassen.

„Gratuliere Ron. Bist du auch schon verlobt?"

„Was ? Nein Hermine. Das ist doch nur Spaß."

„Wirklich ? Siehst du mich lachen?"

Ron schüttelte den Kopf.

Sie nahm ihren leeren Teller und verlies ohne die Blicke der anderen zu beachten den Saal. Allerdings sah sie kurz zu Snape. Täuschte sie sich oder war sein Blick aufmunternd?

Na ja, sie würde es bald sehen, denn seine Unterricht stand heute auf dem Vormittagsplan.

Ooo

So leid ihm Hermine auch tat, er war doch froh, dass es mit dem Paar Ron und Hermine vorbei war.

Das war es doch?

Er packte seine Sachen zusammen und ging in dem Unterrichtsraum. Alle Schüler saßen ruhig auf ihren Plätzen. Auch Weasley und Hermine Granger. Allerdings sehr weit von einander entfernt. Gut so.

Das war sein letzter privater Gedanke für die nächste Zeit. Die Prüfungen standen vor der Tür und aus seiner Sicht hatten die meisten nach wie vor keine Ahnung.

Und auch in dieser Stunde schienen fast alle Schüler seine Vorbehalte bestätigen zu wollen. Die einzige ohne Fehler war Miss Granger.

„Wir haben nur noch 2 Stunden und dann steht Ihre Abschlussprüfung bevor. Nur eine einzige Schülerin kann den Anforderungen entsprechen. Miss Granger."

Alle sahen ihn sprachlos an. Noch nie, wirklich nie hatte Professor Snape ein Lob ausgesprochen. Und nun tat er es und lobte ausgerechnete Hermine Granger.

„Was starren Sie so? Die Stunde ist vorbei. Miss Granger. Bitte bleiben Sie noch einen Moment."

ooo