Teil 4
Am nächsten Morgen begann Hermine mit dem Packen.
Sie konnte es nicht länger hinauszögern.
Dumbledore und Hermine hatten die halbe Nacht geredet, natürlich nicht über Snape oder ihre Gefühle zu Snape.
Sie hatten überlegt, ob sie in Hogwarts bleiben konnte. Aber es gab Regeln und selbst Dumbledore traute sich nicht diese zu brechen.
Vielleicht war es auch das Beste für alle.
Severus Snape sah vom Turm aus zu wie die Kutsche mit Hermines Sachen beladen wurde.
Er wusste nicht wie er sie zurückhalten konnte ohne sie direkt zu fragen. Und das kam natürlich nicht in Frage.
Die Kutsche wurde immer kleiner und er fragte sich, ob er Hermine wohl jemals wieder sehen würde.
Ganz in Gedanken versunken, bemerkte er nicht, dass sich Dumbledore neben ihn gestellt.
„Severus, warum? Warum lässt du sie gehen?"
„Wie sollte ich sie halten können?"
„Ich bin sicher ein Wort hätte genügt."
Severus drehte sich zu ihm um.
„Ein Lehrer und eine Schülerin? So etwas gab es noch nie auf Hogwarts. Und gehört sie wirklich in meine Welt, diese Welt hier?"
Plötzlich hörte er ein Geräusch.
„Es ist schon lange meine Welt."
Severus sah sie wie ein Wunder an.
„Du bist doch abgereist."
Anscheinend gab es auch für Severus Snape Situationen, in denen er wie ein normaler Zauberer reagierte.
„Ich habe mir überlegt, dass ich diese ganze Sache mit den Traditionen Hogwarts genauer recherchieren muss. Und ich habe in den Hausregeln nachgeschaut. Solange ich eine Strafarbeit nicht beendet habe, muss ich hier bleiben."
Sie sah die beiden Lehrer an und wartete auf eine Reaktion.
Severus fasste sich als erster.
„Headmaster, leider hat Miss Granger Ihre Arbeit abgeliefert. Ich muss darauf bestehen, dass sie solange bleibt bis sie die Arbeit zu meiner Zufriedenheit beendet."
Dumbledore nickte zustimmend.
„Einverstanden. Aber nur wenn Sie sich persönlich um die Sache kümmern."
„Selbstverständlich."
Dumbledore lächelte Hermine aufmunternd zu.
„Wunderbar."
Hermine fürchtete sich vor dem Moment des Alleinseins mit Severus.
Nicht vor dem Alleinsein, korrigierte sie sich, sondern vor seiner Reaktion.
„Miss Granger."
„Ja?"
„Ich bin froh, dass Sie hier sind."
Sie mußte sich verhört haben.
„Natürlich nur, weil ich Ihnen sonst eine schlechte Beurteilung geschrieben hätte."
„Ich verstehe."
Er nickte ihr zu und folgte Dumbledore.
Hermine musste sich erst einmal setzen.
Das war ja besser gelaufen als sie dachte.
Aber sie hatte keine Zeit auszuruhen. Es gab keinen Plan, also musste sie einen entwickeln.
Severus ging so schnell wie möglich zurück in die Keller des Schlosses, in seine Räume. Mit dem Zauberstab verschloss er die Türen so dass ihn niemand stören konnte.
Er musste erst einmal verkraften was gerade passiert war.
Sie – Miss Hermine Granger – war hier geblieben. Das war einfach – unglaublich.
Aber es war so typisch für sie, oder.
Nun wo sie wieder da war, würde er einfach abwarten. Sollte sie doch den ersten Schritt tun.
ooo
Zwei Tage später war noch immer nichts passiert.
Hermine vergrub sich in der Bibliothek, studierte und schrieb und kümmerte sich nicht um Snape.
Sie war im Moment einfach froh in Hogwarts zu sein und nachdem sie den ersten Schritt getan hatte, musste nun Snape handeln.
Mit anderen Worten es herrschte ein Status Quo zwischen den beiden, der keinen zufrieden machte.
Und Dumbledore ärgerte.
Ooo
Sie sahen sich, wenn Hermine im Labor auftauchte oder beim Essen in der Großen Halle. Nur wenige Schüler und Lehrer waren in der Sommerzeit in Hogwarts und so saßen alle an einem großen Tisch.
Dumbledore beobachtete die beiden genau. Wie es schien waren sie zufrieden mit der derzeitigen Situation, aber er wusste wie schnell die Zeit verging und am Ende war dann nichts passiert.
Er seufzte, es schien als wenn er schon wieder eingreifen musste.
Ooo
Einen Tag später saßen Hermine und Severus in den Kellergemächern des Lehrers. Beiden fehlten noch immer die Worte, denn Dumbledore hatte ihnen erklärt, dass sie die Räume erst verlassen können, wenn …
Ooo
Dumbledore hatte ihnen klar gemacht, dass es so nicht weitergehen würde.
„Miss Granger ist keine Schülerin mehr und ich sehe nicht was das Problem sein sollte. Auch in der Vergangenheit gab es solche Beziehungen."
Hermine schaute erstaunt. Sie kannte die Geschichte von Hogwarts in und auswendig. Dort stand nichts über eine solche Beziehung. Und überhaupt, was meinte der Professor damit?
Sie hatten keine „Beziehung". Leider.
Snapes Gedanken gingen in die gleiche Richtung.
Was dachte sich Dumbledore eigentlich?
Bevor er genau das fragen konnte, führte Dumbledore seinen Gedanken weiter.
„Aus meiner Sicht gibt es jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder das Ganze war ein großes Missverständnis. Dann wird Miss Granger abreisen. Wenn Sie beide denken, dass etwas zwischen Ihnen ist, dann klären Sie das. Denken Sie über Ihre Zukunft nach. Gemeinsam. Tun Sie etwas. Ich gebe Ihnen einen Tag."
Nun saßen sie hier und schauten sich an.
Wer würde beginnen?
„Miss Granger. Sie sind doch sonst so gesprächig. Warum sagen Sie nichts. Sie haben uns schließlich in diese Situation gebracht."
Hermine mußte sich verhört haben.
Er gab ihr die Schuld.
Was heißt hier überhaupt Schuld?
„Ich dachte, ich dachte …. So wenn ich nicht geblieben wäre, dann säßen wir nicht hier. Ich verstehe. Nun ja, dass kann ich schnell ändern."
Sie stand auf.
„Ich dachte, dass Sie mich gern hier haben."
So hatte sich das Severus nicht vorgestellt.
Sie sollte ein wenig zappeln und am Ende …
Ja, welches Ende hatte er sich eigentlich vorgestellt. Das sie beide Seite an Seite in den Kellern Hogwarts arbeiten konnten? Einfach so ?
„Bitte. Hermine. Bleib. Lass uns reden."
Sie stoppte.
„Professor, ich weiß wirklich nicht, ob es Sinn hat. Etwas ist mit uns passiert. Ich spüre es und ich dachte, dass es Ihnen auch so geht. Stattdessen spielen Sie Ihre Spielchen. Als Ihre Schülerin habe ich das akzeptieren müssen, jetzt nicht mehr."
Sie hatte sich nicht umgedreht und so konnte Severus ihr Gesicht nicht sehen. Aber ihre Stimme klang – traurig.
Das hatte er nicht gewollt.
Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie aufgab.
Damit hatte er nicht gerechnet. Das sie aufgab.
Sie war doch ein Kämpfer, oder ?
„Gib nicht auf."
Hermine schüttelte den Kopf.
„Ich will nicht aufgeben. Aber ich muss wissen, dass ich eine Chance habe. Ich habe schon so viel riskiert."
„Ich weiß. Ich versuche es ja."
Endlich drehte sie sich zu ihm um.
Tränen liefen über ihr Gesicht.
„Vielleicht ist das einfach nicht mehr genug."
Zuerst kitschig und nun melodramatisch. Sorry !
