Sara vergessen

Grissom hatte endlich beschlossen die Initiative zu ergreifen.

Aber er hatte eine Menge Zeit verloren. Und er war nicht sicher was sein nächster Schritt sein würde.

Das Labor war sein Leben gewesen und nun – nicht mehr. So einfach war es, aber darüber nachzudenken und danach zu handeln. Das waren zwei verschiedene Dinge.

Er seufzte und griff zum Telefon.

Xxx

Der Anruf aus dem Gefängnis kam überraschend. Natalie wollte ihn sehen und er konnte dem Angebot nicht widerstehen. Er wußte nicht was ihn erwartete.

Sie hatte ihn nach Sara gefragt. Mit großen Augen und der Hoffnung, dass es die eine Liebe geben würde. Die Liebe, die sie zwischen Sara und Grissom gesehen und die sie nie erlebt hatte. Natalie hatte in Gefängnis eindeutig zu viel Zeit gehabt, dachte Grissom anfangs. Sie projizierte alles auf Sara. Zuerst wollte sie sie verletzen, bestrafen. Nun war sie plötzlich ihr Idol.

Er hatte sich nicht getraut Natalie die Wahrheit zu sagen. Stattdessen hatte er eine Geschichte erzählt und dabei festgestellt, wie gut es ihm tat. Und wie sehr es ihm gefiel. Und dass es sehr wohl noch ein uns und wir gab.

Plötzlich sah er wieder klar.

Sara hatte ihm seine Freiheit wiedergegeben, aber er hatte dieses Geschenk nicht weise genutzt.

Xxx

Zum dritten Mal stand sie nun im Reisebüro. Zusammen mit Grissom wollte sie die Welt bereisen. Ohne ihn – nein. Es würde nicht funktionieren. Er war der Mensch mit dem sie alles teilen wollten, mit dem sie sich an den Dingen erfreuen konnte.

xxx

Grissom sah sich um. Sein Büro war leer. Alle persönlichen Dinge verpackt, alles was die anderen nutzen konnten verschenkt.

Er fühlte sich frei.

Er war bereit für sein neues Leben und er konnte nur hoffen, dass er Sara nicht verloren hatte.

Plötzlich stand Catherine neben ihm.

„Wie fühlst du dich?"

Er sah sie an.

„Wirklich gut. Kannst du dir das vorstellen?"

Sie lachte auf.
„Nicht wirklich. Der große Gil Grissom ohne sein Labor, seine Experimente und seine Mitarbeiter. Wen willst du denn nun durch die Gegend scheuchen?"

Grissom sah Catherine missbilligend an.

„Na ja", erwiderte sie lachend.

„Ich denke Sara wird sich das nicht gefallen lassen."

Beim Gedanken, dass sich Sara etwas von ihm sagen lassen würde, musste selbst Grissom lächeln.

„Bestimmt nicht. Und ehrlich gesagt, ich würde es mir auch umgekehrt gefallen lassen. Wenn sie mich nur zurücknimmt."

„Hast du da einen Zweifel?"

Sie konnte ihm schlecht erzählen, dass sie mit Sara gesprochen hatte und diese sie nach Grissom gefragt hatte. Also war er ihr keinesfalls egal.

Sein Schweigen sagte alles. Er hatte seine Zweifel. Aber er war auch voller Hoffnung.

Catherine stupste ihn an.

„Los, mach dich auf den Weg."

„Danke."

Grissom gab Catherine einen Kuss auf die Wange. Dann drehte er sich um und ging.

xxxx