Kapitel 5

Sara vergessen

Endlich stand Grissom vor Saras neuer Wohnung.

Er holte tief Luft und klopfte.

Nichts.

Stattdessen öffnete sich eine andere Wohnungstür.

„Sie haben Sie um ein paar Tage verpasst."

Grissom starrte die ältere Frau fassungslos an.

„Was meinen Sie damit?"

Die Frau sah den Mann an. Er schien kurz davor die Fassung zu verlieren.

„Wollen Sie einen Kaffee haben?"

Grissom nickte und folgte der Frau in ihre Wohnung.

Fünf Minuten später saßen beide am Küchentisch. Der Kaffeeduft zog durch die Luft, aber Grissoms Interesse war auf die Geschichte der Frau ausgerichtet.

„Sara hat auf Sie gewartet. So viele Wochen. Und dann kam dieses Angebot und sie hat es schließlich angenommen."

„Oh mein Gott. Ich bin zu spät?"

Die Frau schüttelte den Kopf.

„Männer. Natürlich sind Sie nicht zu spät. Aber warum haben Sie solange gebraucht. Sara ist so ein nettes Mädchen."

Wie sollte Grissom dieser Fremden Frau erklären was in ihm vorging und warum er solange gebraucht hatte? Er wusste es ja selbst nicht.

„Wissen Sie wohin Sara gegangen ist?"

Er hielt den Atem an. Hoffentlich hatte er Saras Spur nicht verloren.

Die Frau stand auf und kramte in einer Schale. Schließlich fand sie eine kleine Karte.

„Hier. Das ist das einzigste was ich habe."

„Regenwald Foundation."

„Ja, daher kam das Angebot. Sie hat viele Telefonate geführt, ein paar Kisten gepackt und ist dann abgereist. Sie sah aus wie ein weiblicher Indianer Jones. Wenn Sie wissen was ich meine."

Die Frau lachte auf als sie daran dachte.

„Ich habe ein Bild mit meinem Handy gemacht. Hier."

Stolz hielt sie ihm ihr Handy entgegen.

Grissom starrte auf das Bild.

Sara in einem Kakianzug, ein Hut in der Hand und auf der Erde ein großer Rucksack. Sie lächelte erwartungsvoll.

Erst dann kam ihm zu Bewusstsein, dass er Sara heute nicht wieder sehen würde. Und auch nicht morgen. Verdammt, sie war im Regenwald. Ohne ihn ?

Aber irgendwie passte es auch zu ihr. Er erinnerte sich an ihr Gespräch nach Brass Verwundung. Nachdem er ihr von seinem Wunsch erzählt hatte, hatte sie gemeinsam mit ihm geträumt. Sie hatten sich vorgestellt was sie machen würden. Wie ihr Leben aussehen könnte und wie wenig sie Las Vegas vermissen würden. Und nun war sie gegangen. Ohne ihn.

Saras Nachbarin konnte Grissoms Gefühle auf seinem Gesicht ablesen. Der Mann tat ihr wirklich leid.

„Sie werden Sie schon finden", versuchte sie den Mann zu trösten.

Er nickte.

„Ja. Aber nicht heute."

Sie nickte.

„Tut mir leid."

Grissom stand auf. Er reichte der Frau die Hand.

„Vielen Dank für Ihrer Hilfe."

Er hielt die Karte hoch. Mehr Zeit würde er nicht mehr verschwenden, die Suche nach Sara war noch nicht vorbei.

Xxx

Das Lager in Costa Rica bestand aus 10 persönlichen Zelten, einem großen Küchenzelt mit Tischen zum gemeinsamen Essen und 2 Zelten, in den die Forschungsergebnisse gesammelt wurden. Außerdem hatte die Stiftung zwei leistungsstarke Generatoren und einen Satellitenanlage zur Verfügung gestellt. Man konnte also jederzeit mit dem Rest der Welt kommunizieren und hatte zumal einen gewissen Komfort bei der Arbeit.

Sara hatte sich an den täglichen Ablauf gewöhnt. Sie war verantwortlich für die tägliche Dokumentation und „nebenbei" hatte sie ihre Leidenschaft für das Fotografieren der Tier- und Pfanzenwelt entdeckt.

Sie hatte schon viele neue Insekten entdeckt und versuchte den Gedanken an Grissom zu verdrängen. Das war schwierig, denn beim Bestimmen der Arten griff sie immer zu einem seiner Bücher. Und obwohl sie sich alle Mühe gab, fand sie nicht alle Tiere. Grissom würde ihr sicher helfen können.

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