Hier ist Kapitel 3. Hoffe es gefällt.
Kapitel 3
Die Nacht des Severus Snape war auch nicht gerade von Schlaf geprägt.
Kaum war er wieder in seinen Gemächern angekommen, ließ er sich auf das Sofa fallen.
Oh mann, was hab ich mir jetzt nun wieder eingehandelt?
Er schnaubte darüber, dass er es hätte wissen müssen. Es hatte ja seinen Grund, warum er Hermine Granger nie beachtete.
Severus stand auf und ging rüber zu seinem Schrank. Er trank ja sonst nie, aber er brauchte jetzt einfach etwas, was ihn dösig machte. Nach der Einnahme von Schlafmitteln war er immer mindestens 24 Stunden zu nichts mehr zu gebrauchen. Also entschied er sich für eine Flasche Wein und setzte sich wieder auf das Sofa.
Nach den ersten zwei Gläsern, mit denen er hoffte seine unangenehmen Gedanken beiseite zu drängen, was ihm jedoch nur teilweise gelang, schweiften seine Gedanken wieder ab.
Ich weiß schon, warum ich sie nie beachte. Und alles nur wegen dieser verdammten Biester. Mistviecher. Hätte ich ein Haustier gewollt, hätte ich mir wohl eines angeschafft.
Severus erinnerte sich noch ganz genau an den Tag, als Dumbledore ihm die Katze geschenkt hatte.
"Du brauchst einen Ausgleich in deinem Leben. Und außerdem bist du mit einer Katze nicht mehr so allein." Pff...und oben drauf hat er noch eine Packung Zitronendrops gelegt. Als ob ich so aussehe, als würde ich Zitronendrops mögen.
Unwillkürlich musste er zu seinem Schreibtisch blicken, in dessen unterster Schublade er die Packung Zitronendrops gebunkert hatte.
Wer weiß schon wozu die Dinger nochmal gut sein könnten? Im Notfall schenke ich sie dem Schulleiter zu Weihnachten.
Auf seinem Gesicht breitete sich ein diabolisches Grinsen aus.
Eigentlich keine so schlechte Idee. Er hätte Freude und ich wäre die Dinger los.
Nach dem mittlerweile fünften Glas wurde er so langsam müde. Er lehnte sich zurück und war auch schon fast eingeschlafen, als er plötzlich einen starken Schmerz in seinem rechten Bein wahrnahm. Er suchte nach der Quelle und wurde auch sogleich fündig. In sein Bein hatte sich eine Katze verkrallt und versuchte verzweifelt an seinem Bein hochzuklettern.
Mit der einen Hand packte er die Katze unsanft im Nacken, was sie sogleich stillhalten ließ. Mit seiner anderen Hand löste er die Krallen aus seinem Hosenbein. Er brachte die Katze zurück zu dem Haufen neben dem Kamin, ließ sie fallen, drehte sich um und setzte sich wieder hin.
Ich sag doch, verdammte Mistviecher. Hoffentlich krieg ich Granger dazu die Biester ich glaube wohl eher nicht, das das von Erfolg gekrönt sein wird. Sev, du wirst weich.
Er seufzte resignierend und goss sich noch ein Glas Wein ein. Nachdenklich betrachtete er die Flasche und überlegte, ob er sich vielleicht noch die dreiviertel Flasche Feuerwhisky holen sollte. Er entschied sich dagegen, weil er sich ja nicht völlig sinnlos besaufen wollte.
Obwohl, einen Sinn hätte es ja. Ich könnte morgen den ganzen Tag durchschlafen. Ahh, nein, kann ich überhaupt nicht, um vier will Granger ja hier sein. Ich hoffe nur sie weiß, worauf sie sich hier eingelassen hat. Hoffentlich weiß ich es auch.
Er blickte auf die Uhr und stellte fest, dass es zwei Uhr nachts war. Er beschloss, dass es vielleicht eine gute Idee war, noch eine Patrouille durch das Schloss zu machen, bevor er sich hinlegte. Er war im Moment eh nicht in der Verfassung zu schlafen. Außerdem würde er durch das Bestrafen von Schülern, welche eventuell noch durch die Gänge irrten, seine Gedanken in eine andere Richtung lenken können.
Severus erhob sich und verließ seine Gemächer. Er lief eine halbe Stunde Patrouille und wollte sich auf den Rückweg machen, als eine ihm sehr vertraute Stimme sein Ohr erreichte. Er drehte sich um und musste feststellen, dass wirklich Dumbledore hinter ihm stand.
Verdammt! Auch das noch. Denk dir was aus, denk dir was aus...ahh, Mist, mir fällt nichts ein. Schlafmangel, vermalledeiter Schlafmangel.
Dumbledore trat, mit einem großen Lächeln, näher an ihn heran.
"Severus, was machst du um diese Zeit noch hier draußen? Du hast doch überhaupt keinen Dienst."
"Lassen Sie das mal meine Sorge sein Schulleiter." erwiderte Severus zischend.
"Ahh, ich seh' schon. Schlaflosigkeit. Du solltest es mal mit einem Zitronendrop versuchen. Die beruhigen ungemein." Dumbledore zwinkerte Severus zu, was Severus dazu veranlasste noch einen Hauch grimmiger zu gucken als er eh schon guckte.
"Nein, danke, Schulleiter."
Das darf doch wohl alles nicht wahr sein. Erst Granger, dann die Mistviecher und jetzt auch noch Dumbledore. Kann es eigentlich noch schlimmer kommen?
"Severus, eigentlich ist es ganz gut, dass wir uns treffen. Ich wollte dich was fragen. Komm lass uns in mein Büro gehen."
Verdammt. Ich sollte nie den Teufel an die Wand malen.
Severus und Dumbledore gingen zusammen in das Büro des Schulleiters. Dort angekommen, bot Dumbledore Severus ein weiteres Mal ein Zitronendrop an, was dieser jedoch wieder ablehnte. Der Schulleiter setzte sich hinter seinen Schreibtisch und wies auf den Platz davor. Severus setzte sich und fragte sich, was der von ihm geschätzte Schulleiter diesmal von ihm wollte.
"Also, Severus, Minerva hat mir erzählt, dass du die junge Miss Granger gestern Abend in deinem Büro haben wolltest. Und, dass sie ihren Kater mitbringen sollte. Kannst du mir mal bitte erläutern, was du von Miss Granger wolltest?" Dumbledore sah ihn über seine Brille hinweg an. Severus wurde das ungute Gefühl nicht los, dass der Schulleiter ihm direkt in die Seele sah.
Er fühlte sich, wie damals, als Dumbledore ihn zu sich gerufen hatte, um ihn mit Fragen über James Potter und seine Freunde zu löchern. Das allein hätte ihn ja nicht gestört, aber als er dann auch noch anfing ihn über Lily auszufragen, war er, ohne auf die möglichen Konsequenzen zu achten, aus dem Büro gestürmt.
Jetzt war er auch wieder kurz davor, wie damals aus dem Büro zu stürmen. Aber im Gegensatz zu damals, hatte er gelernt sich zu beherrschen. Beherrschung. Das war eine der wichtigsten Eigenschaften, wie er auf die harte Tour lernen musste. So blieb er sitzen und versuchte seine Gedanken vor seinem Vorgesetzten zu verschließen. Was ihm aber nie gelang.
"Miss Granger und ich haben uns unterhalten, Sir."
"Worüber denn? Versteh mich nicht falsch, aber dein plötzliches Interesse an Miss Granger ist doch recht überraschend."
Severus taxierte sein Gegenüber einen Moment und entschied sich dann dafür, ihm die Wahrheit zu erzählen. Oder zumindest einen Teil davon.
"Wir haben uns über Katzen unterhalten. Um genau zu sein, über die Katze, welche Sie mir zum Geburtstag vor zwei Jahren geschenkt haben."
"Wolltest du die Katze etwa verkaufen? Ich dachte Miss Granger hätte bereits eine Katze."
"Nein, ich wollte sie nicht verkaufen. Die Katze hat Nachwuchs. Und der Kater von Miss Granger ist der Erzeuger dieser...dieses Nachwuchses." Severus malmte mit dem Kiefer. "Ich wollte nur, dass Miss Granger Verantwortung für diesen Zwischenfall übernimmt."
"Severus." Der Blick, welchen der Schulleiter aufsetzte, gefiel Severus überhaupt nicht. "Wenn ich mich recht erinnere, hast du doch immer gesagt, dass die Katze deine privaten Räumlichkeiten niemals verlassen wird."
"Ja, Sir. Aber Miss Grangers Kater muss irgendwie in meine Räume gekommen sein. Ich weiß nur noch nicht wie. Aber ich kann ihnen versichern, dass ich das schnellstmöglich herausfinden werde."
Wenn er nur wüsste, dass ich das bereits weiß. War auch ein zu dummer Fehler von mir. Das regt mich heute immer noch auf. Aber ich muss jetzt ruhig bleiben.
"Ich bin mir sicher, dass du das wirst. Ach, nur noch eins. Was hast du mit Miss Granger jetzt vor?"
"Ich habe gar nichts vor mit ihr. Sie muss nur jeden Nachmittag bei mir vorbeikommen, um sich um die Katzen zu kümmern."
"Du hast sie dazu verdonnert jeden Nachmittag bei dir vorbeizukommen?" Dumbledore sah Severus leicht entsetzt an.
"Um ehrlich zu sein, dass sie jeden Nachmittag beziehungsweise Abend bei mir vorbeischaut um sich um die Katzen zu kümmern, war allein die Idee von Miss Granger."
"Ah, gut. Wenn dann nichts mehr ist, kannst du nun gehen. Gute Nacht."
"Danke, Schulleiter. Gute Nacht." Severus nickte Dumbledore kurz zu, drehte sich um und verließ das Büro.
Er blickte erst auf die Uhr, als er wieder sicher in seinen eigenen vier Wänden war.
Viertel nach vier. Sieh einer an, so früh schon. Vielleicht sollte ich einfach versuchen zu schlafen, obwohl ich jetzt viel zu aufgekratzt dafür bin.
Er ging in sein Schlafzimmer und zog sich um. Dann legte er sich hin und wartete, dass der Schlaf ihn übermannte. Doch seine Gedanken machten ihm einen dicken Strich durch die Rechnung.
Warum zur Hölle wollte der Schulleiter mit mir reden? Klar, er hat gesagt, dass Minerva ihn angesprochen hat. Ja, das sah Minerva McGonagall ähnlich. Immer nur das Beste für ihre Löwenbabys. Wobei wir wieder bei Katzen wären.
Severus blickte auf die Uhr. Er fluchte, darüber, dass er keinen Schlaf fand und darüber, dass er sich Gedanken macht, über Dinge, welche garantiert überhaupt nichts zu bedeuten hatten.
Na toll. Jetzt ist es schon viertel nach vier Uhr morgens. Vielleicht sollte ich noch etwas lesen. Irgendwas langweiliges. So was wie Runenkunde für Anfänger. Obwohl, das kann ich ja gar nicht lesen. Ich hab es schließlich verlegt. Ich könnte jetzt aber auch einfach aufstehen und mich unter die Dusche stellen. Genau, drei Stunden duschen. Nein, danach sehe ich bestimmt aus wie Minerva und Dumbledore zusammen.
Bei dem Gedanken musste er das Gesicht vor Ekel verziehen. Er stand trotzdem auf und stellte sich unter die Dusche. Nur duschte er keine drei Stunden.
Nach einer knappen halben Stunde war er fertig und setzte sich auf sein Sofa. Er ging die Ereignisse des gestrigen Abends noch mal durch und versuchte sich damit auf den Nachmittag vorzubereiten.
Okay, Hermine Granger betritt mein Büro, ich bin noch drauf wie immer. Dann in meinen Wohnzimmer. Granger wird unsicher, Snape immer noch wie immer. 1 zu 0 für Team Snape.
Severus musste schmunzeln, weil er sonst nie diese dämlich Sportergebniszählung benutzte. Er fand sie einfach vor die Wand gelaufen.
Dann Granger bringt ihr Mistvieh zum Kamin, Mistvieh befreit sich, läuft allein zum Kamin. Granger sieht sich um, was nicht passiert wäre, wenn ich nicht geschlafen hätte und sie direkt zurecht gewiesen hätte. 1 zu 1. Anschließend kriecht mein Mistvieh aus dem Haufen und Granger fragt mich, ob ich eine Katze habe. Ich erzähle ihr die Geschichte und Granger verhält sich, als hätte sie plötzlich ihren Verstand verloren. 2 zu 2. Ab da ging es abwärts mit mir. Ich ließ mich auf eine Diskussion mit ihr ein. Und ich war noch nicht mal vor Wut am überkochen. Nein, eher im Gegenteil ich war ruhig. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, habe ich mich auf ihren Kompromiss eingelassen. Und ich habe sie nach oben gebracht. Ich bin eindeutig zu weich vorgegangen. Ich hätte die Viecher nehmen, sie ihr in die Hand drücken, ihr noch eine Strafarbeit aufdrücken und sie weg schicken sollen. Wie es eigentlich mein Plan war. Aber nein, meine Vergangenheit holte mich wieder mal ein.
Er musste gequält aufseufzen. Er erinnerte sich an die Zeit damals, als er noch zur Schule ging.
Sie erinnert mich an Lily. Steht immer zu ihren Freunden und verteidigt ihre Meinung auch vor Autoritätspersonen. Lily war auch eine aufstrebende junge Hexe, aber das Schicksal hat ihr junges Leben viel zu früh enden lassen. Ich habe damals so einige schwerwiegende Fehler begangen, aber ich werde nie den Blick vergessen, mit dem sie mich anblickte, als ich sie Schlammblut nannte. Ich steckte schon viel zu tief drin, als dass ich merkte, was ich eigentlich tat. Ich hatte nie vor einer von den Bösen zu werden. Manchmal ist Schicksal etwas, was wir nicht vorherzusagen vermögen.
Severus beschloss, dass es vielleicht gut wäre, wenn er frühstücken gehen würde. Er dachte sich, dass um diese Uhrzeit bestimmt noch keiner an Frühstück dachte.
Er betrat die Große Halle und stellte mit Zufriedenheit fest, dass wirklich noch niemand da war. Er setzte sich und überlegte, wie er vorgehen sollte, damit Hermine Granger es nicht wieder schaffte seine Fassade einzureißen.
Diese Gedanken unterbrach er nur kurz, als zwei weitere Personen die Halle betraten. Er erkannte Hermine und Ginny. Bei dem Anblick von Hermine, fragte er sich, ob sie heute wirklich zu ihm kommen wollte. Und, als ob sie seine Gedanken gelesen hätte, nickte sie nur und er verstand.
Kurz darauf verließ er die Große Halle und machte sich auf den Rückweg in seine Wohnung.
