Entschuldigung für die lange Pause. Bin im Moment mit Arbeit zugeschüttet. Hoffe ich jetzt finde die Zeit etwas schneller weiterzuschreiben.
Kapitel 4
Hermine wusste nicht warum, aber sie war schon lange bevor sie zu Snape musste ziemlich nervös. Zwar hatten sich die belastenden Gedanken gelegt, was sie Ginny zu verdanken hatte, aber dennoch blickte sie alle drei Minuten auf die Uhr.
Als es endlich Zeit wurde, machte sie sich auf den Weg und obwohl sie, mehr oder weniger, trödelte, war sie immer noch fünf Minuten zu früh dran.
Sie stand unentschlossen vor Snapes Büro. Sie wusste, was er von Unpünktlichkeit hielt, jedoch wusste sie nicht, was er davon hielt, wenn man zu früh erschien.
Sie blickte noch einmal auf die Uhr. Noch zwei Minuten. Hermine entschloss sich, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Entschlossen klopfte sie an und wartete darauf, dass er sie herein bat. Sie wartete jedoch vergebens.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch hinter sich. Es klang wie Atmen. Sie wagte es nicht, sich umzudrehen. Aus Erfahrung wusste sie, dass es meistens besser war, sich nicht umzudrehen, sondern sofort die Flucht anzutreten.
Nur konnte sie nirgendwohin rennen.
Das Atmen kam definitiv in ihre Richtung und es kam schnell näher.
Dann war es still.
Zu still.
Sie fühlte die Präsenz von etwas direkt hinter sich. Sie wagte es aber dennoch nicht, sich umzudrehen.
"Miss Granger, was wollen Sie denn schon hier?"
Das war zu viel für Hermine.
Sie wurde ohnmächtig und fiel. Sie fiel Severus Snape direkt in die Arme.
Dieser fing sie auf und murmelte nur noch "Verdammt."
Er trug sie nach drinnen, brachte sie zu seinem Sofa und legte sie darauf ab.
So hatte er das nicht geplant.
Er hatte zwar geplant, ihr einen gewaltigen Schreck einzujagen, nicht aber, dass sie ohnmächtig wird und ihm in die Arme fällt.
Er hoffte, dass sie bald wieder von allein aufwachen würde, denn je länger er sie so ansah, desto mehr merkte er, dass sich seine innere Haltung veränderte. War er eben noch abweisend, so wurde er jetzt weich. Das konnte er sich nicht wieder leisten. Er wusste, dass er etwas tun musste. Somit ging er zu ihr rüber.
Er hatte sich schon leicht über sie gebeugt, da schlug sie die Augen auf. Sie sah direkt in die seinigen.
Er wollte wegsehen, konnte aber nicht.
Nach einigen Sekunden, welche sich für beide wie eine Ewigkeit angefühlt hatten, öffnete sie den Mund.
"Braun..."
Severus legte seine Stirn in Falten. "Was ist braun?" Seine Stimme war sanft und leise.
"Ihre Augen. Sie sind nicht schwarz, sondern braun." Hermine lächelte geistesabwesend.
"Ich weiß. Ihre sind auch braun." Er hatte, wie Hermine fand, die bei weitem schönste Stimme, welche sie je gehört hatte.
Sie blickten sich noch ein paar weitere Sekunden tief in die Augen. Alles um sie war ruhig und entspannt. Sie vergaßen praktisch die Welt um sich.
Als unerwartet ein Holzscheit im Kamin knackte, stieg Panik in Hermines Augen. Sie realisierte, wo sie war und in welcher Position. Wie von einer Tarantel gestochen sprang sie auf.
"Wa-wa-was mach' ich eigentlich hier? Das darf doch nicht wahr sein. Albus Dumbledore gut, Severus Snape böse. Nicht umgekehrt. Definitiv nicht umgekehrt."
"Sie wären überrascht, wenn Sie die Wahrheit kennen würden."
Er hatte sich umgedreht und sich auf das Sofa fallen lassen. Hermine starrte ihn geistesabwesend an.
"Miss Granger? Miss Granger, sind Sie noch ansprechbar?"
"Ja...ja, bin ich." erwiderte Hermine, wobei sie allerdings immer noch leicht geistlos vor sich hin starrte.
"Und zurechnungsfähig?" hakte Severus deshalb nach.
"Keine Ahnung. Ehrlich, ich habe keine Ahnung." Diesmal blickte Hermine Severus offen in die Augen. Wieder blickten sie sich lange an. Severus ergriff zuerst das Wort.
"Sie sollten sich Ihrer Aufgabe zuwenden."
"Ja, Sir."
Hermine drehte sich um und ging zu dem Haufen, in dem sie die Katzen das letzte Mal gesehen hatte.
Nachdem Hermine nach den Katzen gesehen hatte und sichergestellt hatte, dass es allen gut ging, wollte sie sich eigentlich von Snape verabschieden und wieder in ihren Gemeinschaftsraum gehen. Aber wie das Leben nun mal ist, fielen ihr in diesem Moment noch was ein, was sie ihn fragen wollte. Sie wandte sich ihm zu und ging das Risiko ein, keine zufriedenstellende Antwort zu erhalten.
"Professor Snape? Eine Frage. Wie alt sind die Katzen jetzt eigentlich?"
"Was interessiert Sie das?" Er sah auf und seine berühmte Augenbraue schoss in die Höhe.
"Nun ja, ich glaube, Sie wollen die Katzen auch bald wieder loswerden."
"Stimmt. Wieso nehmen Sie die ganze Katzenbande nicht einfach mit Miss Granger?"
"Weil die kleinen Katzen bei ihrer Mutter bleiben müssen."
"Ich meinte die ganze Katzenbande, das schloss die Mutter der Biester mit ein." Er starrte Hermine vorwurfsvoll an.
"Ich denke nicht, dass das meine eigentliche Frage beantwortet. Wie alt sind die Katzen?"
Hermine bewegte sich unbewusst auf sehr dünnes Eis. Als es ihr auffiel, richtete sie ihren Blick zu Boden und war schon fast dabei sich zu entschuldigen. Wozu sie aber nie kam, da ihre Gedanken von Snape unterbrochen wurden.
"Die Katzen sind jetzt dreieinhalb Wochen alt."
"Ahh."
"Wie 'Ahh'? Was hat Ihnen die Frage nach dem Alter eigentlich gebracht?"
"'Ahh', weil ich Ihnen jetzt sagen kann, wie lange Sie noch mit den Katzen leben müssen. Und gebracht hat es mir, dass, wenn wir mal von einem Abgabealter von 12 Wochen ausgehen, Sie noch mindestens achteinhalb Wochen die Katzen ertragen müssen."
Ihm entfuhr ein tiefes Grollen und er zog ein äußerst passendes übellauniges Gesicht.
"Immer mit der Ruhe. Das ist jetzt wirklich kein Grund sich aufzuregen." versuchte Hermine ihn zu besänftigen.
"Ihre Besänftigungsversuche sind nicht von Nöten." Er durchbohrte sie mit seinem Blick. "Ich rege mich nicht auf."
"Das ist gut, Sir. Ähm, wo steht überhaupt die Katzentoilette?"
"Da." Snape zeigte auf die ihm gegenüberliegende Seite des Raumes.
"Danke, Professor." Hermine bewegte sich zielstrebig auf die Katzentoilette zu. Oder zumindest dorthin, wo sie sie vermutete. Sie fand die Katzentoilette auch. Sofern man hierbei davon zu sprechen wagen konnte.
Die Toilette war eine mit Sand gefüllte alte Blechkiste mit hohem Rand. Als Hermine sich die Kiste genauer besah, musste sie feststellen, dass der Rand sehr scharf war. Sie drehte sich um und blickte Snape völlig entsetzt an.
"Professor Snape! Soll diese Sandkiste die Katzentoilette sein?!"
"Ja. Haben Sie schon wieder etwas auszusetzen, Miss Granger?" Er sah sie mit einem "Wagen-Sie-ja-nicht-etwas-auszusetzen"-Blick an.
"Oh doch, ich habe etwas auszusetzen." Hermine blickte ihn unverwandt angriffslustig an. "Wollen Sie mir etwa erzählen, dass Sie noch nicht mal an die Gesundheit, und vor allem Sicherheit, der Katzen gedacht haben? Die Kiste ist völlig ungeeignet für junge Katzen. Erstens kommen die Kleinen noch nicht einmal in die Kiste und zweitens, selbst wenn sie reinkrabbeln könnten, dann würden sie sich höchstwahrscheinlich den Bauch aufschlitzen. Das sollten Sie schnellstens ändern."
"Wieso sollte ausgerechnet ich mich darum kümmern? Wie Sie doch allen immer wieder unter die Nase reiben, sind Sie doch selbst eine recht fähige Hexe."
""Ich wollte Sie nur darauf hinweisen, dass die Kiste nicht sicher ist für die kleinen Katzen." Hermine wandte sich wieder der Kiste zu und zog ihren Zauberstab.
Er hatte sie wieder ausgespielt. Mittlerweile wollte sie ihn dazu bringen wieder der Alte zu sein. Es war ihr unheimlich, was vorhin geschehen war und auch, dass er so "nett" zu ihr war.
Ein paar geschickte Zauber später, hatte sie den Rand der Kiste abgesenkt und stumpf gemacht. Sie betrachtete ihr Werk und wandte sich dann um, um noch mal nach den Katzen zu sehen. Danach wollte sie eigentlich gehen.
Doch wiedereinmal kam ihr etwas dazwischen.
Sie war schon fast an der Tür und wollte sich von Snape verabschieden, als er sie zu sich beorderte. Er hatte sich von seinem Schreibtisch erhoben, an den er sich mittlerweile gesetzt hatte, und ging wieder zu seinem Sofa. Hermine blickte ihn unsicher an, da sie nicht wusste, ob sie einer Situation wie dieser gewachsen war.
"Setzen Sie sich." Snapes Stimme hatte wieder diesen samtenen Ton angenommen. Hermine setzte sich auf die Seite des Sofas, auf welche er gewiesen hatte.
"Ja, Professor?"
"Wir sollten uns unterhalten."
"Worüber denn?" Wieder verwirrte er Hermine.
"Darüber, dass Sie versuchen mich in Rage zu bringen." Er sah sie gespielt vorwurfsvoll an.
"Das tu' ich doch gar nicht!" Eine erhobene Augenbraue seinerseits war genug, um ihr die Wahrheit zu entlocken. "Na gut, vielleicht ein wenig."
"Warum tun Sie das? Ich dachte, sie wären schon genug damit gestraft, dass Sie hier in meiner Gegenwart arbeiten müssen."
Das ließ Hermine lächeln. Sie blickte ihm offen ins Gesicht.
"Vergessen Sie nicht, dass ich den Vorschlag gemacht habe. Aber ich dachte nicht, dass Sie so...nett zu mir sein würden. Das ist man von Ihnen nicht gewohnt."
Jetzt war es an ihm ein leichtes Lächeln aufzusetzen.
"Glauben Sie wirklich, ich wäre immer so ein Bastard? Das ist wirklich unfair mir gegenüber."
"Nein, ich..."
"Ja?"
"Ich halte Sie nicht für einen Bastard. Sie mögen vielleicht ein wenig sarkastisch, bisweilen gemein sein, aber ich glaube nicht, dass Sie ein Bastard sind."
"Das ist etwas, was ich jetzt nicht von Ihnen erwartet hätte."
"So? Was hätten Sie denn erwartet?"
"Entweder, dass Sie mich für einen totalen Bastard halten oder für einen Sadisten."
Hermine war geschockt. Er dachte sie würde ihn für einen Sadisten halten. "Wieso das?"
Severus wurde etwas unwohl. Er hätte erwarten müssen, dass sie ihn nicht ohne weitere Erklärungen davonkommen lassen würde. Er stand auf und ging vor ihr auf und ab.
"Weil ich Sie nie beachte und auch sonst kein gutes Wort über Sie verliere. Weil ich Ihren Freunden und Ihnen immer das Leben schwer mache. Und weil Sie es nie schaffen, mich auch nur im Ansatz mit Ihren Leistungen zufriedenzustellen."
Hermine hörte ihm zu und war entsetzt. Sie musste etwas unternehmen. Nur was?
"Nicht." Es platzte einfach aus ihr heraus, es war zwar leise, doch reichte es um ihn in seinem Redeschwall zu stoppen. Sie wusste nicht woher es kam und auch nicht, warum sie es ausgesprochen hatte.
"Was?" Severus war verwirrt. Er hätte mit allem gerechnet, nur nicht damit.
"Nicht." Sie blickten sich an. Melancholie und Mitleid auf Hermines Seite und Unverständnis und Verwirrung auf Severus Seite. "Machen Sie sich nicht so fertig. Es ist nie zu spät sich zu ändern."
"Doch. In meinem Fall ist es zu spät." Severus ließ seine Schultern und seinen Kopf hängen und atmete einmal tief durch. Hermine hatte schon fast erwartet, dass er gleich weinen würde, doch ihre Erfahrung mit Severus Snapes Charakter widersprachen diesem.
"Es ist nie zu spät. Egal, wie schmerzhaft die Vergangenheit auch sein mag, die Zukunft ist das worauf wir zustreben sollten." Hermine war aufgestanden und ging vorsichtig auf ihn zu. Als sie direkt vor ihm stand, sah er auf und sah ihr direkt, offen und ehrlich in die Augen.
"Sie sagen mir also, dass ich die Vergangenheit vergessen soll?"
"Nein. Nur, dass Sie sich nicht wegen Ihrer Vergangenheit in Selbstmitleid und Schuldgefühlen suhlen sollten. Egal wen Sie verloren haben, die Person wird für immer ein Teil von Ihnen sein, egal was passiert." Hermine wusste, dass es jetzt an der Zeit war ihn mit seinen Gedanken allein zu lassen. Sie drehte sich um und ging zur Tür. Bevor sie die Tür öffnete, drehte sie sich nochmal zu ihm um.
"Denken Sie über meine Worte nach. Bis Morgen. Ich bin um die selbe Zeit wieder hier."
Und damit verschwand sie und ließ ihn allein.
