Hey!

Danke an die beiden Reviewschreiber (: - würde mich übrigens sehr freuen, wenn sich ein paar mehr Leser nach dem Lesen ans Schreiben machen würden, um mir ihre Meinung zu sagen ;)

greta-serebro: Dein Wunsch sei mir Befehl – viel Spaß beim 2. Kapitel (:

blaue-banane: Hehe! Noch ein Morgenmuffel – uns gehört die Welt *muhaha* ^^

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Kapitel zwei - Nichts ist, wie es scheint

Kann gar nicht so schnell gucken, aber auf einmal fliegt die Kerkertür auf und Snape lässt uns rein. Suche mir schnell einen Platz am Fenster, bei soviel Dunkelheit wie hier drin ist, kann ein Platz am Fenster nicht schaden. Luna und Neville hocken sich neben mich und vor uns sichern sich Hermione, Harry und Ginny ihre Plätze. Niemand redet, total gruslig, dieses Kollektivschweigen, also, es ist ja nicht nur schweigen, ich schwöre, kaum jemand atmet laut. Neville hat sogar die Luft angehalten, wie ich an seinem nun leicht bläulich anlaufenden Gesicht sehen kann. Meine Güte, der Kerl macht sich gleich in die Hose!

„Ah … unsere neue … Schülerin!" Habe gar nicht gemerkt, dass Snape an sein Pult gegangen ist. Und wow … Hat der Mann wirklich so eine Stimme? So sanft und erotisch … Muss wirklich Ironie des Schicksals sein, jemandem so ein Aussehen und so eine Stimme zu geben. Zugegeben, mir wird etwas warm, als er so näher kommt und sich drohend vor mir aufrichtet. Steh ich jetzt etwa auf Dominanz?

„Gleich am ersten Schultag mit Flüchen um sich werfen … Soso. Nun, wo liegen denn Ihre anderen Fähigkeiten verborgen?", wenn er weiter mit der Stimme auf mich einredet, werde ich schmelzen. Ehrlich. Andererseits, was er so von sich gibt, ist einfach langweilig doppeldeutig … Lahmer Flirtversuch, Professor Snape!

Hups! Hab ich das tatsächlich ausgesprochen? Schaue mich kurz um, Neville sieht aus, als würden ihn zehn Cruciatus-Flüche auf einmal treffen, Hermione hat sich die Hand vor den Mund geschlagen, Ginny ist der Kiefer nach unten geklappt, Harry grinst ungläubig und irgendein anderes Mädchen weiter vorn hat entsetzt aufgeschrien. Na hoppala! Das wollte ich aber wirklich nicht. Sollte unbedingt lernen, mein Mundwerk zu kontrollieren. Der Blick in Snapes Gesicht, was irgendwie ungesund rot aussieht, sagt mir, dass es dazu eindeutig zu spät ist. Wahrscheinlich zückt er gleich seinen Zauberstab und quält mich zu Tode.

Luna spielt mit ihrem Kettenanhänger. Interessantes Teil, so schön … ähm … eckig und grün. Was soll das eigentlich darstellen? Falls ich die Stunden tatsächlich überleben sollte, werde ich sie fragen. Aber dennoch, die vier Ecken des Anhängers sind so spannend, viel spannender als Snapes Gesicht, in das ich mich mittlerweile nicht mehr zu gucken getraue. Warum sagt er nicht irgendwas? Bereitet mir ein Ende oder so? Diese Stille macht mich wahnsinnig!

„Nun … Miss … Diamond …" Wow. Ich muss überleben, nur um weiterhin zu hören, wie er meinen Namen flüstert. So mühsam beherrscht und weich … Ob er französische Vorfahren hat? Sollte ihn mal fragen …

„Sind Sie so von sich überzeugt, dass Sie meinen, ich würde mit Ihnen flirten?" Na ja … Warum eigentlich nicht? Wage es weiterhin nicht, ihm ins Gesicht zu sehen und außerdem erkenne ich rhetorische Fragen auf hundert Meter Entfernung. „50 Punkte von Ravenclaw wegen Ihrem losen Mundwerk und heute Abend Strafarbeit, eine Woche lang ab 20:00 hier, im Kerker!", presst er mühsam beherrscht hervor. Wahrscheinlich bin ich ganz gut weggekommen. Was interessieren mich Hauspunkte? Und eine Woche lang Strafarbeit? So schlimm wird's schon nicht. Hoffe ich.

Löse meinen Blick wieder von Lunas Kettenanhänger und sehe in Snapes dunkle Augen. „Ja, Professor Snape!" Am besten, ich versuche, so unterwürfig wie möglich zu sein. Will ihn nicht noch mehr provozieren.

„Schlagen Sie Ihre Bücher auf Seite 467 auf und brauen Sie den Trank! Abgabe nach Ende der zwei Stunden, MIT Bewertung." Snape steht am Pult, die Arme vor der Brust verschlungen. Meine Güte, heißt der Mann mit zweitem Vornamen Macho? Hups, er sieht mich an, habe ich etwa schon wieder laut gedacht? Kurzer Blick auf Neville, aber der schaut verzweifelt auf das, was in seinem Buch steht. Und auch die anderen scheinen nicht, als hätte ich irgendwas Unpassendes gesagt. Warum schaut Snape dann so böse? Spüre plötzlich, wie jemand versucht, in meine Gedanken einzudringen. Grr. Wer im Raum ist so blöd? Okklumentik wird auf Beauxbatons nun wirklich zum Erbrechen gelehrt. Verschließe meinen Geist und schaue im Raum nach Leuten, die schwer konzentriert gucken. Niemand. Schiele unter den Wimpern zu Snape, der schaut auch unbeteiligt.

„Miss Diamond!", da ist er wieder, dieser kleine Schauer über meinem Rücken, wenn Snape mit mir redet. „Was ist? Brauchen Sie eine Extraeinladung? Fangen Sie gefälligst an!"

Was? Huch! Der Trank. Verdammt. Praxis. Habe noch nie in meinem Leben einen Trank gebraut und war der Meinung, dass das andere tun können. Ich werde keinen armen Regenwurm zerkleinern. OH NEIN! Habe gerade das Rezept gelesen. Tränkebrauen ist eindeutig nichts für Vegetarierinnen. Ein Stück Drachenleber, Flubberwürmer, Innereien eines Igels. Uärgh. Sehe gerade, wie Neville mit einem Skalpell einem putzigen kleinen Würmchen den Kopf absäbelt. Soviel Kaltblütigkeit hätte ich dem schüchtern wirkenden Gryffindor gar nicht zugetraut. Auch Harry, der Weltenretter. Wie der den armen Igel ausweidet … Kann gar nicht hingucken, mir wird allein bei dem Geräusch, welches das Skalpell beim Zerschneiden von Haut verursacht, schlecht.

„Miss Diamond! Fangen! Sie! an!", Snapes wütende Stimme ist meinem Gesicht recht nah und ich schau immer noch wie paralysiert in mein Buch. Besser, als in seine Augen. „Los! Ich will sehen, ob Sie Ihre Note in Beauxbatons tatsächlich mit guter Arbeit verdient haben!" Denkt der Kerl wirklich, ich würde zu unlauteren Mitteln greifen, um meine Noten zu verbessern? Womöglich mit einem Lehrer schlafen. Denke an Monsieur Doisvoir, meinen ehemaligen Tränkelehrer, der wahrscheinlich noch älter als Dumbledore ist und mir wird noch schlechter.

„Kann nicht!", presse ich verzweifelt hervor.

„Was? Ich habe Sie nicht verstanden, Miss Diamond!", rattert seine kalte, höhnische Stimme an meinem Unterbewusstsein. Das ist jetzt wirklich ganz und gar unerotisch! Recke mich, ignoriere, wie Luna gerade eine hübsche Schnecke der Länge nach aufschlitzt und sehe in Snapes Augen: „Ich sagte, dass ich das nicht tun kann!". Klang meine Stimme ehrlich so fest? Werde Hermione nach der Stunde fragen müssen.

„Sie können nicht?", hat Hogwarts ein Rekordbuch? Wahrscheinlich habe ich da – den Blicken meiner Mitschüler nach – einen Eintrag verdient. Eine Stunde bei Snape und ich hab ihn fassungslos gekriegt!

„Ich werde kein Tier aufschlitzen, ausweiden oder zerquetschen.", sage ich mit fester Stimme.

Neville hat mal wieder die Luft angehalten und auch der Rest des Raumes scheint erstarrt, nicht einmal die Flüssigkeiten in den Kesseln blubbern vor sich hin.

„WAS ERLAUBEN SIE SICH EIGENTLICH?", brüllt Snape los. Schwache Nerven hat der Mann … „Sie werden sich jetzt die Zutaten holen und diesen verdammten Trank fertigstellen!"

„Nein, Professor Snape. Ich werde kein unschuldiges Wesen zu Forschungszwecken missbrauchen." Ernte einen bewundernden Blick von Hermione.

„Jetzt hören Sie mal zu! Sie werden meinen Unterricht nicht benutzen, um ihre kleinen exzentrischen Neigungen auszuleben!". Huch? Exzentrische Neigungen? Ich ziehe meinen Hut, Professor Snape! Meine Akte haben Sie jedenfalls gelesen. „Außerdem sind unsere Ingredienzien bereits tot, wie Sie sicher festgestellt haben!", er lächelt mich höhnisch an.

„Ich werde trotzdem keines anrühren!" wunderbar. Ich klinge wie ein verheultes Kleinkind. Aber ich bin gewissermaßen im Krieg, da sind alle Mittel erlaubt! Außerdem kann ich wirklich nicht. Snape sieht mich an, als würde er mich notfalls dazu zwingen, einen Flubberwurm zu vierteilen, und zwar solange, bis ich mich nicht mehr davor ekle.

„Schön … Miss Diamond! Dann werden Sie sich jetzt hierher setzen und mir aufschreiben, was Sie tun würden, wenn Sie sich nicht ekeln würden, ein paar Würmer zu zerteilen!" Huch? Was haben die denn alle, der Mann ist doch gar nicht so ein Unmensch. Eigentlich ganz hilfsbereit, wenn man erst mal weiß, wie man mit ihm umgehen muss. Die anderen im Raum sehen mich an, als würden sie mir gleich an die Kehle springen. Tja, Jungs und Mädels! Ich hab's halt drauf! Ich kann sogar Professor Snape bändigen!

***

„Wie … Was hast du getan, dass er so einfach nachgibt?", fragt mich Neville ehrfürchtig nach der Stunde, als wir außer Hörweite des Kerkers sind.

„Keine Ahnung. Muss mein überwältigender Charme sein!", Hermione sieht mich plötzlich nicht mehr wie das Lieblingsspielzeug an, sondern eher so, als würde ich mich vor ihren Augen in eine Spinne verwandeln. Huch! Mademoiselle versteht wirklich keinerlei Ironie und wirft sich in Ronnie-Spatzies Arme, der sie an sich drückt, als hätten sie sich ein halbes Jahrhundert nicht mehr gesehen. Vielleicht bin ich in der Hinsicht unfair, immerhin haben die beiden einen Krieg zusammen durchgestanden, da ist es eigentlich nachvollziehbar, wenn man … anhänglicher wird.

***

„DU HASCHT WASCH?", fragt Ron beim Mittagessen, während sein Hühnerfrikassee aus seinem Mund quillt. Drehe mich angewidert weg. Der Junge hat kein Benehmen! Widerlich sowas! Warum hab ich mich auch von Luna überzeugen lassen, mich mit ihr an den Gryffindortisch zu setzen? Bin dem vorangegangen Gespräch nicht gefolgt, aber ich habe die Vermutung, dass es um meinen kleinen Disput mit Professor Snape geht.

„Ja, sie hat gesagt, Ich werde kein Tier aufschlitzen, ausweiden oder zerquetschen und dann hat Snape sie alles schriftlich machen lassen!" Hermione schaut mich wieder wie das Lieblingsspielzeug an. Hm, eigentlich war mir die Spinne lieber … „Sag mal, du setzt dich also für unterdrückte, wehrlose Lebewesen ein? Ich hab da so ein Hauselfenprojekt …" Sehe, wie Ron und Harry die Augen verdrehen, während Hermione offensichtlich eine Verbündete in mir zu finden glaubt.

„Ach?", sage ich, um irgendwas zu sagen. Eigentlich würde ich ja lieber den Nudelsalat in mich reinstopfen, als über Rechte unterdrückter, wehrloser Lebewesen zu diskutieren.

„Ja, ich befreie Hauselfen!"

Hat dem Mädel eigentlich schon mal jemand gesagt, dass sie über die Maßen putzig ist? Hauselfen befreien. Huste vorsichtshalber, damit sie nicht merkt, dass ich fast loslachen muss. Hermione-Spatzi würde sich aber umgucken, wenn der Gryffindor-Gemeinschaftsraum im Chaos versinkt, nur weil die Hauselfen frei sind und nicht mehr zur Arbeit kommen. Oder denkt sie tatsächlich, die hochwohlgeborenen Zauberer würden dann ihren Müll selber wegräumen? Staubwischen, am besten mit Aufsätzen für Professor Snape? Sehe in ihr Gesicht und merke, dass es sinnlos ist, ihr zu widersprechen. Außerdem wirft mir Ginny einen mehr als warnenden Blick zu, wahrscheinlich sieht man mir an, was ich wirklich von Hermiones Hauselfenprojekt halte.

„Aha. Interessant.", sage ich deswegen und finde die Spirelli-Nudeln auf meinem Teller faszinierend.

„Du könntest mir doch helfen. Ich brauche Hilfe beim Hüte stricken!"

WAS? Dieses Mädchen will wirklich, dass ich, Claire Diamond, Stricknadeln in die Hand nehme und irgendwelche Hüte für irgendwelche Hauselfen stricke? Harry und Ron glucksen in ihr Hühnerfrikassee und Ginny unterhält sich unauffällig auffällig mit Luna. Offenbar kennen die vier Gespräche wie dieses und haben sich wahrscheinlich schon erfolgreich vom Hüte stricken befreit.

„Hüte … stricken? Und dann? Rennst du dann damit in Küche und drückst sie den Elfen in Hand und plopp sind sie frei?", muss es eindeutig perfektionieren, mit meiner Stimme umzugehen, klinge eindeutig zu sarkastisch.

„Nein, nein. Sie wollen ja nichts annehmen, sie sind so bescheiden. Ich verstecke sie im Gemeinschaftsraum der Gryffindors unter Müll und wenn sie den aufheben, dann finden sie die Hüte und sind frei."

Meine Güte, es wäre lustig, wenn sie nicht so überzeugt klänge. Anscheinend glaubt sie wirklich, dass sich die Hauselfen über Freiheit freuen.

„Wie … unauffällig", sage ich mit hochgehobenen Augenbrauen.

„Merlins Eier! Sie sieht aus wie Snape, wenn sie das macht! Und sie redet auch fast schon wie er! Hast du das bemerkt, Harry?", noch eine Oktave höher und ich würde behaupten, Ron winselt. Haben die hier alle gar keine Manieren?

„Es gehört sich eindeutig nicht, wenn man von Anwesenden in der dritten Person spricht", sage ich so kalt wie möglich. Wow, klingt wirklich so, als ob alles im Umkreis von zehn Metern gefrieren könnte.

„Ähm … Sorry!" Ron WINSELT! Der Kerl ist wirklich armseliger als armselig. Wie hat der einen Krieg überlebt?

Gucke ihn noch mal böse an und rausche davon, zu Geschichte der Zauberei. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie die vier die Köpfe zusammenstecken. Na ja, Luna nicht, die liest ihr Magazin.