Kapitel 1

4 Wochen später

Die letzte Vorlesung vor den Semesterferien war vorbei und Kelly konnte endlich ins Studentenwohnheim gehen und ihre Sachen, für den Trip nach Washington D.C., packen. Lächelnd legte sie ihre Sachen fein säuberlich aufs Bett, bevor sie ihre Reisetasche unter dem Bett hervor kramte und aufs Bett schmiss. Sie hatte nicht mal eine halbe Stunde Zeit um sich fertig zu machen, zu packen und pünktlich am Tor des Campus' zu stehen und auf Susan zu warten.

Susan war seit acht Jahren ihre beste Freundin. Die beiden waren unzertrennlich, machten und teilten – außer Jungs natürlich - alles mit einander.

Schon seit Monaten hatten die beiden jungen Frauen diesen Trip zusammen geplant und Kelly freute sich schon riesig darauf mit ihrer besten Freundin - die wie eine Schwester, die sie nie hatte, für sie war – nach Washington D.C zu fahren. Es hatte Kelly einiges abverlangt ihre Mutter zu besänftigen, denn sie wusste, dass es ihr sehr schwer fallen würde ihr einziges Kind, ganz allein wegfahren zu lassen – obwohl sie ja nicht mal ganz allein war. Kelly konnte sie verstehen. Sie hatten es in den letzten 15 Jahren nicht gerade einfach und Shannon hatte einfach Angst sie auch noch zu verlieren, so wie sie damals ihren Dad verloren hatten.

Sie seufzte schwer. Da war er wieder, ihr Dad, der sie, obwohl er tot war, ständig verfolgte und nie ganz weg war.

Sie riss sich aus ihren trübseligen Gedanken und widmete sich wieder ihrer Reisetasche. Sorgfältig packte sie jedes Kleidungsstück, immer darauf bedacht keine Falten hinein zu projizieren, in ihre Tasche, als es plötzlich an der Tür klopfte. Erschrocken zuckte sie zusammen. Sie hatte mit niemandem mehr gerechnet. Verwirrt ging sie an ihre Zimmertür und öffnete sie einen Spalt breit. Vor der Tür stand eine grinsende, junge Frau mit blonden schulterlangen Haaren und grünen Augen, die sie schelmisch an blitzten. Erleichtert stieß Kelly die Luft aus.

„Ach, du bist es. Komm doch rein!", sagte sie und öffnete die Tür nun ganz.

Die junge Frau blickte Kelly entgeistert an.

„Na die Begrüßung hatte ich mir allerdings anders vorgestellt, bei deiner aller, aller…"

„Übertreib nicht Susi.", unterbrach Kelly sie grinsend.

„... besten Freundin. Und ich ÜBERtreibe überhaupt nicht!", bemerkte Susan schmollend.

Kelly lachte und fiel ihrer Freundin um den Hals. Die jungen Frauen lachten ausgelassen, bis Kelly sich aus der Umarmung löste und ihre Freundin fragend ansah.

„Aber sag mal, was machst du jetzt schon hier? Wollten wir uns nicht erst in...", sie schaute auf die Uhr, „…genau 10 Minuten unten am Haupttor treffen?", fragte sie und schaute ihre Freundin scharf an. „Du hast doch nichts ausgefressen, oder?"

„Ich? NIE!", entgegnete Susan ihr unschuldig.

Kelly zog daraufhin nur eine Augenbraue hoch und sah ihrem Vater nun verdammt ähnlich.

Susan hob abwehrend die Hände in die Luft. Sie versuchte es zwar immer wieder, aber Kelly durchschaute sie jedes Mal, tja man konnte eine Kelly Gibbson eben nicht anlügen.

„Okay, okay, hast gewonnen. Aber ausgefressen – wie du so schön betont hast - hab ich wirklich nichts, ganz ehrlich.", verriet sie und setzte ihren Dackelblick auf, dem auch keine Kelly widerstehen konnte.

Kelly grinste und nickte. Das hatte ihr noch gefehlt, dass sie kurz vor ihrem Trip noch mit jemandem groß Ärger bekämen.

„Allerdings…" Kelly schaute entsetzt auf. ‚Oh nein, jetzt kommt's.' „Ich hab Josh den Laufpass gegeben!", grinste Susan und Kelly stieß erleichtert die Luft aus.

„Na wenn's sonst nichts ist!", sagte sie und wandte sich zu ihrer Tasche, um sie zu schließen und vor die Tür zu stellen.

„Aber wie kommt's auf einmal?", fragte sie nach, neugierig war sie dann ja doch.

Susan seufzte.

„Er hat mir zu doll geklammert und sag jetzt nicht: ‚Ich hab dich doch gewarnt!'", antwortete Susan auf Kellys Frage und hob provokant den Zeigefinger.

Kelly lachte fröhlich auf.

„Würd ich nie wagen!"

Susan schnaubte und rollte die Augen. ‚Von wegen! PH!'

„Oh shit!", rief Kelly entsetzt aus, als sie auf die Uhr schaute und feststellen musste, dass sie nur noch wenige Minuten Zeit hatten. Sie griff ihre Reisetasche und nach der Hand ihrer Freundin und zog sie aus ihrer Studentenbude. Sie schloss ihre Tür sorgfältig ab und gemeinsam gingen sie nun schnellen Schrittes den langen Flur entlang, rannten die Treppen runter und erreichten schließlich, völlig aus der Puste, das Haupttor.

Von dort aus waren es nur noch wenige Meter bis zur Bushaltestelle. Doch das Glück war ihnen an dem Tag wohl nicht holt, denn kaum waren sie einen Schritt vorwärts gegangen, kam der Bus angefahren. Kelly und Susan sahen sich an, nickten sich zu und rannten was das Zeug hielt. Der Busfahrer schien sie bemerkt zu haben, denn der Bus blieb stehen und ließ die jungen Frauen noch einsteigen, bevor er endgültig die Türen schloss und los fuhr. Erleichtert und nun völlig außer Atem ließen sie sich die Sitze plumpsen, nachdem sie ihr Gepäck verstaut hatten. Nun hieß es, sich zurück lehnen und fünf lange Stunden Busfahrt über sich ergehen zu lassen.

Fünf Stunden später

Endlich hatten sie Washington D.C. erreicht und wurden von einem regelrechten Wolkenbruch begrüßt. Kelly rümpfte ihre Nase.

„Na das fängt ja schon gut an. Kaum da, schon ein Sauwetter.", meckerte sie, leicht enttäuscht.

„Sieh es positiv, Kel!", grinste Susan.

„Positiv? POSITIV? Was soll daran bitte schön positiv sein?", grummelte Kelly und schaute ihre Freundin entsetzt an.

„Na das positive daran ist, dass wir endlich da sind!", erwiderte Susan und handelte sich sogleich eine Kopfnuss von ihrer Freundin ein. „Autsch! Wofür war die denn?", fragte sie entrüstet.

Kelly grinste nur und drehte sich zufrieden zum Fenster.

„Washington D.C. bitte alle aussteigen, dieser Bus endet hier!", ertönte es aus den Lautsprechern.

Der Bus hielt an und die Fahrgäste strömten aus dem Bus, nur Kelly und Susan blieben gelassen sitzen und warteten bis das Gedränge vorüber war und sie unbeschadet aussteigen konnten. Sie kramten ihre Reisetaschen hervor und stiegen aus dem nun leeren Bus aus.

Etwas unschlüssig und Orientierungslos – schließlich waren sie noch nie zuvor in Washington gewesen - drehten sie sich im Kreis und schauten sich um.

„Und nun?", fragte Susan.

Kelly schwieg für einen Moment, dann regte sie sich und ging schnurstracks in die Wartehalle der Station. Susan schnaubte und ärgerte sich über sich selbst. Darauf hätte sie auch selber kommen können. Kelly schaute sich um und als sie einen Bahnhofmitarbeiter ausgemacht hatte, ging sie zu diesem hin und fragte ihn nach dem Weg. Keine fünf Minuten später stand sie wieder neben ihrer Freundin.

„Und? Wohin?", fragte Susan.

„Der freundliche Herr dort hinten," sie deutete auf den Security Mann, „… meinte, wir würden uns zu Fuß wohl eher verlaufen, als in unserem Hotel anzukommen – sehr hilfreich übrigens. Ich schlage vor wir leisten uns heute mal ein Taxi und Morgen erkunden wir die Stadt… Zu Fuß!", fügte sie nach einem kurzen Moment hinzu.

Susan nickte und folgte ihrer Freundin. Gemeinsam verließen sie den Bahnhof und steuerten einen Taxistand an.

NCIS, Hauptquartier

Stille herrschte in dem Großraumbüro, wo das Team von Leroy Jethro Gibbs, an ihren Schreibtischen saß und alte Akten durcharbeiteten. Allerdings nicht jeder von dem Team war auf die Akten konzentriert. Ein gewisser Anthony „Tony" DiNozzo schielte immer wieder verstohlen zu seiner Partnerin Ziva David, der Mossad Agentin, die nun schon ein halbes Jahr bei ihnen im Team war, direkt nach Kates Tod. Bei dem Gedanken an Kate seufzte Tony auf. Er vermisste sie, ohne Frage.

Er ließ seinen Blick durch das Büro schweifen. McGee starrte gebannt auf den Monitor und hämmerte wie wild auf der Tastatur. Tony schmunzelte und sein Blick wanderte weiter zu Gibbs.

Gibbs, der ältere Chefermittler, der so was wie eine Vaterfigur für ihn geworden war. Gibbs hatte sich dazu durch gerungen sich mal mit seinem IPod zu beschäftigen. Der IPod lag vor ihm auf dem Tisch, daneben der Pappbecher mit seinem heiß geliebten Kaffee. Gibbs starrte auf den IPod als erwarte er, dass dieses dämliche Ding ihm irgendwie mitteilen würde, wie es denn nun funktionierte. Tony schmunzelte. Das war doch wieder so typisch für seinen Boss. Er fand es sehr amüsant seinen Boss dabei zu beobachten, wie dieser sich mit der neusten Technik herum ärgerte.
Gibbs schnaubte, nahm den IPod und schmiss ihn achtkant in den Papierkorb. „Scheiß Ding!", fluchte dieser und nahm einen Schluck Kaffee.

Tony konnte sich nur mit Mühe beherrschen nicht gleich lauthals los zu lachen. Um nicht groß auf zu fallen, versteckte Tony sein Gesicht hinter seinem Monitor, als er jedoch wieder auf sah, musste er feststellen, dass Gibbs nicht mehr an seinem Platz war.
Bevor er auch nur einen Gedanken daran verschwenden konnte, wo er denn nun hin war, bekam er eine Kopfnuss verpasst. Sein Kopf schnellte hoch und blickte in die stechend blauen Augen vom Chefermittler. Schmerzverzerrt rieb er sich den Hinterkopf. Gibbs beugte sich langsam zu seinem ranghöchsten Agenten runter und kam Tony dabei bedrohlich näher.

„Wenn du dich noch einmal über mich lustig machst, kannst du die Radieschen von unten bewundern!", flüsterte er bedrohlich. „VERSTANDEN!", kam es nun etwas lauter, eindringlich.

Tony zuckte unwillkürlich zusammen und nickte. Und wie er verstanden hatte.

„Gut!", meinte Gibbs, nahm einen Schluck Kaffee und wandte sich zum gehen um.

Tony stieß erleichtert die Luft aus, die er angehalten hatte.
Gibbs jedoch drehte sich noch mal um.

„Schluss für heute!", sagte er nur und verschwand.

'Endlich!', dachte Tony erleichtert, griff sich seine Sachen und ging eiligen Schrittes zum Fahrstuhl. Ziva und McGee direkt hinter ihm.
Die Drei traten gemeinsam in den Fahrstuhl und fuhren hinab in die Garage. In der Garage angekommen, ging er zu seinem Wagen, stieg ein und fuhr hinaus auf die geschäftigen Straßen Washingtons.