Holliday Inn Georgetown 20 Uhr
Kelly und Susan standen im Badezimmer vorm Spiegel und machten sich zu Recht um ins Nachtleben von Washington abtauchen zu können.
In den letzten vergangenen Stunden hatte Kelly, es dank Susans Hilfe, geschafft, nicht ständig an den Vorfall im Coffee Shop zu denken und das trieb ihre Laune gewaltig in die Höhe.
Kelly hatte ihr kleines Schwarzes –welches sie vorsorglich eingesteckt hatte, man konnte ja nie wissen auf wen man alles traf; wobei sie insgeheim hoffte auf den Mann zu treffen, den sie am Vormittag getroffen hatte – an, dazu passend schwarze, glänzende Stöckelschuhe mit einem zwei Zentimeter Absatz. Ihre braunen glatten Haare, hatte sie hoch gesteckt, nur an den Seiten hing jeweils eine Strähne hinab. Nur sehr dünn trug sie sich etwas Make-up auf und betonte ihre Augen, die nun noch ausdrucksvoller zur Geltung kamen.
Susan betrachtete ihre Freundin und fand sie wunderschön. Sie selbst hatte ein silbernes mit Pailletten bestücktes Kleid an, welches ihr bis zu den Knien ging. Dazu passende Pumps, ebenfalls in Silber gehalten. Im Gegensatz zu ihrer Freundin hatte sie ihre schwarzen Haare offen, die ihr in leichten Wellen über der Schulter hingen. Sie freute sich schon sehr auf diesen Abend.
Nachdem sie sich fertig gemacht hatten, gingen sie nach unten zur Rezeption. Kelly ging lächelnd auf den jungen Mann zu, der dahinter stand und ziemlich gelangweilt durch die Gegend guckte.
„Guten Abend. Kennen Sie hier in der Nähe eine gute Disco?", fragte sie ihn und zwinkerte ihm zu.
Der junge Man lächelte zurück.
„Das Silver Star! Wurde erst kürzlich eröffnet, soll aber sehr gut sein.", antwortete er ihr und zwinkerte zurück.
„Danke!", hauchte sie ihm entgegen und wandte sich wieder Susan um.
„Musst du den Männern denn immer den Kopf verdrehen?", lachte Susan.
Kelly zwinkerte ihr frech zu.
„Das wird dir eines Tages noch mal zum Verhängnis werden!", murmelte Susan und harkte sich bei ihrer Freundin unter.
Keine zehn Minuten später erreichten sie das Silver Star. Kelly schnaufte, als sie die irre lange Schlange vor dem Eingang sah.
„Nicht schon wieder!", seufzte sie, stellte sich aber dennoch mit Susan an.
„Na, siehst du ihn schon?", fragte Susan und zwinkerte ihr frech zu.
Verwirrt schaute Kelly sie an. Sie wusste wirklich nicht, wen sie denn nun meinte.
„Wen?"
„Na Sonnyboy von heut Morgen!", sagte Susan, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.
Traurig schüttelte Kelly mit dem Kopf. „Leider nicht, aber ich glaube auch nicht, dass er ausgerechnet hier her kommt?"
„Warum denn nicht? Das scheint hier eine angesagte Disco zu sein!", erklärte Susan ihre Annahme.
Nachdenklich schaute Kelly an Susan vorbei.
„Hoffentlich dauert das nicht mehr allzu lange!", murmelte Kelly.
Die Schlange lichtete sich immer mehr und sie standen letztendlich vorm Türsteher, der sie ohne zu zögern, rein ließ. Kelly schenkte diesem ein freundliches Lächeln und verschwand in der Disco. Susan hatte sie bei ihr eingeharkt und so schlängelten sie sich durch die überfüllte Disco.
„Coole Musik!", schrie Susan ihr ins Ohr und Kelly nickte darauf hin nur.
Ihr gefiel es hier, auch wenn die Disco recht voll war. Die Atmosphäre war locker und brachte den zwei jungen Frauen die passende Stimmung. Sie kämpften sich über die Tanzfläche zur Bar. Mit etwas Mühe und Ellbogeneinsatz schafften sie es schließlich, sich an die Bar zu setzen und sich erst einmal Getränke zu bestellen. Sie setzten sich auf die Barhocker und drehten sich in Richtung Tanzfläche.
***
Tony war schon einer halben Stunde in der neuen Disco Silver Star. Er wusste nicht, warum es ihn ausgerechnet hier hin verschlagen hatte, er war einfach seinem Bauchgefühl gefolgt und dieses hatte ihn schließlich in diese Disco geführt. Zehn Minuten nach seiner Ankunft, war er auf die Tanzfläche gegangen, um nach einer bestimmten Person zu suchen, obwohl die Chance sie hier zu treffen eher sehr gering war. Doch wenn es eins gab, woran Tony glaubte, dann war es auf seinem Instinkt zu hören, und das tat er auch.
Einige der jungen Damen, hatten sich eng an ihn gedrängt und ihn verführerisch an getanzt, mit ihren Hüften gekreist und ihm eindeutige Blicke zu geworfen, die er normalerweise nie abgeschlagen hätte, doch heute war er nicht in der Stimmung dazu. Er konnte sein Verhalten selbst noch nicht begreifen, doch er konnte die junge Frau vom Vormittag einfach nicht vergessen.
Nach einigen Liedern verließ er enttäuscht die Tanzfläche und ging auf die Bar zu. Mitten in der Bewegung hielt er inne. Genau vor ihm an der Bar, saß sie, die junge Frau weswegen er hier war und er an nichts anderes mehr denken konnte. Ein glückliches Lächeln erhellte sein Gesicht. Sein Herz schlug doppelt so schnell wie sonst und eine ganze Armee Schmetterlinge breitete sich in seinem Bauch aus. Er holte tief Luft und ging mit klopfendem Herzen auf sie zu. Sie schien ihn noch nicht bemerkt zu haben.
Als er dann neben ihr stand, beugte er sich nach vorne.
„Verfolgen Sie mich etwa?", schrie er ihr ins Ohr.
Erschrocken zuckte sie zusammen und fuhr zu ihm herum. Erst spiegelte sich Verwirrung in ihrem Gesicht wider, doch dann erkannte sie ihn und lächelte.
„Ich glaube eher, Sie verfolgen mich!", konterte sie und bot ihm mit einer Armbewegung an, sich doch zu setzen.
Lächelnd nahm er das Angebot an und setzte sich neben sie.
„Hi!", grinste er Susan an.
Sie grinste zurück und hob zum Gruß die Hand. Er wandte sich wieder Kelly zu. Susan, die die beiden nicht stören wollte, stand auf.
„Ich geh etwas tanzen!", sagte sie laut und zwinkerte ihrer Freundin aufmunternd zu. Ihr Blick sprach Bände: Vermassle es bloß nicht! Schienen ihre Augen zu sagen. Kelly grinste und nickte mit strahlenden Augen.
Ihr gefiel dieser Abend mehr und mehr. Sie hatte nie im Leben damit gerechnet ausgerechnet ihn hier wieder zu sehen.
Susan winkte Tony noch mal zu und verschwand dann auf der Tanzfläche.
Tony hatte sich derweil schon mal ein Bier bestellt und blickte Kelly nun neugierig an. Verlegen schaute diese ihrer Freundin nach. Sie ärgerte sich über sich selbst. Sonst war sie doch auch nicht so schüchtern, also warum denn jetzt?
„Übrigens ich bin Tony!", sagte er und reichte ihr die Hand. „Wir hatten heute Morgen nicht wirklich die Gelegenheit uns vorzustellen!"
Lächelnd nahm sie seine Hand. ‚Gott ist der süß!' dachte sie.
„Ich bin Kelly! Schön dich wieder zusehen!", antwortete sie und war froh endlich ihre Sprache wieder gefunden zu haben.
Das Eis war gebrochen. Die beiden unterhielten sich eine ganze Zeit. Bis dann schließlich ein langsames Lied aus den Lautsprechern tönte und Tony sich von seinem Platz erhob. Er hielt ihr die Hand hin.
„Wollen wir tanzen?", fragte er sie. Sie nickte und lächelte glücklich. Gemeinsam gingen sie nun auf die Tanzfläche. Kelly jedoch traute sich nicht sich ganz an ihn ran zu gehen, weil sie sich nicht sicher war, ob er es auch wollte. Tony schien dies zu bemerken und machte den ersten Schritt. Er zog sie an seine Brust. Sie bettete ihren Kopf auf seine Brust und lauschte seinem Herzschlag. Wie in Trance bewegten sie sich im Takt der Musik. Sie genoss seine Nähe und wärme durchflutete sie. Sie roch sein Aftershave und sog den Duft in sich auf, der ihr fast den Verstand raubte. So tanzten sie und bekamen gar nicht mit, dass mittlerweile eine andere Musik aufgelegt wurde. Es war ihnen in dem Moment auch völlig egal, es zählte nur sie beide.
Susan hatte sie aus weiterer Entfernung aus beobachtet. Sie lächelte und freute sich für ihre Freundin. Sie hoffte aus tiefsten Herzen, dass aus den beiden mehr werden würde. Sie sahen aber auch zu niedlich zusammen aus. Sie war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie gar nicht mitbekommen hatte, wie ihr jemand auf die Schulter geklopft hatte. Erst nach dem sie eine stimme direkt an ihrem Ohr hörte, zuckte sie zusammen und schaute einem Fremden ins Gesicht. Fragend schob sie die Augenbrauen zusammen.
„Was?", fragte sie.
Der Typ grinste und beugte sich weiter vor.
„Ich habe Sie gefragt, ob sie tanzen wollen!", wiederholte er seine Frage.
Sie musterte den Typen. ‚Ja warum eigentlich nicht! Kelly ist ja sowieso beschäftigt!'
Sie nickte und nahm seine Hand. Sie gingen auf die Tanzfläche.
„Mein Name ist Joseph, aber alle nennen mich Joe!", stellte er sich ihr vor und Susan hatte Mühe ihn bei der lauten Musik überhaupt verstehen zu können.
„Hi Joe! Ich bin Susan!", stellte sie sich nun auch vor und grinste Joe an.
Und so hatten sich an dem Abend zwei Paare gefunden, doch nur für eines sollte es auch glücklich enden.
