Disclaimer: Alle Figuren außer den von mir erfundenen gehören JKR, genau so wie die Welt und Handlung um die sich meine Geschichte dreht. Ich habe lediglich einige Veränderungen vorgenommen.

2. Geschenke & Briefe

Es machte Nibia unglaublich viel Spaß ihr neues Besenpflegeset an ihrem Nimbus 2001 zu testen. Sie hatte zunächst begonnen mit der kleinen filigranen Astschere rausstehende Äste zu kürzen und war nun schon seit einiger Zeit damit beschäftig den Stiel mit Besenpolitur einzureiben. Es war ziemlich erstaunlich, dass sie schon seit mindestens einer Stunde ruhig an ihrem Besen arbeitete, wenn man bedenkt, dass sie normaler Weise keine fünf Minuten still sitzen konnte. Dies wohl auch der Grund dafür war, dass die meisten Lehrer auf Hogwarts nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen waren. Obwohl sie eine fabelhafte Schülerin war, über deren schulische Leistungen man sich nun beim besten Willen nicht beschweren konnte. Aber dennoch war es jeden Tag, an dem sie theoretischen Unterricht machten, das Selbe: Kaum hatte der Lehrer begonnen zu sprechen, wurde er schon wieder von ihr unterbrochen. Dabei waren diese Unterbrechungen jedoch keines Wegs einfallslos, immer wieder dachte sie sich etwas Neues aus, um den langweiligen Unterricht etwas interessanter zu gestallten. Ein Mal hatte sie zum Beispiel mit einem kurzen Wink ihres Zauberstabs ein paar kleine gelbe Vögel herauf beschworen und diese dann mit lautem, schrillem Gezwitscher um den Kopf des zutiefst verwirrten Professors herum flattern lassen. Ein anderes Mal hatte sie, aus der irrwitzigen Verwunderung drüber, ob die Personen in den Gemälden ertrinken könnten, diese kurzerhand mit Hilfe eines, für die meisten anderen Schüler ihrer Jahrgangs vermutlich viel zu schwierigen, Zaubers mit Wasser gefüllt. Was zu einem ohrenbetäubenden Schreien und Kreisen eben jener gemalten Hexen und Zauberer führte, die mit der Situation sichtlich überfordert waren. Vorfälle wie diese passierten immer wieder in ihrer Gegenwart, jedoch beteuerte Nibia, wann immer sie in dem bequemen Stuhl vor Professor Dumbledores Schreibtisch platz nahm und dieser sie über seine Halbmondbrille hinweg mit einem tadelnden Blick ansah, dass es sich bei diesen Vorfällen keines Wegs um Streiche handelte. Sie versuchte schließlich niemals mutwillig anderen Menschen Schaden zu zufügen, sondern handelte lediglich aus Neugierde und dem Drang nach Wissen. Und so falsch das auch klang, musste selbst Dumbledore zugeben, dass in den Worten des gewitzten Mädchens doch etwas Wahres steckte.

War das vielleicht einer der Gründe, warum er ausgerechnet sie zur Vertrauensschülerin gemacht hat, dachte Nibia, immer noch wegen der Entscheidung des alten Mannes verwirrt. Aber das wäre doch eher ein Grund gerade sie nicht zu nehmen, so schlau sie auch sein mag. Vielleicht war es wirklich wie Angelina gesagt hatte und der Schulleiter dachte, sie würde durch die Verantwortung reifer werden und vielleicht sogar auf die Zwillinge, zwei ihrer besten Freunde und in gewisser Weise Kumpanen, abfärben können.

Der Gedanke an Angelina ließ sie hochschrecken.

„Oh nein, Angelina!"

Sie hatte doch wirklich vergessen, ihrer Freundin zurückzuschreiben.

„Ich bin so in Idiot!", rief sie, während sie schnell begann in ihrem Schreibtisch nach Pergament, Federkiel und Tintenfass zu suchen und wurde auch gleich noch von einem lauten verärgerten Fiepen bestärkt, dass aus Richtung ihrer Kommode kam, auf der der nun ausgeruhte Kauz saß und sie ungeduldig beobachte.

„Ach, halt doch die Klappe!", zischte sie das unverschämte Tier an, griff nach dem Tintenfass, dass soeben unter den Bergen aus Pergament zum Vorschein gekommen war und schob mit einem Wischen ihrer Hand die Schicht aus Büchern und Pergamentbögen, die die Arbeitsfläche ihres dunkelbraunen Eichenholzschreibtisches bedeckte, zur Seite, um so eine freie Stelle zu schaffen, auf der sie nun versuchte das kleine Stück zerknitterten Pergaments, das sie irgendwo aus dem Chaos herausgefischt hatte, auszubreiten. Nachdem sie ein paar Mal vergeblich versucht hatte, dass Pergamentstück glattzustreichen, ließ Nibia sich mit einem Seufzen auf den ebenfalls hölzernen Stuhl fallen, der ihr als Schreibtischstuhl diente, öffnete das Tintenfass, tauchte den mit einer wunderschönen Pfauenfeder verzierten Federkiel einmal leicht in die mitternachtsblaue Flüssigkeit und begann, nach kurzem Überlegen, mit großen schwungvollen Bewegungen zu schreiben:

Liebe Ang,

zuerst einmal vielen, vielen Dank für das wundervoll tolle Geschenk und natürlich hattest du Recht mit deiner Vermutung, dass ich mich zu erst um das Geschenk kümmern würde. Ich könnte jetzt sagen: Es tut mir leid, dass ich nicht zuerst den Brief gelesen habe, aber ich glaube du kennst mich zu gut, um das zu glauben. Was aber auf gar keinen Fall bedeutet, dass mir der Brief nicht auch gefallen hat!

Natürlich hab ich in den Ferien trainiert, ich hab eigentlich nichts anderes gemacht, obwohl es doch irgendwie langweilig ist immer alleine zu spielen. Ich freu mich wirklich darauf endlich wieder mit der ganzen Mannschaft zu trainieren. Und wenn alles gut geht erfüllt sich dieses Jahr vielleicht endlich mal Woods Traum und wir holen uns den Quidditchpokal. Gute Chancen haben wir auf jeden Fall!

Wo wir gerade beim Thema sind, hast du von diesem neuen super schnellen Rennbesen gehört, dem Feuerblitz? Ich hab Mom gefragt ob ich einen haben kann, aber sie meinte, das sei unnötig, da mein Nimbus ja gerade einmal ein Jahr alt ist. Ich glaub sie versteht einfach nicht, was für einem großen Unterschied das macht. Ich meine, es ist ja nicht gerade so, das er zu teuer für uns ist, aber sie hat sogar Opa verboten ihn mir zum Geburtstag zu schenken, ich weiß echt nicht, was das bringen soll. Na ja, kann ich halt nicht ändern.

Also was hast du in den Ferien so gemacht, außer trainieren natürlich!?

Bei den Zwillingen kannst du ja nicht gewesen sein, die haben doch diese tolle Reise nach Ägypten gewonnen. Hast du das Foto im Tagespropheten gesehen? Ich bin immer wieder erstaunt wie groß ihre Familie ist. Macht mich irgendwie neidisch. Ich bin schon gespannt auf ihre Geschichten, war bestimmt ganz schön interessant da drüben und wenn nicht werden die beiden es sich schon irgendwie interessant gemacht haben.

Übrigens glaub ich, dass du recht hast mit deiner Vermutung darüber, warum Dumbledore mich zur Vertrauensschülerin gemacht hatte. Auch wenn ich kaum glaube, dass ich, sollte ich die Aufgabe tatsächlich ernst nehmen, irgendeinen Einfluss auf Fred und George haben könnte. Die beiden haben ihren eigenen Kopf und das Einzige wobei sie überhaupt mal auf mich hören, ist, wenn sie Hilfe bei einem ihrer Streiche brauchen. Aber wer weiß, es sollen ja schon Wunder geschehen sein.

Ich freu mich auch darauf dich endlich wiederzusehen. Trotzdem bin ich auch wie immer ein bisschen traurig bei dem Gedanken Mom hier alleine zu lassen, aber es ist ja nur bis Weihnachten.

Noch einmal danke für das Geschenk und bis sehr, sehr bald,

deine Ni

P.S.: Ich hatte heute Nacht einen total seltsamen Traum von dem ich dir unbedingt erzählen muss. Ich bin am letzen Freitag bevor der Hogwarts-Express fährt in der Winkelgasse, um meine Schulsachen zu kaufen. Ich werde Mom fragen, ob ich alleine gehen kann und vielleicht können wir uns ja dort treffen!

Nibia streckte den Brief von sich und überflog ihn noch einmal bevor sie ihn zufrieden zusammenfaltete und zu der kleinen Eule, die nun wieder auf ihrem Bett saß, trug. Diese streckte bereits das Bein aus und guckte sie auffordernd an.

„Ja doch!", sagte Nibia, leicht genervt von dem Temperament der kleinen Eule. Sie band den Brief am Bein der Eule fest und trug sie zurück zum immer noch offen stehenden Fenster. Mit einen Ruck hüpfte das Wohlknäuel aus der ausgestreckter Hand, breitete die winzigen Flügel aus und flog davon.

Nibia beobachte die immer kleiner werdende Eule noch einen Moment, bis sie nur noch eine kleiner Punkt am Horizont war. Dann drehte sie sich mit einem Seufzen um und sah sich einmal in ihrem Zimmer um. Sie warf einen kurzen Blick auf ihren Wecker und bemerkte wie spät es inzwischen geworden war. Dann drehte sie sich weiter und betrachtete sich in den großen Spiegel, der neben ihrem Schrank stand. Ihre langen schwarzen Locken standen vom schlafen zerzaust von ihrem Kopf ab. Die braune Haut, die der Sommer noch dunkler hatte werden lassen, betonte ihre grauen, aufmerksamen Augen. Langsam formte sich ein Lächeln auf ihren vollen, roten Lippen. Ihre Mutter hatte bestimmt schon das Frühstück vorbereitet und wartete auf sie. Zur Feier des Tages gab es wahrscheinlich wie jedes Jahr ihr Lieblingsfrühstück: Blueberrypancakes. Mit diesem freudigen Gedanken und einem knurrenden Magen wandte Nibia den Blick von ihrem Spiegelbild ab und lief grinsend zur Tür.