A/N: Ich weiß, es ist etwas ein Füller geworden, aber eine neue Umgebung braucht auch die passende Be- und Umschreibung.

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Kapitel 4

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Auf der einen Seite fühlte sich Kate wohl, als sie mit Martha, Alexis und Rick im Wagen saß, am Weg nach Stowe/ Vermont; auf der anderen Seite war all das so furchtbar neu. Sie wusste, dass sie nun nicht einfach nur eine Beziehung führte, sondern eine Familie an ihrer Seite hatte. Menschen, die wissen wollte, was sie wann und wieso dachte, wieso sie so handelte. Aber auch Menschen, die sie nicht enttäuschen wollte, da alle drei ihr einfach zu viel bedeuteten.

Vorbei fuhren sie an den Schneemassen in Stamford, New Haven, Hartford und allmählich, umso weiter sie sich von der Großstadt entfernten, umso mehr verhüllte der Schnee das normale Grün der Bäume, die hier überall zu sehen war. In White River bogen sie schließlich Richtung Nordwesten ab, fuhren noch durch Montpelier bis nach Stowe.

In den sieben Stunden Autofahrt waren sie immer wieder kurz stehen gebelieben, hatte Plätze getauscht oder schnell einen wärmenden Kaffee getrunken. Zweimal war sich Rick nicht sicher, ob er mit seinem Geländewagen auch wirklich die Straße passieren konnte, so viel Schnee lag auf der Fahrbahn, so unsicher schien die Gegend zu sein.

Doch als sie schließlich in der Ortschaft ankamen, blieb Rick unerwartet bei einem kleinen Lebensmittelhändler stehen´.

„Mr. Castle", ertönte es sofort aus dem Geschäft und eine ältere Frau trat mit einem Strahlen heraus. Kate und Alexis waren ebenso ausgestiegen, wie Martha. Das Mädchen lief auf die weißhaarige Frau zu, umarmte sie. „Tante Edith", begrüßte sie sie.

„Du bist gewachsen seit letztem Winter, mein Liebes", sagte sie freudig und nahm schließlich Kate wahr, die an Marthas Seite stand. Ricks Mutter gab sie die Hand, etwas verhalten schien sie zu reagieren. „Möchtest du uns nicht vorstellen?", fragte Edith schließlich Rick und deutete auf Beckett.

„Kate, dass ist eine liebe alte Freundin, Edith. Sie hat schon auf mich aufgepasst, da war ich noch in den Windeln, als sie am Theater bei Mutter gearbeitet hat. Heute hat sie mit ihrem Mann Sean diesen Gemischtwarenladen. Wie geht es Sean übrigens?"

„Den Umständen entsprechend. Der Schnee setzt ihm zu, andererseits freut er sich, dass wir mehr Kundschaft haben."

Als das Vorstellungsprozedere schließlich abgeschlossen war, gingen sie in den Laden. Martha setzte sich wieder in den Wagen, während Kate – die einfach nur als Kate vorgestellt worden war, ohne eine Anmerkung zu ihrem sozialen Status in der Gruppe – mit Rick und Alexis den Laden betrat und begann, Lebensmittel auszusuchen.

„Wie lange wollt ihr bleiben? Es ist noch mehr Schneefall angesagt", erklärte Edith und packte Ricks Einkäufe in Plastikboxen, die er aus dem Auto geholt hatte.

„Ein paar Tage", sagte er unbestimmt.

„Ich würde ein paar Extras einpacken, wer weiß, wann ihr wieder vom Berg hinunter könnt."

Rick nickte und gemeinsam packten sie noch weitere Dosen, etwas mehr frisches Obst und Getränke in den Wagen.

„Bevor ich es vergesse", begann die ältere Frau und reichte Castle einen großen Schlüsselring mit drei Schlüsseln drauf. „Den Kamin habe ich in der Früh eingeheizt und auch sonst sollte alles passen. Kommendes Jahr, meinte Sean, solltest du das Dach einmal anschauen lassen. Er ist sich nicht sicher, wenn es weiter so schneien sollte, ob es nicht mit Mitleidenschaft gezogen werden könnte."

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Die Straßen waren eng und gewunden, die sie im Schritttempo erklommen allerdings nicht besonders steil. Das Problem waren abermals die Schneemassen, die man zwar zur Seite geschoben hatte, doch nun immer wieder drohten einzustürzen, wenn man mit dem Wagen gegen solch eine Schneewand schlitterte, und genauso rutschig war der Straßenbelag, der lediglich aus dem weißen Material bestand.

„Bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?", fragte Kate schließlich vorsichtig nach.

„Natürlich. Dad gehört dieses Haus schon seitdem ich ein Baby bin. Seit seinem ersten Buch", erläuterte Alexis von der Rückbank. „Es war die erste Investition, die er damals getätigt hat, als er berühmt wurde."

„Oh … Ich wusste gar nicht, dass du neben den Hamptons und dem Loft noch andere Immobilien hast." Kates Stimme war leise, beinahe ein Flüstern.

„Du weißt so einiges nicht über mich Kate, aber sei dir sicher, nichts davon ist würdig, in der Presse oder auf einer Castle-Fan-Site zu erscheinen." Daraufhin musste Beckett schmunzeln, war es doch eine Anspielung auf eine ihrer ersten Zusammentreffen, ganz am Anfang, gewesen, als sie sich unwillkürlich als Fan geoutet hatte. „Und dieses kleine Häuschen ist wahrlich nichts besonderes, aber es gehört uns seit Jahren, daher kommen wir immer wieder hierher.

Nach weiteren fünf Minuten standen sie schließlich vor einem Holz-Gate, welches Castle fachmännisch zur Seite schob. Es hatte bereits Jahre gegeben, in denen er sich den Weg zum Cottage erst hatte freischaufeln müssen. Doch seitdem Sean einen Schneepflug besaß, Rick hatte ihm bei der Finanzierung etwas unter die Arme gegriffen, war die Zufahrt stets geräumt.

Schließlich standen sie vor einem Holzhaus. Kate wusste nicht, was sie erwartet hatte, doch so etwas war es nicht gewesen. Es sah aus, als würde es einem anderen Jahrhundert entstammen, wären nicht die vielen und großen Glasfenster und Balkontüren gewesen. Das gesamte Gebäude war aus Holz, bis auf den großen Rauchfang, der auf der einen Längsseite des Hauses empor ragte. Die Fenster und Türen waren in einem dunklen Rot gestrichen und irgendwie erinnerte es die Polizistin an ein Häuschen aus einem Märchen, so verschlafen wirkte all das hier. Es war einstöckig und wirkte beinahe romantisch.

Alexis und Martha führten Kate, nachdem sie aufgesperrt hatten, in den Innenbereich. Auch hier war alles eher einfach gehalten – nicht so wie in Ricks Loft. Die Möbel waren in einem warmen Rot, die Couch mit einem Samtüberzug. Gediegen aber einfach. Rechts von der Eingangstüre gab es einen Esstisch, der von zwei Balkontüren eingerahmt wurde. Weiter in den Raum blickend, befand sich hinter dem Tisch der Kochbereich, und diesem gegenüber der Kamin, die Couch und zwei Ohrensessel. Es gab keinen Fernseher, keinen Computer nichts – zumindest nicht in diesem Geschoß.

„Hier", erklärte Martha, „schlafen Alexis und ich, wenn wir Skifahren sind." Sie führte die Polizistin in den hinteren Bereich des Hauses, der ein kleines „L" bildete. Dort standen zwei Betten, überzogen mit weißer Brokat-Wäsche. Eines blickte in Richtung des Wohnbereichs, das andere dank einer Verandatüre in die Schneemassen hinaus. Außerdem zeigte sie ihr noch den vorhandenen Sanitätsbereich. „Rick hat seinen Schlafbereich unter dem Dach", setzte sie fort, doch Kate war immer noch dabei, all dieses neuen Details in sich aufzusaugen. Zu kategorisieren. Sich alles einzuprägen.

Als Martha sie lieblich am Arm nahm, folgte sie ihr zu den Stiegen, die vom Wohnbereich in die erste Etage, direkt unter das Dach führten. Dieser Stock war kleiner als der untere, da der gesamte Bereich um die Küche, den Kamin und Essbereich im unteren Stockwerk hohe Decken hatten – so hoch, dass große Flächenfenster den Raum mit natürlichem Licht füllten.

Ricks Schlafzimmer war größer als das der Frauen, weitreichender, es erinnerte, auch wenn der Vergleich nicht ganz tragbar war, eher an ein Loft. Es gab keinerlei Zwischenwände, außer einer Türe zum Badezimmer. So gab es offene Regale mit Büchern, Kleidung und anderen Utensilien und Erinnerungsstücken aus Ricks Vergangenheit. Das Bett war lediglich ein Queensize-Bett und schien frisch überzogen worden zu sein. Das dunkle Weinrot ließ den ganzen Raum wärmer wirken. Die Wände hingegen waren aus Holz. Wahrscheinlich war es wahrhaftig notwendig, viele Stunden zuvor das Feuer im Kamin zu entzünden, wenn man nächtens dann nicht erfrieren wollte. Obwohl es im Wohnbereich bereits wohlig warm war, herrschte hier immer noch eine beinahe unbequeme kühle.

„Mach dir keine Sorgen", ließ sie Martha wissen, als sie sah, wie Kate ihre Hände in den Säcken ihrer Jacke vergrub. „Bis ihr zu Bett geht, wird es hier schon warm genug sein. Abgesehen davon …. Körperwärme ist die schönste Wärme." Ein breites Lächeln erfüllte das Gesicht der Schauspielerin, Kate hingegen errötete sanft. „Ach Kiddo", begann sie. „Ich war auch einmal jung, aber so glücklich wie ich Rick heute erlebt habe, so glücklich war ich nie und ich hatte meinen Anteil an Hochzeiten, Affären … aber dieses wunschlose Glück, welches er heute ausstrahlt, so habe ich nie empfunden. Niemals. Immer gab es etwas, das mich innerlich quälte." Sie legte ihre Hand Kate auf die Schulter. „Genieße, was ihr im Moment habt. Seid jung!"

Natürlich erkannte Kate rasch, dass Martha es keineswegs böse mit ihr meinte, so war sie einfach nicht. Aber in Momenten wie diesen, wünschte sie sich manchmal ihre Mutter herbei, die ihr nun sagen würde, wie sie reagieren sollte. Sie war mit Rick in den Skiurlaub gefahren, war dabei, mit ihm ein Bett zu teilen – ein Teil der Familie zu werden. Alle standen ihr offen gegenüber, nahmen sie so an, wie sie war. Nun musste nur Kate ihre Mauern abreißen, Leute einlassen und sich öffnen, sie teilhaben lassen an ihrem Glück, Schmerz, ihren Hoffnungen und Träumen, Wünschen und Ideen. All das war sie nicht gewöhnt.

Als sie gemeinsam wieder in den Wohnbereich kamen, herrschte bereits hektisches Treiben – Rick lud den Wagen aus, Alexis war dabei, die Lebensmittel wegzuräumen und irgendwie schien es Kate, als würde sie eine gut funktionierende Routine durch ihre Anwesenheit aus dem Gleichgewicht bringen.

„Kate", sagte Castle und war gerade wieder dabei das Haus zu verlassen, „könntest du mir helfen?"

Ohne etwas zu sagen, folgte sie ihm zum Wagen, der vor dem Haus geparkt war, die Heckklappe offen. Noch bevor Beckett auch nur eine Anmerkung machen konnte und um Schutz der Klappe, die zur rechten Seite aufgeklappt wurde, stand, hatte er sie auch schon gegen den Wagen gepresst, seine rechte Hand in ihrem Haar und seine Lippen auf den ihren. Kate stockte der Atem, so überraschend war der Kuss gekommen. Sie war überfordert, wusste anfänglich gar nicht, was sie machen sollte, doch einige Augenblicke später, oder waren es Sekunden gewesen, saß sie schon im Kofferraum des Jeeps, Ricks Beine zwischen den ihren, um ihr ganz nah zu sein, und ließ nicht mehr von ihm ab. Ihre Hände glitten über seine breiten Schultern, die in der Daunenjacke steckten, über seine trainierte Brust zu seinen Hüften.

„Kate … viel zu lange …", murmelte er nur, bevor er sie abermals zu küssen begann, wissend, dass sie nicht lange diese Zweisamkeit genießen werden können würden. „Ich will dich."

„Nicht hier, Castle."

„Ich muss dich berühren. Spüren."

„Rick …", doch ließ er sie nicht ausreden, küsste sie erneut, ließ seine Hand unter ihren Sweater gleiten, bis er ihre Brust umfasste und knetete. Natürlich erregte sie das. Natürlich wusste sie, dass der folgende Abend eine Tortur werden würde. „Rick … später…"

„Versprochen?", fragte er sicherheitshalber nach, hoffend, dass sie sich nicht über ihn lustig mache.

„Glaubst du denn", erklärte Kate und nun nahm Rick wahr, wie geweitet ihre Pupillen waren, die rosigen Lippen, die leicht geöffnet waren, der Atem, der unregelmäßig kam, „dass da hier leicht für mich ist?"

Rick lächelte, zog sie an sich und schloss einfach seine Arme um sie. Eine Geste, die viel zu versprechen verhoffte. War es nicht nur Lust und ein gewisses Maß an Frustration, das ihn an sie presste, sie forderte, nein, es war so viel mehr – eine innere, tiefe Verbundenheit. Der Glaube, dass man nicht nur beruflich Sätze vollenden konnte, sondern dieses gewisse Maß an Harmonie auch ins Private übertragen könne. Es war alles, wirklich alles, was Rick sich jemals von einer Beziehung erhofft hatte. Und es fühlte sich gut an, einfach seine Arme um sie legen zu dürfen, wissend, dass sie einen nicht wegstoßen würde. Ihr Haar zu riechen, den Hauch von Parfum und Duschgel, der sie umgab, aufzusaugen und ihre Hände an seinem Körper zu fühlen – das war mehr, als er sich jemals erhofft hatte von Kate.

Ach, wie viele Wochen waren sie nun Seite an Seite auf New Yorks Straßen unterwegs gewesen, hatte Mordfälle gelöst, heftige Diskussion geführt, gestritten und einander verletzt. Das Maß an Verletzung, die er ihr durch sein Herumstöbern in dem Mordfall ihrer Mutter zugefügt hatte, wollte er gar nicht erst kennen müssen – so groß war es gewesen.

„Fühle dich hier wie zuhause, Kate. Ich möchte nicht, dass du denkst, dass du hier nicht willkommen bist. Wir kommen jedes Jahr hierher, daher verbinden wir viele Erinnerungen mit dem Ort. Ich möchte aber, dass wir unsere eigenen Erinnerungen machen." Rick küsste sie auf die Nasenspitze. „Und nun schau, dass du hineinkommst. Ich parke den Wagen um und dann werden wir uns eine Tasse Kaffee machen."

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Becketts anfängliche Unsicherheit nahm im Laufe des Abends ab. Sie spielten Scrabble, aßen Erbsensuppe und lachten über Geschichten, die Martha über Rick als Jugendlichen und Kind erzählte. Es schien, als wäre es niemals anders gewesen – die vier eine Familie. Und doch wusste jeder für sich, dass es nicht so einfach bleiben würde.

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Ende Kapitel 4

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A/N: Anders als gedacht? Tja, ein Füller. „Am Morgen" geht es dann endlich auf die Piste.

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