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Kapitel 5
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Als Rick Kate, nachdem seine Mutter und seine Tochter verschwunden waren, in sein Schlafgemach führte, war sie nervös wie ein Teenager. Noch nervöser als an dem Abend, an dem sie zu ihm gefahren war, oder als er sie auf die Terrasse geführt oder sie in seinem Bett geschlafen hatte.
Die Wärme des Kamins hatte auch das Schlafzimmer aufgewärmt, waren doch alle Türen offen geblieben und nun standen sie beide, Hand in Hand, inmitten des Raumes und starrten auf das Bett.
„Ich will dich", flüsterte Kate ihm leise zu, „den ganzen Tag schon. Seit Wochen. Nein, Monaten."
Rick brachte gar keine Worte heraus, war er doch so überrascht über ihr Geständnis und zugleich hingerissen, dass sie sich ihm das erst Mal offenbarte. Es von ihr ausging, sie ihm etwas zugestand.
Als sie einander auszogen, studierten sie genau den Körper des anderen, bedeckten ihn mit Küssen, versuchten möglichst jeden Zentimeter genau wahrzunehmen. Rick stellte fest, dass Kates empfindlichste Stellen hinter ihren Ohren und in den Kniekehlen waren. Wenn er sie dort berührte, dann stöhnte sie auf, biss sich auf die Unterlippe und schloss ihre Augen.
Umgekehrt war es ähnlich, doch war es bei ihm seine Leiste, die seine Erregung noch wesentlich steigern ließ, wenn sie sie mit ihrer Zunge entlangfuhr.
„Wir müssen leise sein, die Wände sind relativ dünn", erklärte Rick, als er nach einem Kondom in der Schublade des Nachtisches griff und es mit den Zähnen aufriss, es überstreifte und Kate schließlich tief in die Augen sah. „Möchtest du da wirklich?"
„Ja, Rick, seit langem."
„Ich auch", und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, war er in ihr. Die folgenden Minuten waren ein Taumel aus Gier, Leidenschaft, Kontrolle und Hoffnung, dass es niemals enden würde. Als Kate nach der zweiten Runde auf ihm zusammenbrach, allmählich wieder versuchte, ihre Atmung unter Kontrolle zu bringen, war es bereits halb vier Uhr früh - zumindest zeigte das der Wecker an, der auf dem Nachtisch stand.
Jedes einzelne Mal, wenn er sie in sie gefahren oder sie auf ihn hinabgesunken war, hatte sie sich zusammenreißen müssen, um nicht laut seinen Namen zu schreien, laut aufzustöhnen oder andere Sachen zu machen, aber vielleicht hat gerade diese Notwendigkeit, sich so absolut zu kontrollieren, das Liebesspiel noch viel intensiver gemacht.
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„Wir wollten doch gemeinsam Ski fahren, Grams", erklärte Alexis und stellte ihre Tasse Tee auf den Tresen.
„Wir zwei fahren hinüber auf die Piste. Gib den beiden etwas Zeit." Martha wollte sie nicht fragen, ob sie denn all das letzte Nacht nicht mitbekommen hatte, denn sie war wachgehalten worden, obwohl sie sich alle Mühe gegeben hatte, nicht hinzuhören. Aber es schien ihr unmöglich. Offensichtlich war, dass die beiden versuchten hatten leise zu sein, denn sie wusste aus Erfahrung, wie dünn die Wände in diesem Haus waren. Doch dieses Mal war es anders. Es war zwar unangenehm, dass sie es miterleben musste und sie würde Kate wahrscheinlich an dem heutigen Tag nicht in die Augen sehen können, aber auf der anderen Seite war es der Höhepunkt der Beziehung, die diese beiden seit Monaten führten. Eine asexuelle Beziehung, die doch so viel Sexualität in sich geborgen hatte, wie es Martha in all den Jahren, die sie nun auf der Bühne stand und mit Schauspielern arbeitete, noch nie erlebt hatte. Etwas ganz Besonderes.
Nach einer längeren Diskussion mit Alexis und die Verhinderung ihres Versuchs ihren Vater aufzuwecken, gab sich das Mädchen geschlagen und zog sich ihre Skikleidung an. Gemeinsam fuhren sie auf den offiziellen Parkplatz, lösten Liftkarten und begaben sich auf die Piste.
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„Rick?", fragte Kate und blickte auf die roten Zahlen der Uhr.
„Hm …"
„Wir wollten doch Ski fahren", murmelte sie und küsste ihn auf sein entblößtes Schulterblatt.
„Hm …"
„Und es ist bereits Nachmittag."
„Hm …"
„Rick …", versuchte sie ihn noch einmal lieblich zu ermahnen.
„Schweig, Kate und küss mich." Ricks Augen waren immer noch geschlossen, aber als er Becketts Lippen auf den seinen spürte, erwachte sein ganzer Körper zum Leben, er brachte sie unter sich und so schnell konnte sie gar nicht schauen, waren sie abermals vereint.
„Kein Grund leise zu bleiben", stöhnte er nur, als er in sie eindrang, wissend, dass sich das Auto vor Stunden vom Haus entfernt hatte.
Und dieses Mal musste keiner seine Emotionen verbergen. Oftmals hatte er sich vorgestellt, wie es mit Kate sein würde – niemals hatte er mit einer Wildkatze gerechnet, die ihm den Rücken zerkratzt, seinen Namen schreit und sich ihm in diesem Maße entgegen bäumt.
Sie war nicht darauf aus, ihn zu dominieren, ließ sich gerne von ihm führen, doch wenn sie einmal die Oberhand gewann, dann nutzte sie es aus. Zudem machte sie keinen Hehl daraus, wenn er sie an der richtigen Stelle berührte, ihren ganzen Körper entflammte, zum Tanzen brachte. Nein, sie war nicht still.
Niemals im Leben war Rick mit einer Frau wie ihr zusammen gewesen. Als er ihre Brüste umfasste und sie nach mehr verlangte, dass er fester zupacke, wusste er, dass er süchtig nach ihr war – ihrer Haut, ihrer Berührung, ihrem Haar – und das war er schon lange -, den endlosen Beinen und ihrer unglaublichen Gelenkigkeit. Wohin diese Frau ihre Beine brachte, es war einfach unglaublich. Und stets hatte sie ihre Augen offen, blickte ihn an, forderte auch von ihm, seine nicht zu schließen und suchte immer den Blickkontakt. Ihre Pupillen waren so geweitet, dass ihre Augen beinahe schwarz erschienen und von Ricks Blau wenig übrig war.
Dann kam er, mit einer Wucht und Härte, mit der er nicht gerechnet hatte und seine Bewegungen wurden immer erratischer, brachten sie mit ihm zum Höhepunkt. Es war das intensivste, das sie bisher erlebt hatte und sie hatte gedacht, dass der Sex in den Stunden zuvor bereits unbeschreiblich gewesen war, doch da schien sie sich geirrt zu haben.
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Nach einer langen Dusche, getrennt voneinander, einem Frühstück begaben sie sich auf in den Wald, wo sie Holz sammelten, herumtollten wie Kinder und die Zeit vergaßen. Als sie schließlich wieder zuhause angekommen waren, mit einem Schlitten voll Brennmaterial, die Wangen gerötet von der Kälte, die Kleidung durchnässt, warteten bereits Alexis und Martha auf sie.
„Wir sind bereits einen ganzen Tag hier und du hast dich noch nicht verletzt", erklärte Alexis ihm zur Begrüßung und der Sarkasmus war unüberhörbar. Martha und Kate lachten lediglich, letztere eher verhalten.
„Hattest du Spaß?", fragte Rick nach.
„Natürlich, die Pisten sind einfach der Wahnsinn heuer. Der Schnee … unglaublich und für die kommenden Tage ist noch mehr angesagt."
„Noch mehr angesagt", wiederholte Kate nervös. Sie war einmal mit ihrem Vater in ihrer Kindheit eingeschneit gewesen und die Erinnerung daran war nicht berauschend.
„Wir bleiben noch zwei Tage, bis dahin wird sich schon nicht so viel Schnee häufen. Wenn extrem viel angesagt sein sollte für die morgige Nacht, können wir auch morgen bereits fahren, Kate", sagte Rick und versuchte die Polizistin zu beruhigen.
„Mach dir wegen mir keine Sorgen", sagte sie leise und versank wieder in dem einen Ohrensessel, der nahe dem Feuer stand, und gab vor zu lesen.
„Aber morgen fährst du auch, Dad", maulte Alexis, sah ihn mit ihren großen Augen so an, dass Rick sich kaum verwehren konnte.
„Natürlich, mein Liebes."
„Fährst du Ski, Kate?"
„Seitdem ich 5 bin."
Alle drei Castles sahen sie groß an. Sie hatten zwar damit gerechnet, dass Kate schon auf der Piste gewesen war, aber nicht, dass sie schon in so jungen Jahren mit dem Skifahren begonnen hatte. Sie war ein richtiges Stadtkind, zumindest behauptete sie dies stets und da passte das eher zu Wintersportaktivitäten, die man später mit Kommilitonen durchführte und nicht mit den Eltern in Kindheitstagen erlernt.
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„Fahr endlich, Dad", schrie Alexis in ihrer neongelben Skijacke ihrem Vater zu, der immer noch am oberen Teil der Piste stand und Kate nachsah, die gekonnt bis zu Alexis carvte, als hätte sie jeden Winter immer nur das eine gemacht. Sie stand schließlich neben dem Teenager, während Martha sich an diesem Tag eine Auszeit gönnte und es auf ihre alten Knochen schob. Beide lachten, als Rick schließlich etwas unbeholfen die Piste hinabfuhr.
Beide Frauen wussten allerdings, dass viel Show bei ich dabei war. Er zeigte immer gern nach Aufforderung was er konnte oder wenn es um etwas ging – wie damals auf der Shooting Range der Polizei, um die Tatortfotos für seine Krimiautoren-Pokerrunde zu bekommen. Plötzlich war er der beste Schütze.
So fuhren sie zu dritt den gesamten Vormittag bis sie beschlossen eine verspätete Mittagspause auf einer Hütte zu machen, dort eine Suppe aßen.
„Ricky-Boy", begrüßte ihn ein Mann, der ebenfalls etwas konsumierte.
„Tommy", antwortete er sichtlich genervt.
„Und der heiße Feger eine neue?" Rick versuchte die Wortwahl und seine Blicke, mit denen er Kate musterte, zu ignorieren. „Da hast du ja wieder einmal eine abgeschleppt."
Alexis versuchte Beckett in ein Gespräch zu verwickeln, doch ihr entging das Gespräch keineswegs. „Ignorier ihn einfach", flüsterte das Mädchen ihr zu. „Er ist eine Schweinebacke. Er versucht es bei jeder Frau und meistens ist er erfolgreich – sein Geld, sein Charme … Mom …"
Weitersprechen musste sie nicht, denn dann war Kate bereits klar, dass sogar Meredith diesem Tommy nicht widerstehen hatte können und wenn sie ihn sich so ansah, dann musste er einmal ein gutaussehender Mann gewesen sein – vor 10 Jahren und mit 20 Kilogramm weniger. Schwarze Locken fielen auf seine Schultern hinab, die mit 30 jugendlich aussahen, mit über 40 schon eher witzig, da man damit eher etwas kompensieren wollte – das Alter.
Als sich Alexis auf die Toilette begab, rutschte Kate näher an Castle, der immer noch mit Tommy plauderte, da dieser sich einfach nicht verabschieden wollte und der Autor genau wusste, dass es aber dem Bekannten oblag, zuerst zu gehen.
„Ricky", sagte sie und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel, „wir würden gerne wieder fahren" und ließ ihre Hand auf und ab gleiten. „Jetzt", fügte sie bestimmt hinzu.
„Meine Frauen fordern mich heraus, wie du hören konntest, Tommy."
„Es würde mich freuen, einmal mit ihnen Sessellift zu fahren", erklärte der Fremde Kate und studierte noch einmal ihre Züge.
„So weit wird es wohl nicht kommen", ließ sie ihn wissen und fragend sah er sie an. „Ich weiß, wo mein Platz ist." Ihre Stimme war bestimmt und ließ keinerlei Fragen offen, besonders da ihre Hand immer noch auf seinem Oberschenkel lag.
Nachdem Tommy sich verabschiedet hatte, zog Kate Ricks Kinn zu sich und küsste ihn, wissend, dass ihre Hand ihn erregt hatte und er eine Unannehmlichkeit in seiner Skihose verspürte.
„Sucht euch ein Zimmer", warf Alexis ein, als sie die beiden küssend sah. Dem Tonfall konnte man entnehmen, dass es nicht ernst gemeint war und so lachten alle drei.
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Es war ein großes Wunder, dass Rick auch am Nachmittag nicht großartig stürzte und sich somit am erste Tag nicht verletzte – das war in all den Jahren, seitdem Alexis mit ihm Skifahren fuhr, noch nie vorgekommen war. Oftmals waren es nur gröbere blaue Flecken, eine Zerrung hier, ein leichte Gehirnerschütterung da, doch da Kate an seiner Seite fuhr, traute er sich nicht, sich gröber zu blamieren. Sie fuhr einfach zu gut, viel zu gut. Wie ein Profi. Aber das war die Perfektionistin in ihr.
Als sie in die Hütte zurückkamen, wartete bereits frische Bohnensuppe à la Martha auf sie und sie war sogar genießbar – weder versalzen noch angebrannt. Und sogar die Küche war noch erkennbar. Sie erkannte sofort, wie viel Spaß die drei gehabt haben müssen, als sie das Haus betraten – alle drei hatten gerötete Backen, zudem eine gute Farbe von der Sonne bekommen, strahlten und lachten – und das Letztere zog sich den gesamten Abend so weiter.
Kate hatte sich angeboten den Abwasch zu machen und als sie schließlich am Becken stand, kam Rick von hinten auf sie zu, legte seine Arme um ihre Hüften, presste sein Becken gegen ihr Hinterteil.
„Ich liebe dich", sagte er leise, doch so laut, dass Martha ihn hören konnte, Alexis ebenso.
Kate lehnte sich zurück und genoss den Augenblick. Die Zeit schien abermals stehenzubleiben. Seine Hände lagen auf ihrem Bauch, über ihrem Nabel. Sie drehte ihren Kopf leicht, suchte den Blickkontakt. „Ich liebe dich auch."
Eine kurze Pause erfüllte den Raum, in der nur das Knistern des Kamins zu hören war.
„Ich möchte nie wieder die Feiertage ohne dich verbringen. Keinen einzigen Tag." Dass seien Mutter und Tochter ihn hören konnten, war ihm egal, über früh oder spät würden sie sich so und so an den Gedanken gewöhnen müssen, denn er konnte sich keinen Morgen mehr vorstellen, an dem er nicht an ihrer Seite aufwachen würde. Er wollte sie nicht nur täglich am Revier sehen, sondern sie spüren, schmecken, fühlen.
In seiner Umarmung drehte sie sich um, sodass ihre Hände nun auf seiner Brust über seinem Herzen lagen, das wie verrückt schlug.
„Wie meinst du das?"
„Auch wenn es überraschend schnell kommt, ich möchte alles. Nichts Halbes. Ich möchte dich an meiner Seite, an unserer Seite. Wir haben bereits zwei Jahre damit verbracht … mit was auch immer. Ich möchte, dass du mein Zuhause als deines ansiehst und bei uns bleibst. Du …."
Er wollte sie wissen lassen, wie wichtig sie für ihn war und wie sehr er sie dafür liebte, dass sie Alexis als Menschen behandelte, nicht als Kind oder Randerscheinung. Sie gehörte zu ihm und eine Frau an seiner Seite, würde das einsehen müssen. Für Kate schien es vollkommen selbstverständlich, natürlich zu sein – Rick gab es ohne seine Tochter nicht. Und ohne seine Mutter.
Doch bevor er etwas sagen konnte, waren ihre Lippen auf dein seinen und der Kuss war fordernd, hemmungslos und doch gingen sie nicht weiter.
„Ich möchte auch alles, alles andere hatten wir schon", stimmte sie ihm zu und sah ihm tief in die Augen.
Die Feiertage hatten sie vereint, sie sehen lassen, dass sie mehr wollten. Sie war nachhause gekommen, und da nicht nur für die Feiertage.
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THE END
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A/N: Das erste Mal, dass ich wirklich versucht habe im P16 Bereich zu bleiben, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich mit den Ratings bis heute nicht auskenne. P12 ist klar und P18 auch, aber alles dazwischen ist mir ein Rätsel.
Danke für's Lesen & Review schreiben.
