Lisa
Ich ging durch die kleine Gasse unserer Stadt: sie stand vor mir, sie lächelte wie eh und jeh. Sie sah aus wie immer, abgesehen von einem traurigen Glanz in ihren grünen Augen, sie drehte sich um und ging um eine Ecke, ich lief hinterher. Hinter der Ecke kam eine andere Stadt zum voschein! New York, das Empir State Building. Wo? Wo war sie? Wieso war ich hier?
''Jane! Wach auf, wach auf!''
''Ich habe von ihr geträumt, Mom! Von ihr!''
''Du hast gestöhnt, geschwwitzt, ihren Namen geflüstert! Schlaf weiter, Jane, schlaf weite.''
'' Ja, Mom. "
Unsere Schule. Die Holzdielen und die Mamorstufen. Lisa. Ihre grünen Auegn, ihr weißes Nachthemd mit Spitzenrand, ihre verstrubelten lockigen Haare nach dem Aufstehen, dieser Glanz in ihrem Augen. Sie lief eine Treppe hinunter, ich hinterher: New York, das Empire State Building, dieses Mal von einer anderen Blickwinkel. Ein schwarzer Mann mit grauen Haaren und einer Aktentasche, er hat eine große Narbe am Hals, die er mit einem Schal verdeckt.
Lisa.
Ihr Blick wurde schwächer, ihre Augen schloßen sich, jegliche Spannung wich aus ihrem Körper, sie wurde leicht durchsichtig, wie nebel, sie wurde kleiner. ''Lisa!'' Als wäre sie nichts als Staub wurde sie in die Aktentasche des Mannesgezogen. Der Mann stieg in eine Straßenbahn ein und fuhr davon.
''Warte!''
'' Mom! Mom! Mom. ''
''Jane, was ist?''
''Sie war wieder da.''
'' Und, Jane, und. ''
''Ich will weg von hier!''
''Es ist vier Uhr Morgens, schlaf weiter, Jane, schlaf weiter.''
'' Ja, Mom. ""
Unser Dachboden. Es war dunkel. Kartons, Spielsachen, Möbel. Ein großer Karton, ein Licht, ich machte ihn auf und fiehl hinein. Ein Bürgersteig. Ich schaute mich um: New York, das Empire State Building.
Lisa.
Sie reichte mir Rosen. In meinen Händen zerfielen sie zu Staub. Lisa schaute traurig. Der schwarze Mann. Er ging durch eine Tür ins Empire State Building hinei. Eine Kette. Zwischen Lisa und dem Mann. Er riss sie mit. Ihre Handgelenke waren von der Kette ganz blutig geschuppert. An dem Saum ihres Kleides klebte Blut. Was war geschehen? Ihre Füße. Sie war Barfuß. Ihre Füße waren mit kratzern übersät. Aus ihren Augen kulerten Tränen. Trotzdem lächelte sie. Sie griff nach mir, aber griff durch mich hindurch. Ich vermisse sie.
Lisa.
Sie formte mit den Lippen meinen Namen. Ein Ruck an der Kette.
''Lisa, halt durch!'' Das Blut ran die Kette hinunter und tropfte auf ihr Kleid. Ihre Lippen waren aufgeplatzt.
''Jane, Jane!'' Wie ein flüstern. Sie schenkte mir ein trauriges Lächeln und löste sich auf.
Die Sonne. Meine Vorhänge. Ich war noch im Halbschlaf. Ich kniff mich. ''Ha!'' Ich war Hellwach. Lisa war vor zwei Wochen verschwunden und ich wusste wo sie war. In drei Tagen wurde ich achtzehn und dann würde ich meine zehnjährige Schwester aus New York holen.
