5.
„Na ja, und dann habe ich Rokko den ring zurückgegeben und David geheiratet, den Rest kennst Du ja!" Lisa legte das Fotoalbum zurück auf den Tisch und senkte den Blick. „Meine Güte, wirklich interessant das alles mal aus deiner Sicht zu hören." Sagte Lydia nach einer kurzen Pause und trank einen Schluck aus ihrem Rotweinglas. „David hat mir natürlich auch einiges über diese Zeit erzählt, über Rokko Kowalski, und dass er dich wirklich geliebt zu haben schien. Auch über eure Aktion mit seiner Rettung, als er entführt wurde." Sie lächelte. „David hat sogar manchmal Anwandlungen eines schlechten Gewissens gegenüber Rokko geäußert." Jetzt schmunzelte auch Lisa. „So ein Quatsch, ich hab ihn doch stehen lassen." Dann wurde sie wider ernst. „Als David dann mit der ersten Südseeschönheit flirtete, bekam ich eine Ahnung davon, welchen Fehler ich begangen hatte. Als es mir dann mit dem Magen so schlecht war, du weißt schon, die Fischvergiftung, und David trotzdem zum Strand gegangen ist, statt mir in meinem Elend Gesellschaft zu leisten, habe ich Rokko zum ersten mal vermisst. Ich hab mir das verboten, schließlich war Pia ja unterwegs – unser Kind! Das einzig wirklich gute an meiner Entscheidung für David." Lisa unterbrach sich und schaute ihrer Freundin in ihre dunkelbraunen Augen, die ernst und nachdenklich dreinblickten. „Ach Lydia, es ist nicht fair von mir so vor Dir über deinen Mann zu sprechen.." „Nein, Lisa. Das ist völlig okay.", fiel ihr Lydia ins Wort. „David ist eben genau so zu spät erwachsen geworden, wie du." „Danke! Du bist eine echte Freundin!" Lisa umarmte Lydia und drückte sie ganz fest an sich. „David hat so ein Glück mit dir, hoffentlich weiß er das zu schätzen." Lydia strahlte. „Oh ja, das tut er." Für einen kurzen Moment war nur das Radio zu hören. „Hast Du eigentlich jemals versucht, Rokko zu finden?", nahm Lydia schließlich die Unterhaltung wieder auf. „Klar, sogar schon gleich kurz nach unserer Trennung.", entgegnete Lisa. „ich habe sogar herausgefunden, wo er in Hamburg lebt. Ich stand vor seiner Wohnungstür und…", sie schluckte. „Bin abgehauen ohne zu klingeln, ich blöder Angsthase!" „Nein! Lisa! Das hätte ich wirklich nicht von dir gedacht." „Na ja.", Lisa senkte den Blick. „So sehr, wie ich ihm weh getan habe…" „Hm. Kann ich auch irgendwie verstehen! Hätte es vielleicht nicht anders gemacht!", gab Lydia zu. „Vor 5 Jahren habe ich es dann noch mal versucht, aber da war er schon aus Hamburg weggezogen.", erzählte Lisa weiter. „Na ja, und da hab ich dann gewusst, dass es eben nicht sein soll.", schloss sie und blickte traurig zum Fenster. „Und nun?" Lydia sah ihre Freundin besorgt an. „Tja, nun lebe ich halt damit!", gab Lisa bitter zurück. „Ich lebe damit und hoffe, dass ich es irgendwann akzeptieren kann wie es ist und mit dem was ich hab zufrieden bin. Ich habe eine wundervolle Tochter, wahnsinnig liebe Freunde, ich verstehe mich gut mit David, also Pias Vater. Was will ich also mehr? Tja und dass ich mir die Liebe versaut hab, das hab ich mir und meiner grenzenlosen Naivität wohl selber zuzuschreiben." „Das ist eine bittere Konsequenz.", kommentierte Lydia nachdenklich. „Ja, aber die einzig mögliche, das hab ich für mich inzwischen herausgefunden.", entgegnete Lisa bestimmt. „Für Affären bin ich nicht der Typ, und zu mehr nicht bereit."
Pia vor der Tür stand leise auf, drehte sich um und schlich noch leiser zurück in ihr Zimmer. Sie hatte genug gehört. Mama musste Rokko, den Mann auf den Fotos, auf jeden Fall unbedingt treffen! Das war jetzt mehr als klar für sie! Das Gespräch von Mama mit Lydia hatte es ihr noch einmal ganz deutlich bestätigt.
