7.
Die nächsten tage nahm sich Rokko absichtlich keine Zeit für seinen PC zu Hause. Von morgens bis abens saß er im ehrenamtlichen Weihnachtsmannpostamt und beantwortete Briefe. Erst wenn er dann im Bett lag, nahm er sich jeden Abend ein paar Minuten um über seine Vorgehensweise Pia und Lisa betreffend nachzudenken. Nach einer anderthalben Woche war ihm klar, dass er Pia verraten musste. Aber wie konnte er das anstellen, ohne dass die kleine es merkte? Nach 3 weiteren abendlichen Nachdenkphasen hatte er seine Strategie parat und rief am darauffolgenden Morgen gleich bei Joana an.
Am Nachmittag dieses Tages klingelte dann im Chefbüro der Firma Kerima Moda das Telefon. „Kerima Moda, Seidel, was kann ich für sie tun?" „Guten Tag Joana Friede hier vom Verein Kinderfreude E.V…." „Tut mir leid, wir haben unseren Spendenetat schon verbraucht!" Lisa hatte es wirklich satt. In den letzten Tagen waren tausende Anrufe von allen möglichen dubiosen Organisationen eingegangen, die alle Spenden haben wollten. Die Frau am anderen Ende der Leitung lachte. „Nein, sie können ganz beruhigt sein, Frau Seidel. Es geht nicht um Spenden. Wir wollten Sie darum bitten, in ihrer Firma eine Umfrage zu machen, wer an der Buchung eines unserer ehrenamtlichen Weihnachtsmännern interessiert ist. Dieses Jahr haben wir noch freie Spitzen und bewerben unseren Service deshalb in Firmen. Ich würde Ihnen einen Aushang faxen, in den sich dann alle Interessierten eintragen können. Es reicht, wenn Sie die Liste bis zum 15.12. an uns zurückfaxen." „Ehrenamtliche Weihnachtsmänner? Was soll das denn sein?!" Lisa war irritiert. „Na ja.", antwortete die Frau am anderen Ende der Leitung. „Wenn die Kinder etwas älter werden, so acht neun, dann erkennen sie halt die Stimmen ihrer Verwandten dummerweise ziemlich schnell. Und um ihnen den glauben an den Weihnachtsmann noch eine Weile länger zu bewahren, oder für alleinerziehende, deren Familie sonst weit weg wohnt oder so, bieten wir eben diesen Service. Es kostet nur 10 Euro." „Das ist ja phantastisch!" Lisa erinnerte sich gut daran, wie Weihnachtsmann Friedrich Seidel sich im letzten Jahr drei mal ganz knapp aus der Affäre gezogen hatte, als Pia ihm fast auf die Schliche gekommen wäre. „Kann ich mich da gleich anmelden?" Joana am anderen Ende der Leitung lächelte. „Aber natürlich. Sie müssen mir nur Name, Adresse, alter des Kindes und Wunschuhrzeit nennen. Die Geschenke sollten sie kurz vorher vor ihrer Tür deponieren. Wir schicken ihnen einen Überweisungsträger zu und das wär's auch schon." „Okay, also, die Kinder sind 6 und 9…"
Als das Gespräch beendet war, holte Joana schnell ihr Handy aus der Tasche und schrieb Rokko eine SMS: „Pia und Leon Seidel stehen auf deinem Tourplan!"
