Epilog

„Komm, ich stelle dich meinem Vater vor!", Ole zog Pia liebevoll an der Hand in Richtung Ausgang. „Hey! Wir sind erst seit gestern zusammen, und du willst mich schon mit nach Hause nehmen? Du gehst aber ganz schön ran!" Pia knuffte ihm lachend in die Seite. „quatsch! Jetzt doch noch nicht! Aber wenn wir beide Silvester zusammen feiern wollen, sollte mein Vater dich schon kennen. Sonst will er mich wieder mit in die norwegische Blockhütte nehmen." "Oh je, du armer!" Pia strich Ole mitfühlend über den Kopf. „Wir holen ihn vom Weihnachtsmannpostamt ab!" erklärte dieser. „Häää? Woher?", Pia sah Ole irritiert an. „Ach, weißt du, Mein Dad hat ‚n Splean. Seit ewigen Zeiten geht er jedes Jahr ab November nachmittags in so ein Postamt, wo die Wunschzettel an den Weihnachtsmann ankommen und er beantwortet die dann. Er ist Journalist und er sagt immer, das ist mal ‚ne schöne Abwechslung zu dem ganzen Politkram!" „Ha, das glaube ich!", entgegnete Pia. „Das ist aber wirklich ne schöne Idee mit den ehrenamtlichen Postweihnachtsmännern!"

Lachend und scherzend und immer wieder durch längere Kusspausen unterbrochen liefen die beiden vom Gymnasium aus etwa eine Stunde bis zu einem kleineren Haus in der Schönhauser Allee. Vor der Tür blieben sie wartend stehen. „er müsste jeden Moment herauskommen!", meinte Ole und sah kritisch auf seine Uhr. „Wenn er nicht Überstunden schiebt! Obwohl - das macht er donnerstags eigentlich nie, da geht er immer noch mit einem Kumpel ein Bierchen trinken."

In diesem Moment öffnete sich von innen die Tür. Zwei Männer traten hinaus. Pia traute zuerst ihren Augen nicht, dann umspielte ein Lächeln ihren Mund, so, als hätte sie gerade die Erleuchtung heimgesucht. „Rokko?!" „Ach du Scheiße, Pia! Was machst denn du hier!" Der Schreck war Rokko deutlich anzusehen. „Sag nicht, ihr kennt euch!", mischte sich Ole ein. „Oh doch!", klärte ihn Pia auf. „Rokko Kowalski ist der Lebensgefährte meiner Mutter und jetzt wird mir so einiges klar!" Rokko hatte immer ein furchtbares Geheimnis daraus gemacht, warum er im November und Dezember meist erst sehr spät abends nach Hause kam. Was auch immer Pia versuchte, er fand stets ein gekonntes Ablenkungsmanöver, um es ihr nicht erklären zu müssen. Und auch ihre Mutter schien sich nicht daran zu stören. „Pia, du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet!", versuchte Rokko es auch jetzt wieder mit Ablenkung. „Na ja,", übernahm Ole das Wort. „Pia ist meine … also wir sind… wir sind jetzt zusammen und ich wollte sie meinem Vater vorstellen." „Ist ja nicht zu fassen! Du verliebst dich ausgerechnet in die Ziehtochter meines besten Weihnachtsmannfreundes!", ließ sich jetzt tim vernehmen, der sich bis dahin schmunzelnd zurückgehalten hatte. „Aber wie kommt es, dass du nicht wusstest, dass Rokko ehrenamtlicher Weihnachtsmann ist?" verlangte Ole energisch eine Erklärung. „Ole, das erzähl ich dir mal später, ist eine lange Geschichte!", entgegnete Pia schmunzelnd. Sie löste sich aus dem Arm ihres Freundes, lief auf Rokko zu und umarmte ihn herzlich.

Zu viert waren sie nach diesem Aha-Erlebnis spontan noch in einer Pizzeria hängen geblieben. Sie verbrachten einen wunderschönen Abend zusammen, bevor sie sich gegen 10 schließlich auf den Heimweg begaben. „Weißt du, mein lieber Rokko,", begann Pia das Gespräch, nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergegangen waren: „bis vor ein paar Stunden habe ich immer noch ein ganz kleines Bisschen an den Weihnachtsmann geglaubt, weil ich mir die Ereignisse von vor 10 Jahren nicht wirklich erklären konnte.", Rokko senkte den Blick. „Jetzt tue ich das nicht mehr!", fuhr Pia fort. „Aber dafür bin ich jetzt sicher, dass es so was wie Fügung gibt! Es muss einfach eine Fügung geben! Sonst wäre mein Wunschzettel damals mit Sicherheit nicht ausgerechnet in Eurem Postamt und auf Deinem Schreibtisch gelandet." Rokko seufzte und strahlte sie dann an: „Oh ja, Da magst du wohl recht haben!"