Kapitel 1
Ich ging wie immer gelangweilt durch die Stadt. Ich hasste diesen Ort, doch immerhin bekam man hier alles, was gerade brauchte, außerdem gab es hier guten Kaffee, und seit ich angefangen hatte, Gilmore Girls zu schauen, war ich koffeinsüchtig. Also ging ich mit einem Schokocappuccino in der Hand über das Kopfsteinpflaster und ärgerte mich über die gefühlt 3000. Baustelle, die mir heute über den Weg lief, doch dann fiel mir das kleine, blaue Toilettenhäuschen auf und ich musste grinsen. Ich musste bei so einem Dixiklo immer an die TARDIS des Doctors denken - noch eine Serie, nach der ich mittlerweile regelrecht süchtig war. Mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht, und schon weitaus weniger genervt von der Stadt, ging ich weiter, doch dann stutzte ich, ging rückwärts zurück und starrte das Klohäuschen an. Ich hab so über das Ding gegrinst, dass ich gar nicht gemerkt hatte, dass dahinter etwas stand, was mir sehr bekannt vorkam. Ich lief so schnell wie möglich über die abgesperrte Baustelle und an der Seite des Klos entlang und tatsächlich. Eine blaue Box stand da, genau vor meiner Nase, mit dem mir wohlbekannten Schild „Police Box". Eine Box mit englischer Schrift, in Deutschland? Das konnte doch nicht TATSÄCHLICH sein, oder?
Ich schrich mit den Fingern über das Holz - keine Halluzination - und rüttelte dann an der Tür. Abgeschlossen.
Also war der Doctor in MEINER Stadt unterwegs? Ich hätte nicht einmal gedacht, dass der Doctor wirklich existierte. Ich dachte, das wäre nur eine Serie, aber die würden doch nie die Box HIERHIN stellen, um hier zu drehen, oder? Und erst recht nicht hier stehen lassen, ohne dass jemand auf sie aufpasst. So naiv waren Fernsehteams doch sicher nicht.
Ich schaute auf die Uhr. Mein Bus würde eh erst in etwa 40 Minuten fahren, also hatte ich noch etwas Zeit um zu schauen, ob der Doctor vorbei kam. Ich setzte mich direkt vor die Tür der TARDIS, um ihn nicht zu verpassen, egal wie der echte Doctor aussah.
Und tatsächlich, nur wenige Minuten später kam ein Mann an, der sogar genauso aussah wie David Tennant.
Er starrte mich an und zog eine Augenbraue hoch, aber ich starrte noch viel mehr: „Sind Sie David Tennant oder der echte Doctor?", fragte ich. Da lächelte er leicht und antwortete: „ Es gibt gar keinen David Tennant. Insgesamt ist die Serie nur dadurch entstanden, dass ich irgendwie auch mal etwas Geld brauchte, man weiß ja nie, wann man dringend ein paar Münzen benötigt. Zuerst hab ich nur die Scripts geschrieben, aber bei den letzten drei Staffeln fanden sie, ich sollte endlich auch mal mitspielen. Ich hatte ja in den Jahren vorher ein wenig Schauspielerfahrung gesammelt."
Dann stockte er und sagte schließlich: „ Ich rede zu viel. Das merkt man auch in der Serie. Jedenfalls ist David Tennant nur mein Synonym. Das, was in der Serie John Smith ist. In Wirklichkeit nenn ich mich David Tennant, wenn ich undercover bin."
Dann strahlte er mich an. „Du bist die Erste, die mich bisher erkannt hat."
„Die TARDIS war ein gutes Zeichen", antwortete ich grinsend und daraufhin streckte er mir seine Hand entgegen. „Doctor", stellte er sich vor.
„Ach echt?", ich zog eine Augenbraue hoch und schüttelte dann seine Hand. „Birgit."
„Birgit, was ist das für ein Name? Wo genau bin ich eigentlich, in Deutschland war ich bisher selten."
Ich schaute etwas genervt. Ich hasste diesen Namen, aber das war egal, der DOCTOR hatte ihn ausgesprochen: „Ein nordischer, ich glaube skandinavisch. Und Sie sind in Braunschweig, einem kleinen, nervigen Kaff, in dem fast nur Spinner wohnen."
Er lachte und sagte dann: „Lass bitte das Sie weg, ich bin sonst oft in England unterwegs, ich mag das Sie nicht, ich bin für du." Jetzt war ich froh, dass er Gedanken nicht lesen konnte, denn sonst hätte er gesehen, dass ich ihn grad wirklich anschmachtete. Erst kam mir tatsächlich der schönste Mann des derzeitigen Fernsehprogramms in meiner Stadt entgegen und dann durfte ich ihn sogar duzen. Doch es kam noch besser:
„Möchtest du mich für eine Reise begleiten?", fragte er, kratzte sich am Kopf und schaute dann mit seinem leicht peinlich berührtem Blick auf mich hinunter. „Ich frage normalerweise nicht einfach irgendwen auf der Straße, aber du scheinst mich einigermaßen zu kennen, oder zumindest die Serie. Und ich hatte schon lange keine Gesellschaft mehr und ab und zu eine Reise mit jemand neuem ist eigentlich ganz schön."
Er schüttelte den Kopf und legte wieder sein cooles, aalglattes Gesicht auf. „Wer ist den Lieblingssänger, oder willst du Kleopatra kennen lernen? Oder lieber deinen Lieblingsschauspieler? Einen Autoren? Nur nicht nochmal Shakespeare, bei dem war ich schon oft genug. Also, welche Person würdest du gerne kennen lernen?"
Ich musste kichern. „Meinen Lieblingssänger. Der wohnt zufällig hier in der Stadt und-", ich stockte und sagte dann etwas leiser und weitaus peinlicher berührt: „-denkt eventuell, dass ich ihn stalke, was aber nicht der Fall ist, da er zwar toll ist, ich aber nicht auf ihn stehe."
Hatte ich das jetzt wirklich ausgesprochen? Dem Blick im Gesicht des Doctors sagte mir, dass ich tatsächlich getan hatte. Mist.
„Jedenfalls fällt der Sänger aus. Mein Lieblingsschauspieler hat sich gerade als Timelord entpuppt. Was bleibt noch übrig? Ach, weißt du was? Überrasch mich einfach."
Er grinste - noch leicht unsicher aufgrund meiner Verrücktheit -, schloss die TARDIS auf und wies mir, einzutreten.
