Kapitel 4
Als das Wesen die junge Frau regelrecht verschlang, starrten sowohl der Doctor als auch ich mehr als erschrocken. Er sah gleichzeitig traurig, wütend und irgendwie schuldig aus. Warum blickte er denn so schuldbewusst? Er konnte doch gar nichts dafür, dass das Staubding sich ausgerechnet dieses Haus ausgesucht hatte, um rein zu laufen und die Besitzerin zu fressen.
Nach einer Paniksekunde griff der Timelord meine Hand und zog mich schnell weg, gerade in dem Moment, in dem das Staubwesen sich mir zuwandte und wieder seine - in Ermangelung eines besseren Wortes - Futterluke aufmachte, um mich gleich seiner Sammlung hinzu zu fügen. Wir rannten so schnell wir konnten vom Grundstück und blieben in einigem Abstand stehen, während das Wesen zum zweiten Mal im Haus verschwand.
„Es tut mir leid", murmelte der Doctor. „Ich wollte dich nicht in..." Doch schon hatte ich ihm einen Finger auf die Lippen gelegt und schüttelte den Kopf - während er mich ein wenig schockiert ansah. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse, schon vergessen? Ich kenne dich - zumindest irgendwie - und ich wusste, dass man dich nur mit den Monstern erleben kann. Also hör auf, dich zu entschuldigen. Lass uns lieber den Rest des Dorfes retten, damit die nicht auch noch vollgestaubt werden."
Ich glaube, ich wurde in meinem ganzen Leben noch nicht SO entgeistert angestarrt, doch schon bald blitzte mich wieder ein strahlendes Lächeln, oder vielmehr ein wahnsinniges Grinsen, an und der Doctor meinte: „Na gut, dann lass uns mal überlegen... womit bekämpft man Staub?" Ich überlegte, während der Doctor vor sich hin murmelte und antwortete schließlich: „Staubtuch, Staubsauger oder Mülltüte", doch er schüttelte den Kopf. „Tuch und Mülltüte sind unmöglich, es würde uns verschlingen, bevor wir überhaupt nah genug kommen würden", belehrte er mich, während er seine Haare verwuschelte, wie so oft, wenn er nachdachte. „Und für einen Staubsauger ist es einfach zu groß, und zu schwer. Mit einem Menschen in sich, oder vielleicht schon mehreren, kann es vielleicht dem Sog widerstehen. Wir müssen es irgendwie in seiner Grundstruktur angreifen. Denk, denk, denk.... mein Kopf ist zu klein, für so etwas. Es ist immer das selbe, ...."
Ich hörte ihm nicht mehr zu, denn er war jetzt sowieso nur mit sich beschäftigt. Die Zeit konnte ich nun wirklich besser nutzen, zum Beispiel damit, weiter zu überlegen. „Wasser vielleicht, oder Schall. Bei zu viel Schall fliegen Staubflocken aus einander, und mit Wasser vermischen sie sich zu einem ekligen.....grauen etwas."
Mit dem, was nun kam, hatte ich ganz sicher nicht gerechnet, doch der Doctor blickte mich kurz einfach an, ganz ruhig, und ohne weiteren Ausdruck, bevor er mich auf die Stirn küsste. Für mich stand die Zeit ein wenig still, denn ich muss ganz ehrlich zugeben, dass das Gefühl seiner Lippen auf meiner Haut nun wirklich nicht das Schlechteste des Tages war. „Brilliant. Warum bin ich nicht darauf gekommen, ich bin doch ein Genie", flötete er und sprang umher, wie ein Flummi, in Richtung der Tardis. Er blickte sich zu mir um und meinte: „Na komm schon. Ich kann nicht alles selber tragen, aber wir können nicht, wenn ein Versuch schief läuft, in aller Seelenruhe zurück gehen und alles für den nächsten vorbereiten. Denn vermutlich wird es sehr sauer sein, wenn es weiß, dass wir es bekämpfen wollen."
Im Rennen fragte ich eher vorsichtig: „Und was ist mit dem ‚Ich muss ihm eine Chance geben' geworden?" Der Doctor blieb automatisch stehen und ich rannte direkt in ihn rein, wobei ich ihn natürlich zu Boden riss. Ganz schnell sprang ich wieder auf und verfehlte beim Aufsetzen meines Fußes zum Hochstützen nur sehr knapp gewisse Körperteile, die zumindest männliche Menschen an der Stelle hatten. Was ein Glück, dass er das nicht mitbekommen hatte. Statt dessen starrte er mich nur an, nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, und meinte ernst: „Die Chance hat es vertan, als es diese Frau gefressen hat." Ich nickte betroffen und schon waren wir wieder am Rennen.
