Als der Wasserstrahl, ganz aufgedreht und mit voller Wucht, auf das flusig-fusslige Etwas prallte, das eh schon am Bröckeln war, zerfiel es vollständig und wurde zu einer eklig aussehenden, platten Masse am Boden, die eindeutig kein Leben mehr in sich trug, aber das Wichtigste war, dass sowohl die junge Frau als auch ein Hund auf dem Boden lagen.
Der Doctor riss die Augen erschrocken auf, scheinbar hatte er nicht damit gerechnet, dass noch irgend etwas im Körper des Wesens existiert hatte. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit rührte er sich wieder und murmelte leise: „Staub.... ...luftdurchlässig oh bitte!" Dann lief er zu der Frau hin, fühlte ihren Puls und grinste. Nach kurzer Mund-zu-Mund-Beatmung kam sie auch wieder zu sich, wobei sie noch eine Menge Wasser aushustete. Auch der Hund wedelte schon bald wieder fröhlich mit dem Schwanz, allerdings musste der Doctor ihn nicht beatmen. Scheinbar war der Labrador der Hausbesitzerin sehr robust.
„Ich LIEBE Tage, an denen niemand stirbt", rief der Doctor fröhlich, als wir wieder auf dem Weg zur Tardis waren und ich verzichtete darauf, ihm zu sagen, dass das Staubwesen nicht überlebt hatte. Irgendwie fühlte ich mich nicht gut dabei, einfach ein Wesen zu töten, aber wir hatten ja auch keine andere Wahl gehabt, oder? Jedenfalls hatte er keine Alternative gesehen und mir war auch nichts eingefallen, also musste ich das wohl oder übel einfach so hinnehmen, wie es gekommen war.
Und kurz darauf kam die nächste Schütteltour in der Tardis, die mein Magen mit einem sehr unguten Gefühl quittierte. Ich war ein wenig grün im Gesicht, als wir wieder auf das Pflaster meiner Stadt traten und der Doctor hielt mich kurz fest, weil ich wohl doch etwas sehr schwankte. „Wir waren gerade mal zehn Minuten weg, in der Zeitlinie hier natürlich", meinte er und lächelte mich breit und freundlich an. „Also... da wären wir, und du bist wieder zuhause, mehr oder weniger. Oder... möchtest du weiter mit mir reisen?"
Ich starrte ihn entgeistert an. Hatte er mir das gerade wirklich angeboten? Ich brauchte eine kleine Ewigkeit zum Überlegen, schüttelte dann aber den Kopf. „Nein, ich bleibe hier, ich denke, das ist besser so." Scheinbar hatte er damit nicht gerechnet, denn er zog erst beide Augenbrauen hoch und fragte dann zuerst: „WAS?!", ehe er fragte: „Ist...etwas nicht in Ordnung? Du ... oh nein, du hast dich doch nicht auch in mich verliebt, oder?"
Damit hatte ich wiederum nicht gerechnet. „NEIN!", rief ich aus und kicherte. „Nein, das ist es nicht, keine Sorge. Es ist nur so... ich muss die Schule fertig kriegen, ich kann mir da jetzt keine Verzögerung leisten. Und danach das Studium. Wenn ich das jetzt hinschmeiße, schaffe ich es nie."
Scheinbar verstand der Doctor das, doch ich fragte: „Wobei man sich ja nie sicher sein kann, nicht wahr?"
Er schaute mich fragend an und ich grinste frech, bevor ich meine Arme um seinen Nacken legte und ihn zu mir herunter zog. Ich küsste ihn nur sehr kurz und sanft, doch dann meinte ich: „Nicht schlecht, aber nein, keinerlei romantischen Gefühle. Tut mir sehr leid. ... Und ich muss zugeben, DAS wollte ich schon immer mal machen."
Leicht irritiert lächelte er mich an, nahm mich in den Arm und meinte: „Vielleicht ... sieht man sich ja einmal wieder." Irgendwie bezweifelte ich das natürlich, antwortete aber trotzdem: „Wenn ich mein Studium abgeschlossen habe und ich dich dann wieder treffe, wirst du mich nicht mehr los, das verspreche ich dir."
Ihn an mich drückend, musste ich breit grinsen. Ich hatte die Kraft, die größte Versuchung meines Lebens abzulehnen und das zu tun, was für mein Leben vermutlich richtig war.
Trotzdem war eine kleine Träne in meinem Augenwinkel, als ich zusah, wie die Tardis samt Doctor wieder aus meinem Leben verschwand. Das glaubte mir doch keiner - zumindest nicht, bis ich den wenigen Menschen, denen ich das hier anvertrauen wollte, die Handyfotos von mir und dem Doctor in der Tardis und umarmend zeigte, die er mich hatte schießen lassen, bevor er wieder abgereist war. Die würden alle Augen machen!
