Nicolai Technikus – Ein Leben

: Unbeschwerte Kindheit

Ein alltäglicher Abend

Seufzend beobachtete ich das spiel der Kerzenflamme. Es war ein kalter, dunkler, und vor allem langweiliger Abend im September 1892. Ich saß mit meiner Schwester Sophia in der nur durch Kerzenlicht beleuchteten Küche und schälte Kartoffeln während sie häckelte. Unsere Mutter war in der Scheune und fütterte die Tiere, unser Vater nicht zuhause.

Die Küche war das größte unserer Räume. Obwohl wir nicht zu den bessergestellten Bauern nahe Czernowitz gehörten, hatten wir neben der Küche nur ein Schlafzimmer, das allein den Eltern gehörte, und eine Scheune für die Tiere. Meine Schwester und ich mussten in der Küche schlafen.

Dass wir dabei nicht immer unbedingt glänzend miteinander auskamen sollte wohl nicht verwundern. Doch alles in allem verstand ich mich dennoch gut mit ihr. Ich blickte von meiner Arbeit auf und beobachtete Sophia. Ihre dunklen haselnussbraunen Augen wirkten freundlich und entspannt, aber dennoch konzentriert. Ihre Hände führten die schlanke Häkelnadel mit großer Präzision durch die Maschen des Garns. Das für mich unförmig wirkende Gewirr aus Maschen, welches meine Schwester da auf ihrem Schoß schien Gestallt anzunehmen.