Nicolai Technikus - Ein Leben
: Unbeschwerte Kindheit
Neuartiges Gedankengut
Ich kam schließlich zu dem Resultat, dass das Gehäkelte auf ihrem Schoß wie ein Säugling wirkte, den seine Mutter in den Armen hält… So vor mich hin fantasierend, kamen mir einige seltsame Gedanken. Gedanken, die ich mir in den zehn Jahren meines noch jungen Lebens nie gestellt hatte. Ich fixierte erneut das Bündel auf Sophias Schoß, die ganz ruhig häkelte und meinen Blick nicht zu bemerken schien.
Doch plötzlich blickte sie auf.
„Was ist los, Nicolai?", fragte sie. Ihr Blick verriet mir, dass sie schon lang bemerkt hatte, dass ich alles andere tat als mich aufs Kartoffelschälen zu konzentrieren.
„Mutter braucht die Kartoffeln bis morgen früh also hör auf Löcher in die Gegend zu starren und mach dich an die Arbeit", wies sie mich streng an.
Ich war das von ihr gewöhnt. Meine Schwester wusste ihre stellvertretende erzieherische Position oft zu benutzen. Doch dieses mal wollte ich nicht nachgeben. Dazu brennte mir die Frage viel zu sehr in den Gedanken. Ich zögerte etwas und überlegte wie ich sie hätte formulieren sollen...irgendwas fehlte mir da…irgendein Begriff…doch er fiel mir nicht ein.
Als ich Sophia nach 5 Minuten immer noch nicht meine Frage gestellt hatte und anstatt weiter Kartoffeln zu schälen über eine geeignete Formulierung nachdachte, stieß sie schließlich ungeduldiges Seufzen aus:
„Bitte Nicolai. Wenn du etwas fragen willst dann frag! Aber danach machst du gefälligst mit der Arbeit weiter!"
Nun…meiner Schwester zu liebe verwendete ich einfach die erstbeste Formulierung die mir eingefallen war.
„Sophia", fing ich langsam an. Unbeeindruckt fixierte mich ihr Blick. Doch ich fuhr fort:
„Wie war es eigentlich als ich noch nicht hier war? Ich meine...wo war ich bevor ich hier war? Wieso kann ich mich nicht daran erinnern?"
