Nicolai Technikus - ein Leben

: Unbeschwerte Kindheit

Junges Genie

Doch das wollte ich nicht sehen. Für mich war meine Umgebung etwas was genauestens hinterfragt werden musste. Jedes Detail, jedes noch so unwichtig scheinendes Glied in diesem perfekt ausgeklügelten Netzwerk barg wahrscheinlich noch ein vielfaches mehr als was man schon herausgefunden hatte. Aber am allerwichtigsten von allen Sachen war es mir, zu wissen, wie alles funktionierte. Wie kam es, dass sich das schwere Pendel der großen Uhr immer gleichschnell bewegte? Nach einigem Überlegen öffnete ich den Uhrenkasten und versuchte es herauszufinden, wobei ich versehentlich das Pendel angehalten hatte. Und wieso musste man Vaters neue Taschenuhr aufziehen? Der einzige Weg das herauszufinden war sie auseiander zunehmen. Leider war mir dabei eines der Zahnräder abhanden gekommen und nie wieder aufgetaucht.

Oft ging wie im Fall der Taschenuhr, bei meinen Untersuchungen etwas kaputt oder ich verlor etwas. Dann bekam ich gehörigen Ärger und Prügel mit dem Ledergürtel. Das war nicht gerade angenehm, denn mein Vater war nicht gerade zimperlich mit mir. Manchmal wenn es ganz arg war, schlug er in seiner Wut so fest zu, dass mein Hinterleib starke Striemen oder sogar offene Wunde aufwies. Doch bei allem Schmerz…das war es mir wert, denn ich war davon überzeugt, dass es sich eines Tages auszahlen würde.

Seit meinem 13. Lebensjahr fingen diese Zukunftsvorstellungen mehr und mehr Gestallt anzunehmen. Ja ich war mir sicher, dass ich wenn ich groß war, Wissenschaftler oder…nein vielleicht sogar und Erfinder werden würde. Dann würde ich solche Maschinen und Geräte die ich jetzt nur untersuchte, entwickeln oder verbessern. Ich sah mich schon, wie ich der berühmteste Erfinder der Elektrotechnik wäre, vielleicht sogar noch berühmter als Edison oder Tesla. Ja ich sah mich selber

als fortschrittlichen Menschen. Viel fortschrittlicher als die meisten anderen Leute meiner Zeit, die immer noch in ihrem altmodischen Weltbild lebten.