Einen Moment lang herrschte Stille. Sasori hatte ja mit vielem gerechnet, nachdem er die Briefe des Grafen rauf und runter gelesen hatte, aber nicht mit so etwas. „Die Freude ist ganz meinerseits.", antwortete der Rothaarige ein wenig atemlos und sah an dem Blonden vorbei. Er konnte nicht lange in diese strahlend blauen Augen sehen. Das der andere ihn unterdessen genaustens unter die Lupe nahm, bemerkte er so gar nicht. Glücklicherweise wurde er schnell vom Grafen hineingebeten und der Notar seufzte tonlos, nachdem die Tür hinter ihm wieder verschlossen war.
In dem Gemäuer war es eindeutig wärmer als draußen, jedoch kam es dem Rothaarigen so vor, als sei es trotzdem ungemein kalt in der Burg. Vielleicht kam es einfach daher, dass die Eingangshalle so leer stand. Möglichst unauffällig sah sich der Notar um, seine Neugierde wollte er sich natürlich nicht anmerken lassen, schließlich musste er, gerade gegenüber einem Grafen, professionell auftreten. Die Eingangshalle war groß und wurde durch Fackeln beleuchtet. Durch das wenige, unstete Licht, wuchsen die Schatten zu furchteinflößenden Gestalten heran, bevor sie wieder zu gewöhnlichen, schwarzen Flecken an Wänden und Fußboden schrumpften.
Bis auf ein paar Gemälde, auf denen wohl die Vorfahren des Grafen zu sehen waren, befanden sich in der Eingangshalle bloß ein langer Teppich, der quer durch die Halle lief und zwei gebogene Treppen, die in den ersten Stock führten. Für eine Burg eher untypisch, aber Sasori hatte das Gefühl, dass ihm noch mehr untypische Dinge auffallen würden. Ansonsten war die Halle jedoch gähnend leer. Graf Dracula und der Notar waren die einzigen, anwesenden Personen. Diese Erkenntnis ließ den Rothaarigen kurz innehalten. Der Graf hatte ihm persönlich die schwere Tür geöffnet und sie auch wieder geschlossen. So wie die Tür aussah, musste es jedoch wenigstens zwei Männer benötigen, um sie öffnen oder schließen zu können. Mal davon abgesehen, dass die Tür somit nicht so massiv sein konnte, wie sie aussah.. wo waren die Bediensteten des Grafen?
Dracula konnte ja wohl kaum alleine in dieser Burg leben, als Graf hatte man immer Bedienstete. Wo war zum Beispiel der Kutscher abgeblieben?
„Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise, Sasori. Sicher wollen Sie sich nach ihrer langen Fahrt etwas erfrischen, hmm. Kommen Sie, ich zeige ihnen ihr Zimmer.", unterbrach der Graf den Gedankengang des Rothaarigen und bedeutete diesem, ihm zu folgen. Mit einem unsicheren Lächeln folgte der Angesprochene dem Blonden, der mindestens einen halben Kopf größer war, als er selbst. Überraschenderweise schulterte der Graf das Gepäck des Notars und bestand darauf, dieses selbst in das Schlafzimmer des Rothaarigen zu bringen. Sasori bedankte sich in nüchternem Ton, Dracula kam ihm immer seltsamer vor. Der Hausherr führte seinen Gast die Treppe hinauf, durch einen langen, steinernen Korridor bis hin zu einer schwer aussehenden Tür, welche der Graf aufstieß. Der Notar sah sich ein wenig erleichtert um, als er den Raum betrat. Den bisherigen Teil der Burg, den er zu Gesicht bekommen hatte, hatte etwas unheimliches an sich. Die flackernden Kerzen, die langen Schatten... Dieser Raum war hell beleuchtet und mit einem grummelnden Magen erblickte der Engländer den reichlich gedeckten Tisch, neben einem Kamin, in dem ein Feuer knisterte. „Sobald Sie fertig sind, können Sie hier ihr Abendessen zu sich nehmen.", kommentierte der Blonde und führte Sasori durch einen weiteren, achteckigen Raum ohne Fenster, der schließlich zum Gästezimmer führte. Auch dieses war hell erleuchtet und auch hier knisterte ein warmes Feuer, sodass sich der Rothaarige am liebsten gleich ins Bett gelegt hätte, wäre sein Hunger nicht so groß gewesen. Deidara stellte das Gepäck seines Gastes neben das Bett und entschuldigte sich dann mit einem Lächeln, bevor er den Raum wieder verließ.
Sasori setzte sich für einen Moment auf das Bett und seufzte leise, als er feststellte, wie weich es doch war. Diese Nacht würde er wohl schlafen, als läge er im Koma. Es war einfach so viel während der Kutschfahrten passiert, dass dem Grauäugigen seine Reise beinahe wie ein Traum vorkam. Er schloss seine Augen, schreckte aber sogleich hoch, als ihm das Bild eines Wolfes in den Kopf kam. Mit einem leicht zittrigen Seufzen rutschte er vom Bett, entledigte sich seines Reisemantels und machte hastig seine Toilette, bevor er das gemütliche Gästezimmer wieder verließ, durch den leeren Raum schritt und mit einem grummelnden Magen das Esszimmer betrat.
Der Graf wartete bereits auf seinen Gast. Er stand neben dem Kamin und lehnte sich an die Wand, als der Rothaarige das Zimmer betrat und setzte sich dann gemeinsam mit ihm an den reichlich gedeckten Tisch. „Ich bitte um Ihre Nachsicht, Sasori, aber ich habe bereits diniert. Lassen Sie sich davon bitte nicht beirren und speisen Sie, wie es Ihnen beliebt, hmm.", erklärte der Mann, woraufhin der Angesprochene ein wenig zaghaft lächelte und nickte. Der Graf hob den Deckel einer der vielen Schüsseln, die auf dem Tisch standen und den Rotschopf grüßte der Anblick eines exzellent gebackenen Hühnchens. Zusammen mit ein wenig Käse, Salat und reichlich Wein ließ es sich der Notar schmecken und bemerkte bei dem leckeren Essen kaum die Blicke des Blauäugigen, der ihn wieder zu mustern schien. Zwischendurch stellte Dracula dem Notar allerlei Fragen zu seiner Reise, welche der Engländer bemüht geduldig beantwortete. Als Sasori dem Blonden von den Wölfen erzählte, welche die Kutsche verfolgt hatten, wurde dieser seltsam ruhig und sah den Notar bloß nachdenklich, letztlich mit einem leichten Schmunzeln, an.
Nachdem der Rothaarige sein Abendessen beendet hatte, setzten sich die beiden Männer an den Kamin und auf Drängen des Blonden, rauchte Sasori die ihm angebotene Zigarre, wenngleich der Graf sich entschuldigte, denn er selbst rauchte nicht. In Gedanken erwiderte der Engländer, dass er ebenfalls nicht rauchen würde, aber es gehörte sich nicht, seinem Gastgeber so undankbar entgegenzutreten. Während er mit der Zigarre vor dem Kamin saß, beobachtete er Dracula. Dieses Mal war er derjenige, der den anderen Mann musterte. Wieder fielen ihm die strahlend blauen Augen des anderen auf und das lange, glatte, gepflegte, blonde Haar. Beim genaueren hinsehen bemerkte der Rothaarige allerdings auch, dass der Graf etwas blass aussah, ein wenig.. ungesund. Es hätte Sasori nicht gewundert, wenn der andere krank gewesen wäre, bei der Kälte, die in diesem Land herrschte. Bemerkenswert waren allerdings auch die Zähne des Blonden, welche der Engländer nicht sofort bemerkt hatte. Ein wenig spitzer und länger als die anderen, weißen Zähne, ragten die Eckzähne des Grafen hervor. Ab und an strichen sie über die vollen, blassen Lippen des anderen und Sasori musste sich immer wieder dazu ermahnen, den Größeren nicht zu lange anzusehen.
Sie hatten eine ganze Weile lang vor dem Kamin gesessen, bevor sich der Rothaarige erhob und an das Fenster trat, dicht gefolgt von Dracula selbst. Es war sehr spät, wahrscheinlich waren bereits die frühen Morgenstunden angebrochen, Sasori wusste es nicht so genau. Mit einem seltsamen Gefühl blickte er aus dem Fenster in die Nacht und zuckte ein wenig zusammen, als er plötzlich das Heulen von Wölfen vernahm, die sich im Tal befinden mussten.
„Hören Sie!", fing der Blonde an und der Notar drehte sich zu ihm, bemerkte dessen Schmunzeln. „Das sind die Kinder der Nacht!" Während Dracula begeistert zu sein schien, sah Sasori ihn bloß verständnislos an. Er selbst wollte nicht unbedingt etwas mit diesen ‚Kindern der Nacht' zu tun haben. Seine bisherigen Erfahrungen würden ihm wohl für den Rest seines Lebens reichen.
Der Blonde winkte mit einem Lächeln ab. „Sie müssen müde sein, ich will Sie nicht länger wachhalten. Morgen können Sie solange schlafen, wie Sie möchten, ich werde erst gegen Nachmittag wieder hier sein, hmm. Schlafen Sie wohl und träumen Sie schön." Mit diesen Worten und einer höflichen Verbeugung öffnete er die Tür zum achteckigen Raum, woraufhin Sasori, nach einer kurzen Verbeugung und einem leisen „Danke." in dem Raum und schließlich in dem Gästezimmer verschwand.
Mit einem leisen Gähnen setzte sich der Rothaarige auf das Bett und begann damit, sich auszuziehen. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen und er konnte nur hoffen, dass er wirklich gut träumen würde. Mit etwas Glück würde er so gut träumen, wie das Bett, in dem er schlief, gemütlich war. Nachdem er sich umgezogen hatte, kuschelte er sich unter die Bettdecke und schloss die Augen. Das letzte woran er dachte, bevor er einschlief, waren die eisblauen Augen Draculas.
Nach einer überraschend erholsamen Nacht, schlug Sasori erst spät am Tage wieder seine Augen auf. Ein wenig desorientiert streckte er sich und wäre am liebsten noch etwas im Bett liegen geblieben, allerdings meldete sich sein Magen, sodass er bald unruhig wurde und sich schließlich doch erhob, um sich anzukleiden. Danach verließ er sein Zimmer, schritt durch den seltsamen, achteckigen Raum und betrat das Kaminzimmer, in welchem er ein kaltes Frühstücksbuffet vorfand. Der Kaffee wurde auf einer kleinen Herdplatte im Kamin warmgehalten und auf dem Tisch fand der Rothaarige einen kleinen Zettel. „Leider muss ich für einige Zeit abwesend sein. Warten Sie nicht auf mich und lassen Sie es sich schmecken. - D."
Sasori zuckte mit den Schultern und begann schließlich mit seinem reichlich späten Frühstück. Der Graf musste ein viel beschäftigter Mann sein, Sasori fragte sich bloß, was er nach seinem Frühstück alleine auf dieser Burg anstellen sollte. Als er letztlich sein Frühstück beendet hatte, war er noch immer zu keiner Antwort gekommen und ging dann einfach dazu über, sich in den ihm bekannten Räumen etwas genauer umzusehen.
Die Einrichtung zeugte vom Reichtum des Grafen, das Tafelbesteck bestand aus reinem Gold, die Vorhänge, sowohl für der Fenster, als auch die seines Bettes, bestanden aus den feinsten Stoffen, sowie die Polsterung der Stühle und der Sofas. Umso seltsamer war es, dass von der Dienerschaft des Grafen nicht die geringste Spur zu sehen oder gar zu hören war.
Es dauerte nicht lange, bis dem Rothaarigen ein wenig langweilig wurde. Die Räume waren wunderbar eingerichtet, keine Frage, allerdings gab es nichts anderes, mit dem man sich beschäftigen konnte. Nachdem sich der Notar einen Spiegel aus seiner Reisetasche gefischt hatte, denn in den Räumen konnte er seltsamerweise keinen einzigen vorfinden, versuchte er seine Haare ein wenig zu bändigen, kämmte sich und entschloss sich dann dazu, eine weitere Tür zu öffnen. Er wollte nicht ohne die Erlaubnis des Grafen, in dessen Burg herumstreunen, allerdings befand sich, außer der Tür zum fensterlosen Raum, noch eine weitere Tür im Kaminzimmer, welche nicht einmal verschlossen war, als Sasori sie öffnen wollte. Von der Neugier gepackt, betrat der Notar den Raum und stellte erstaunt fest, dass es die Bibliothek des Grafen war. Ein großer Raum mit mehreren Regalen voller Lesestoff. Langsam schritt er eine der Reihen hinab und lächelte zufrieden, als er eine Unmenge an englischer Literatur vorfand. Bücher, Magazine, Zeitungen. Allerdings war keine einzige davon aktuell.
Der Rothaarige staunte aufgrund der Vielfalt; Geschichte, Geographie, Politik, Wirtschaftspolitik, Botanik, Geologie, Recht. All das bezog sich auf England. Das englische Leben, die Sitten und die Gebräuche. Überraschenderweise hatte der Graf auch das Londoner Adressbuch, Whitaker´s Almanach, die Ehrenliste von Heer und Marine und – Sasoris Herz setzte einen Moment lang aus – eine Liste der Juristen. Der Rothaarige besah sich die Liste neugierig, er hatte sich ja schon des öfteren gefragt, warum ausgerechnet er zum Grafen nach Rumänien eingeladen worden war. Auf der Liste gab es jedoch keinen Anhaltspunkt, weswegen der Notar bald aufgab und sich die anderen Bücher noch einmal etwas genauer besah. Er setzte sich an einen langen Tisch und fing an zu lesen.
Während der Rotschopf förmlich an den Büchern klebte, öffnete sich die Tür und Graf Dracula betrat die Bibliothek. Sasori hob den Blick an, als er die Tür ins Schloss fallen hörte und wurde vom grinsenden Grafen begrüßt. „Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen.", fing er an und Sasori schob das Buch, in dem er gerade geblättert hatte, ein wenig beiseite.
„Schön, dass Sie hier hinein gefunden haben, hmm. Ich bin sicher, in meiner bescheidenen Bibliothek werden sie ein paar Dinge finden, die Sie interessieren werden.", fuhr der Blonde fort und nahm eines der Bücher in seine Hand. Sasori fiel auf, dass auch diese vornehm blass aussah.
„Ich hatte schon vor einigen Jahren den Gedanken, möglicherweise nach London zu ziehen. Diese Bücher haben mir dabei geholfen, mich ein wenig über Ihr großartiges England zu informieren. Ich habe es kennen und lieben gelernt! Ich sehne mich danach, durch die Straßen zu schlendern, die Menschen kennenzulernen, ihr Leben zu teilen, ihren Wandel, ihren Tod und alles, was es zu dem macht, was es ist. Allerdings hoffe ich, dass sie mir mit der Sprache helfen können, Sasori. Ich fürchte, mein Wissen stammt allein aus diesen Büchern, hmm."
Dracula schien darüber ein wenig betrübt zu sein und sah den Rothaarigen mit einem Hoffnungsschimmer in den blauen Augen an. Sasori merkte, dass sein Gesicht ein bischen warm wurde und schüttelte ein wenig hektisch den Kopf. „N-natürlich, aber Graf Dracula, Sie sollten wissen, dass Sie die englische Sprache wirklich vorzüglich kennen und sprechen."
Der Angesprochene zog einen weiteren Stuhl an den Tisch und setzte sich dem Rothaarigen gegenüber. „Sie sind zu Nachsichtig mit mir, mein Freund. Und nennen Sie mich doch bitte Deidara, das wäre mir um einiges lieber, hmm.", erwiderte er und der Notar nickte geschlagen. Der Kunde war schließlich König.
„Sie sind nicht bloß hier, um mir über mein neues Anwesen in London zu berichten. Sie werden, wie ich zuversichtlich hoffe, einige Zeit bei mir verweilen, damit ich durch unsere Unterhaltungen den korrekten, englischen Akzent erlernen kann, hmm.", beendete er schließlich und Sasori musste sich zurückhalten, dem Blonden nicht zu sagen, dass seine Aussprache vollkommen ausreichend war. Der Graf... Deidara, würde ihm sowieso widersprechen.
Nach einer weiteren, kurzen Unterhaltung fragte Sasori, ob er die Bibliothek zu jeder Zeit betreten durfte und der Blonde nickte mit einem leisen Lachen.
„Natürlich. Sie können in dieser Burg jeden Weg gehen und jede Tür öffnen, ganz wie Sie wollen, hmm. Und treffen Sie auf eine verschlossene Tür, so kann ich Ihnen versichern, wollen Sie den Raum dahinter nicht betreten. Schließlich gibt es Gründe, weswegen Türen verschlossen sind.", antwortete er dem Notar und fuhr nach einer kurzen, geheimnisvollen Pause fort. „Wir sind hier in Transsylvanien, hier gibt es viele Dinge, die Ihnen sicher eigenartig und fremd vorkommen. Auf Ihrer Anreise haben Sie ja bereits einiges gesehen und erlebt, also wissen Sie bereits, was für fremdartigen Dingen Sie hier begegnen können, hmm."
Sasori unterdrückte ein Schaudern. Die beiden fingen an, sich noch ein wenig eingehender zu unterhalten und da es der Wunsch des Grafen war, durch das Hören und Sprechen zu lernen, stellte der Rothaarige ihm einige Fragen, auch zu den seltsamen Ereignissen auf seiner Reise.
Ab und an wich der Blonde den Fragen aus, tat so, als würde er den Engländer nicht richtig verstehen oder er wechselte ganz einfach das Thema, bis sie schließlich auf das Anwesen Draculas in London zu sprechen kamen. Sasori entschuldigte sich, um die Unterlagen aus seinem Zimmer zu holen und hörte, während er diese aus seiner Tasche kramte, das Klirren von Geschirr. Als er zurück in die Bibliothek gehe wollte, stellte er fest, dass das Geschirr im Kaminzimmer in der kurzen Zeit, in der er im Gästezimmer gewesen war, abgeräumt worden war. Deidara fand er in der Bibliothek vor, er hatte es sich auf einem Sofa gemütlich gemacht und las eines der vielen, englischen Bücher.
Der Notar räumte den Tisch, an welchem er zuvor gesessen hatte, ein wenig frei und zusammen gingen die beiden Männer die Pläne, Fakten und Auflistungen aller Art durch. Der Graf interessierte sich für alles mögliche, stellte unzählige Fragen und Sasori hatte ein wenig Mühe, sie alle möglichst gelassen zu beantworten. Als Notar war er es gewohnt, die Fragen seiner Kunden zu beantworten, allerdings war er es nicht gewohnt, die ganze Zeit über so angegrinst zu werden. Deidara schien eine ungemeine Freude daran zu haben, den Rothaarigen mit Fragen zu löchern und alles, aber auch wirklich alles über sein neues Zuhause zu erfahren. Wäre es nur das Grinsen gewesen, Sasori hätte es sicher einfach ignorieren können, darin war er für gewöhnlich ziemlich gut. Allerdings störten ihn die spitzen Zähne seines gegenüber. Immer wieder zogen sie seinen Blick auf sich und er musste sich zusammenreißen, um dem Blonden nicht auf die Zähne zu starren. Der Engländer hatte keine Ahnung, ob das nun vom Grafen gewollt war oder nicht. Bei dem Mann konnte man sich nicht so recht sicher sein.
Nachdem Deidara die benötigten Papiere für sein neues Anwesen unterzeichnet hatte, fragte er den Notar darüber aus, wie dieser es eigentlich geschafft hatte, ein Haus zu finden, welches so sehr mit den Wünschen seines Kunden übereinstimmte. Sasori erklärte ihm, dass er rein zufällig an dem Haus vorbeigekommen war und er sich eingehend mit seinem Vorgesetzten darüber unterhalten hatte, ob es denn auch wirklich das richtige für ihren Kunden sei. Das Grundstück war riesig, das Gebäude alt, es gab einen kleinen See und sogar eine Kapelle. In der Nachbarschaft gab es nur wenige Häuser, darunter ein sehr großes, welches erst vor kurzer Zeit zu einem Sanatorium umgebaut worden war, allerdings konnte man dieses vom Grundstück aus nicht einsehen.
Der Graf war begeistert, er sprach von Traditionen und dass alte Häuser für alte Familien gemacht sein. Sasoris Gedanken schweiften für einen Moment ab, sodass er eher unzusammenhängend die letzten Worte des Blonden vernahm. „Ich liebe das Dämmerlicht und die Schatten und kann mit meinen Gedanken allein sein, wenn ich es möchte, hmm."
Deidaras Grinsen schien indes noch breiter geworden zu sein und Sasori erwiderte dieses bloß mit einem gezwungenen Lächeln. Dann entschuldigte sich der Graf plötzlich und verschwand mit der Bitte, der Rothaarige möge die Papiere wieder beiseite legen, aus der Bibliothek. Der Notar blieb zurück, kam der Bitte des Grafen nach und las danach noch eine Weile in einem der vielen Bücher. Nach etwa einer Stunde kam der Blonde endlich zurück und schmunzelte ein wenig, als er bemerkte, dass der Engländer noch immer über den Büchern hing. „Es freut mich, dass Sie interessante Lektüre gefunden haben, hmm. Aber Sie haben doch sicher Hunger, es ist bereits spät. Ihr Essen müsste mittlerweile angerichtet sein.", erklärte der Graf und nahm Sasori am Arm, um diesen zurück in das Kaminzimmer führen.
Das Abendessen verlief in etwa so, wie schon am Abend zuvor. Der Notar aß allein, denn Deidara erklärte, er habe bereits außer Haus gegessen. Wieder stellte der Blonde einige Fragen, größtenteils zu Sasoris Heimatland und die Stunden vergingen wie im Flug. Der Engländer wurde langsam aber sicher wirklich müde und erst, als das schrille Krähen eines Hahns den Redefluss der beiden Männer unterbrach, entschuldigte sich der Graf mit einer Unschuldsmiene. „Nun habe ich Sie die ganze Nacht lang wachgehalten, mein Freund! Das tut mir leid. Aber Sie erzählen von so interessanten Dingen, ich könnte Ihnen sicher noch viele, weitere Stunden lang zuhören, hmm. Jedoch, Sie sind sicher müde, Sasori, ich will Sie nicht länger vom Bett fernhalten. Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Schlaf.", meinte der Größere und verbeugte sich, bevor er dem Rothaarigen nochmal einen Blick zuwarf. Sasori bemerkte das Funkeln in den Augen des anderen und blinzelte, bevor er jedoch etwas hätte erwidern können, war Deidara bereits verschwunden.
Der Grauäugige zuckte mit den Schultern und verschwand dann in seinem Schlafzimmer. Müde rieb er sich die Augen, zog sich um und kuschelte sich unter die warme Bettdecke. Draußen wurde es bereits hell.
