Kapitel Drei: Töte deine Träume

Mit dem Ring und dem Tagebuch waren alle Horkruxe zerstört. Hermine atmete tief ein und schloss ihre Augen. Sie war so nah dran. So nah dran, ihre kostbare Mission zu erfüllen.

In der Zukunft hatte Voldemort Hermines Welt in Krieg ertränkt. Er hatte geliebte Menschen getötet und ihr Leben zerstört. Es waren Voldemorts Zorn und seine Grausamkeit, die Hermine dazu gebracht hatten, in der Zeit zurück zu reisen. Die Zerstörung von allem, das ihr lieb war, hatte ihre Mission hervorgebracht. Denn es war keine Rettungsmission. Hermine beabsichtige nicht, ihre Zukunft und die Leben ihrer Freunde zu retten. Nein. Sie hatte ihre Welt brennen sehen und was auch immer sie dort tat, war für sie keine Rettung. Es war alles verloren. Lord Voldemort, Tom Riddle, der Dunkle Lord hatte ihr Leben zerstört. Er hatte sie gebrochen und Hermine glaubte nicht, dass es möglich war, sie zu heilen. Also war sie hier, in der Vergangenheit, mit ihrer Mission.

Vergeltung.

Riddle hatte ihr alles genommen und Hermine würde ihm das Gleiche antun. Sie würde das Eine nehmen, das zu verlieren er vor allem anderen fürchtete: sein Leben.

…und sie würde es genießen.

Hermine würde sich alle Zeit der Welt lassen, um Riddle den Tod zu gewähren, den er wahrhaftig verdient hatte. Ein krankes Lächeln flackerte über ihr ansonsten regungsloses Gesicht. Sie hatte so viele Menschen sterben sehen und jedes Mal war etwas in ihr mit ihnen gestorben. Mit Riddle jedoch würde es anders sein. Seinen Tod würde sie genießen. Sein Tod würde ihr etwas zurückgeben.

Das Zeitkontinuum würde natürlich in dem Moment zerstört werden, in dem Tom Riddle starb. Aber was kümmerte es Hermine? Es war nicht wirklich ihr Problem, oder? Sie beabsichtigte nicht, in ihre Zeit zurückzukehren, also würde sie nie herausfinden, was dort passierte. Vielleicht wäre McGonagall schockiert über ihre Gleichgültigkeit, aber McGonagall war tot. Sie konnte nicht mehr sprechen und es würde sie wahrscheinlich ebenfalls nicht mehr kümmern.

Genau wie Hermine.

Jemanden zu töten, war nicht so schwierig, wenn man entschlossen war. Hermine war schon immer gut in Zaubertränke gewesen. In ihrem zweiten Jahr hatte sie es geschafft, Vielsaft-Trank zu brauen. Ein bisschen Gift herzustellen, war fast tragisch einfach.

Riddle war so ahnungslos. Wer wäre verrückt genug zu versuchen, jemanden in Hogwarts zu vergiften? Selbst wenn, warum sollte diese wahnsinnige Person den unschuldigen und charmanten Schulsprecher zum Ziel machen? Sicherlich gäbe es keinen Grund, das zu tun.

Überhaupt keinen.

Hermine mischte es in sein Getränk. Hieß es nicht, dass, wenn eine Frau sich zum Mord entschied, sie in den meisten Fällen Gift verwenden würde? Nun, wer war Hermine, diese Statistik zu zerstören? In der Großen Halle saß sie an ihrem Platz am Slytherin-Tisch und beobachtete fast hämisch, wie Riddle seine Tasse anhob. Natürlich hatte das kleine Risiko existiert, dass jemand anderes an diesem Abend auf Riddles Platz gesessen hätte, und folglich vergiftet worden wäre. Hermine konnte nicht behaupten, dass sie allzu traurig gewesen wäre, wenn ein anderer Slytherin das Gift getrunken hätte. Also war sie das Risiko eingegangen.

Das Glück war auf ihrer Seite. Wie gewöhnlich saß Riddle wie ein König unter seinen Rittern. Seine Tasse war der Heilige Gral, allerdings brachte er dieses Mal Tod, nicht Leben. Hermine genoss ihr Hühnchen-Sandwich sehr, während sie beobachtete, wie Riddle sein eigenes Schicksal besiegelte. Das Gift würde ihn nicht sofort töten, das wäre eine Torheit gewesen. Ein toter Schulsprecher in der Großen Halle? Oh nein, Hermine hätte seinen Tod nicht so genießen können, wenn er so schnell gewesen wäre.

„Du scheinst heute in so guter Stimmung zu sein", kommentierte Walburga.

Die schwarzhaarige Schönheit sah Hermine mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

„Ja", stimmte Hermine leichthin zu. „Heute ist ein guter Tag."

Walburga nickte und sah durch die verzauberte Decke der Großen Halle zu dem sternenklaren Himmel auf.

„Stimmt", sagte das Mädchen. „Aber fast vorbei."

„Das ist er", willigte Hermine ein, während ihre Augen zurück zu Riddle wanderten, „…fast vorbei."

Das Abendessen war beendet. Hermine stand mühelos von ihrem Platz auf und folgte Riddle aus der Großen Halle, Walburga zurücklassend. Ein kleines Lächeln zog an ihren Mundwinkeln und Hermine konnte es nicht unterdrücken.

„Riddle?" Sie hielt ihn zurück.

Riddle drehte sich um. Ein Grinsen geisterte um seine Lippen, als er sie erkannte.

„Hermine", schnurrte er ihr beinahe entgegen.

„Ich habe mich gefragt", sagte Hermine, alle Schadenfreude aus ihrer Stimme verbannend, „ob du Zeit für mich hättest? Nur einen Moment?"

„Natürlich", erwiderte Riddle in seiner melodischen Stimme. „Wir könnten uns im Gemeinschaftsraum unterhalten."

Hermine schüttelte ihren Kopf. „Nein. Ich fürchte, es ist etwas Privates."

„Ich verstehe."

Ohne es weiter zu hinterfragen, griff er nach Hermines Arm und führte sie den Korridor entlang. Sie stiegen hinab in die Kerker und fanden bald einen verlassenen Raum. Er war stickig, dunkel und klein. Einfach perfekt für Hermines Absichten.

„Also?" Riddle drehte sich zu ihr um. „Wie kann ich dir helfen?"

Er stand noch immer aufrecht und blickte Hermine prüfend mit seinen schönen dunklen Augen an. Sein Gesicht jedoch war eine Spur bleicher als gewöhnlich und Hermine entdeckte eine dünne Schweißschicht auf seiner Stirn. Es brachte ein zufriedenes Grinsen auf ihr Gesicht.

„Warte eine Sekunde", sagte sie und zog ihren Zauberstab.

Ein kleines Winken in Richtung der Tür und Hermine wirkte einen Schweigezauber. Angesichts ihrer Handlungen wölbte Riddle eine elegante Augenbraue.

„Jetzt hast du mich neugierig gemacht."

Hermine lächelte ihn an, sie genoss die Situation voll und ganz.

„Oh, es ist nichts zu Spektakuläres. Ich habe mich bloß gefragt… Die Ritter…", fing sie an, die Stimme angenehm, freundlich. „Was hast du für sie geplant? Schließlich, Tom, sind wir schon in unserem siebten Jahr. Wir werden Hogwarts bald verlassen. Ich bin mir sicher, du hast schon Pläne für danach?"

Riddle lächelte sie gerissen an und trat ein bisschen näher auf sie zu. Er war noch immer beherrscht, kontrolliert, aber Hermine sah sehr genau hin und konnte mehr sehen. Seine Hände zitterten und seine Pupillen waren erweitert. Sein Gesicht war sogar noch bleicher geworden.

„Tatsächlich habe ich Pläne für die Zeit nach der Schule", gab Riddle zu, seine dunkle Stimme schwemmte über Hermine. „Warum, Hermine, bist du etwa interessiert?"

„Du kennst mich, Tom." Hermine zwinkerte ihm neckend zu. „Ich bin immer daran

interessiert, Neues zu lernen."

Ein Lächeln umspielte Riddles Mund, seine Augen glitzerten gierig. Dann sagte er

weich, trotz des kaum wahrnehmbaren Zitterns in seiner Stimme, „Ich hätte dich sehr gerne an Bord. Du bist eine äußerst talentierte und intelligente Hexe." Er schenkte ihr ein verführerisches Lächeln, seine weißen Zähne blitzten. „Und

auch schön."

„Oh, komm schon, Tom. Du bringst mich zum Erröten." Hermine schüttelte ihren Kopf und lächelte nachsichtig. Dann fuhr sie leichthin fort, „Ich habe von den anderen gehört, dass du große Pläne hast. Ich würde wirklich gern daran teilhaben."

Riddle nickte, ein zufriedener Glanz in seinen Augen. Der Moment war zerstört, als er schmerzhaft husten musste, während mehr Schweiß seine Stirn hinablief.

„Wahrhaftig, ich freue mich sehr darauf", gab Hermine zu, krankes Vergnügen brodelte in ihr auf, als sie sein Ringen beobachtete. Sie zog ihre Augenbrauen hoch angesichts Riddles zitternder Gestalt und erkundigte sich unschuldig, „Geht es dir gut?"

„J- ja", antwortete Riddle ziemlich atemlos.

„Gut. Für eine Sekunde war ich besorgt", merkte Hermine leise an. „Schließlich bist du der Anführer der Ritter. Ohne dich sind sie nichts. Wir können es uns nicht leisten, dass unser Anführer krank wird, oder?"

Ihre Worte wurden von nichts als ehrlicher Besorgnis für ihren Freund und Meister

begleitet. Trotzdem trat zum ersten Mal eine Spur von Misstrauen auf Riddles Gesicht. Seine Schultern aufrichtend, sagte er fest,

„Es geht mir gut."

Hermine schenkte ihm ein Lächeln. Sie konnte jetzt seinen ganzen Körper zittern sehen. Er versuchte, es zu verbergen und präsentierte ihr eine starke Maske, aber seine Schwäche sickerte hindurch.

„Kann ich dir eine Frage stellen?", erkundigte sie sich regungslos.

Riddle neigte seinen Kopf, scheinbar außer Atem. Seine schwindende Gesundheit ignorierend, fuhr Hermine leicht fort,

„Ich habe mich immer gefragt, verstehst du. Immerhin waren es tausend Jahre in

Gefangenschaft…" Sie trat näher an Riddle heran und flüsterte, ihre Worte so scharf wie eine Klinge, „Wie hat der Basilisk all diese Jahre dort unten in Slytherins Kammer überlebt."

Wie erwartet, weiteten sich Riddles Augen vor Schreck. Hastig versuchte er, seine

Überraschung hinter einer undurchdringlichen Maske zu verbergen.

„Ich bitte um Verzeihung?", sagte er, aufrichtige Verwirrung mit seinem Ton verflochten.

Hermine kicherte leicht, als hätte er einen Scherz erzählt.

„Der Basilisk, in der Kammer des Schreckens… ?", führte sie unschuldig näher aus, als würde sie über das Wetter diskutieren. „Wie ist er in diesen langen, langen Jahren nicht verhungert?"

Riddle kniff seine Augen zusammen, sein Zorn wachsend. Trotzdem versuchte er, seine Gefühle zu verbergen, aber sie wusste, dass sie da waren. Schon stürmte seine Magie um ihn herum, verärgert von ihrer Erkundigung. Aber da waren Löcher in seiner kraftvollen Magie, Flecken des Zerfalls.

„Ich weiß n-" Riddle musste aufhören, erneut unterbrochen von einem Hustenanfall. „Ich weiß nicht, wovon du redest."

„Da bin ich mir sicher", sagte Hermine, harscher Sarkasmus dehnte ihre Worte. Dann schlug sie überheblich vor, „Nun, wie wäre es, wenn du mir die Wahrheit erzählst?"

Riddle presste seinen Mund zu einer dünnen Linie zusammen. Hermine wusste, dass ihre Fragen ihn beunruhigten, trotzdem hatte er sie noch nicht angegriffen. Und sie wusste, warum. Mittlerweile zitterte Riddle heftig. Als er jetzt näher an Hermine heran trat, offensichtlich mit der Absicht, ihren Arm zu greifen, verlor er sein Gleichgewicht. Hilflos krachte Riddle auf den Boden, unfähig, sein Gewicht noch länger zu tragen.

„Oh je", sagte Hermine, vorgetäuschte Besorgnis in ihrem Tonfall. „Geht es dir gut? Waren es die Lügen, die dich nach unten gezogen haben?"

Riddle starrte sie zornig an, wahrscheinlich wünschte er sich, sie zu erwürgen. Doch Hermine konnte auch den Schmerz in seinen Augen sehen. Man musste ihm zu Gute halten, dass er gut verborgen war, aber sie wusste, wo sie suchen musste. Ein dünnes Lächeln umspielte Hermines Lippen, als sie auf Riddle herab blickte.

„Woher weißt du…?", fragte er, Wut in seiner rauen Stimme. „Wer bist du?"

Hermines Lächeln verwandelte sich in ein böses Grinsen. Es war Zeit, die Lügen aufzugeben. Sowohl Riddles als auch ihre Maske waren gut gespielt gewesen, aber der Vorhang würde bald fallen und die Spieler mussten enttarnt werden. Ihr Tanz ging dem Ende zu.

„Ich würde mich gerne Gerechtigkeit nennen", sagte Hermine, ihre Stimme kalt wie Eis. „Aber ich will einen sterbenden Mann nicht belügen. Also darfst du mich Vergeltung nennen."

Riddle schluckte trocken. Hermine bemerkte, wie sein Atem nun mühsam ging, unfähig, seinen Schmerz noch länger zu verdrängen. Sie genoss den Anblick.

Du hast mir das angetan, oder?", verlangte Riddle zu wissen, seine Augen glitzerten vor Zorn.

Als sie lächelnd ihren Kopf neigte, blaffte er, „Warum?"

Hermine kicherte leise. Da war ein kleiner Tropfen Blut in seinem Mundwinkel, der

langsam seine Haut hinunter floss, bis er von seinem Kinn auf sein makellos weißes Uniformhemd tropfte. Er hinterließ einen hässlichen roten Fleck auf dem weißen Stoff. Es stand Riddle gut, entschied Hermine. Gelassen antwortete sie auf seine Frage,

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass dir einige Gründe einfallen, warum dich jemand umbringen wollen würde. In meinem Fall jedoch", ein böses Grinsen verzog ihre Lippen, „genieße ich es einfach, dich sterben zu sehen."

Eine mörderische Flamme brannte in Riddles Augen. Er war ziemlich einschüchternd, dieser Ausdruck auf seinem Gesicht, sehr stark an den Dunklen Lord erinnernd. Er konnte Hermine jedoch keine Angst machen. Sie wusste, dass er seine Krallen verloren hatte und nie wieder zuschlagen können würde.

„Denk nicht, dass du gewonnen hast", zischte er, Bosheit in seiner Stimme. „Ich werde dich kriegen, Hermine. Du wirst das hier bereuen."

Hermine blinzelte ihn an, sichtbar unbeeindruckt. „Das wäre recht schwierig, oder? Wenn du tot bist?"

Riddles Lippen verzogen sich zu einem hinterhältigen Grinsen, das seine blutverschmierten weißen Zähne offenbarte.

„Ich werde dich töten", versprach er, dunkle Bedrohung in seinen Ton verwoben.

Hermine kicherte einfach. „Oh, das ist lustig. Sehr unterhaltsam", reizte sie ihn. „Du planst, von den Toten zurückzukehren, Riddle? Sag schon, wie willst du dieses Kunststück vollbringen?"

Das dunkle Grinsen verließ Riddles Gesicht nicht. „Du dummes kleines Mädchen",

spottete er grausam. „Jemand wie du wird mich niemals besiegen. Letzten Endes werde ich dich dazu bringen, deine Taten zu bereuen."

Hermine lehnte sich ein bisschen nach vorne und blickte ihm direkt in die Augen. Sie wollte keine der Emotionen, die sich in seinen Augen, auf seinem Gesicht ausbildeten, verpassen. Nicht, wenn sie ihr letztes Geheimnis offenbarte.

„Nichts wird dich retten, Riddle", flüsterte sie sanft, fast verführerisch. „Nicht deine

Macht. Nicht deine Magie. Und sicher nicht deine Horkruxe."

Da war sie. Angst. Oh, wie Hermine sich danach gesehnt hatte, sie zu sehen. Brutale, wilde und schmerzhafte Angst stieg in Riddles dunklen Augen herauf. Er wich sogar leicht vor ihr zurück. Seine gefühllose Maske war vergessen und Schock erschien auf seinem Gesicht.

„Schau nicht so überrascht", sagte Hermine befriedigt. „Ich bin einen weiten, weiten Weg gereist, nur um dich zu töten. Das würde ich nicht vermasseln wollen, oder?"

„D- das ist unmöglich", flüsterte er und sogar seine Stimme war zittrig.

„Unmöglich?", sagte Hermine, grausamer Hohn in ihrem Tonfall. „Für jemanden, ein altes Tagebuch und einen goldenen Ring zu finden? Für jemanden, sie mit Dämonsfeuer zu zerstören? Eine unmögliche Aufgabe? Wirklich?"

Sie hob eine Hand und fuhr mit ihren Fingern sachte durch sein dunkles Haar. Riddle zuckte bei der Berührung zusammen, aber Hermine wich nicht zurück. Abrupt krallten ihre Finger sich in sein Haar und griffen grob eine Handvoll. Sie zwang seinen Kopf zurück und genoss das leise Keuchen vor Schmerz, das von seinen Lippen gerissen wurde. Ein Grinsen auf ihrem Gesicht, sah sie in suchend an. Unverkennbar war die Angst noch immer offensichtlich in seinen dunklen Augen und Blut tropfte langsam von seinen Mundwinkeln, lief sein Kinn hinab. Es war ein sehr befriedigender Anblick.

„Wie fühlt es sich an, Riddle?", spottete sie. „Zu wissen, dass ein Schlammblut geschafft hat, was du für unmöglich gehalten hast?"

Riddles Augen weiteten sich geringfügig vor Überraschung. „Ein Schlammblut…?"

„Natürlich bin ich kein Reinblut." Ein kaltes Kichern fiel von Hermines Lippen, bevor sie weiter ausführte, „Ich bin genau wie du, Riddle. Alles an mir ist eine Lüge."

Für eine Sekunde starrte der Slytherin sie nur an, offensichtlich ratlos. Dann hustete er schmerzerfüllt. Hermine ließ sein Haar los und Riddle sackte auf dem Boden zusammen. Schwach hob er sein Gesicht und sah sie an.

„Du kannst mich nicht töten", flüsterte er, die Stimme kratzend. „Man wird mich vermissen und nach mir suchen. Sie werden herausfinden, dass du es warst."

Ein breites Grinsen teilte Hermines Gesicht. Falsche Höflichkeit umhüllte ihre Stimme, als sie unschuldig sagte, „Sicher wird man bemerken, dass du verschwunden bist, aber dich vermissen? Ich glaube nicht."

Riddles Hand zitterte heftig, als er sie anhob und sich erschöpft übers Gesicht wischte, Blut verschmierend. Hermine ignorierte seinen Schmerz und fuhr fort,

„Niemand wird mich überführen. Ich bin nichts als ein Gespenst. Nach dem hier werde ich verschwinden." Sie lachte grausam. „Ich werde verschwinden und in Freude leben, wissend, dass ich es war, die dich getötet hat."

Tom starrte sie an, die Augen weit. Er schaffte es kaum, sich aufrecht zu halten, halb am Boden zusammengerollt. Hermine beugte sich nach unten und flüsterte in sein Ohr,

„Es ist Zeit zu gehen, Tom."

Er schüttelte seinen Kopf. Dann sah er zu ihr auf, Verzweiflung schwamm in seinen Augen.

„Nein, bitte."

Hermine zog ihre Augenbrauen hoch. Sie sollte wahrscheinlich etwas fühlen. Etwas anderes als Befriedigung. Vielleicht Schuld… oder Mitleid? Aber da war nichts. Und dafür hatte sie Voldemort zu danken. Hermine hatte immer gewusst, dass er ihr alles genommen hatte, aber erst jetzt bemerkte sie, dass von Hermine Granger wahrhaftig nichts mehr geblieben war.

„Es tut mir nicht leid", sagte sie zu Riddle.

Dieses Mal hatte der Spott ihren Ton verlassen. Jetzt war da nur Gleichgültigkeit. Riddle hob eine zittrige Hand und ergriff ihr Handgelenk.

„Bitte", flüsterte er, Schmerz und Angst in seiner zittrigen Stimme.

Hermine blickte auf die Hand, die sie berührte, und runzelte die Stirn. Es war eine Verschwendung, wie sie dies plötzlich nicht mehr genießen konnte. Da war einfach nichts. Die Freude war verschwunden und mit ihr die Befriedigung. Sie ließen nichts zurück als Gleichgültigkeit. Hermine atmete langsam aus. Sie hob ihre Augen und traf Riddles verletzten Blick. Sie starrten einander eine Weile an. Hermine konnte sehen, wie das Leben ihn verließ. Es war kaum noch etwas übrig. Seine Atmung verlangsamte sich und wurde flach.

„Falls es irgendein Trost ist", sagte Hermine, ihre Stimme dumpf und leer, „die Welt wird ohne dich ein besserer Ort sein."

Riddles Augen weiteten sich einen Bruchteil. Ein rasselnder Atemzug verließ ihn und mehr Blut floss aus seinem Mund. Dann flüsterte er, kaum hörbar,

„Du bist-"

Was Riddle dachte, was Hermine war, fand sie nie heraus. Er starb, bevor er seinen letzten Gedanken beenden konnte. Es war ein Rätsel. Eine Frage ohne Antwort. Vor dem Krieg, bevor ihre Welt auseinander gerissen wurde, wäre Hermine von einer unbeantworteten Frage in den Wahnsinn getrieben worden. Sie hätte sich in die Bibliothek gewagt und wäre dort geblieben, bis sie ihre Lösung gefunden hätte. Sie hätte Tausende von Büchern durchgeackert, davon überzeugt, dass eines ihre Antwort hätte.

Jetzt…?

Jetzt stellte sie fest, dass es ihr egal war. Es gab nicht viel, das sie heutzutage noch kümmerte. Auf jeden Fall gab es nichts, das solch vergangene Aufregung hervorbringen konnte, wie Hogwarts Bibliothek einst wachrufen konnte. Kein Buch konnte sie noch Enthusiasmus fühlen lassen. Es gab kein verborgenes Wissen, dass sie entdecken wollte. Riddles letzte Worte bedeuteten ihr nichts. Ihre Neugier, so schien es, war ihr verstorben.

Nein. Nein, es war nicht viel übrig.

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