ORT: Schulsprechergemeinschaftsraum

WOCHE SECHS des 7ten Schuljahres

Ich liebte Quidditch, aber nicht wegen der Gründe über die ihr möglicherweise nachdenkt. Versteht mich nicht falsch, ich genoß die Spiele sehr. Ich liebte es mein Team anzufeuern und mich selbst zum Narren zu machen. Ich interessiere mich nicht wirklich für die professionellen Leaguen, aber wenn die Zeit dazu kommt, bin ich bereit Hausstolz zu zeigen.

Aber nein, ich liebte Quidditch dafür, was es mit James machte.

Es machte ihn so glücklich. Jenseits von dem, was Ich, Sirius, Remus, Lob, Kuchen oder sonst irgendwas tun konnten, machte es ihn wirklich zufrieden. Egal ob es Training oder ein Spiel war, er hatte immer eine federnden Schritt und ein Lächeln auf dem Gesicht bevor und nachdem er aufs Spielfeld ging. Seit wir zusammen in den Schulsprecherräumen lebten war es wichtig für mich zu wissen, wann er am besten drauf war. Und für James war das immer nach Quidditch. Ich vermute, wenn er ein schlechtes Team hätte, sähe die Sache auch nochmal anders aus, aber sein Team hat den Pokal vier Jahre in Folge gewonnen. Er war ein genialer Spieler und ein starker Kapitän und er schien immer selbstsicher vom Training und in Spiele zu gehen.

An diesem speziellen Abend war er beim Quidditchtraining und ich arbeitete an meinem Verwandlungsaufsatz, der viel zu viel Zeit in Anspruch nahm. Es war nicht so, dass ich das Fach nicht verstand. Es war bloß schwer, sich bei der absoluten Stille zu konzentrieren, weil ich mich innerhalb der letzten sechs Jahre an den Lärm um mich herum gewöhnt hatte. Ich hätte in die Bibliothek gehen können, doch der Unterschied wäre nur minimal gewesen. Ich vermute, ich hätte auch in den Gryffindorgemeinschaftsraum gehen können, welcher mit Sicherheit laut gewesen wäre, aber das wäre mehr Aufwand meine gesamten Materialien rüberzutragen, als es wert war. Und so blieb ich an Ort und Stille und ertrug, was die meisten Menschen wohl Frieden nennen würden. Als die Stille dann schließlich über eine Stunde meine Ohren angegriffen hatte, beschloss ich das Radio anzumachen. Es war ein Zaubererradio und ich kannte so gut wie keinen der Songs, aber der Lärm war es wert. Ich summte gerade zu einem unbekannten Text, als ich die Tür hinter mir zufallen hörte. Ich drehte mich um und sah James stand da mit einem breiten Lächeln, dem Besen in der Hand und seinem unglaublichen, verschwitzten Selbst.

„ Hi James!", ich lächelte, als er zu mir kam. „ Wie war das Training?"

„Gut. Wie war dein Abend?" ich schenkte ihm einen verwunderten Blick, als er dich in den Sessel fallen ließ.

„ Er war in Ordnung. Seit wann ist Quidditch jemals nur `gut' gewesen? Normalerweise ist eine zwanzigminütige Ansprache über Chancen und Aussichten und so etwas…"

„ Ah, ich wurde kürzlich darüber informiert, dass Mädchen sich nicht im Geringsten dafür interessieren, was mein Qidditchteam versucht hat zu trainieren. Ich werde es dir ersparen."

Haley. Natürlich. Nur sie konnte etwas, was James mit ganzer Leidenschaft liebte, falsch machen. Nur sie würde ihm nicht erlauben über seine Interessen zu sprechen.

„ James, ehrlich, du kannst darüber sprechen."

„ Ich möchte dich nicht langweilen."

„James. Erzähl mir von deinem Training."

„ Du bist nur nett. Es ist wirklich nicht wichtig." Ich verdrehte meine Augen.

„ James, ich möchte es wissen. Es ist wichtig für dich und deshalb ist es auch wichtig für mich. Los. Erzähl.", er lächelte.

„Danke, Lily." Dann fuhr er mit einer detaillierten Spielbeschreibung des Trainings fort und endete mit der theoretischen Bedeutung für das nächste Spiel und ihren Chancen für die gesamte Saison. Ich interessierte mich nicht so sehr dafür, was er sagte, sondern mehr dafür, wie froh er war, es sagen zu können. Wie kann sie es nicht mögen, ihn so begeistert zu sehen.

„ Egal", sagte er, nachdem er geendet hatte, „Was hast Du noch gemacht?"

„Ich habe nur den Aufsatz für McGonnagal geschrieben und Radio gehört. Nicht aufregendes, das versichere ich dir."

„ Möchtest Du, dass ich über den Aufsatz mal drübersehe?"

„Ja, BITTE:", sagte ich enthusiastisch. James war in Verwandlung brilliant und aufreizend gut in Aufsätzen. Er hatte einen Weg, bei dem er praktisch nicht wirklich irgendetwas sagte und es trotzdem so klang, wie ein zweihundert alter Gelehrter. Er erhob sich aus seinem Sessel und kam an den Tisch, an dem ich saß. Als er sich über mich lehnte, konnte ich den Schweiß und Dreck, der von ihm ausging riechen. Ich war nicht sicher, wann es aufgehört hat eklig und angefangen hat extrem attraktiv zu sein, aber ich versucht es trotzdem zu ignorieren. Hormone würden mir nicht gut, tun, wenn er sowieso schon besorgt war.

„Lily, Du musst nochmal von Vorn anfangen.", sagte er ernst. Ich habe die letzten paar Minuten in meinen Gedanken versunken verbracht und nicht bemerkt, wie er meinen Aufsatz mit einem leichten Stirnrunzeln gelesen hatte. Ich schaute schnell auf, ein bisschen rasend bei dem Gedanken meine ganze Arbeit noch einmal zu überarbeiten.

„Was? Bitte nicht.", sagt ich und schaute ihm ins Gesicht. Während sein Gesicht nichts verriet, war da ein Funkeln in seinen Augen. Ich verdrehte meine Augen und boxte ihm in die Schulter. Er lachte.

„ Idiot. Du hast mich traurig gemacht. Ich hab daran Stunden lang gesessen."

Entschuldige, ich konnte nicht wiederstehen. Er ist sogar ziemlich gut. Du brauchst wirklich nur noch eine Zusammenfassung, die ich gerne für dich schreiben würde und danach in deine Handschrift verwandle."

„Das würdest Du tun?"

„ Du hast mir dreißig Minuten lang über Quidditch zugehört. Ich würde alles für dich tun." Ich ignorierte die Schmetterling in meinem Bauch und versuchte so normal wie möglich zu antworten.

„Als Schulsprecher sollten wir wirklich nicht betrügen, das weißt du."

„ Möchtest Du die Hilfe nicht?"

„ Habe ich das gesagt?", er lachte, bevor er mir die Feder aus der Hand nahm. Er zog sich einen Stuhl an den Tisch, nahm das Pergament zu sich herüber und begann seine Arbeit. Für ein paar Minuten war es absolut still, bis auf das Kratzen der Feder und die leise Hintergrundmusik des Radios. Ich nahm mir die Zeit, ihm beim Schreiben zuzusehen. Ich war immer fasziniert davon, wie gut er schreiben konnte. Für jemanden, der seine Zeit im Unterricht meistens verschwendete, würde man annehmen, dass er ein außergewöhnlich schlechter Erklärer sein müsste. Aber irgendwie schaffte er es, nicht nur außergewöhnlich gut auszusehen und athletische Fähigkeiten zu besitzen, sondern auch noch mit einem Gehirn gesegnet zu sein, dass den anderen beiden Eigenschaften nicht nachstand. Wo war das im Vergleich zum Rest der Bevölkerung fair?

Plötzlich schaute er zu mir auf und ich dachte einen verflixten Moment lang, er hätte meine Gedanken erraten. Stattdessen sagte er: „ Magst Du die Band?"

Für eine Sekunde versteinert, ordnete ich meine Gedanken schnell bevor ich antwortete. Ich hörte dem Song eine Sekunde lang zu und realisierte, dass ich ihn noch nie zuvor gehört hatte.

„ Ich habe keine Ahnung. Ich habe ihn nie zuvor gehört."

„Ok, was denkst Du von dem Song?", ich hörte für weitere Sekunden zu bevor ich antwortete.

„ Ich mag ihn sehr. Warum?"

„ Das ist meine Lieblingsband."

„ Wirklich? Sie sind großartig. Hast Du sie jemals live gesehen?"

„Nein, ich hatte es vor, aber Sirius brauchte mich an dem Tag, also hab ich es gekenzelt.", er arbeitete weiter und ich fühlte eine Welle an Zuneigung für ihn.

„ Ich bin sicher, Du kannst sie noch einmal sehen. Sie müssen ziemlich berühmt sein.", ich begann den Takt auf dem Tisch mitzuklopfen, was die Tinte überall hinspritzen ließ. Ich ignorierte es, ich konnte es ja später säubern. James lächelte mich an.

„ Ich bin froh, dass Du sie magst. Haley hasst sie. Sie sagt, sie seien zu laut. ", ich schnaubte und er schaute zu mir.

„ Ernsthaft, es ist ja nicht so, dass sie schreien oder so etwas. Was mag sie denn? Liebesballaden?"

„ja, ich frage mich manchmal wirklich, warum wir zusammen sind.", scherzte er. Nach außen hin lachte ich mit ihm. In mir fragte ich leise die gleiche Frage.