A/N: So, hier ist das nächste Kapitel.

Ort: Lilys Schlafzimmer

GLEICHER TAG, drei Uhr morgens

Um ungefähr drei Uhr morgens wachte ich seltsamerweise auf. Mein Gehirn war geschafft und reagierte langsam, aber irgendwie merkte es nach geraumer Zeit, dass jemand an meine Tür klopfte. Mein Verstand wurde schlagartig wach. Ich verließ mein Bett, um die Tür zu öffnen und war nicht überrascht James davor stehen zu sehen. Er sah müde aus und das nicht nur körperlich.

„ Hi Lily. Es tut mir wirklich leid, dich zu stören, aber ich … Können wir reden?", er klang geschafft.

„ Natürlich können wir reden. Entschuldige Dich nicht dafür. Dafür bin ich doch da.", ich bedeutete ihm, in meinen Raum zu kommen. Er setzte sich auf mein Bett und lehnte seinen Kopf gegen meine Kopfseite. Ich folgte ihm und setzte mich auf die gegenüberliegende Seite. Ich entschied mich, nichts zu sagen bis er die Stille durchbrach. Ich vermutete, dass er ein eigenes Gesprächsthema im Sinn hatte und lag richtig.

„ Du hattest schon Beziehungen.", das war nicht wirklich eine Frage.

„Ja, ein paar."

„ Habt ihr euch jemals gestritten?", ich sah, wo das ganze hinführen sollte.

„ Nicht viel. Irgendwie hab ich in einer Art und Weise mit Eric, aber nach unserem ersten wirklichen Streit waren wir auch schon wieder so gut wie auseinander. Keiner meiner Freunde und ich … stritten wirklich, solange wir zusammen waren, vermute ich."

„oh.", er war still, bevor er schließlich seinen Kopf umdrehte, um mich anzusehen. „ Dadurch fühle ich mich nicht wirklich besser."

„ Es tut mir Leid, James.", sagte ich ruhig. Ich wollte ihm sagen, dass er besser als sie war. Ich wollte ihn wissen lassen, dass er mehr verdiente. Aber ich wusste, dass ich entweder wie eine Schlampe erscheinen würde oder er würde vermuten, dass ich andere Motive hätte (, die ich vermutlich auch hatte). Also sagte ich nichts.

„ Du musst dich nicht entschuldigen. Es ist nicht deine Schuld, Lily. Es ist ihre. Oder meine. Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr." Er tat mir so unendlich leid, aber ich wusste nicht, was ich tun sollte. Schließlich entschied ich mich dafür, seine Hand zu halten. Er lächelte über unsere ineinander verschlungenen Hände, aber das war leider nur von kurzer Dauer. „ Sie war heute nicht wirklich bei sich, so zu sagen." Ich sah von unseren Händen rauf in sein müdes Gesicht, überrascht, dass er von ihr sprach. Er hat noch nie mit mir über Haley gesprochen, nie. „ Sie schien heute abgelenkt oder so etwas. Es war ein teures Essen und ich wollte, dass sie glücklich ist. Ich war mir sicher, dass sie genervt war, also verließ ich sie für ein paar Minuten, um den Chefkoch zu fragen, ob er ihr Lieblingsdessert machen könnte. Als ich zurück zu unserem Tisch kam, saß Michael aus Hufflepuff (Du weißt schon, der, der letztes Jahr seinen Abschluss gemacht hat) auf meinem Platz. Sie sah sehr viel entzückter mit ihm aus als sie das mit mir getan hat. Ich beobachtete sie für eine Sekunde, hauptsächlich, weil ich sehen wollte, was los war. Ich brauchte nicht lang, um zu erkennen, dass sie mit ihm flirtete. Ich wurde wütend, ging und ließ ihn den Tisch verlassen und an diesem Punkt wurde Haley richtig schlecht gelaunt. Ich vermute, dass ich das nicht hätte tun sollen." Er sah auf meine Bettdecke, als ob er sich schämte. Es machte mich wütender als es schien, also fuhr ich fort, meinen Mund zu halten. „Naja, sie startete mir eine Szene zu machen. Sie begann mich anzuschreien, dass ich sie mit Dir betrügen würde und das ich mich nicht beschweren solle, wenn sie nur mit einem anderen Typ spricht. Ich wurde verständlicherweise traurig und gab ihr zu verstehen, dass es nie etwas Romantisches zwischen uns gab noch geben wird." Ich versuchte diskret meine nun nassen Augen vor ihm zu verstecken. Ich wies mich selbst dazu an, ihm zuzuhören und nicht meinem schmerzendem Selbst und Herzen, denn das war seine Zeit. Er verdiente sich das von mir. „ Dann wurde es hässlich. Sie begann uns beide, dich und mich, mit einer Menge gemeiner Namen zu belegen. Ich konnte sie damit nicht davon kommen lassen, also verteidigte ich dich und mich natürlich. An diesem Punkt stürmte sie aus dem Restaurant. Ich weiß nicht, wo sie hin ist." Ich nahm einen tiefen Atemzug, machte mich fertig, normalisierte mein Gesicht und sah zu ihm auf. Er sah so traurig und müde aus. Ich wünschte, ich könnte irgendetwas tun, damit es ihm weniger wehtat. Aber ich war machtlos.

„ Nun, danke, dass Du mich verteidigt hast.", es war das lahmste, dass ich möglicherweise je gesagt habe, aber es schien auch das sicherste zu sein.

„ Natürlich. Ich hätte doch nichts anderes tun können.", wären meine Hoffnungen nicht eine Minute früher zu Pulver verarbeitet wurden, hätte mich das extrem aufgeregt.

„ Möchtest Du, dass ich mit ihr spreche? Du weißt schon, um zu erklären, das zwischen uns nichts läuft?" Das war so circa das Letzte, was ich je tun wollen würde, aber er verdiente es. Und wenn ich ehrlich war, war zwischen uns nichts. Er hatte klipp und klar gesagt, das unsere Beziehung eindeutig platonisch war und das auch bleiben würde.

„ Nein, nein. Das musst Du nicht tun. Du musst überhaupt nichts tun. Ich wollte bloß mit jemandem sprechen, der mir nicht nur Ratschläge geben möchte."

„ Ich nehme an, dass Du vorher mit den anderen Rumtreibern gesprochen hast?"

„ Ja, da war ich bevor ich hierher kam. Sie haben alle versucht, mich zu überreden, sie zu verlassen. Ich wollte ihre Ratschläge nicht, ich wollte nur, dass sie mir zuhörten."

„ Ich verstehe.", sagte ich, stimmte aber im Stillen mit den Jungs komplett überein."

„ Nun ja, es tut mir leid, Dich geweckt zu haben."

„ Entschuldige Dich nicht. Ich bin immer da, wenn Du jemanden zum Reden brauchst.", er lächelte mit zu und nahm einen tiefen Atemzug.

„ Fühlst Du Dich je machtlos, wenn das einzige, was Du möchtest, ist, Dich machtvoll zu fühlen?", fragte er, seine Stimme etwas wacklig. Ich ging zu meinem Bett und legte mich neben ihn, statt ihm ins Gesicht zu sehen. Ich sah auf meine Füße als ich ihm antwortete und fühlte mich verletzlicher als die Situation es vorgab.

„ Immer." Wir begannen über den Schulabschluss und unsere Ängste in eine Erwachsenenwelt in Mitten eines Krieges einzutreten, zu sprechen. Er erzählte mir alles, was ich schon vermutet hatte- das er kämpfen wollte und bereit, aber auch erschreckt war, sein Leben dafür zu lassen. Wir redeten über den Tod und ich fühlte mich lebendiger als ich mich wochenlang gefühlt hatte. Er ließ mich, mich ganz fühlen und nicht alleine. Unser Gespräch endete nicht bevor die ersten Strahlen des Sonnenaufgangs sich langsam durch mein Fenster schlichen.

„ James, vielleicht solltest Du gehen und versuchen noch ein wenig zu schlafen."

„ Es ist ein Sonntag. Keine Schule, also nicht nötig. Wir können weiter reden.", antwortete er, seine Stimme geschlagen und seine Wörter vor Anstrengung halb verschluckt.

„ Genau. Es ist keine Schule, also kannst Du ausschlafen und vielleicht sogar den Tag genießen. Aber wir sollten jetzt wirklich ins Bett gehen."

„ Vielleicht hast Du Recht.", murmelte er. Ich gab ihm ein paar Sekunden, aber er blieb weiter mit geschlossenen Augen unbewegt auf meinem Bett liegen.

„ James, Du bewegst Dich nicht.", das leise Lachen, das von ihm kam, war das einzige Zeichen von Bewusstsein.

„ Kann ich nicht einfach hierbleiben" Ich möchte mich nicht bewegen. So müde.", sagte James leise. Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Ich sah auf ihn und er sah absolut außerhalb von sich selbst aus. Seine Augen waren geschlossen und er lag total ausgestreckt auf meinem Bett. Es war ja nicht so, als würde etwas passieren, wenn wir im selben Bett liegen würden. Wir würden beide nur schlafen. Oder ich könnte immer noch auf der Couch schlafen, wenn ich wollte.

„ Lily, hast Du mich gehört?", sagte James, immer noch mit geschlossen Augen

„ Yeah James.", ich war versucht, Ja zu sagen, aber Grenzen waren Grenzen, egal zu welcher Tageszeit. Die Leute könnten auf falsche Ideen kommen und es war nicht weise, meine Selbstkontrolle überzustrapazieren, selbst wenn ich kurz vor einem Kollaps stand. „ Ich denke, Du solltest besser gehen." Mit ein bisschen Drängen, bekam ich ihn schließlich von meinem in sein Bett, wo er sofort komplett angezogen auf seiner Bettdecke einschlief. Ich lächelte etwas, als ich das Licht in seinem Zimmer löschte. Vielleicht würde ich ihn nie so lieben können, wie ich es wollte, aber er kam in der Mitte der Nacht zu mir. Das musste etwas zählen.

Review?